Michael Jordan: Manager des schlechtesten NBA-Teams aller Zeiten © Mike Zarrilli / getty images

Vor fünfzehn Jahren, als Michael Jordan ein Weltstar war, lief ein Werbespot für Limonade im Fernsehen rauf und runter. In dem duellierte Jordan sich in verschiedenen Sportarten mit der US-Fußballerin Mia Hamm. "Anything you can do, I can do better!" hieß der passende Begleitsong. Im Werbespot wurde Jordan besiegt, im echten Leben hingegen schien der Basketballer unschlagbar zu sein, mehr noch: unfehlbar. Eine US-Collegemeisterschaft, zwei Mal Olympia-Gold, fünf NBA-Titel und zehn Pokale für den besten Punktesammler der Liga hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits gesammelt, obwohl er zwischenzeitlich vor Langeweile schon zurückgetreten war.

Jordan hatte als Spieler das dominanteste NBA-Team aller Zeiten angeführt. 87,8 Prozent ihrer Spiele gewannen seine Chicago Bulls 1996. Heute führt er als Eigentümer das schlechteste NBA-Team aller Zeiten – Siegquote: 10,6 Prozent. In der Nacht zu Freitag verloren die Charlotte Bobcats auch das letzte Spiel dieser Saison. Mit 20 Punkten Unterschied gingen sie gegen die New York Knicks unter, obwohl die ihre besten Spieler für die Playoffs schonten. Jordans Bilanz: 59 Niederlagen, 7 Siege.

Hauptverantwortlich für das Desaster ist Jordan. Er ist der beste Beweis dafür, dass gute Spieler nicht zwangsläufig gute Manager sind. Häufig ist eher das Gegenteil der Fall. Jordan beweist eine geradezu einzigartige Beratungsresistenz. Mal fällt er durch aktionistische Spielertransfers auf, mal durch Apathie. Statt einer Linie hat er ein Bauchgefühl. Ein Michael Jordan hört auf seinen Instinkt, so war es und so wird es immer sein.

Im Laufe der Saison wurde seine Arbeit immer häufiger kritisiert. Jordan schwieg. Wochenlang, monatelang. Er, die erste globale Medienfigur überhaupt, fühlte sich angefeindet von den Journalisten. "Ich habe mich damit abgefunden, dass ich härter kritisiert werde als andere Teambesitzer", sagte der 49-Jährige mit einer Selbstgerechtigkeit, die seine Verletzung übertünchen sollte. Selbstreflektion ist seine Sache nicht.

Am 1. April gab er eine knappe Presseerklärung ab. Er dementierte das Gerücht, sein Team verkaufen zu wollen. Bei Facebook gefiel dieser Eintrag auf der Team-Website zwei Fans. Viele andere hofften auf einen Aprilscherz. Sie wollen, dass Jordan nur noch repräsentiert, dass er seinen Namen, sein Gesicht, seine Strahlkraft für Promotion-Zwecke nutzt – und das Sportliche kompetenteren Managern überlässt. Doch das lässt sein Stolz nicht zu. "Ich bin zu 100 Prozent dazu entschlossen, das Team zu einem Titelanwärter zu machen", ließ Jordan mitteilen. Gegen dieses Selbstbewusstsein kommt die Realität nicht an.

Sports Illustrated -Kolumnist Michael Rosenberg schreibt, er müsse dem Drang widerstehen, Jordan zu rütteln und ihn zu fragen "Was zur Hölle ist mit Dir passiert?" Der Spieler Michael Jordan war den heutigen Superstars überlegen, ist sich der Journalist sicher: "Du hattest das Talent von LeBron James, aber zehn Mal so viel Selbstvertrauen." Doch genau das ist das Problem: Jordan hat keinen Zweifel daran, dass er es allen zeigen wird, genau wie damals auf dem Feld. Dabei spricht alles dafür, dass er sich irrt.