Arne Friedrich : "In Deutschland war ich ein Morgenmuffel"

Oberflächliche Amerikaner und steife Deutsche? Von wegen! Im Alles-außer-Fußball-Gespräch räumt unser Kolumnist aus Chicago mit allen Vorurteilen auf. Mit fast allen.
Arne Friedrich: "In Chicago gibt es viele hervorragende Restaurants und Organic Stores." © Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE : Herr Friedrich , lebt Adolf Hitler noch?

Arne Friedrich : Wie bitte?

ZEIT ONLINE : Wird man das als Deutscher in den USA nicht gefragt?

Friedrich : Ein Witz, oder?

ZEIT ONLINE : Nein, eine wahre Begebenheit. Typisch für die Geschichtsunkenntnis der Amerikaner, würden viele sagen. Lassen Sie uns über gegenseitige Vorurteile reden!

Friedrich : Ok, da kann ich gleich einhaken. Die Leute hier sind keineswegs ahnungslos. Mit meinen Mannschaftskameraden habe ich schon über historische Themen gesprochen. Sie entsprechen nicht dem gängigen Vorurteil vom geschichtslosen Wesen.

ZEIT ONLINE : Welche Vorurteile haben sich noch entkräftet?

Friedrich : Dass Amerikaner oberflächlich sind, aufgeblasen, unwirklich, unecht. Mir kommen sie vielmehr offen und freundlich vor. Sicher, ein "How are You?" muss nicht großes Interesse bedeuten oder in eine Freundschaft münden. Aber es erleichtert die Kontaktaufnahme. Im Alltag, etwa im Aufzug, kommt man viel leichter zum Small Talk als in Deutschland, wo solche Situationen oft peinlich werden. Neulich traf ich im Waschraum unseres Kellers einen Mitbewohner zum ersten Mal, er erzählte mir sofort seine Lebensgeschichte und zeigte mir Bilder auf seinem Smartphone. Die Art der Amerikaner gefällt mir, das kann ich nach einem Monat bereits sagen. Das trifft nicht auf alle zu, aber die meisten. Ich nehme schon jetzt für mich mit, vorsichtig mit Vorurteilen umzugehen.

ZEIT ONLINE : Amerikakritik hat in Europa eine über hundert Jahre alte Tradition. Die neue Welt, das Dollarland, ist kulturell oberflächlich, hieß es eh und je.

Friedrich : Das mit der Kultur werde ich noch rauskriegen, ich muss in Museen und Opern. So viel kann ich aber schon sagen: Dass Jazz und Blues hier ihre Wurzeln haben, merkt man der Stadt an.

ZEIT ONLINE : Die meisten Amerikaner sind dick und essen Fast Food. Stimmt's?

Friedrich : Hier in Chicago gibt es viele hervorragende Restaurants, gute internationale Küche, das erinnert mich ein bisschen an Berlin . Beliebt sind auch die Organic Stores, da kauft man Bio-Essen. Für New York und L.A. gilt das auch. Natürlich ist Wendy's fast immer voll, auch Taco Bell oder Burger King . Aber mehr dicke Menschen als in Deutschland sehe ich hier in Chicago nicht.

ZEIT ONLINE : Dann lügen die Statistiken von den vielen Übergewichtigen?

Friedrich : Ich könnte mir vorstellen, dass sich das auf dem Land anders verhält als in Großstädten. Aber hier treiben viele Leute Sport, sie gehen in die Fitnessstudios oder joggen am Lake Michigan.

ZEIT ONLINE : Wie spielt man in Amerika Fußball? Haut einer das Ei nach vorne, und der Rest rennt hinterher?

Friedrich : Das ist übertrieben, auch wenn vereinzelte Mannschaften, wie Houston Dynamo, Kick and Rush spielen. Ich wusste wenig von der Major League Soccer, als ich herkam. Sie ist besser als ich dachte. Ist doch kein Zufall, dass sich die Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften zuletzt respektabel geschlagen hat. Technisch und taktisch ist das Niveau freilich klar hinter den europäischen Ligen. Der Fußball in den USA ist sehr physisch geprägt, das Tempo ist hoch, die Gegenspieler sind fit, viele große Typen.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

neid & missgunst

der deutsche hass auf amerika fußt m.e. größtenteils auf dem gefühl der unterlegeheit. ALLES aus amerika wird konsumiert und wie selbstverständlich abgefeiert, übernommen und (schlecht) kopiert, aber dann wird abgelästert. aber es ist ja so moedern und hip über amerika zu lästern, da muss man halt mitmachen sonst hat man bald keine freunde mehr ... *g

wenn dieses Interview sarkastisch gemeint war

um mit den über die USA umherschwirrenten, primitiven Slogans
aufzuräumen, dann BRAVO ZEIT online.
Wenn es aber tatsächlich ernst gemeint war, dann hat ja Arne
Friedrich damit aufgeräumt und er hat das tatsächliche
USA Volk kennengelernt. Denn so kenne ich es auch: freundlich,
nett, aufgeschlossen, einfach lebenswert, als Deutscher wurde
ich in den 7 Jahren, bis auf eine Ausnahme, immer anerkannt
als zuverlässig und vertrauensvoll. Die Ausnahme hat mich als
Mörder seines Volkes tituliert, habe ihm dann immer das Lied
von den Beatles, ein bißchen abgewandelt, gesungen: He Jude
it`s time to go better now. Wir haben es dann beide mit
Humor genommen. USA, immer wieder!!!