Fett wie ein Turnschuh Muskeln! Ich will Muskeln. Wie du!

Auf der Straße trifft unser Kolumnist Tuvia Tenenbom einen schwarzen Muskelmann. Sie machen Armdrücken – und erkennen den Zusammenhang zwischen Religion und Fitness.

Ein Block entfernt von Victoria’s Secret, dem Laden für dünne Damen mit den geheimsten Geheimnissen, stehen zwei Männer auf der Straße und trainieren. Sie ziehen, sie drücken, und dazwischen machen sie Übungen, die komplizierter sind als zeitgenössischer Tanz. Einer ist schwarz und groß wie ein Wolkenkratzer, der andere ist Hispano und viel kleiner. Der Schwarze nennt sich Prophecy, er ist mir sofort sympathisch. Endlich habe ich, der ich immer Prophet werden wollte, wenn ich einmal groß sein würde, meinesgleichen gefunden.

Tuvia Tenenbom
Tuvia Tenenbom

ist Autor, Essayist und Dramatiker. Er ist Artistic Director des Jewish Theater in New York und Autor des Buches Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise. Für ZEIT ONLINE schreibt er seit Dezember 2011 die Fitnesskolumne "Fett wie ein Turnschuh".

Armdrücken?, frage ich meinen Co-Propheten. Wir machen Armdrücken. Eine Traube Menschen beobachtet unsere Straßenperformance. Sie wollen wissen, wer gewinnt: der Schwarze, der Braune, der Weiße? Aber Prophecy beachtet sie kaum. Alles, was er wissen will, ist: "Wer bist du? Woher kommst du?" Ich weiß nicht, warum er diese Fragen stellt. Sollte ein Prophet solche Dinge nicht herausfinden können?

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Ich würde gerne über dich schreiben, erkläre ich ihm.

Prophecy ist begeistert. Er und der Hispano namens Adem haben ein langes Seil, mit dem sie ihre Muskeln trainieren. Ich steige ein. Prophecy packt das Seil an einer Seite, ich an der anderen, und dann ziehen wir beide in entgegengesetzte Richtungen. Ich spüre, wie sich meine Muskeln aufbauen, immer mehr Menschen sehen uns zu.

Prophecy, der bei der Geburt von seiner Mutter den Namen Antwone bekam, erzählt mir, dass er einmal christlicher Rapper war.

Und jetzt nicht mehr?

"Bin ich immer noch."

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Religion und Fitness?

"Ja. Man muss beides draufhaben!"

Wir ziehen fester, uns wird das Klicken der Touristenkameras bewusst.

"Fett wie ein Turnschuh" - Die Fitness-Kolumne

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Im Jahr 2011 trainierten dort erstmals mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen.

Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Für unsere Kolumne "Fett wie ein Turnschuh" schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er will die Fitnessjünger kennenlernen und abnehmen. Alle zwei Wochen wird er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen berichten.

Was ist das Besondere an dir, Prophecy?

"Ich versuche, die Vorurteile der Leute gegenüber Schwarzen zu zerreißen."

Wie machst du das?

"Ich lächele die Leute an, wenn ich auf der Straße trainiere, ich winke, und sie sagen: 'Der schwarze Mann ist nett. Der schwarze Mann ist glücklich.'"

Werde ich eines Tages so sein können wie du? Ein glücklicher schwarzer Mann?

"Du hast eine hervorragende Mentalität, das ist das wichtigste."

Aber Muskeln! Ich will Muskeln. Wie du!

"Widme zehn Minuten des Tages dem Training, nicht mehr. Beginne wie ein Baby, mit kleinen Schritten. Wenn du das machst, wirst du aussehen wie ich."

Prophecy zeigt mir, wie ich aussehen werde, wenn ich einmal groß bin – und mit Babyschritten beginne. Er macht unglaubliche Liegestütz, manchmal mit beiden Beinen in der Luft. Ich starre den Propheten mit den prallen Muskeln an, ein griechischer Gott in schwarz, und eine Frage kommt mir in den Sinn: Wie sieht die Frau dieses Propheten aus – falls er verheiratet ist?

Bist du verheiratet, Prophecy?

"Nein."

Schwul?

"Nein!"

Aber er würde gerne heiraten. Irgendwann.

Soll deine Frau auch solche Muskeln haben wie du?

"Nein. Eine Frau sollte Muskeltonus haben, das reicht. Eine Frau sollte nicht aussehen wie Arnold Schwarzenegger."

Ich habe keine Ahnung, was "Muskeltonus" ist, also frage ich ihn nach dem Idealbild einer Frau, die er gerne hätte.

Leserkommentare
  1. Das erste Bild ist gut. Zu Fett vs. Zu Muskulös.
    Geht es in Amerika auch ohne Extreme?

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    Der eine zu dick? Dem kann man zustimmen. Der andere zu muskulös? Nein, sondern genau so, wie ein Mann aussehen sollte!

    kann man einen derartigen Körper auch ohne Anabolika erreichen.

    Der eine zu dick? Dem kann man zustimmen. Der andere zu muskulös? Nein, sondern genau so, wie ein Mann aussehen sollte!

    kann man einen derartigen Körper auch ohne Anabolika erreichen.

  2. Der eine zu dick? Dem kann man zustimmen. Der andere zu muskulös? Nein, sondern genau so, wie ein Mann aussehen sollte!

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    "sondern genau so, wie ein Mann aussehen sollte!"

    Hehehe. Igitt. Bloß nicht.

    aber nach dem Verstreichen von 16 Packungen Schuhcreme auf meinem Luxuskörper dann doch aufgehört. Es war einfach zu anstrengend ....

    "sondern genau so, wie ein Mann aussehen sollte!"

    Hehehe. Igitt. Bloß nicht.

    aber nach dem Verstreichen von 16 Packungen Schuhcreme auf meinem Luxuskörper dann doch aufgehört. Es war einfach zu anstrengend ....

  3. kann man einen derartigen Körper auch ohne Anabolika erreichen.

    • pestei
    • 17.04.2012 um 14:08 Uhr

    Und wenn man die Albernheiten von T. weggelassen und stattdessen nur den schwarzen Sportsfreund gefeatured hätte, ja dann, dann wäre es vielleicht sogar ein lesenswerter Beitrag geworden.

    2 Leserempfehlungen
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    • dacapo
    • 25.04.2012 um 16:22 Uhr

    ...... man liest doch die T-Beiträge wegen seiner Albernheiten, so wie sie immer wieder sind. Wer sie nicht mag, sollte doch nicht immer wieder etwas anderes erwarten.

    • dacapo
    • 25.04.2012 um 16:22 Uhr

    ...... man liest doch die T-Beiträge wegen seiner Albernheiten, so wie sie immer wieder sind. Wer sie nicht mag, sollte doch nicht immer wieder etwas anderes erwarten.

  4. 2 Leserempfehlungen
  5. Leider ein überaus flaches Interview...

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  6. Der Beitrag hätte gut werden können: Die beiden Persönlichkeiten sind recht gegensätzlich. Das bietet Stoff für die auch gestellten (interessanten) Fragen. Und Prophecy wirkt interessant. Aber...

    1. Der Schreibstil - geht es auch weniger stakkatoartig? Soll das ein Wortlautinterview oder doch ein Artikel im Fließtext sein? Da hätte der Autor mehr Beschreibung in indirekter Rede, mehr Gedanken etc. dran bringen müssen. Halt einfach mehr "Flair" und mehr "rund". So bleibt das Gefühl, das Thema nicht vollständig ausgerollt zu haben.

    2. Der folgende Wortwechsel fiel mir auf (Zitat zwischen den Linien - Text gekürzt):

    --------------------------------------------------------
    "Sieh dir all die Weißen hier an. Sie machen Bilder von dir, schwitzend. Weißt du warum?

    "Manchmal sehe ich die Blicke dieser weißen Leute. Wie sie mich ansehen. Ich weiß, was sie denken: 'Dieses Tier kommt geradewegs aus dem Dschungel. Was ist das für ein Tier? Ist es ein Krokodil? Wird es uns anspringen?' Ja, das denken sie, wenn sie mich sehen, einen Schwarzen, der auf der Straße Liegestütz macht."
    -----------------------------------------------------------

    Was ist das denn bitte für ein Vorurteil? - Sowohl vom Fragenden, wie auch vom Befragten? Nicht alle weißen Menschen denken, dass ein farbiger Mensch gleich ein "Tier" oder "Krokodil" ist! Der Autor scheint aber Solches ebenfalls zu denken, denn seine Frage suggeriert es (zumindest wirkt so der Text).

    Und das finde ich dann ziemlich daneben.

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    • jamab
    • 27.04.2012 um 16:17 Uhr

    nicht immer gleich die Extreme sehen - der Mann scheint doch relativ reflektiert zu sein. Da sollte man schon genauer hinschauen..
    "Manchmal sehe ich die Blicke dieser weißen Leute. Wie sie mich ansehen."
    Da steht nicht, dass er damit jeden Blick jedes einzelnen Weißen meint.

    • jamab
    • 27.04.2012 um 16:17 Uhr

    nicht immer gleich die Extreme sehen - der Mann scheint doch relativ reflektiert zu sein. Da sollte man schon genauer hinschauen..
    "Manchmal sehe ich die Blicke dieser weißen Leute. Wie sie mich ansehen."
    Da steht nicht, dass er damit jeden Blick jedes einzelnen Weißen meint.

    • Nyuto
    • 17.04.2012 um 15:39 Uhr

    Vielleicht geht es bei dem Artikel doch eher um das "wie" miteinander gesprochen wird. Da empfinde ich die Leichtigkeit und Coolness, die man sich oft nur zwischen Rassen und Kulturen wünschen kann, die aber so einfach funktionieren kann.

    4 Leserempfehlungen

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