Fett wie ein Turnschuh: Meine Kreuzigung auf der Inversionsbank
Unser Fitnesskolumnist Tuvia Tenenbom sucht in Luxemburg das europäische Parlament. Er findet einen paradiesgleichen Fitnessclub, Whiskey und die iMoove-Maschine.
Die Welt ist ein Durcheinander, die Weltwirtschaft ein Trümmerhaufen, Nationen bedrohen einander, und alles ist aus dem Gleichgewicht geraten. Wir alle wissen, dass etwas getan werden muss, aber niemand ist dazu in der Lage, wirklich niemand hat die Lösung des Problems.
Und da komme ich ins Spiel. Wenn irgendjemand etwas über Gleichgewicht weiß, bin ich es. Aber bescheiden wie ich bin, suche ich für diese Mission Partner, bevorzugt aufgeklärte Menschen. Die Frage ist allerdings: Wo soll man diese aufgeklärten Menschen finden?
Nach einem Blick auf die Weltkarte entscheide ich mich für Europa. Europa hat weltweit die meisten NGOs, was für mich ein sicheres Zeichen für die Güte seiner Bewohner ist. Aber Europa ist groß, und ich muss mich entscheiden, welches europäische Land am besten passt.

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".
Es geht das unbestätigte Gerücht, dass das europäische Parlament in Luxemburg ist, also statte ich Luxemburg einen Besuch ab. Leider kann mir kein Luxemburger und keine Luxemburgerin erklären, was das europäische Parlament genau macht. Aber alle erklären mir, dass es ein wunderschönes Gebäude ist.
Wenn man durch die Luxemburger Straßen läuft, hat man das Gefühl, dass es auf dieser Welt mehr Banken als Menschen gibt. Da wären wir auch schon beim nächsten Problem: Wie soll ich mit so vielen Banken fertigwerden? Glücklicherweise komme ich auf dem Weg zum europäischen Parlament an einem Fitnessclub namens "Ellipse" vorbei.
Es ist ein später Sonntagnachmittag und "Ellipse" ist geschlossen. Steht zumindest an der Tür. Aber ich stamme aus dem Mittleren Osten, und das Wort "geschlossen" hat für mich keinerlei Bedeutung. Ganz egal, ob geschlossen oder geöffnet: Wir bombardieren alles. Als ich die "geschlossene" Tür öffne, erblicken meine Augen einen erstaunlichen Ort: das Paradies.
Der Boden sieht aus wie Eiscreme und ist sauberer als jeder irdische Fußboden. Um mich herum steht jede Sorte Trainingsgerät, manches davon habe ich noch nie gesehen. Die Kardiogeräte sind wunderschön designte Museumsstücke. Weiße Sessel, bequemer als jedes Sofa, sind im Raum verteilt wie in Baschar al-Assads Palast, darüber riesige Kronleuchter, ein magisches Farbenspiel. Ich gehe weiter, ein nächtlicher Dieb, und erreiche den Umkleideraum, der eleganter ist als der im Weißen Haus. Jeder Spind hat seine eigene Belüftungsanlage. Die Duschen sind eines Königs würdig und wie für mich geschaffen, in den Ruhezonen hängen Gazellenköpfe und andere ausgestopfte Tiere, deren Namen ich nicht kenne. Und hinter den Tieren folgt ein Badezimmer, das groß genug für ein paar King Size-Betten samt meiner diversen Konkubinen wäre.
- "Fett wie ein Turnschuh" - Die Fitness-Kolumne
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Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Im Jahr 2011 trainierten dort erstmals mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen.
Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?
Für unsere Kolumne "Fett wie ein Turnschuh" schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er will die Fitnessjünger kennenlernen und abnehmen. Alle zwei Wochen wird er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen berichten.
Bin ich wirklich im Himmel? Werde ich gleich Jesus, der sein Kreuz spazieren trägt, über den Weg laufen? Ehrlich gesagt scheint mir der Ort viel zu gemütlich für leidende Christen zu sein. Bin ich etwa im islamischen Paradies? Das wäre großartig! Auf der Suche nach den jungfräulichen Bräuten gehe ich weiter, als plötzlich ein Mann vor mir steht. Er ist weder Braut noch Jungfrau, er heißt Michael Tasca und ist der "Ellipse"-Besitzer.
Ich soll ihm erklären, was ich hier mache.
"Sie schreiben über Fitnessclubs?", fragte er mich. Von einem Mann meines Berufs erwartet er offensichtlich, dass er so aussieht wie Muhammad Ali. "Wie ist noch mal Ihr Name?"







Jedesmal lese ich diesen Quatsch und bin enttäuscht. Es ist wie ein Verkehrsunfall: Schlimm, aber man kann den Blick nicht abwenden.
Und welcher normale Mensch stellt sich mit Namen vor? Meier! Christ, ev. luth.! Müller! Atheist? Die Szene ist entweder erfunden oder konstruiert.
Bei allem Wohlwollen, noch nicht einmal ein Schmunzeln war drin. Diese Art von Humor, Juden vs. Moslems vs. Christen, kommt vielleicht in NYC an. Aber nicht in Europa (danke, lieber Gott, dass ich nicht NYC lebe).
Anders als meine Vorschreiber fand ich diesen Beitrag besser als die vorherigen. Vielleicht sollte ich nach New York ziehen.
.... Ist den Speicherplatz, bzw. die Druckerschwärze nicht wert.
Könnten Kolumnen wie diese eventuell (auch) ein Grund dafür sein, dass die - sicherlich verständlichen - ständigen Werbeaktionen der ZEIT nicht unbedingt immer den gewünschten Erfolg haben ?
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