DFB-Pokal Klopp bewegt sich wie Franz Beckenbauer

Sieben Tore, zwei Elfmeter und ein berauschter BVB-Trainer: Borussia Dortmund besiegt den FC Bayern eindrücklich zum fünften Mal in Folge und gewinnt den DFB-Pokal.

BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem DFB-Spiel im Berliner Olympiastadion

BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem DFB-Spiel im Berliner Olympiastadion

Das DFB-Pokalfinale in Berlin ist ein feierlicher Anlass. Das fiel irgendwann auch Jürgen Klopp auf. Die deutsche Nationalhymne vor dem Anpfiff hatte schon angefangen, da merkte der Trainer von Borussia Dortmund, dass es doch angebracht wäre, seine Kappe abzunehmen. Schnell korrigierte er den Fauxpas.

Es blieb die einzige Blöße des Meisters und neuen Pokalsiegers. Dank dreier Tore von Robert Lewandowski schloss der BVB eine überlegene Saison mit einem überlegenen und unterhaltsamen 5:2 (3:1)-Sieg gegen Bayern München ab.

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Bayerns Trainer Jupp Heynckes hatte der Versuchung widerstanden, seine Mannschaft für das Endspiel der Champions League in einer Woche einzuspielen. Er setzte von Beginn an auf die gegen den FC Chelsea gesperrten Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo. Beim Letztgenannten wäre eine Sperrensimulation vielleicht die klügere Alternative gewesen.

Das Finale war gerade zwei Minuten alt, da spielte der Brasilianer einen verunglückten Pass. Dortmunds Jakub Blaszczykowki ersprintete den Ball, legte quer zu Shinji Kagawa, der zum 1:0 einschob.

Fortan wurde Luiz Gustavo im Spielaufbau der Bayern weiträumig umfahren. Oft ging es über die Außen, aber Franck Ribéry und Arjen Robben wurden direkt von zwei bis drei Dortmundern in Empfang genommen. Dieses Trippeln war einer der Pläne, um das Double sicherzustellen. Besser lief es, wenn es in wenigen Kontakten durch die Mitte ging: So nach 20 Minuten, als ein Steilpass Mario Gomez erreichte. Oder erreicht hätte, wenn der BVB-Torwart Roman Weidenfeller ihn nicht von den Beinen geholt hätte.

Torwart Weidenfeller verletzt

Am Elfmeterpunkt gab es ein Wiedersehen: In der Meisterschaft hatten sich Robben und Weidenfeller in Dortmund schon einmal gegenübergestanden. Weidenfeller hatte gehalten, Robben titelentscheidend verschossen. Diesmal machte es der Niederländer besser, schoss flach in die richtige Ecke.

Weidenfeller musste kurz darauf das Feld verlassen, er hatte sich zuvor schon an der Rippe verletzt, für ihn kam Ersatztorwart Mitchell Langerak.

Der Ausgleich gab den Bayern aber nicht mehr Sicherheit in ihrem Spiel. Das frühe Attackieren der Dortmunder behagte ihnen nicht. Der Punkterekordmeister verzeichnete weniger Ballbesitz, aber mehr Torgefahr: Als der agile Blaszyczykowski sich fünf Minuten vor der Pause auf die linke Angriffsseite getrickst hatte, mähte ihn Jerome Boateng mit beiden Beinen voraus um. Den Elfmeter des früheren Münchners Mats Hummels erwischte Bayerns Torwart Manuel Neuer noch – vom rechten Toreck konnte er ihn aber nicht ablenken.

Nach dem 2:1 flog schon ein wenig Konfetti durch das mit 75.708 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion, aber dafür war es noch zu früh. Der Schiedsrichter spendierte, wegen Weidenfellers Behandlungspause, fünf Minuten Zugabe zur ersten Halbzeit. Genug für Luiz Gustavo, um sich wieder zu verschätzten. Diesmal bei der Flugkurve des Balles, Kagawa dankte und spielte geistesgegenwärtig auf Robert Lewandowski. Frei vor Neuer traf der Pole zum 3:1.

Jürgen Klopp gibt sich siegessicher

Die Siegerfaust bereits ballend sprintete Jürgen Klopp in die Kabine. Mit einem Knall ging es danach weiter. Die Dortmunder Fans zündeten, wie schon die Münchner vor Spielbeginn, mehrere Bengalos, der Wiederanpfiff verzögerte sich.

Bayerns Trainer Heynckes nutze die Unterbrechung um den unglücklichen Luiz Gustavo herauszunehmen und Thomas Müller für das Champions-League-Finale einzuspielen. Bayern wurde offensiver, was aber eher dazu führte, dass Dortmund zu mehr Kontern kam. So nach fast einer Stunde, als ein abgefangener Ball bei Kevin Großkreutz an der Münchner Strafraumgrenze landete. Er tunnelte Schweinsteiger und Lewandowski traf erneut, 4:1.

Statt die Serie von vier Niederlagen in Folge gegen Dortmund zu korrigieren, schienen die Münchner sie nur zu verschlimmern. Die Bayern-Fans sehnten sich nach dem Finale "dahoam", nach dem FC Chelsea und sangen: "Europapokal, Europokal." Die Dortmunder Fans feierten schon das erste Double in der 103-jährigen Vereinsgeschichte, als Neuer gegen Lewandowski rettete und Gomez im Gegenzug an die Latte köpfte.

Ribéry sorgte mit einem Solo an der Strafraumgrenze entlang und einem platzierten Schuss dann für das 2:4. Doch wenig später patzte Manuel Neuer: Einen eigentlich schon abgefangen Ball ließ er wieder los, Lukasz Piszczek flankte auf Lewandowski und der traf zum dritten Mal.

Minuten vor dem Ende schon feierten die Dortmunder Ersatzspieler, nach dem Abpfiff hüpften auch die Aktiven und rannten mit einer Riesenfahne zur schwarz-gelben Kurve, sie feierten auf der Treppe zum Marathontor. Jürgen Klopp lief über den Rasen wie Franz Beckenbauer nach dem WM-Sieg 1990 und umarmte jeden, den er fand – wie ein Kaiser mit Kappe.

 
Leserkommentare
  1. Naja, Neuer hat einfach bisschen Pech gehabt. Den gehaltenen Ball hat er mit dem Knie nochmal aufgescheucht. Schlimmer war da Langerak, der mehr als Feldspieler agierte, dreimal extrem weit vor dem Tor. Und einmal zumindest richtig Glück dabei bei der Fehleinschätzung.

    Übrigens müsste es Tripel und nicht Trippeln heißen. Oder bewegen sich die Spieler in kleinen verkürzten Schritten?

  2. Gaucks Kommentar: "Als sich die Bayern einmal angestrengt haben, da war die Latte da!"

  3. Der einzige, der nach dem Spiel einen vernünftigen Kommentar abgegeben hat, war Arjen Robben. Wenn man 5:2 verliert, kann man nicht sagen, die bessere Mannschaft gewesen zu sein.

    Bei Herrn Lahm kann die Perspektive über den Spielverlauf täuschen, Schweinsteiger sollte zumindest einen besseren Überblick haben.

    Ja, ich betrachte das durch die schwatzgelbe Brille und freu' mich wie Bolle, aber mit so einer miserablen Defensive wie heute kann man kein Spiel gewinnen.

    4 Leserempfehlungen
  4. gegen Chelsea nichts. Selten habe ich die Defensive derart
    schwach gesehen, Fehler über Fehler. Nach dem 1:1 dachte ich,
    jetzt geht es richtig los, aber es gab von den Bayern nur
    ein 15 minütiges Aufflackern. Tatsächlich kann die Mannschaft
    mehr, war wohl heute nicht ihr Tag.
    Aber Lahm´s "wir waren klar die bessere Mannschaft" ist ja
    schon fast Realitätsverlust- wie kann man die bessere Mannschaft sein, wenn man fast jeden Zweikampf verliert und
    die Defensive an Löcher vom Schweizer Käse erinnert?
    Wünsche trotzdem Glück für kommenden Samstag und drücke die
    Daumen für einen Sieg.

    3 Leserempfehlungen
  5. an den Dortmund. Verdient gewonnen. Wenn Bayern gegen Chelsea so spielt, gewinnen sie. Interviews direkt nach dem Spiel sollten verboten werden. Meistens wird da eh Mist gelabert.
    Das Verhalten der Spieler des FC Bayern bei der Siegerehrung hat mich extrem enttäuscht. Klar; man hat verloren, aber so verhält man sich nicht. Einfach die Medaille einstecken. Selbst der Trainer. Das ist peinlich und unsportlich. Wer seinen Mund zur Menschenrechtssituation in der Ukraine auf macht, MUSS sich anders verhalten. Denn Sportler sollen ja Vorbild sein.

    5 Leserempfehlungen
    • Mint
    • 13.05.2012 um 0:13 Uhr

    ... wird das auch gegen Chelsea nichts, schade.

    2 Leserempfehlungen
  6. kommt zu Recht nach Dortmund statt nach Köln, wozu ich auch meinen Beitrag geleitet habe.

    Strahlend wie ein Honigkuchenpferd

    Frieda

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    ... sollte aber dann der DFB oder du bezahlen.
    .
    Die Stadt kann sich das genau so wenig leisten wie den Flughafen!
    .
    Wenn du ein wenig in die Verträge geschaut hast, wird die als Bürger einer der Stad (bei aller Fußballbegeisterung) höfflich gesagt ein wenig übel!
    .
    Guss
    Sikasuu

    ... sollte aber dann der DFB oder du bezahlen.
    .
    Die Stadt kann sich das genau so wenig leisten wie den Flughafen!
    .
    Wenn du ein wenig in die Verträge geschaut hast, wird die als Bürger einer der Stad (bei aller Fußballbegeisterung) höfflich gesagt ein wenig übel!
    .
    Guss
    Sikasuu

  7. Die defensive der bayern war heute eine einzige katastrophe und das mit der "eingespielten" innenverteidigung. Wie soll es erst gegen chelsea aussehen, wo badstuber, alaba und gustavo gesperrt sind?

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    Denn was die drei gestern abgeliefert haben war unter aller Kanone. Herr Boateng hat sich gestern nahtlos angepasst, sprich auch grottenschlecht! Ich verstehe Herrn Heynkes sowieso nicht, warum er immer wieder Gustavo bringt. Zu langsam spiel im Zweikampf meistens Foul und nach vorne kommt auch nichts, Die Drei, es werden Rafinja, van Bouyten und Timoshuk sein, können gar nicht schlechter sein, weil schlechter als gestern geht nicht!!! Trotzdem werde ich beide Daumen drücken und mitfiebern, daß der FCB als Sieger vom Platz geht. Mensch, die spielen zu Hause, das muß einfach klappen!!!

    Denn was die drei gestern abgeliefert haben war unter aller Kanone. Herr Boateng hat sich gestern nahtlos angepasst, sprich auch grottenschlecht! Ich verstehe Herrn Heynkes sowieso nicht, warum er immer wieder Gustavo bringt. Zu langsam spiel im Zweikampf meistens Foul und nach vorne kommt auch nichts, Die Drei, es werden Rafinja, van Bouyten und Timoshuk sein, können gar nicht schlechter sein, weil schlechter als gestern geht nicht!!! Trotzdem werde ich beide Daumen drücken und mitfiebern, daß der FCB als Sieger vom Platz geht. Mensch, die spielen zu Hause, das muß einfach klappen!!!

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