Gruppe DEin Sowjet-Denkmal auf der Trainerbank

Die Ukraine hofft auf Oleh Blochin. Die Schweden träumen von alten Zeiten. Frankreich steckt im Wiederaufbau. Und England ist Drama. Unsere EM-Paten über die Gruppe D von , , und

Bei der Fußball-Europameisterschaft treten 16 Mannschaften an. Für jede hat ein Redakteur oder Autor von ZEIT ONLINE die Patenschaft übernommen. Unsere EM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte. Vor dem Anpfiff haben sie ihre Jungs porträtiert. Die Patentexte zu den Gruppen A, B und C finden Sie hier .

Blinzelt nur selten: Oleg Blochin, Trainer der Ukraine

Blinzelt nur selten: Oleg Blochin, Trainer der Ukraine  |  © Richard Heathcote/Getty Images

Ukraine

Als Spieler schoss Oleh Blochin in den siebziger Jahren mehr Tore als die UdSSR Rubel druckte. Als Trainer trug allein seine Aura das Team bei der WM 2006 bis ins Viertelfinale. Der Nationaltrainer der Ukraine wirkt an der Seitenlinie wie ein sowjetisches Denkmal.

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Blochin sagt über Blochin, es gibt nur einen Blochin. Manchmal sagt er auch Sätze wie: "Es gibt das Land, das Leben, den Fußball." Blochin hat Kultpotential und ist die ukrainische Hoffnung auf Erfolg. Doch Blochin hat zwei große Probleme: Das Alter und das eigene Tor.

Steffen Dobbert
Steffen Dobbert

Steffen Dobbert arbeitet als Redakteur für ZEIT ONLINE und das Hamburg-Ressort der ZEIT. Seine Profilseite finden Sie hier.

Alter vor Torhüter: Für Andrey Voronin, 32, den Stürmer mit Wikingerzotteln, kommt diese EM fünf bis zehn Jahre zu spät. Andriy Shevchenko, 35, einst Europas bester Fußballer, ist zu jung, um Blochins Co-Trainer zu sein und zu alt zum Toreschießen. Bleibt noch Anatoliy Tymoshchuk, 33, Bankdrücker aus München, der soll's als Kapitän im Zentrum des Spiels richten. Wie das gehen soll, weiß nur Blochin, der 1952 geboren wurde, früher einen weißen Wolga fuhr und heute denkt, ukrainische Fußballer verdienen zu viel Geld.

Noch problematischer als der Altersdurchschnitt seiner Stars ist die Sache mit den Torhütern. Sie könnte selbst Blochin verzweifeln lassen. Der Eine, Alexander Rybka, dopte, weil er abnehmen wollte. Im vergangenen Herbst flog er auf und wurde für zwei Jahre gesperrt. Der andere, Oleksandr Shovkovskyi, kassierte im Achtelfinale der WM 2006 trotz Verlängerung und Elfmeterschießen kein Gegentor. Doch er verletzte sich im Frühjahr an der Schulter und muss sich nun operieren lassen. Es blieb nur noch Andrej Dykan. Bis Dykan das Knie eines Stürmers von Zenit St. Petersburg ins Gesicht bekam. Der allerletzte Mann für das Tor des Gastgeberlandes heißt nun Andrej Pjatow und spielt beim aktuellen Meister Schachtjor Donezk.

Egal, wer letztlich auf der Torlinie steht, Blochin sagt, sein Team sei besser als im Jahr 2006. Ansehnlichen Fußball haben die Ukrainer damals nicht gespielt, aber erfolgreichen. Wenn es ihnen gegen Schweden , England und Frankreich gelingt, die Vorrunde zu überstehen, wird das sowjetische Denkmal Recht bekommen. Denn danach ist Drama.

Wenn die Herzen aller Ukrainer doch noch im Takt des EM-Fußballs schlagen, wenn Elfmeter über Heil und Desaster entscheiden, dann wird Blochins Aura wieder helfen. Jedem ukrainischen Torwart werden dann Flügel wachsen. 

Steffen Dobbert

Leserkommentare
  1. ... dass Schweden und England die Gruppenphase überstehen.

    Schweden einfach weil sie mir symphatisch sind und die weiblichen Fans dort so viel besser aussehen als alle anderen weiblichen Fans irgendwo auf der Welt.

    England deshalb weil ich es dieser großen Fußballnation mal wieder gönnen würde in einem Turnier recht weit zu kommen und es doch kaum etwas schöneres gibt, als wenn Deutschland England nach Hause schicken kann ;)

  2. Gero von Randow hat in mir sowieso schon lange einen heimlichen Bewunderer, durch seine französische Fußball-Knowledge jetzt sogar noch mehr ;-)

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