FußballMichael Preetz, der Weitermacher

Kontinuität, Konstanz – das waren seine Ziele. Doch dann verschleißt Manager Michael Preetz fünf Trainer in drei Jahren, und Hertha BSC stürzt in den Tabellenkeller.

Hertha-Manager Michael Preetz auf dem Fußballfeld in Mönchengladbach

Hertha-Manager Michael Preetz auf dem Fußballfeld in Mönchengladbach

Plötzlich hört er auf zu reden. Zwei Stunden lang hat er in diesem Gespräch Erklärungen gesucht, Durchhalteparolen formuliert, Hände zur Faust geballt. Immer wieder hat er eindringlich darum gebeten, nur nicht zu früh einen Schlussstrich zu ziehen. Und stets hat sein 1,92 Meter in die Höhe gewachsener, auffällig dünner Körper eine Spannung gehalten, die er brauchte, als er selbst noch als Fußballprofi auf dem Platz stand. Dann zeichnet Michael Preetz, Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC und verantwortlich für das Bundesliga-Team, einen Satz in die Luft, am Ende stehe in der Schlagzeile: Michael Preetz, drei Jahre Manager, zwei Abstiege.

Sein Job steht auf dem Spiel, wenn Hertha BSC am Samstagnachmittag, gegen 17.15 Uhr, einen Spieltag vor Ende der Saison, als Absteiger feststehen sollte. Nicht nur das Team, auch er, verdienstvoller Stürmer, mit 93 Treffern der beste Torjäger, den Hertha in seiner 120-jährigen Vereinsgeschichte hatte, geliebt von den Fans, hätte versagt. Fünf Trainer in drei Jahren Amtszeit! Dabei wollte Preetz als oberstes Ziel Kontinuität und Konstanz. Vor allem wollte er 2009, als er den als zu mächtig geltenden Manager Dieter Hoeneß ablöste, seriöser und sympathischer sein.

Anzeige

Und nun wieder Zweite Liga? Gerade ist man dafür gefeiert worden, dass er und der Klub den Wiederaufstieg geschafft hatten, nachdem Hertha schon in Preetz’ erster Saison als Hauptverantwortlicher abgestiegen war. In dieser vielleicht schon entscheidenden Woche kann Michael Preetz nun nichts mehr tun, die Mannschaft hat sich vor dem Spiel auf Schalke zurückgezogen – ins Trainingslager nach Castrop-Rauxel.

Ich werde dafür kämpfen, hier weiterzumachen.

Hertha-Manager Michael Preetz

Wenn man in Westend, U-Bahnstation Olympiastadion, durch ein Waldstück hinaufläuft zur Geschäftsstelle des Klubs, verrät nichts die Angespanntheit der Lage. Grüner Stacheldrahtzaun schützt Herthas Gelände. Allein der Standort, am Rande der Stadt, sagt ein bisschen etwas aus über diesen Klub. Preetz wollte diesen Eindruck von Distanz immer ändern und Hertha BSC erlebbarer machen. Das ist ihm zunächst auch gelungen. Hertha hatte sich aufgemacht in die Stadt hinein, hat Trainingseinheiten in den Kiezen absolviert. Preetz erzählt von diesen Tagen wie von schönen Geburtstagsfesten. Aber das interessiert jetzt keinen. Bald könnte es vorbei sein, und er trägt auch Schuld. Aber er sagt: "Ich werde dafür kämpfen, hier weiterzumachen."

Die ganze Situation hat ihn so sehr angefasst, dass Reflexion über das eigene Tun kaum möglich scheint. Sein Zuhause ist für ihn längst kein Fluchtort mehr, er bringt die schweren Gedanken wie ungebetene Gäste heim. Sie bahnen sich ihren Weg vorbei an Fragen über Schuld und Schicksal, über die er manchmal ruhelos grübelt. Irgendwo dazwischen steckt sein Anteil am drohenden Niedergang. Es wäre der sechste Abstieg seit Gründung der Bundesliga, aber schlimmer wäre der Imageschaden. Man wäre wieder das, was man in den traurigen Tagen der achtziger und weite Strecken der neunziger Jahre war: eine Fahrstuhlmannschaft, angesiedelt zwischen erster, zweiter und manchmal auch dritter Klasse. Die Hertha von einst war instabil und chaotisch. Ein Klub, den nur wenige mochten.

Wer über Preetz' Gefühlswelt Auskunft haben will, muss ihn nicht fragen. Es reicht, ihm zuzuschauen. Man sieht, dass dieser Mann Hertha lebt, der gebürtige Düsseldorfer hängt am Klub wie an der eigenen Familie. Seit 1996 ist er da. Er sitzt mit auf der Ersatzbank, neben dem Trainerteam. Wenn die Angreifer mal wieder das Tor verfehlen, wackelt der ehemalige Mittelstürmer auf seinem Platz wie ein Boot im Sturm und meckert verzweifelt vor sich hin.

Leserkommentare
  1. Merkel tritt nicht zurück, die FDP tritt nicht zurück, warum sollte Michael Preetz zurücktreten. Spieler und Trainer gibt es wie Sand am Meer. Man kann immer neue kaufen.

  2. Die Situation in Berlin ist hart,
    aber,
    Preetz ist Hertha.

  3. deshalb ist es mir auch egal wenn sie absteigen. Ich habe aber einen Bekannten, der Herthafan ist und wir waren uns beide einig, dass bei einem Abstieg m8indestens eine Konsequenz unabdingbar ist: Preetz muss weg!

    Schon erstaunlich, dass der Sportdirektor das anders sieht.

    Er hat m. E. den Hauptanteil der Verantwortung zu übernehmen!

    Neben den Spielern natürlich, die aber offensichtlich keinen Bezug zu ihrem Arbeitgeber finden. Und auch das sollte man dem sportlichen Leiter ankreiden.

  4. Zur Winterpause war die Hertha auf einem gesicherten Mittlefeldplatz.
    Als Babbel dem Vorstand mitteilte, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen, ein halbes Jahr vor Saisonende und genug Zeit, sich um einen neuen zu kümmern, hat der gekränkte Preetz Babbel sofort entlassen und so den Abstieg gestartet.

    Eine Leserempfehlung
    • Dakra
    • 28.04.2012 um 21:00 Uhr

    verfuegen. Und ich bezweifle, dass Preetz sie momentan hat. Das Gute daran, so etwas kann man lernen...

  5. 6. na ja

    wenn die hertha als saisonziel den abstieg hatte, dann hat der sportdirektor gute arbeit geleistet, wenn nicht, dann schlechte.

    insofern ist egal ob hertha mit blauem auge oben bleibt oder runter geht, die situation dürfte nicht gewollt gewesen sein, schlechte arbeit von preetz.
    und die muss konsequenzen haben ... will man das leistungsprinzip auch ausserhalb des platzes gelten lassen.

  6. Es wären ein paar neue Spieler wichtig gewesen,wenigsten hätte man einen Guten ausleihen sollen.Ein erfahrener und guter Spieler wie Michael Ballack von Leverkusen hätte mit der Mannschaft 3 oder 4 Punkte mehr rausgeholt.

    • Voce
    • 29.04.2012 um 12:34 Uhr

    das riecht stark nach Rekordnähe , wenn es nicht schon einer ist, und dürfte durchaus auch auf europäischer Bühne eine negative Spitzenleistung darstellen.
    Der Möchte-Gern-Manager Preetz, dem bei Interviews die Ratlosigkeit und Unsicherheit stets ins Gesicht geschrieben steht, ist in dieser Position schlichtweg überfordert. Das Einsehen dafür muss ihm allerdings wohl erst noch jemand unwiderruflich stecken.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service