Die SPD-Innenminister drohen damit, den Fußballvereinen notfalls die Kosten für Polizeieinsätze in Rechnung zu stellen. Entsprechend äußerten sich die Ressortchefs von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen bei der Innenministerkonferenz in Mecklenburg-Vorpommern .

Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke ( SPD ) sagte, die Länder könnten mehr Polizeipräsenz in den Fußballstadien nicht leisten. "Wenn es zu einer weiteren Ausweitung von Polizeieinsätzen kommt – und das ist nach der Eskalation der letzten Wochen zu befürchten – dann müssen wir leider darüber nachdenken, die Vereine mit in die Haftung zu nehmen." Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, er erwäge, dass Polizeieinsätze in den Stadien demnächst Geld kosten.

Unter den Ressortchefs ist diese Linie aber kein Konsens – die Union ist hier zurückhaltend. "Grundsätzlich sind wir der Auffassung, dass wir Polizeieinsätze nicht in Rechnung stellen", sagte Niedersachsens Ressortchef Uwe Schünemann ( CDU ).

Kernfrage derDebatte über Fan-Gewalt: Wer soll dafür aufkommen?

Schon seit Jahren klagen die Länder über hohe finanzielle und personelle Belastungen, die dadurch entstehen, dass die Polizei bei Fußballspielen im Einsatz ist. Zuletzt hatte es bei der Begegnung zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC am 15. Mai in der Nachspielzeit chaotische Szenen gegeben, als Anhänger des Zweitliga-Dritten Düsseldorf schon vor dem Abpfiff auf das Spielfeld stürmten . Erst nach 20 Minuten Unterbrechung konnten die Spieler die Partie vollenden. Hertha klagte beim DFB auf Wiederholung des Spieles – bisher erfolglos.

Der Vorfall in Düsseldorf zog eine Debatte über die Sicherheit in Stadien und den Umgang mit Fans nach sich. Harald Strutz, Vizepräsident des Ligaverbandes, wies Forderungen von Politik und Polizei nach einer Abschaffung der Stehplätze und verschärften Sicherheitsstandards in Fußball-Arenen zurück.

Bundesliga - Steffen Dobbert: "Wir brauchen keine neuen Strafen im Fußball!"

Derartige Vorschläge der Polizeigewerkschaft seien anmaßend. Die Umwandlung in reine Sitzplatzstadien sei kein Allheilmittel, um die Probleme in den Griff zu bekommen. "Wir dürfen nicht in Hysterie verfallen und den Chaoten so die Chance geben, noch mehr Druck aufzubauen", sagte der Präsident des Bundesligisten FSV Mainz 05. Andere Vereine reagierten ähnlich.