Alles außer Fußball"Piraterie ist 'ne Jungssache"
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"Wenn Transparenz meint, dass ich den Tag eines Politikers auf Twitter verfolgen soll, kann ich darauf verzichten"

Kraus: In jedem Fall ist es ein Phänomen, mit dem sich Politiker beschäftigen müssen. Viel mehr als mit den Piraten selbst.

ZEIT ONLINE: So ähnlich sagt das auch Christian Lindner, er nehme nur die Wähler der Piraten ernst, aber nicht die Piraten selber.

Kraus: In Anbetracht der Zahl derer, die die FDP in Ausstrahlung und Programm wählbar finden, dürften die Piraten darüber nur milde lächeln. Ich sehe es andersherum: Dass ein paar engagierte Leute einen Selbstversuch machen, wie wenig Programm und Haltung es braucht, um in Deutschland parlamentsfähig zu sein, hat durchaus Unterhaltungswert. Dass es Menschen gibt, die dieser Gruppe ihre Stimme geben, finde ich abenteuerlich.

ZEIT ONLINE: Aber die Idee der Schwarmintelligenz hat doch Charme. Können der Bundestag oder auch ein Fußball-Bundesligist aus dem Erfolg von Wikipedia nichts lernen?

Kraus: Ich glaube an den Sinn von repräsentativer Demokratie. In der Politik, im Fußball und in allen anderen Unternehmen und Institutionen. Eine engagierte Basis, die ihre Vertreter fordert, ist wünschenswert. Aber Vertrauen in Mandatsträger gehört genauso dazu wie deren Ethos der Verantwortung.

Katja Kraus
Katja Kraus

Acht Jahre lang war unsere Kolumnistin Katja Kraus die zweite Vorsitzende des Hamburger SV und damit die einzige Frau im Management des deutschen Profifußballs auf Vorstandsebene. Zuvor war sie Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. In ihrer aktiven Karriere als Torfrau wurde sie mit dem FSV Frankfurt von 1986 bis 1998 drei Mal Deutscher Meister und vier Mal Pokalsieger. Sie bestritt sieben Länderspiele und nahm an den Olympischen Spielen 1996 teil.

ZEIT ONLINE: Vielleicht sehnen sich die Menschen nach einer Utopie – einer Utopie von Gleichheit und Mitsprache für alle.

Kraus: Mitsprache und politisches Engagement sind notwendige Elemente der Demokratie und prägen eine Gesellschaft. Aber Mitsprache bedeutet eben auch, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen herbeizuführen und umzusetzen. Es geht um Gestaltung und Gemeinwohl, das ist mehr, als seine Meinung auf virtuellen Plattformen zu äußern und Partikularinteressen zu vertreten.

ZEIT ONLINE: Also ist Transparenz aus Ihrer eigenen Erfahrung in wichtigen Entscheidungen unmöglich?

Kraus: Ich finde diese Transparenzdebatte fehlgeleitet. Das ist Schlagwortpolitik. Wenn es darum geht, komplexe Zusammenhänge zu erläutern, um den Menschen die Beurteilung von Sachverhalten und Entscheidungen zu ermöglichen, halte ich es für wichtig. Wenn Transparenz meint, dass ich den Tagesablauf eines Politikers auf Twitter verfolgen soll, kann ich darauf gut verzichten.

ZEIT ONLINE: Die Grünen irritierten anfangs auch viele und verstanden sich als Anti-Parteien-Partei.

Kraus: Ich bin immer überrascht, wie leichterdings sich die Grünen mit diesem Vergleich abzufinden scheinen.

ZEIT ONLINE: Sie könnten sich wohl nicht vorstellen, bei den Piraten einzusteigen, sagen wir als Pressesprecherin?

Kraus: Lustige Frage in Anbetracht unseres Gesprächs. Zudem gibt es offenbar einen klassischen Positionierungsfehler. Piraterie ist ja so 'ne Jungssache, oder kennen sie eine berühmte Piratin?

 
Leserkommentare
  1. ... wie von Frau Kraus wird man dem Phänomen "Piraten" nicht beikommen. Die Piraten sind die Antwort auf die gemauschelten und in kleinsten Zirkeln ausbaldowerten politischen Entscheidungen von grösster Tragweite (Euro-Schuldenunion, Pofallismus (GG = "diese Scheisse") und Ausgrenzung unliebsamer Meinungen bis hin zum Rederecht im Bundestag. Die Piraten sind der Ausdruck davon, dass Volkskammer und Blockparteien im Jahre 2012 endgültig weg müssen.

    15 Leserempfehlungen
  2. Sorry, aber ein wenig mehr Biss hätte da nicht geschadet.

    So werden die allgeinen Sätze gesagt, die nur zeigen, dass sich der/die Befragte nicht unbedingt mit dem Thema auseinander gesetzt hat.

    Ein Tipp, lesen Sie den Text noch mal und markieren Sie alles, wo NICHT auf die Fragen geantwortet wird! Zum Staunen!

    8 Leserempfehlungen
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    • GDH
    • 10.04.2012 um 14:18 Uhr

    So eine Antwort auf die Frage nach Positionen, wie
    "Was mir allerdings sofort einfiele, sind vier gesellschaftsrelevante Fragen, zu denen die Piraten garantiert keine Meinung haben."

    Ist schon armseelig. Die Piraten haben ja tatsächlich zu vielen Themen keine verfestigten Positionen. Da hätte Frau Kraus ja durchaus ansetzen können und z.B. schreiben "wie kann man eine Partei wählen, von der nichtmal klar ist, ob sie xy nun mittragen würde bzw. wie ihre Antwort auf z lautet.".

    Ohne konkrete Fragen zu nennen, bei denen konkrete Aussagen fehlen, ist das alles schon ziemlich platt. Schließlich stellt sich das Problem ganz genauso bei anderen Parteien: Ich könnte problemlos schreiben, dass die Grünen für mich schwer wählbar sind, weil ich nicht weis, ob sie eine TK-Vorratsdatenspeicherung mittaagen würden (sie könnten schließlich mit einer SPD koalieren, die dafür ist) oder dass die Union sich zu einer möglichen Ausweitung der Providerhaftung nicht klar positioniert.

    Von daher: Unausgesprochen steckt hinter der Kritik wohl eine Meinung, welche Fragen denn eigentlich wichtig sind. Besser wäre es, diese Meinung würde dann auch ausgesprochen.

    In vielen Feldern finde ich ganz detaillierte Festlegungen auch nicht sinnvoll. In der Steuerpolitik etwa haben Festlegungen auf ganz bestimmte Maßnahmen (nicht nur die Verteilungs- oder Steuerungswirkung, die erzielt werden soll) schon oft zu unsinnigen und bürokratischen Formelkompromissen geführt.

    • Kelhim
    • 10.04.2012 um 14:21 Uhr

    Auf jegliche Kritik, die von Frau Kraus übrigens sehr unpolemisch, doch sachlich so hart wie konkret begründet wird, wird mit dem Vorwurf der Ahnungslosigkeit geantwortet.

    Ich wünsche mir einen Diskurs unter Bürgern, nicht einen Shitstorm von Fans.

    es ist im gegenteil erstaunlich, auf wieviele fragen frau kraus eine sehr intelligente antwort weiss. schade, dass die piraten nichts ähnlich substanzielles zu bieten haben.

    • GDH
    • 10.04.2012 um 14:18 Uhr

    So eine Antwort auf die Frage nach Positionen, wie
    "Was mir allerdings sofort einfiele, sind vier gesellschaftsrelevante Fragen, zu denen die Piraten garantiert keine Meinung haben."

    Ist schon armseelig. Die Piraten haben ja tatsächlich zu vielen Themen keine verfestigten Positionen. Da hätte Frau Kraus ja durchaus ansetzen können und z.B. schreiben "wie kann man eine Partei wählen, von der nichtmal klar ist, ob sie xy nun mittragen würde bzw. wie ihre Antwort auf z lautet.".

    Ohne konkrete Fragen zu nennen, bei denen konkrete Aussagen fehlen, ist das alles schon ziemlich platt. Schließlich stellt sich das Problem ganz genauso bei anderen Parteien: Ich könnte problemlos schreiben, dass die Grünen für mich schwer wählbar sind, weil ich nicht weis, ob sie eine TK-Vorratsdatenspeicherung mittaagen würden (sie könnten schließlich mit einer SPD koalieren, die dafür ist) oder dass die Union sich zu einer möglichen Ausweitung der Providerhaftung nicht klar positioniert.

    Von daher: Unausgesprochen steckt hinter der Kritik wohl eine Meinung, welche Fragen denn eigentlich wichtig sind. Besser wäre es, diese Meinung würde dann auch ausgesprochen.

    In vielen Feldern finde ich ganz detaillierte Festlegungen auch nicht sinnvoll. In der Steuerpolitik etwa haben Festlegungen auf ganz bestimmte Maßnahmen (nicht nur die Verteilungs- oder Steuerungswirkung, die erzielt werden soll) schon oft zu unsinnigen und bürokratischen Formelkompromissen geführt.

    • Kelhim
    • 10.04.2012 um 14:21 Uhr

    Auf jegliche Kritik, die von Frau Kraus übrigens sehr unpolemisch, doch sachlich so hart wie konkret begründet wird, wird mit dem Vorwurf der Ahnungslosigkeit geantwortet.

    Ich wünsche mir einen Diskurs unter Bürgern, nicht einen Shitstorm von Fans.

    es ist im gegenteil erstaunlich, auf wieviele fragen frau kraus eine sehr intelligente antwort weiss. schade, dass die piraten nichts ähnlich substanzielles zu bieten haben.

  3. "Piraterie ist ja so 'ne Jungssache, oder kennen sie eine berühmte Piratin?"

    Der Name Marina Weisband dürfte inzwischen mehr Menschen geläufig sein als der Name Katja Kraus.

    Außerdem: Fußball ist ja schon eher "so 'ne Jungssache", nicht wahr, werte Frau Kraus?

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    Jasmin Maurer. Ein weiterer Name, der einem sofort einfallen kann. Wenn man sich denn überhaupt mal mit dem Thema beschäftigt.

    Das Interview doch nur aus uninformierten Vorurteilen und schlichter Meinung einer durchschnittlich informierten Mitbürgerin. Hat deshalb leider überhaupt keinen relevanten Erkenntniswert und deshalb überflüssig. Bin auch ein bisschen beleidigt, dass Sie (@Redaktion) der Leserschaft sowas vorsetzen.

    Jasmin Maurer. Ein weiterer Name, der einem sofort einfallen kann. Wenn man sich denn überhaupt mal mit dem Thema beschäftigt.

    Das Interview doch nur aus uninformierten Vorurteilen und schlichter Meinung einer durchschnittlich informierten Mitbürgerin. Hat deshalb leider überhaupt keinen relevanten Erkenntniswert und deshalb überflüssig. Bin auch ein bisschen beleidigt, dass Sie (@Redaktion) der Leserschaft sowas vorsetzen.

  4. "oder kennen sie eine berühmte Piratin?"
    Ja!
    Das ganze Interview zeugt von einer merkwürdigen Abneigung gegen eine Partei die sich ausschließ auf dem nachplappern der üblichen Vorwürfe (keine Frauen, keine Inhalte) gründet. Diese Unwissenheit in Kombination mit einer, aus meiner Sicht, naiven Einstellung zu Mandatsträgern und deren Aufgeschlossenheit zu modernen Themen, führt dann wohl zu solchen Artikeln.

    11 Leserempfehlungen
  5. Jasmin Maurer. Ein weiterer Name, der einem sofort einfallen kann. Wenn man sich denn überhaupt mal mit dem Thema beschäftigt.

    Das Interview doch nur aus uninformierten Vorurteilen und schlichter Meinung einer durchschnittlich informierten Mitbürgerin. Hat deshalb leider überhaupt keinen relevanten Erkenntniswert und deshalb überflüssig. Bin auch ein bisschen beleidigt, dass Sie (@Redaktion) der Leserschaft sowas vorsetzen.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nun ja...."
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    dass Sektenjünger, und zu denen muss man leider einen Teil (nicht alle!) der Piraten zählen, einfach keinen Humor haben. Die einzig richtigen Antworten wäre natürlich

    a) Seeräuber-Jenny
    b) Grace O'Malley
    und
    c) Anne Bonny mit Mary Read

    gewesen.

    Und ich werd die Piraten übrigens vermutlich nicht deshalb wählen, weil sein eine Position hätten (er wäre mir lieber, sie hätten sie). Sondern deshalb, weil (neben den oben genannten Sektenjüngern) ein recht großer Anteil Leute dabei ist, die zur Politik gekommen sind wie die Jungfrau zum Kind. Und von denen brauchts (nachdem die Grünen alt geworden und die Granden der anderen Parteien nur noch von Kindesbeinen hochgepäppelte Politfunktionäre sind), mal wieder dringend. Sie werden zwar auch wieder Funktionäre werden, und das ist auch gut so und notwendig, aber bis dahin haben sie ein paar diskussionswürdige Punkte in die Politik eingebracht. Und dann dürfen die nächsten Naivlinge vor.

    dass Sektenjünger, und zu denen muss man leider einen Teil (nicht alle!) der Piraten zählen, einfach keinen Humor haben. Die einzig richtigen Antworten wäre natürlich

    a) Seeräuber-Jenny
    b) Grace O'Malley
    und
    c) Anne Bonny mit Mary Read

    gewesen.

    Und ich werd die Piraten übrigens vermutlich nicht deshalb wählen, weil sein eine Position hätten (er wäre mir lieber, sie hätten sie). Sondern deshalb, weil (neben den oben genannten Sektenjüngern) ein recht großer Anteil Leute dabei ist, die zur Politik gekommen sind wie die Jungfrau zum Kind. Und von denen brauchts (nachdem die Grünen alt geworden und die Granden der anderen Parteien nur noch von Kindesbeinen hochgepäppelte Politfunktionäre sind), mal wieder dringend. Sie werden zwar auch wieder Funktionäre werden, und das ist auch gut so und notwendig, aber bis dahin haben sie ein paar diskussionswürdige Punkte in die Politik eingebracht. Und dann dürfen die nächsten Naivlinge vor.

    • deDude
    • 10.04.2012 um 13:36 Uhr

    Hatten alle anderen Parteien stets den "Masterplan" in der Tasche gemäß welchem sie unser Land so herrlich zu Grunde richten...

    Verzeihen Sie mir wenn sich meine Begeisterung in Grenzen hält....

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    • CJT
    • 10.04.2012 um 13:46 Uhr

    arrogant für jemanden, der von den Piraten keine Ahnung hat.

    Die Piraten werden derzeit überall als Truppe von Witzfiguren hingestellt. Und trotzdem wollen ihnen inzwischen 13% der deutschen Wähler ihre Stimmen geben, so ungefähr jeden Tag ein Prozent mehr.
    Was sagt das erst über die anderen Truppen aus? Zeichnet es etwa eine gute Partei aus, dass sie sich über die Konkurrenz das Maul zerreißt? Wie wäre es mit eigenen Inhalten, mit besseren Ideen, mit vernünftigen Lösungen? Nein, indem man darauf zeigt, dass die Piraten keine Lösung parat haben, kaschiert man plump, dass man selbst auch nicht weiß, was man tun soll. Pfui!

    Kein Wunder, dass viele Politiker und Meinungsmacher inzwischen nur noch unfreiwillig komisch wirken, wenn sie die Piraten kritisieren.

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