Der Meistermacher Bernd Schröder überließ die Bühne seinen gefeierten Spielerinnen: Mit einem Tor-Schützenfest hat sich der 1. FFC Turbine Potsdam zum vierten Mal in Serie den deutschen Meistertitel gesichert und damit ein Stück Frauen-Fußballgeschichte geschrieben. "Das kann man gar nicht beschreiben gerade", stammelte die Nationalspielerin Viola Odebrecht, die in ihrem letzten Spiel im Turbine-Trikot einen 8:0 (3:0)-Kantersieg gegen Absteiger Lok Leipzig feierte. "Es war für uns die schwerste Saison überhaupt", räumte ihr Trainer ein, nachdem er sich bei der Ehrenrunde seiner Mannschaft im Hintergrund gehalten hatte.

Nach dem vorzeitigen Scheitern im DFB-Pokal und in der Champions League verwies Bernd Schröders Mannschaft am Pfingstmontag die überforderte Lokomotive Leipzig deutlich auf den Abstiegsplatz. Yuki Nagasato (19. Minute/64./71.), Antonia Göransson (36.) und Genoveva Añonma (39./55.), Margret Lara Vidarsdottir (86.) und Isabel Kerschowski (88.) erzielten die Treffer. Añonma sicherte sich mit 22 Saisontreffern auch noch die Torjägerkrone.

"Wenn man am letzten Spieltag Tabellenführer ist, will man das Ding nicht mehr hergeben", sagte Bianca Schmidt – auch sie verlässt neben Babett Peter und Odebrecht den Verein. Trainer Schröder bereitete dem Trio trotz "Disharmonien" einen würdigen Abgang und gönnte ihnen mit einer vorzeitigen Auswechslung den Applaus der 6.416 Zuschauer im Karl-Liebknecht-Stadion. "Wir müssen auch dokumentieren, dass wir sie ungern gehen lassen", sagte er.

Wie sehr die Arbeit des 69-Jährigen geschätzt wird, brachte DFB-Direktorin und Ex-Nationalspielerin Steffi Jones zum Ausdruck. "Das ist großartig, was Bernd Schröder und Turbine Potsdam leisten", sagte sie bereits zur Halbzeit.

Gratulation von Ministerpräsident Platzeck

Nach dem Spiel gab es auch noch Lob von höchster politischer Landesebene: "Die vierte Meisterschaft in Serie bestätigt eindrucksvoll: Unsere Potsdamer Vorzeigemannschaft hat die Führungsrolle im deutschen Frauenfußball weiterhin inne", gratulierte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ( SPD ). "Turbine Potsdam ist einsame Klasse in Deutschland." Zuletzt war es der einst ruhmreichen SSG 09 Bergisch-Gladbach gelungen, mehr als dreimal nacheinander den Titel zu holen (von 1979 bis 1984).

Durch den insgesamt sechsten Meistertitel seit 2004 dürfen die Potsdamerinnen in der kommenden Saison auch einen erneuten Angriff auf den Gewinn der Champions League unternehmen. Vor anderthalb Wochen war der einstige deutsche Branchenführer 1. FFC Frankfurt im Finale an Olympique Lyon gescheitert. Die Französinnen hatten in der Vorschlussrunde auch Potsdam aus dem Weg geräumt.

Umso größer waren Erleichterung und Freude nach dem Titelgewinn der Turbinen, der noch auf dem Spielfeld mit Sekt gefeiert wurde. "Es ist grandios", meinte Spielführerin Jennifer Zietz. "Wir waren schon ganz schön aufgeregt vor dem Spiel." Dabei hätte sogar ein Remis gereicht. Der Verfolger VfL Wolfsburg kam bei der SG Essen-Schönebeck nicht über ein 1:1 hinaus, der Rückstand beträgt damit nach 22 Spieltagen drei Punkte auf den alten und neuen deutschen Meister.

EM-Qualifikation gegen Rumänien

In den Jubel mischte sich aber auch Wehmut beim Abgängerinnen-Trio. "Man ist auch ein bisschen traurig, weil man weiß, man spielte das letzte Mal für Turbine", sagte Odebrecht, die wie Peter und Schmid zudem nicht all zu lange mit ihren Teamkolleginnen feiern konnte. Sie mussten noch am Abend bei der Nationalmannschaft sein, die am kommenden Donnerstag ein EM-Qualifikationsspiel in Bielefeld gegen Rumänien bestreitet.

Eine gänzlich traurige Reise mussten indes die Leipzigerinnen antreten. Sie kehrten als Absteiger zurück nach Sachsen . Als zweites Team wird der Hamburger SV in der kommenden Saison nicht mehr erstklassig sein. Aus Sparmaßnahmen hatten die Hanseaten jüngst den Rückzug ihrer Frauen-Mannschaft aus der ersten Liga erklärt.