Alles außer FußballHerr Friedrich, Herr Hitzlsperger, wie fühlt man sich als Spekulationsobjekt?

Die ZEIT-ONLINE-Kolumnisten im Gespräch: Arne Friedrich, Thomas Hitzlsperger und Corny Littmann streiten über die Qualität der Liga, Jürgen Klopp und Fußballkapitalismus. von 

Thomas Hitzlsperger (links) und Arne Friedrich in gemeinsamen Tagen in der Nationalelf

Thomas Hitzlsperger (links) und Arne Friedrich in gemeinsamen Tagen in der Nationalelf  |  © Torsten Silz/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE : Meine Herren, wir wollen zum Abschluss der Saison, ausnahmsweise, entgegen dem Serientitel, über Fußball reden. Ist die Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren besser geworden?

Thomas Hitzlsperger : Sie ist ganz sicher besser geworden. Es wird auf höherem Niveau trainiert, immer mehr Leute kommen ins Stadion, die Nationalmannschaft spielt besser. Das sind gute Indikatoren für einen Qualitätsanstieg.

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Arne Friedrich : Bayern steht im Finale der Champions League, wie vor zwei Jahren. Im Vorjahr kam Schalke ins Halbfinale. Immer mehr junge deutsche Spieler schaffen den Durchbruch. Was daran liegt, dass vor gut zehn Jahren die Nachwuchsarbeit reformiert wurde.

Corny Littmann: Die Bundesliga ist vor allem deshalb besser geworden, weil sie entschieden reicher geworden ist. Vor zehn Jahren hätte sich kein deutscher Verein Franck Ribéry und Arjen Robben leisten können. Geld schießt Tore.

ZEIT ONLINE : So einfach ist das?

Littmann : In der Liga gibt es eine Dreiklassengesellschaft: etwa je zu einem Drittel Titelkandidaten, Mittelfeld und Abstiegskampf. Manchmal reißt ein Verein nach oben oder unten aus, dieses Jahr Freiburg und Augsburg auf der einen, der HSV auf der anderen Seite. Aber grundsätzlich gilt die Regel noch immer. So gut sie in Augsburg arbeiten mögen – in der Europa League werden wir sie nicht sehen.

Alles außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

Alles über Fußball

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Hitzlsperger : Den Zusammenhang zwischen Geld und Erfolg schätze ich nicht ganz so groß ein. Man braucht gute, intelligente Trainer, das zeigen doch gerade Ihre Beispiele Augsburg und Freiburg.

Littmann : Auch gute Trainer muss man sich leisten können.

Friedrich : Ich glaube nicht, dass Lucien Favre ein Großverdiener unter den Trainern ist. Aber er ist einer der Besten. Er hat hohes Fachwissen, verlangt gute Organisation auf dem Feld, eine Balance zwischen Offensive und Defensive. Neben Löw, der eine ähnliche Auffassung von Fußball hat, ist Favre der beste Trainer, den ich hatte. Ich erkenne in Gladbach seine Handschrift. Geld ist nicht alles, man schaue auf Chelsea ...

Littmann : … die im Champions-League-Finale stehen ...

Friedrich : ... aber in der Liga nur Sechster sind. Über die Jahre gesehen, ist das Investment von Roman Abramowitsch ineffizient.

ZEIT ONLINE : Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Littmann : Heute muss man eher von Trainerteams sprechen. Es kommt zunehmend auf die vielen Mitarbeiter an, von den Konditionstrainern bis zu den Physios. Dass einer alles alleine richtet, wollte man uns diese Saison in Berlin vorgaukeln.

Friedrich : Dem stimme ich mit Einschränkungen zu. Favre kann mit verschiedenen Co-Trainern gut arbeiten. Aber er hat die Führung und er hat klare Vorstellungen.

ZEIT ONLINE : Jürgen Klopp?

Leserkommentare
    • Ewok
    • 08. Mai 2012 21:38 Uhr

    Ähm lol, jetzt wo sie's sagen sehe ich den Fehler. Ich schätze ich lese zuviele englische Zeitungen, da man im Englischem "behind the TV" sagen kann wen jemand VOR'M Fernseher sitzt...

    Antwort auf "Sagen Sie....."
  1. ... ich stelle es einfach gern einmal in Frage, dass Spieler ( und Berater ) größere Gehälter ablehnen würden, damit die sogenannte Schere nicht weiter auseinander driftet, also sollte man sich öffentlich auch nicht so sehr darum sorgen. Warum versuchen sich etliche Spieler im Ausland? Sicherlich nicht, weil sie dort weniger verdienen. Das Märchen, diesen Schritt zu gehen, um den Horizont zu erweiteren, glaubt doch keiner mehr.

    Ebenso stelle ich es gern in Frage, ob sich ein Großteil der Fans wirklich für Gehälter ihrer Idole interessieren. Leidenschaft, Wille und Liebe zum Verein zählen sicherlich weitaus mehr, als ein Spieler, der für ein paar Taken mehr in der nächsten Saison einfach das Logo eines anderen Vereines knutscht. Spieler, die auch in schweren Zeiten beim Verein bleiben, gibt es doch heutzutage kaum noch. Bedauerlich.

  2. Ach kommt schon: Spitzensport ist Unterhaltungsindustrie! Da wird keiner was hinterfragen solange die Show stimmt. That's mankind!
    Und deswegen bleib ich Freiburgfan!

  3. 6. na ja

    die gehälter der fussballer bestimmen sich nicht nacht dem gerechtigkeitsempfinden, sondern dass man mit ihnen geld verdient.

    sie sind der mittelpunkt, über den der umsatz läuft, also notwendiges element, je besser um so mehr umsatzpotential des vereins, um so teurer.

    und da ist man in europa schon lange über das ziel hinausgeschossen, weil es sich nicht mehr rechnet. das ist ein prolblem der hobbybesitzer, die wirtschaftliche aspekte nicht beachten müssen.
    das zieht aber den fussball insgesamt in den wirtschaftlichen sumpf.

    da wird es noch einige desaster geben ...

  4. Die große Gefahr für die Popularität besteht darin, dass diejenigen Zuschauer, die nicht zahlen, auch nichts zu sehen bekommen. Aus archivierten Beiträgen werden die Spielszenen rausgeschnitten, bei Youtube wird gelöscht. Jetzt kann man nur einmalig bei der arg verkürzten Sportschau gucken oder man hat das Spiel bei Sky gesehen, ansonsten wird ein schönes Tor/eine strittige Szene nicht mehr einsehbar sein. Je mehr die TV-Firmen für die Übertragungsrechte hinblättern müssen, desto mehr werden sie "Piraterie" zu verhindern versuchen und graben damit Ihrer Geschäftsgrundlage, der Popularität in der Breite der Gesellschaft, das Grab.

    Zu den Gehältern: Dort ist es das gleiche, wie bei allen, die extrem hohe Einkommen haben. Die sollten einfach höher besteuert werden. Wenn einige Profis dann lieber ins Ausland gehen wollen- Tschüss! Deutschland wird wegen der 50+1-Regel und der dezentralen TV-Einnahmenverteilung eh nicht mit der Finanzkraft der Investoren-gestützen Liebhaber-Vereine mithalten können. Nachhaltiger ist das deutsche System allemal.

    • Hickey
    • 09. Mai 2012 12:14 Uhr

    weil es gibt soviele verschiedene Ärtze von 80.000 Jahreseinkommen, wo mehr oder weniger jeder 2.Liga Fußballer schon mehr verdient, bis hin zu den Vereinsärzten die soviel wie ihre Kollegen verdienen.

    Fußballer verdienen teilweise soviel oder mehr wie Manager großer Firmen.

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