Champions-League-FinaleBayern verliert gegen Chelsea

Trotz Überlegenheit gelingt es Bayern nicht, das Champions-League-Finale in 120 Minuten für sich zu entscheiden. Im Elfmeterschießen unterliegen die Münchner Chelsea 3:4.

Nach der 3:4-Niederlage liegen die Bayern-Spieler am Boden.

Nach der 3:4-Niederlage liegen die Bayern-Spieler am Boden.


Bayern München - FC Chelsea 3:4  (1:1,1:1,0:0)

Es war ein Traum, ein Traum von dahoam. Es wurde ein Trauma. Der FC Bayern München hat das Finale der Champions League gegen den FC Chelsea im eigenen Stadion nach Elfmeterschießen verloren. Nahezu das gesamte Spiel hatten die Bayern dominiert, hatten sich Chancen erarbeitet, aber keine Tore gemacht. Letztlich reichten den Engländern zwei Minuten Fußball, um den Führungstreffer von Müller auszugleichen und die Verlängerung zu erzwingen. Die brachte auch keine Tore.

Dann hatte Philipp Lahm die schwere Aufgabe übernommen, den ersten Elfmeter zu schießen. Und er verwandelte, sicher, aber ohne Erleichterung.

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Anschließend war es an Manuel Neuer, Juan Mata abzuwehren. Das gelang auch. Und als danach Mario Gomez endlich auch mal traf, schien eine kleine Vorentscheidung gefallen zu sein. Aber David Luiz traf. Und Neuer schritt zur nächsten Tat. Sicher verwandelte er gegen Cech, hatte dann aber gegen Frank Lampard keine Chance. Das Drama nahm seinen Lauf. Ivica Olic scheiterte und Ashley Cole traf. Dann ging Bastian Schweinsteiger zum Punkt, der nervenstarke. Er lief an, stoppte seinen Lauf, tippte den Ball an und Cech lenkte ihn an den Pfosten. Dann kam Drogba. Der traf ins Tor, ins Mark, ins Herz.

Ein Funken Hoffnung

Kurz war Hoffnung aufgekeimt, die Bayern könnten das Spiel vor dem Elfmeterschießen für sich entscheiden. Da war es Didier Drogba, der, kaum, dass drei Minuten der Verlängerung gespielt waren Franck Ribery im Strafraum zu Fall brachte. Der humpelte vom Feld. Und Arjen Robben, sein Kontrahent vom Faustgefecht vor einigen Wochen schritt zur Rache. Er verschoss diesen Elfmeter, zu schwach zu unplatziert, kein Problem für Peter Cech. Vorbei die Chance, in der Verlängerung schnell in Führung zu gehen. Zudem musste Ribery verletzt draußen bleiben, für ihn kam Ivica Olic. Und vergab in der 107. Minuten die große Chance auf die Führung. Geschmeidiger wurde das Spiel dadurch nicht, bis zum Ende der Verlängerung nicht, es blieb mühsam bis zum Abpfiff.

Dass es zäh werden würde, war schon vorher zu erwarten gewesen. Der FC Chelsea, der eher eine italienische denn englische Spielweise bevorzugt – hinten helfen alle, vorne allenfalls Didier Drogba, ansonsten der liebe Gott - tat denn auch wie ihm geheißen und orientierte sich von Anfang an stark defensiv. Was alleine schon belegt ist durch den Umstand, dass er das erste Mal in die Nähe des Münchner Tors in der 35. Minute kam. Arjen Robben hatte schon zwei Tage vor dem großen Fest prophezeit, dass sie gegen diese Art und Weise des kick and nicht rush Lösungen finden müssten. Sie suchten sie. Wahrlich, das taten die Münchner, nur fanden sie zunächst keine.

Allen voran nicht Mario Gomez, der gleich drei, in Worten drei! Großchancen mehr oder wenig kläglich versemmelte, in der elften Minute, in der 40. und dann gleich darauf noch einmal in der 43. Minute. Dem Gesetz der vergebenen Chancen nach sah es zu diesem Zeitpunkt nicht gut aus für die Bayern. Sie hatten die erste Hälfte dominiert, hatten mit Bastian Schweinsteigers Schuss in der 5. Minute begonnen zu demonstrieren, dass sie hier dahoam sind und diese Demonstration mit weiteren Möglichkeiten fortgesetzt. Unter anderen in der 21. Minute, als Robben erst nur Cech traf, dann den Pfosten. Und die schönste Szene ging mal wieder von Franck Ribery aus, der in der 36. Minute seinen Mitspieler Diego Contento eingesetzt hatte. Dieser hatte auf Thomas Müller geflankt. Der nahm den Ball sehr schön volley, traf aber auch das Tor nicht. 0:0 zur Halbzeit, zäh eben, diese Angelegenheit.

Und beide machten weiter, wie begonnen. Chelsea verhalten mit den unausgesprochenen Drohung Drogba, und der FC Bayern feldüberlegen, dominierend, mit Chancen, aber eben keinen zwingenden. Auch nicht in der 53. Minute als Müller ein umjubeltes Tor erzielte, aber leider auch aus einer Abseitsposition heraus.

Zum Glück zeigte sich zu diesem Zeitpunkt die eigentliche Sorge, dass die umgebaute Abwehr zu brüchig sein werde, als unbegründet. Sie wurde erst gar nicht gefordert, der FC Chelsea blieb italienisch.

Gomez hat das Vergeben von Chancen aufgegeben

Allein, was nützt es, wenn den Bayern vorne der liebe Gott partout nicht helfen wollte. Auch nicht Arjen Robben in der 59. Minute, der fein von Gomez frei gespielt worden war, auch fein schoss, aber nur irgendein dazwischen fliegendes Abwehrbein traf. Man muss allerdings auch festhalten, ob mit oder ohne Gott, dass sich die Bayern in ihren Angriffsbemühungen zunehmend verzettelten. Noch einen Schlenker, und noch einen Schlenker, bis die nächste mögliche Chance gar nicht erst zu einer wurde. Mario Gomez hatte zu diesem Zeitpunkt das Vergeben von Chancen ganz eingestellt, allerdings auch das Erarbeiten der Möglichkeiten.

Und immer droht Drogba. Wie in der 72. Minute, in der Contento in höchster Not vor dem Mann, den sie einst Naturgewalt nannten, retten konnte. Zwei Minuten später war es Manuel Neuer, der erst eine Flanke schwach abwehrte, dann aber bei Drogbas Schuss auf der Hut war. Immerhin waren das Momente, in denen sich die vermeintlich unsichere Abwehr auszeichnen konnte. Timoschtschuk und Contento, die Stellvertreter, machten ihre Sachen sehr ordentlich, wenngleich letzterer im zweiten Abschnitt als Helferlein von Ribery etwas nachließ.

Zäh war es weiterhin und lief auf eine Verlängerung hinaus. Dann flankte Robben. Dann köpfte Thomas Müller. Und er köpfte ins Glück. Das war in der 83. Minute und München, das ohnehin schon den ganzen Tag über im Ausnahmezustand war, stellte sich auf eine Ausnahmenacht ein. Die war zunächst in der 89. Minute vorbei. Da drohte Drogba nicht mehr, da traf er zum Ausgleich und zur Verlängerung.

Erschienen im Tagesspiegel


Bayern München: Neuer - Lahm, Timoschtschuk, Boateng, Contento - Kroos, Schweinsteiger - Robben, Müller (87. van Buyten), Ribéry (96. Olic) - Gomez

FC Chelsea: Cech - Bosingwa, Cahill, David Luiz, Cole - Mikel, Lampard - Kalou (84. Torres), Mata, Bertrand (73. Malouda) - Drogba

Schiedsrichter: Proença (Portugal)

Zuschauer: 62.500 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Müller (83.), 1:1 Drogba (88.)

Besonderes Vorkommnis: Robben (Bayern München) scheitert mit Foulelfmeter an Cech (95.)

Elfmeterschießen: 1:0 Lahm, Mata gehalten, 2:0 Gomez, 2:1 David Luiz, 3:1 Neuer, 3:2 Lampard, Olic gehalten, 3:3 Cole, Schweinsteiger verschossen, 3:4 Drogba

Gelbe Karten: Schweinsteiger / Cole, David Luiz, Drogba, Torres

Beste Spieler: Neuer, Lahm / Cech, Drogba

 
Leserkommentare
  1. Im Auge des Betrachters. Darum achtet man weltweit auch Teams wie Brasilien. Darum bejubelt man Spanien, Deutschland, die Niederlande. Darum verehrte man einen Zidane.
    Wenn ein Team zu 8 mauert, dann ist das für einen unterlegenen Gegner völlig legitim und kann sogar richtig genial sein (siehe Pokalfights), aber eben nicht für ein Team, welches so bestückt ist, in welches so viel Geld investiert wurde. Ich habe die Spieler bereits aufgezählt. Die hätten die Möglichkeiten, aber verzichten ganz bewusst darauf, sie zu nutzen und das ist dem Fußball gegenüber ... Die haben quasi am Spiel nicht teilgenommen und fünf Minuten gezeigt, was sie können. Warum nicht über 90? Ich versteh es einfach nicht.
    Aber dem ganzen auch noch Schönheit zu unterstellen, also bitte. *kopfschüttel*

    Antwort auf "Schönheit"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Schönheit liegt im Fußball nicht wirklich im Auge des Betrachters."

    Haha, bitte was?? Fußball ist davon ausgenommen? Wo steht das? Weil mehr Leute das verschnökelte Spiel gut finden, da spektakulärer und so? Ist Wahrheit jetzt schon demokratisch?

    Ich schrieb übrigens klar und deutlich, dass beiden Dingen etwas abzugewinnen ist, aber ihre etwas abgehobene Sichtweise verhindert wohl jegliche Form von Differenzierung. Daher rührt wohl auch der Drang, einer etatreichen Mannschaft wie Chelsea per se vorschreiben zu wollen, wie sie Fußball zu spielen haben.

    Es ist doch vollkommen egal, wie hoch die Gehälter der Spieler sind, ob sie ihre eigenen Fähigkeiten beschneiden, obwohl sie es besser können etc.
    Es kommt darauf an, wie gut man sich auf einen Gegner taktisch vorbereitet und vorallem während des Spiels anpasst. Und dann stellt man sich als Drogba eben einige Stufen zurück. So etwas stünde einem Robben villeicht auch mal ganz gut zu Gesicht, hm?

    "Schönheit liegt im Fußball nicht wirklich im Auge des Betrachters."

    Haha, bitte was?? Fußball ist davon ausgenommen? Wo steht das? Weil mehr Leute das verschnökelte Spiel gut finden, da spektakulärer und so? Ist Wahrheit jetzt schon demokratisch?

    Ich schrieb übrigens klar und deutlich, dass beiden Dingen etwas abzugewinnen ist, aber ihre etwas abgehobene Sichtweise verhindert wohl jegliche Form von Differenzierung. Daher rührt wohl auch der Drang, einer etatreichen Mannschaft wie Chelsea per se vorschreiben zu wollen, wie sie Fußball zu spielen haben.

    Es ist doch vollkommen egal, wie hoch die Gehälter der Spieler sind, ob sie ihre eigenen Fähigkeiten beschneiden, obwohl sie es besser können etc.
    Es kommt darauf an, wie gut man sich auf einen Gegner taktisch vorbereitet und vorallem während des Spiels anpasst. Und dann stellt man sich als Drogba eben einige Stufen zurück. So etwas stünde einem Robben villeicht auch mal ganz gut zu Gesicht, hm?

  2. wirklich verdient gewonnen aber zumindest haben sie gewonnen und das auch noch recht fair. Und wenn man sich die Chancenauswertung vom FCB anschaut ist das schon recht dürftig gewesen. Wer gefühlte 95% Chancenanteile im Spiel hat und nur ein Tor daraus macht, der wird bestraft. Das ist nun wirklich keine neue Erkenntnis im Fußball. Chelsea hat nicht schön gespielt aber sehr effizient & hatte am Ende auch noch das Quantum Glück, das andere Mannschaften schon seit Jahrzehnten gepachtet haben...

    Antwort auf " ?????"
  3. Gomez versuchte es mal wieder mehr mehr Schwalben...
    Das Tor von Müller war sehr glücklich.

    Chelsea war tatsächlich "cooler" und hat aufgrund der "Auswärtssituation" verdient gewonnen.

    Naja, 3x Zweiter ist sooo schlecht nun auch nicht.
    Und im Elfmeterschießenrauszufliegen ist auch keine Schande.

    • T0t0R0
    • 20.05.2012 um 2:00 Uhr
    20. Folgen

    Nachdem jetzt sogar dieser Bayerntraum zerplatzt ist, frage ich mich besonders, ob nun irgendwelche Konsequenzen daraus gezogen werden.
    Normalerweise bin ich ja kein Bayernfan, aber dieses Spiel ist für sie schon verdammt unglücklich gelaufen. Vom Kampfgeist und Ehrgeiz her hätten sie, meiner Meinung nach, den Sieg allemal verdient gehabt, doch Fußball ist eben meist nicht fair und so gewinnt Chelsea, welche keinen "attraktiven", geschmeidigen Fußball zeigten, aber im richtigen Moment, das glücklichere Händchen hatten.

    3 Leserempfehlungen
  4. aber am Ende zählt das Ergebnis.
    Wie oft haben sich andere Mannschaften aus dem Ausland beklagt, wenn sie gegen Deutschland oder eine Deutsche Mannschaft verloren haben. Da hieß es auch, das Ergebnis zählt. Spielerische Qualitäten von südlichen Mannschaften werden nicht selten von dt. Kommenatoren als "Ego Einzelspielermannschaft oder verspielt aber nicht effektiv" belächelt. Taktik wurde/wird da gerne als Qualitätsmerkmal offeriert, allerdings nur so lange es nicht gegen die eigenen Mannschaften geht.

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    Antwort auf "Liebe Spötter"
  5. "...die Geldsäcke BM wurden von einer alten eingeschworenen richtigen Mannschaft geschlagen, dass ein Milliardär den Club besitzt hat nichts damit zu tun."

    Sie scheinen es besser zu wissen.

    Russische Milliardäre und der Sport!

    Lesen Sie doch mal von Ernst Bloch die Kurzgeschichte "Das nützliche Mitglied" und denken dann nochmal über Geld und Sport nach, oder über das Hier und Jetzt überhaupt.

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    Antwort auf
  6. er sah zwar mehr "Ballanteile"...,
    doch seit wann ist das ein Beleg für eine überlegene Spielweiese.
    Eine Taktikschulung wäre bei den meisten Fußballkommentatoren angebracht.

    Bayern hat sein "Heimspiel" gehabt und vergeigt.

    Chelsea spielt ohne 3 Stammabwehrspieler..., hat aber mannschaftlich hinten ausgeholfen.
    Das kann man ihnen nicht verdenken.

    Drogba hat tatsächlich das Spiel entschieden. Geiles Kopfballtor, obwohl er gestoßen wurde... eben den Siegtreffer.
    Gomes war enttäuschen, genau wie Ribery, genau wie die manch andere "Gockel".. allen voran natürlich "Robben"..

    "Schweini" war leider nicht fit, sonst wäre das Spiel vermutlich anders ausgegangen.

    Eine Leserempfehlung
  7. dass die selbstzufriedenen, überheblichen Bayern-Funktionäre jetzt wieder auf einen gesunden Mass zurechtgestutz werden.

    Wer übernimmt die jetzt Verantwortung? Der Trainer? Dessen wie immer verschwurbelte Äusserungen dürfte jetzt wieder eher zur Vernebelig der Öffentlichkeit taugen, als zur Bekenntnis seiner Fehlleistungen.

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