Saison-RückschauDie Bayern waren Langweiler

Die Saison geht, was bleibt? Ein Rückblick auf Ballack und Burnouts, auf die unterschätztesten Spieler und das schönste Spiel.

Müdes Bayern-Dreigestirn: Karl Hopfner, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (v.l.)

Müdes Bayern-Dreigestirn: Karl Hopfner, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge (v.l.)

Wer spielte wie gegen wen?

Welche Spiele durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Die Romantiker pochen auf das 4:4 Borussia Dortmunds gegen den VfB Stuttgart, an dessen Ende für zwanzig Minuten alle Fesseln gelöst wurden, die die moderne Fußballtaktik dem Spiel normalerweise anlegt. Bezeichnender für die Meisterschaft waren die beiden 1:0-Siege der Dortmunder gegen Bayern München. Der BVB wird ja immer für seine rasanten Sturmläufe gelobt. In diesen Duellen zeigte sich, dass Jürgen Klopp zuerst defensiv denkt. Die Bayern verliefen und verfingen sich in beiden Spielen immer wieder im Dortmunder Dickicht, schossen erst gegen Ende aufs und übers Tor. Im Hinspiel warteten die Dortmunder geduldig auf ihre Chance. Im Rückspiel auch, aber nur, weil sie trotz Überlegenheit zu Beginn das Tor nicht trafen. Beides waren knappe Spiele, verdiente Siege. Der BVB gewann, weil er einen Plan B hatte. Die Bundesliga hat 2011/12 einen gerechten Ausgang gefunden: einen ganz starken Meister und einen sehr guten Vizemeister.

Welche Spiele konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Die von Bayern München, zumindest ab der 15. Minute. Meist lagen sie da schon in Führung, und es blieb nur noch die Frage, ob sie bei ihrem Sieg vier Tore schießen (wie gegen Hertha, Nürnberg und Bremen) fünf (HSV), sechs (Hertha) oder sieben (Freiburg, Hoffenheim). Und ob Gomez einen Doppel- oder Dreierpack schnürt. Auf der anderen Seite ist es den Bayern nur zwei Mal geglückt, einen Rückstand in einen Sieg zu drehen: im Dezember gegen zehn Stuttgarter und kürzlich beim Spiel in Bremen, das nur den Zweck hatte, Bastian Schweinsteiger für das Champions-League-Rückspiel in Madrid fit zu kriegen. Punkte- und Tore-mäßig mögen sie überzeugt haben, dramaturgisch waren die Bayern in der Liga ein Langweiler.

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Wer stand im Blickpunkt?

  • Lucien Favre, weil er allen vor Augen führte, dass auch im Fußball ein Kauz ein Künstler sein kann.
  • Christian Streich, weil er zeigte, dass Fußball ein Trainersport ist und weil er den Kamm aus der Mode brachte.
  • Jos Luhukay, weil er mit dem Augsburger Kollektiv die Sensation des Jahres, den Klassenerhalt, schaffte und das bisschen Trotz, das ihm trotz seiner zurückhaltenden Art bleibt, in einem Oberlippenbart versteckt.
  • Otto Rehhagel, weil er zeusgleich bewiesen hat, dass auch Götter irdisch sein können.
  • Michael Skibbe, weil er zum zweiten Mal die Platte auflegte: "Mit mir wären wir nicht abgestiegen." Ohne dass ihm jemand zuhörte.
  • Michael Preetz, weil es nicht auszuschließen ist, dass er, wenn man ihn lässt, bald Peter Neururer auf die Trainerbank setzen wird.
  • Lukas Podolski, weil er zumindest phasenweise eine Schoppenelf auf Bundesliga-Niveau hob.
  • David Alaba, weil mit ihm in München plötzlich (fast) alles rund lief.
  • Señor Raúl, weil er auch im zweiten Jahr den Kanarienvogel in der Gelsenkirchener Kohlemine gab.
  • Die verrückten Schalke-Fans, weil sie ihrem Señor nach nur zwei Jahren einen tausendtränentiefen Abschied bereiteten, zu dem sein unterkühlter Heimatverein Real Madrid nicht fähig gewesen war.
  • Christian Seifert, weil er mit ausgeklügelter Strategie Murdochs Managern Millionen mopste und dafür sorgte, dass sich die Spieler und ihre Berater noch mehr Asche in die Taschen stecken die Bundesligavereine europäisch konkurrenzfähiger werden.
  • Ståle Solbakken, weil er mehr als fünf Dutzend Gegentore mit Humor ertrug und mit drolligem skandinavischen Akzent von neuen Verteidigungsstrategien sprach.
  • Frank Arnesen, weil er Chelsea die Reservespieler nahm, die dem Club nun gegen Bayern wegen der vielen Sperren fehlen werden, und mit drolligem skandinavischen Akzent von den europäischen Ambitionen des HSV sprach.

Worüber reden nach der Saison alle?

Diese Saison ist der Beginn einer Epoche: Die Bundesliga wird spanisch. In den nächsten Jahren wird die deutsche Meisterschaft hauptsächlich im Zweikampf zwischen Borussia und Bayern verhandelt – ähnlich wie in der Primera Division, in der Real Madrid und der FC Barcelona dominieren. Es wird ein Wettbewerb mit unterschiedlichen Voraussetzungen: Bayern kann es sich leisten, fertige Topspieler zu kaufen. Die Borussia ist wegen des wirtschaftlichen Rückstands darauf angewiesen, Diamanten zu schleifen. Ihr gelingt es wieder nicht, das komplette Team zu halten. Lucas Barrios geht nach China, Shinji Kagawa vielleicht nach England, Robert Lewandowski weigert sich bislang, seinen Vertrag zu verlängern. Die Bayern hingegen füllen ihren Geldspeicher durch den Finaleinzug in der Champions League weiter auf. Arjen Robben bleibt ein Bayer, hinzu kommt sicher wieder ein Neuer, oder zwei oder drei. Und vielleicht wird Uli Hoeneß ja auch bald Jürgen Klopp mit seinen Argumenten überzeugt haben, die er sich vom Generaldirektor Heinrich Haffenloher abgeschaut hat:

Was machten die Frauen?

Im Jahr nach der Weltmeisterschaft daheim stieg der Zuschauerschnitt zwar von 833 auf 989, doch das ist weniger als erhofft. Nur die großen Vereine Frankfurt, Potsdam und Duisburg verzeichnen einen merklichen Zuwachs. Beim Spiel Hamburg gegen Jena kamen nur 165 Menschen – Bundesliga-Minusrekord. Da zählt die Kreisligatruppe FC Alsterbrüder schon mal mehr Leute am Sportplatz. Der WM-Boom blieb also aus. Und dann ist den Frauen auch noch Theo Zwanziger abhanden gekommen.

Leserkommentare
  1. geschrieben!
    Aber hätte man damit nicht noch zwei Tage warten können, bis die Saison wirklich vorbei ist?

    Und noch was:
    "Die Romantiker pochen auf das 4:4 Borussia Dortmunds gegen den VfB Stuttgart, an dessen Ende für zwanzig Minuten alle Fesseln gelöst wurden, die die moderne Fußballtaktik dem Spiel normalerweise anlegt."

    Wann kapieren auch die Sportreporter in Deutschland, dass auch riskantes, offensives Spiel eine "Fußballtaktik" ist? Jedesmal wenn ich o.g. Phrase lese oder beim Spiel höre bin ich kurz davor den Fernseher/Monitor einzuschlagen.

    6 Leserempfehlungen
    • Afa81
    • 04.05.2012 um 15:43 Uhr

    Diese Überschrift kann ich als Bayer auch falsch verstehen :-)

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  2. Zumindest was Köln und Kaiserslautern angeht, ist da was durcheinandergeraten.
    Köln muß noch gegen Bayern München antreten, Kaiserslautern gegen Hannover.

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    Redaktion

    Stimmt, aber ich kann das jetzt nicht ändern, denn das ist eine Grafik. Danke für den Hinweis, Azenion.

    Ich glaube, das Adorf-Video ist zumindest nicht Lichtjahre von der Wahrheit entfernt.

    Redaktion

    Stimmt, aber ich kann das jetzt nicht ändern, denn das ist eine Grafik. Danke für den Hinweis, Azenion.

    Ich glaube, das Adorf-Video ist zumindest nicht Lichtjahre von der Wahrheit entfernt.

  3. 1) Weder Hoeneß noch Klopp wären gut beraten, wenn Klopp Bayern-Trainer würde. Das wissen sie auch beide.
    2) Robbens Saison auf den missglückten Auftritt in Dortmund zu reduzieren, ist etwas kleinkariert. Insgesamt hat er dieses Jahr nämlich ganz passabel gespielt.
    3) Nicht Petric wird gewaltig überschätzt, sondern der HSV!
    greetz, BG

    • mores
    • 04.05.2012 um 20:42 Uhr

    Aus unerfindlichen Gründen sind Gomez und Robben, die ihre Sturm- und Drangzeit längst hinter sich haben, bis zur Fussballer-Rente verpflichtet worden. DAS garantiert auch künftig Bayern-Langeweile!

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  4. Redaktion

    Stimmt, aber ich kann das jetzt nicht ändern, denn das ist eine Grafik. Danke für den Hinweis, Azenion.

    Ich glaube, das Adorf-Video ist zumindest nicht Lichtjahre von der Wahrheit entfernt.

    Antwort auf "Matrix stimmt nicht"
    • Hickey
    • 05.05.2012 um 10:07 Uhr

    Wer sowas sehen will soll doch bitte ins Theater gehen, Fußball ist Sport und Showeinlagen haben nur außerhalb des Spielfelds Platz.
    Fußball ist halt kein Theater, keine Bühne.

    Das beste Spiel war zweifelsohne BVB - VFB 4:4, was zum Großteil an der herrlich kämpferischen Art der Stuttgarter lag.

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    Antwort auf "Dramaturgie"
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    • Hickey
    • 09.05.2012 um 8:25 Uhr

    mit den Spielen der Bayern zu tun ?

    Es gab früher tolle Spiele zwischen Stuttgart und den Bayern, die kann auch dieses 4:4 nicht übertreffen, naja vielleicht lag es daran das ich im Stadion war als die Bayern 5:3 gewonnen haben.

    Das Spiel der Stuttgarter gegen Dortmund war ja auch erst ab der 70 Minute wieder spannend, bis dahin war die Partie für die meisten bereits entschieden, es war schön anzusehen usw...

    Das Spiel Barcelona gg Chelsea war dagegen viel viel spannender, obwohl die Inselbewohner vorher Taktiktips aus Italien bekommen haben und diese sogar sehr gut umgesetzt haben.

    Nicht jedes schöne Spiel ist spannend und umgekehrt.

    Deswegen wäre ich vorsichtig die Unterhaltung nur an der Schönheit des Spiels festzumachen, was ihr aber alle macht.

    Siehe Chelsea gg Barca und Real gg Bayern...beide Partien waren sehr spannend, über die Spielweise der 4 Teams brauch ich ja nichts zu sagen, dürfte jedem bekannt sein.

    • Hickey
    • 09.05.2012 um 8:25 Uhr

    mit den Spielen der Bayern zu tun ?

    Es gab früher tolle Spiele zwischen Stuttgart und den Bayern, die kann auch dieses 4:4 nicht übertreffen, naja vielleicht lag es daran das ich im Stadion war als die Bayern 5:3 gewonnen haben.

    Das Spiel der Stuttgarter gegen Dortmund war ja auch erst ab der 70 Minute wieder spannend, bis dahin war die Partie für die meisten bereits entschieden, es war schön anzusehen usw...

    Das Spiel Barcelona gg Chelsea war dagegen viel viel spannender, obwohl die Inselbewohner vorher Taktiktips aus Italien bekommen haben und diese sogar sehr gut umgesetzt haben.

    Nicht jedes schöne Spiel ist spannend und umgekehrt.

    Deswegen wäre ich vorsichtig die Unterhaltung nur an der Schönheit des Spiels festzumachen, was ihr aber alle macht.

    Siehe Chelsea gg Barca und Real gg Bayern...beide Partien waren sehr spannend, über die Spielweise der 4 Teams brauch ich ja nichts zu sagen, dürfte jedem bekannt sein.

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