Taktisch klugOhne Abseits sähe Fußball aus wie auf dem Pausenhof

Abseits ist kompliziert, verhindert Tore – warum nicht abschaffen? Nein, sagt der Trainer Oliver Fritsch in seiner Video-Serie, die Regel ist wichtig für die Spielkultur. von 

Die Abseitsregel verursacht meist Ärger. Für den Stürmer, weil sie ihm das Toreschießen erschwert. Für den Schiedsrichter, weil sie sein menschliches Auge oft überfordert. Für den Zuschauer, weil häufig nicht mal drei Zeitlupen helfen, um Abseits zu erkennen. Fußball wäre ohne Abseits so einfach, könnte man denken. Doch die Regel ist wichtig, denn sie ist die Voraussetzung für Mittelfeld, Kombinationsspiel, schöne Pässe, kurz: Spielkultur. Ohne sie sähe Fußball aus wie auf dem Pausenhof.

Diese und andere Fachfragen erklären wir in unserer Video-Serie Taktisch klug . Dort widmet sich Oliver Fritsch dem ABC des Fußballs. Wie bewegt sich eine Viererkette? Wie läuft man sich frei? Welche Unterschiede gibt es zwischen Mann- und Raumdeckung? Was bedeutet 4-4-2?

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Taktisch klug richtet sich nicht in erster Linie an Fußballnerds und Taktikgurus, die wissen eh schon alles und das auch noch besser. In der Video-Serie wollen wir Grundwissen vermitteln. Wenn Sie eine Anregung haben oder von einer Frage gequält werden, die Sie schon immer stellen wollten, aber es nicht wagten, geben Sie uns bitte einen Hinweis. Oliver Fritsch hat übrigens die C-Lizenz und war bis vor Kurzem Trainer der SV Blankenese in der Landesliga Hammonia ( Hamburg ), sechste Liga.

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Leserkommentare
    • twelli
    • 17. Mai 2012 12:27 Uhr

    Was heißt denn Pausenhof? Der Vergleich ist mir aber etwas zu einfach. Profifußball und Schülergekicke kann man doch nicht einfach so auf die gleiche Stufe stellen. Ich kann mir vorstellen, dass sich ohne Abseitsregel ganz andere Abläufe und ebenso interessante Spielsituationen ergeben könnten wie mit der Regel, anders, aber vielleicht sogar besser. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Spieler sich "nur vorne reinstellen" würden. Ist das denn schon mal im Profifußball getestet worden? Der DFB könnte das in Freundschaftspielen ausprobieren, nur so zum Spaß vielleicht, und sehen, wie die Mannschaften sich verhalten. Ich persönlich finde das Abseits einfach nur grausam. Es gibt vielleicht ein paar gute Gründe dafür, aber die werden durch die regelmäßigen eklatanten Fehlentscheidungen von Linienrichtern mehr als aufgehoben.

    Eine Leserempfehlung
  1. Ich denke auch auf keinen Fall, daß sich z.B. Barca wie eine Schüler-Mannschaft hinter dem Ball herläuft, wenn Abseits abgeschafft würde.
    Man muß hier ganz anders ansetzen:

    Sie sol offenbar verhindern, daß ein Stürmer sich einen Vorteil gegenüber dem Verteidiger verschafft, indem er sich hinter ihn schleicht und auf den Ball wartet.

    Dabei werden jedoch viele unsinnige Situationen mit erfaßt:
    a) Der Stürmer steht z.B. am linken Flügel ca auf Strafraumhöhe im "Abseits". Ein Mitspieler paßt einen weiten zu ihm, er läuft dem Ball entgegen und als er ihn bekommt steht er 1-2 m nicht im Abseits.
    Damit ist also der Zeitpunkt der Ballabgabe total sinnlos.
    Der Stürmer hat sich dadurch keinen Vorteil verschafft.

    b) Ein Verteidiger steht ziemlich abseits vom Geschehen so, daß er die eigentliche Abseitsstellung eines Stürmers aufhebt.
    Da frag ich mich: Wo ist da der Vorteil der Verteidigung, wenn der Abseits-Aufheber gar nicht ins Geschehen eingreifen kann?
    Das wäre im Grunde eigentlich trotzdem ein Abseits.
    Bestes Beispiel: Das Dortmunder 1:0 in Dortmund als Robben in einer unrelevanten Position, das eigentliche Abseits des Lewandowski aufhebt. Ob Robben da steht oder nicht spielt eigentlich überhaupt keine Rolle. Lewa steht vor dem Torwart ohne Verteidiger in seiner Nähe und irritiert den Torwart.
    Man kann auch genauso fragen, "wieso hätte das Tor nicht gezählt, wenn Robben nicht dort (abseits vom Geschehen) im Abseits stünde? Ändert überhaupt nichts an der Situation.

  2. ...
    Oder Barca - Chelsea:
    Jetzt steht eine Antifussballer-Team im Finale, nur weil sie zu 11-t im Strafraum standen und ein 3. Barca-Tor rechts ausserhalb vom
    Strafraum von Fabregas(?) initiiert, der den Ball knapp einen halben meter in "Abseits" zum Ball gekommen war, wobei der Strafraum eh voller Verteidiger war.
    Ob er den Ball halben m vorher bekommen hätte sich nichts daran geändert, denn er war eh schnell unterwegs.

    Diese Regel ist ziemlich willkürlich und gehört entweder abgeschaft oder stark abgeändert.
    Sie hilft nur spielerisch schwächeren Mannschaften, die sich dann zur Kompensation auf abseits stellen spezialisieren können. Toller Fußball!

    Sie sollten sich besser darauf konzentrieren, ihre Fußballkunst zu verbessern.

  3. Redaktion

    Es käme wirklich mal auf ein Experiment an. Ich hatte die Idee sogar mal und wollte ein Turnier ohne Abseits austragen lassen, fand aber keine Unterstützer in meinem Verein. Ist auch fraglich, ob der DFB da mitgespielt hätte.

    Ich denke aber, ohne Abseits passiert folgendes: Ein Stürmer wird in den gegnerischen Strafraum beordert (oder in die Nähe). Der muss natürlich gedeckt werden. Dann wird ein zweiter nach vorne geschickt usf.

    Ich würde es gerne mal sehen. Es gäbe jedenfalls viel mehr Räume ohne Abseits.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Könnte man vielleicht mal ausprobieren, Abseits erst ab Höhe des Strafraums zu ahnden? Womöglich würde das ja das Spiel etwas entzerren? (Wahrscheinlich müsste man dann noch eine Linie auf den Platz malen, damit die Schiedsrichter-Assistenten wissen, wann ein Spieler die Höhe des Strafraums erreicht.
    Vielleicht ist das 'ne Schnapsidee, aber man könnte es ja mal bei einem B-Jugend-Freundschaftsturnier oder so testen?

  4. "Ein Stürmer wird in den gegnerischen Strafraum beordert (oder in die Nähe)."

    Kann sein, muß aber nicht unbedingt.
    Aber einen Test wäre es Wert.
    Wahrscheinlich werden sich die Taktiken etwas ändern, muß aber nicht negativ sein.
    Auf jeden Fall wird man so vlt besser Beton-Abwehrreihen knacken können.
    Denn nicht genug damit, daß sie alle hinten drin stehen, haben sie auch noch das Abseits als Helfer.
    Und wir wollen ja den aktiven Teams eigentlich helfen.
    Siehe auch: Auswärtstore werden höher bewertet.

    Die Regel wurde ja durch das passive Abseits etwas verbessert. Was ähnliches könnte man auch mit passiven "Abseits-Aufhebern" tun. Dann wird es aber noch komplizierter...

  5. Ohne Abseits wäre das Spiel schon deutlich anders. Für eine verteidigende Mannschaft wäre es unmöglich durch eine hohe Abwehrreihe das Spiel eng zu machen. Die Folge wäre Manndeckung oder Strafraumdeckung. So ein bisschen wie im Eishockey.

    Das "mittlere" Mittelfeld wäre also weniger wichtig, da ein langer Ball nach vorne häufiger erfolgreich wäre, weil die Angreifer sich einfacher positionieren können.

    Und die Engländer würden endlich dominieren, da ihnen Kick and Rush im Blut liegt. ;)

  6. Situation: Ein Stürmer spurtet los, um eine Steilvorlage zu erhalten. Der Verteiiger versucht eine Abseitsfalle aufzubauen und läuft in Gegenrichtung. Im kurzzeitigen Spurt legt der Stürmer in einer Sekunde 9 bis 10 m zurück, also in einer Fünfzigstelsekunde circa 20 cm. Maßgeblich ist der Moment der Ballabgabe. Dieser lässt sich sicher nicht genauer als eine Fünfzigstelsekunde festlegen. Da sich auch der Verteidiger bewegt, ist die Streckendifferenz noch größer. Der Linienrichter soll dies parallaxenfrei kontrollieren. Dies kann er sicher nicht.
    Ich bin sogar sicher, dass bei einer solchen Situation mit Hilfe des Standbilds und des eingeblendeten Balkens sowohl eine Abseitsposition als auch keine "nachgewiesen" werden kann.
    Sinnvoller wäre eine völlig neue Abseitsregelung , wie sie auch beim Eishockey verwendet wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Fußball | Schiedsrichter | Trainer | Hamburg
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