Champions LeagueDas Finale für alle

Den Sieg Lyons über Frankfurt sehen mehr als 50.000 Zuschauer – Rekord. Ein gutes Zeichen in einer schweren Zeit für den deutschen Frauenfußball. von 

Bayerische Frauenfußballfans

Bayerische Frauenfußballfans  |  © Christof Stache/AFP/Getty Images

Das Spiel war noch nicht angepfiffen, da wurde die Frauenfußballwelt schon auf den Kopf gestellt. In der Südkurve des Olympiastadions hatte jemand ein bengalisches Feuer gezündet. Eines jener pyrotechnischen Erzeugnisse, die deutsche Fußballfunktionäre derzeit in Atemnot versetzen. Diese Leuchtfeuer, die als Vorboten von Krawallen, Platzstürmen und allerlei anderem Übel gelten, an dem sich der deutsche Fußball vor allem in dieser Woche abarbeitet . Nun hat es solch ein Ding auch zum Frauenfußball geschafft, zum mutmaßlich ersten Mal. Ein gutes Zeichen.

Das Champions-League-Finale in München war ein ungewöhnlicher Tag für den Frauenfußball. Nicht, weil der deutsche Vertreter 1. FFC Frankfurt mit 0:2 gegen Olympique Lyon verlor . Das kann passieren, Lyon ist nicht irgendwer, sondern Titelverteidiger, Favorit, schoss in dieser Spielzeit 180 Tore und bekam nur 6 rein. Es ging um das Drumherum, um das Bengalo, den Zuschauerrekord, die Endlos-Laola. Alles war so riesig, so anders. Fast wie vor knapp einem Jahr, bei dem Sommermärchen, das dann ins Wasser fiel .

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Nach der WM 2011 und ihrem Getöse ist der Frauenfußball dorthin zurückgekehrt, wo er herkam: in die Nische. Einen WM-Effekt gab es nicht. Laut einem Marktforschungsinstitut interessieren sich derzeit noch weniger Deutsche für Frauenfußball als vor der WM. Einige der wichtigsten Spiele der Nationalmannschaft, die im Sommer bis zu siebzehn Millionen Menschen sahen, wollte nicht einmal der Spartenkanal Eurosport übertragen. Der Zuschauerschnitt der heimischen Bundesliga stieg zwar um zwanzig Prozent, aber eben nur von 833 Zuschauer pro Spiel auf 988. Nur in Japan boomt der Sport; die Japanerinnen wurden aber auch Weltmeister.

Deshalb brauchte der hiesige Frauenfußball dieses Spiel. Ein Spiel, nach dem alle irgendwie zufrieden nach Hause liefen. Die Gewinner, weil sie gewannen. Die Verlierer, weil so viele Zuschauer gekommen waren. Die Zuschauer, weil sie noch einmal das Olympiastadion sahen. Und das Olympiastadion, weil nach mehr als sieben Jahren Fußballpause mal wieder was los war unter dem Zeltdach, das einen deutschen WM-Titel, unzählige bayerische Meisterschaften und Lars Rickens Heber gesehen hat.

Es war das Finale für alle. Für das Finale der Männer zwischen Bayern und Chelsea am Samstag gingen Zehntausende Tickets nicht an Fußballfans, sondern an Sponsoren und Funktionäre, was in München für einigen Unmut sorgte. 1,15 Millionen Eintrittskartenwünsche erreichten den FC Bayern, nur 17.500 Bayern-Fans dürfen am Ende ins Stadion. Auf Ebay wurden Mondpreise verlangt. Zum Finale der Frauen konnte jeder kommen, der wollte.

Er brauchte nur am Stadion erscheinen, das Fanfest im Olympiapark passieren, wo er vor Sponsorenwänden Bälle in Kisten lupfen oder um Kegel dribbeln durfte, und sich dann an der Stadionkasse entscheiden, ob er lieber für fünf Euro auf der Gegengeraden oder für sieben auf der Haupttribüne sitzen wollte. Da musste man als durchschnittlich Sportinteressierter schon eine gute Ausrede haben, um zu Hause zu bleiben. Weil wohl auch der ein oder andere Sponsor ein paar Tickets ins Volk warf, wurden es am Ende 50.212 Zuschauer – europäischer Vereinsrekord.

In das typische Frauenfußballpublikum, das man aus dem WM-Sommer kannte, die Familien mit den selbstgeschmierten Semmeln und die Mädchenmannschaften mit den uniformen Trainingsanzügen, mischten sich deshalb neue Zuschauer. Bajuwaren in Krachledernen und turtelnde Pärchen, die einfach mal raus wollten. Auf der Gegengerade im Olympiastadion kann man ganz hervorragend sonnenbaden.

Leserkommentare
    • bugme
    • 18. Mai 2012 13:12 Uhr

    Frauensport ist eben durch die Physiologie der Frauen begrenzt gegenüber Männersport.
    Wenn es eine Gleichberechtigung beim Sport gäbe (also gemeinsame Ligen und Wettbewerbe) gäbe es vermutlich so gut wie keine weiblichen Spitzensportler.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv

    • Asura
    • 18. Mai 2012 13:40 Uhr

    es ginge um das "wichtige" Finale morgen...

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