Bundesliga"Hoffenheim verstößt klar gegen die 50+1-Regel"

Der Jurist Alexander Steinforth warnt den deutschen Fußball am Beispiel Hoffenheim vor zu viel Einfluss von Geldgebern und fordert, dass die 50+1-Regel für alle gilt. von 

ZEIT ONLINE : Hält sich die TSG Hoffenheim an die 50+1-Regel?

Alexander Steinforth : Nein, sie verstößt klar dagegen. Hinter dem Verein steht bekanntermaßen eine Person: Dietmar Hopp . Er hat die TSG mit seinem Geld großgemacht und gleicht seit Jahren die Verluste alleine aus. Seit Beginn seines Engagements hat er laut eigener Aussage mehr als 240 Millionen Euro in den Verein gesteckt.

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ZEIT ONLINE : Aber Hopp hat ein beschränktes Stimmrecht im Verein, außerdem keine operative Funktion.

Steinforth : Schaut man sich die Entscheidungen der vergangenen Jahre an, wird klar, dass Hopp das Sagen hat: die Trainerentlassungen Rangnick und Stanislawski, die Transfers Eduardo und Gustavo – alles Alleingänge Hopps. In der Wirtschaft gilt: Wer anschafft, bestimmt. Dieses Gesetz wird in Hoffenheim nicht außer Kraft gesetzt. Der Verein ist er.

ZEIT ONLINE : Formal hält er sich an die Vorschriften, sagt die Liga.

Alexander Steinforth
Alexander Steinforth

Alexander Steinforth, 27, hat Rechtswissenschaften in Oxford, Münster und Cambridge studiert. In seiner Master-Arbeit hat er sich mit den juristischen und wirtschaftlichen Dimensionen der 50+1-Regel auseinandergesetzt. Er arbeitet heute als Unternehmensberater.

Steinforth : Alleine diese Interpretation ist sehr fraglich. Die Rechtsform der TSG ist allenfalls auf den ersten Blick konform mit den Statuten. Hinter der Fassade wird klar, dass Hopp die 50+1-Regel aushöhlt. An der komplizierten Kapitalstruktur kann man ablesen, dass der Verein von Hopp abhängt. Diese Meinung teilen fast alle Juristen und Wirtschaftswissenschaftler, die sich mit dieser Frage befassen. Dem Sinn und Zweck der Regel widerspricht er ohnehin.

ZEIT ONLINE : Mancher mag einwänden, man könne doch froh sein, dass Hopp privates Geld in den Fußball stecke. Dann brauche es keine Subventionen oder Fernsehgebühren.

Steinforth : Grundsätzlich halte ich Herrn Hopp für einen integeren Menschen und kann ihm keine unlauteren Motive unterstellen. Aber die 50+1-Regel ist wichtig für den Fußballfan, weil sie den Einfluss von Geldgebern beschränken will. Man stelle sich vor, der Adidas-Chef würde die Anteilseignerstellung seines Unternehmens offensiver nutzen und sich bei Bayern München öffentlich in sportliche Fragen einmischen.

© ZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE : Hoffenheim umgeht die Regel, für Leverkusen und Wolfsburg gelten Ausnahmen. Was nutzt ein Paragraph, wenn er nicht für alle gilt?

Steinforth : In der Tat ist das ein Problem. Die Idee der Regel ist gut. Die Umsetzung ist es nicht.

ZEIT ONLINE : Was kann man ändern?

Steinforth : Hierzu gibt es kein Patentrezept. Aber DFL und DFB sollten unmittelbar zwei Sachen tun: erstens nicht nur Stimm-, sondern auch Anteilsmehrheiten begrenzen. Zweitens alle Ausnahmen abschaffen.

ZEIT ONLINE : Das hätte einen Aufschrei in Leverkusen und Wolfsburg zur Folge.

Steinforth : Da muss man natürlich über Übergangsfristen nachdenken. Doch die Bundesliga muss auf fairen Wettbewerb achten, ich sehe die Chancengleichheit in Gefahr. Der VfL Wolfsburg ist doch nicht so viel wert wie Bayern München, erzielt aber nahezu so viel Einnahmen durch den Hauptsponsor Volkswagen , nämlich zwanzig Millionen Euro im Jahr.

ZEIT ONLINE : Der Fall Hoffenheim wird deswegen wieder aktuell, weil in München ein Scheich investiert und mitredet und sich RB Leipzig anschickt, in den Profifußball aufzusteigen. Für viele in der Bundesliga eine irritierende Vorstellung.

Steinforth : Zu Recht. Der Fall Leipzig berührt die Fragen: Welchen Fußball wollen wir? Und kann man Profisport aus dem Boden stampfen? Beispiele aus anderen Sportarten, etwa die Maddogs München (Eishockey) oder die Düsseldorf Magics (Basketball), sprechen dagegen. Man muss nicht das Hohelied von den Traditionsvereinen singen. Aber RB Leipzig ist ein reines Marketing-Konstrukt, dahinter steckt das Prinzip "Return on Investment". Hier wird Fußball instrumentalisiert. Ohne Red Bull wäre dieser Verein eine leere Hülle.

ZEIT ONLINE : Ohne Red Bull keine Bundesliga im Osten. Das ist doch eine innovative Idee, sagen manche Fans.

Steinforth : Änderung ist gut, aber nicht um jeden Preis. England liefert warnende Beispiele dafür, was passieren kann, wenn Externe alles bestimmen. Der deutsche Fußball sollte auf der Hut sein.

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Leserkommentare
  1. wird eben nicht aufhören, alle Bereiche der Lebenswelt zu kolonisieren, sei es die Politik, die Kunst oder der Sport. Da helfen nur klare Regelungen, die ihm Einhalt gebieten.

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  2. Wenn in anderen Ländern auf der Welt Erneuerungen diskutiert werden, greift in Deutschland sofort die Angst um.

    Angst, Angst, Angst

    statt

    Chance, Chance, Chance

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    Da sind einige Leute fix dabei, den Fußballsport kaputt zu machen, was bisher im Ausland passiert. H. Hopp halte ich auch für integer, aber Kind - Präsident von hannover 96 - der ausländische Investoren hereinholen will, eher nicht. Die Milliardiäre aus Russland sollen sich andere Spielzeuge kaufen, aber den Fußball in Deutschland in Ruhe lassen.

  3. Die einzige Chance die jeweilige Konstellation zu ändern ist, sich materiell zu beteiligen, um dann mitreden zu dürfen. Einen Investor deckeln, dürfte wenig bringen, es gibt ja immer auch andere Investments.

    Und dann war da noch der Irrtum der Anwälte, dass die Welt ihren Interpretation/Vorgaben zu folgen habe.
    Mir z.B. ist es egal, wer den Fussball bezahlt, mich interessiert ein schönes Spiel, egal wer welchen Verein regiert oder ob da einer mit viel Geld ein Hobby pflegt.
    Wer es anders sieht, der soll halt zu seinem Traditionsverein gehen, das ist es doch bestimmt eh besser, weil Geld ja angeblich sowieso keine Tore schießt.

  4. Diese Woche ist doch die "Verbessern Sie Ihr Schreiben"-Beilage in der Zeit. Kann man wirklich "einwänden" schreiben? Sieht komisch aus, auf der anderen Seite heißt es doch auch "Einwand".....

  5. Wenn man die heutigen Spielerhonorare sieht ist es egal woher Sie kommen.
    Hauptsache es gibt schönen Fußball.
    Ich denke eher der DFB möchte nur seine Macht nicht teilen
    denn dort wimmelt es auch von Geldgebern

  6. Da sind einige Leute fix dabei, den Fußballsport kaputt zu machen, was bisher im Ausland passiert. H. Hopp halte ich auch für integer, aber Kind - Präsident von hannover 96 - der ausländische Investoren hereinholen will, eher nicht. Die Milliardiäre aus Russland sollen sich andere Spielzeuge kaufen, aber den Fußball in Deutschland in Ruhe lassen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Die german Angst"
  7. Im Gegenteil...wenn ich mir die ausländischen Ligen anschaue, sind sie eher durch schwerreiche Investoren kaputtgekauft worden. Welches Land hat denn Fussballligen, die mit denen von Deutschland vergleichbar sind?

    Überall dominieren ein paar schwerreiche Vereine und es ist auf Jahre hinaus klar, wer die Meisterschaft gewinnt. Deutschland ist auch auf dem Weg in dieses System. Franchise ist der nächste Schritt (wie in England bereits geplant).

    Aber was kümmert uns schon der Sport und die Fankultur, wenn doch das Geld die Welt regiert...

    Viele Grüße, schlicktown_patrick, Pauli-Fan und stolz darauf in der zweiten Liga zu sein!!!

  8. Ist das der Alexander Steinfort, der durch das misslungene Nachmachen der "Million-Dollar-Homepage" bekannt geworden ist?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dietmar Hopp | Bundesliga | DFB | Fußball | Volkswagen | TSG 1899 Hoffenheim
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