Dirk Bauermann"Es ist nicht nur ein Vorteil, das Bayern-Trikot zu tragen"

Vor Beginn der Basketball-Playoffs zieht Bayern Münchens Trainer Dirk Bauermann ein kritisches Zwischenfazit und regt eine neue Quote für deutsche Spieler an. von 

Der Basketballtrainer Dirk Bauermann

Der Basketballtrainer Dirk Bauermann  |  © Andreas Gebert/dpa/lby

ZEIT ONLINE : Herr Bauermann , Bayern München will Titel holen. Sie haben die Liga als Fünfter abgeschlossen, müssen in den Playoffs gegen Quakenbrück zunächst auswärts antreten. Sind Sie sehr enttäuscht über den bisherigen Saisonverlauf?

Dirk Bauermann : Nein. Wir sind zufrieden, es ist unser erstes Jahr in der Ersten Liga. Wir haben uns gesteigert, die Abläufe im Spiel sind stabiler als vor einem halben Jahr. Aber ich weiß auch, der fünfte Platz ist nicht überragend, wir sind sportlich leicht im Soll.

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ZEIT ONLINE : Auf Dauer muss mehr drin sein als gehobenes Mittelfeld, alleine schon wegen der finanziellen Voraussetzungen in München.

Bauermann : Das stimmt, und das wird auch so kommen. Zuhause treten wir schon meist dominant auf. Wir begeistern unsere Region, alle Heimspiele sind ausverkauft. Das ist für Basketball in Metropolen nicht immer leicht.

ZEIT ONLINE : Sie mussten als Bundestrainer zurücktreten, weil Sie Bayern München trainieren. Welchen Weg wird die deutsche Nationalmannschaft ohne Dirk Nowitzki , Chris Kaman und ohne Sie gehen?

Bauermann : Ohne die beiden NBA-Stars wird es schwer, das Niveau zu halten. Zumal die europäische Konkurrenz immer besser wird. Aber auf lange Sicht bin ich zuversichtlich. Wir haben einen sehr guten Trainer. Svetislav Pešić wird den Umbruch mit jungen Spielern einleiten. Wenn alle Geduld haben und dem Nachwuchs eine Chance geben, wird sich Erfolg einstellen.

ZEIT ONLINE : Als Nationaltrainer forderten Sie stets Quoten für deutsche Spieler. Seit der Saison 2010/11 müssen bei einem Spiel mindestens fünf von zwölf Akteuren eines Teams einen deutschen Pass besitzen. In der neuen Saison gilt eine neue Regel: Im Kader dürfen nicht mehr als sechs Ausländer stehen. Der richtige Weg? 

Bauermann : Absolut, eine genaue Analyse muss natürlich am Saisonende folgen. Aber wir schauen auch auf die Konkurrenz: Spanien und Griechenland haben harte Quoten, in Russland müssen immer mindestens zwei Russen auf dem Feld stehen. Ich finde strenge Regeln gut, wie wäre es mit der 1-2-3-Lösung? In der Ersten Liga muss jederzeit ein Deutscher auf dem Feld stehen, in der Zweiten (Pro A) zwei, in der Dritten (Pro B) drei.

Einsatzzeiten nach Nationalität

Unsere Datenauswertungen umfassen alle Hauptrundenspiele der für die Playoffs qualifizierten Teams der BBL-Saison 2011/12. Alle Daten in unserem GoogleDoc .
Einsatzzeiten pro Team

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Erzielte Punkte

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ZEIT ONLINE : Unter den acht Playoff-Teilnehmern erhalten deutsche Spieler im Schnitt nur 24,8 Prozent der Spielzeit.

Bauermann : Man muss den Vereinen Zeit zur Anpassung geben. Ausländer werden immer wichtig für eine Liga sein, sie erhöhen Qualität und Attraktivität. Wir haben uns entschieden, möglichst viele deutsche Nationalspieler einzusetzen. Das ist das Leitbild Bayern Münchens, da orientieren wir uns am Fußball.

ZEIT ONLINE : München ist die Ausnahme, dort beträgt die Spielzeitquote der Deutschen nahezu 50 Prozent. Dennoch sind die vier wichtigsten Scorer US-Amerikaner .

Bauermann : Prinzipien sind gut, Dogmen nicht. Für uns ist Nationalität zwar wichtig. Aber noch wichtiger ist Kontinuität. Jedes Jahr acht neue Spieler zu holen, kommt für uns nicht in Frage. Die Mannschaft darf nicht austauschbar sein. Demond Greene und Steffen Hamann sind zwei wichtige deutsche Spieler, die schon beim Aufstieg dabei waren. Sie spielen auch in der Bundesliga eine zentrale Rolle.

ZEIT ONLINE : Jan-Hendrik Jagla hat bislang enttäuscht.

Bauermann : Jagla hat in der Tat noch nicht so hochprozentig getroffen. In dieser Saison sollte er von der Bank kommen, das war der Plan.

Leserkommentare
  1. Zitat ""Es ist nicht nur ein Vorteil, das Bayern-Trikot zu tragen"

    Was hat schon nur Vorteile, dafür ist das Gehalt eben Schmerzensgeld

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