SportlernamenWenn der Weltfrieden gründlich zulangt

Der eine heißt Metta World Peace, ein anderer Mark Super Duper. Sportler haben eine Vorliebe für abstruse Namen. Gerecht werden sie ihnen selten. von 

Basketball-Profi Metta World Peace: sieben Spiele Sperre nach Ellbogenschlag

Basketball-Profi Metta World Peace: sieben Spiele Sperre nach Ellbogenschlag  |  © Michael Nelson / dpa

Der Weltfrieden fällt aus. Zumindest für die nächsten paar Wochen. Das ist schade, aber nur folgerichtig. Schließlich hat der Weltfrieden ordentlich zugelangt. James Harden von Oklahoma City Thunder rammte er einen Ellbogen in den Hals. Ein Fall für die UN ? Gott? Günter Grass ? Nö.

Das Sportgericht der US-Basketballliga NBA nahm sich der Sache an. Der Übeltäter "Metta World Peace" ist schließlich Basketballer, 201 Zentimeter hoch, 32 Jahre alt und hieß bis zum September 2011 Ron Artest. Dann gab er sich nicht nur einen Künstlernamen wie etwa die Fußball-Ikone Pelé , der als Edson Arantes do Nascimento zur Welt kam. Artest benannte sich offiziell um. Nach nur 30-sekündiger Anhörung stimmte der Los Angeles Superior Court im September 2011 seinem Antrag zu. Seitdem steht im Pass des Spielers der Hollywood-Truppe Los Angeles Lakers "Vorname: Metta" (buddhistischer Begriff für Achtsamkeit), "Nachname: World Peace".

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Seitdem zählt Metta World Peace zu der Gruppe von Sportlern, die wohl selbst schon zu viele Schläge abbekommen haben. Nur so lässt sich erklären, warum sie sich die abstrusesten Namen gaben. Vor allem im Sportshowland USA zeigen sich die Athleten auf dem zuständigen Einwohnermeldeamt kreativer als in der Sportarena.

Da wären zum Beispiel die scheinbar nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein leidenden Athleten um Mark Super Duper (American Football) oder Marvelous Marvin Hagler (Boxen). Oder die Fraktion der Selbstvermarkter um den Footballer Chad Johnson. Der wollte 2008 den lateinamerikanischen Fanmarkt erschließen und gab sich den Nachnamen Ochocinco – eine holprige Übersetzung seiner Trikotnummer 85, die von US-Kids nachgeplappert wird und so Spanischlehrer verzweifeln lässt .

Bereits 1995 hatte der bis dahin in Gänze unbekannte Footballer Sharmon Shah mit einer Umbenennung in Karim Abdul-Jabbar Schlagzeilen gemacht. Ärgerlich nur, dass er von Kareem Abdul-Jabbar verklagt wurde, dem Basketball-Superstar der Achtziger. Dass der seinerseits als Ferdinand Lewis Alcindor Junior das Licht der Welt erblickt hatte, war den Richtern egal. Der pfiffige Trittbrettfahrer musste sich erneut umbenennen. Er entschied sich für, logisch, Abdul-Karim al-Jabbar.

Wie tröstlich, dass bereits vor World Peace viele Sportler mit ihren neuen Namen eher für gute Vibes sorgen wollten als für schnöde Merchandising-Einnahmen. Der Basketballer Brian Williams nannte sich zu Ehren seiner indianischen und afrikanischen Vorfahren Bison Dele. Der brasilianische Fußballer Vagner Silva de Souza mag die senhoritas und ist deshalb besser bekannt als Vagner Love. Und Basketball-Pionier Lloyd Bernard Free hatte schon am 8. Dezember 1981 seinen ersten Vornamen zu "World" geändert. Seit diesem Tag richtete jeder Kommentator, der ihn erwähnte, zugleich einen Appell an die Mächtigen des Planeten: "World B. Free!"

Leserkommentare
  1. World Peace hat James Harden den Ellbogen nicht "in den Hals" gerammt, sondern ihn am Kopf hinter dem linken Ohr getroffen. Das macht die Aktion freilich nicht besser...

  2. vielen Dank für den unterhaltsamen Artikel

  3. 3. Hertha

    Mit "Zecke" Neuendorf gibt es da auch ein deutsches Beispiel -

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    • finole
    • 02. Mai 2012 8:44 Uhr

    bei Herrn Neuendrf war das ja ein bisschen anders. Hier in Deutschland lassen sich Namen ja nicht so einfach ändern; auch die zugelassenen Namen sind deutlich begrenzter als in den USA.
    Vielleicht auch deshalb hat Herr Neuendorf seinen Namen nicht geändert, sondern nur um einen Künstlernamen ergänzt, den er ja sowieso schon als Spitznamen hatte; damit die Behörden dem zustimmten, musste er erst ein Bild malen, das mit dem Namen "Zecke" signieren und dann verkaufen.

    • finole
    • 02. Mai 2012 8:44 Uhr
    4. Naja,

    bei Herrn Neuendrf war das ja ein bisschen anders. Hier in Deutschland lassen sich Namen ja nicht so einfach ändern; auch die zugelassenen Namen sind deutlich begrenzter als in den USA.
    Vielleicht auch deshalb hat Herr Neuendorf seinen Namen nicht geändert, sondern nur um einen Künstlernamen ergänzt, den er ja sowieso schon als Spitznamen hatte; damit die Behörden dem zustimmten, musste er erst ein Bild malen, das mit dem Namen "Zecke" signieren und dann verkaufen.

    Antwort auf "Hertha"

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