ZEIT ONLINE : Meine Herren, wir wollen zum Abschluss der Saison, ausnahmsweise, entgegen dem Serientitel, über Fußball reden. Ist die Bundesliga in den vergangenen zehn Jahren besser geworden?

Thomas Hitzlsperger : Sie ist ganz sicher besser geworden. Es wird auf höherem Niveau trainiert, immer mehr Leute kommen ins Stadion, die Nationalmannschaft spielt besser. Das sind gute Indikatoren für einen Qualitätsanstieg.

Arne Friedrich : Bayern steht im Finale der Champions League, wie vor zwei Jahren. Im Vorjahr kam Schalke ins Halbfinale. Immer mehr junge deutsche Spieler schaffen den Durchbruch. Was daran liegt, dass vor gut zehn Jahren die Nachwuchsarbeit reformiert wurde.

Corny Littmann: Die Bundesliga ist vor allem deshalb besser geworden, weil sie entschieden reicher geworden ist. Vor zehn Jahren hätte sich kein deutscher Verein Franck Ribéry und Arjen Robben leisten können. Geld schießt Tore.

ZEIT ONLINE : So einfach ist das?

Littmann : In der Liga gibt es eine Dreiklassengesellschaft: etwa je zu einem Drittel Titelkandidaten, Mittelfeld und Abstiegskampf. Manchmal reißt ein Verein nach oben oder unten aus, dieses Jahr Freiburg und Augsburg auf der einen, der HSV auf der anderen Seite. Aber grundsätzlich gilt die Regel noch immer. So gut sie in Augsburg arbeiten mögen – in der Europa League werden wir sie nicht sehen.

Hitzlsperger : Den Zusammenhang zwischen Geld und Erfolg schätze ich nicht ganz so groß ein. Man braucht gute, intelligente Trainer, das zeigen doch gerade Ihre Beispiele Augsburg und Freiburg.

Littmann : Auch gute Trainer muss man sich leisten können.

Friedrich : Ich glaube nicht, dass Lucien Favre ein Großverdiener unter den Trainern ist. Aber er ist einer der Besten. Er hat hohes Fachwissen, verlangt gute Organisation auf dem Feld, eine Balance zwischen Offensive und Defensive. Neben Löw, der eine ähnliche Auffassung von Fußball hat, ist Favre der beste Trainer, den ich hatte. Ich erkenne in Gladbach seine Handschrift. Geld ist nicht alles, man schaue auf Chelsea ...

Littmann : … die im Champions-League-Finale stehen ...

Friedrich : ... aber in der Liga nur Sechster sind. Über die Jahre gesehen, ist das Investment von Roman Abramowitsch ineffizient.

ZEIT ONLINE : Was zeichnet einen guten Trainer aus?

Littmann : Heute muss man eher von Trainerteams sprechen. Es kommt zunehmend auf die vielen Mitarbeiter an, von den Konditionstrainern bis zu den Physios. Dass einer alles alleine richtet, wollte man uns diese Saison in Berlin vorgaukeln.

Friedrich : Dem stimme ich mit Einschränkungen zu. Favre kann mit verschiedenen Co-Trainern gut arbeiten. Aber er hat die Führung und er hat klare Vorstellungen.

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