Das Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes ( DFB )  in Frankfurt am Main mit. Die Kammer wies die Berufung der Berliner gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts vom vergangenen Montag zurück. "Die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters stand nicht in Zweifel. Eine Schwächung der Mannschaft ist nicht erwiesen", begründete der Vorsitzende Richter Goetz Eilers die Entscheidung.

Düsseldorf ist damit als Aufsteiger in die Bundesliga bestätigt. Die Berliner haben allerdings noch die Möglichkeit, vor das Ständige Schiedsgericht zu ziehen. "Darüber können wir heute keine Entscheidung treffen. Wir gehen heute erst einmal schlafen", sagte Club-Präsident Werner Gegenbauer und kündigte Beratungen für diesen Samstag an.

Düsseldorfs Anwalt Horst Kletke forderte Hertha auf, von einem Einspruch abzusehen: "Es ist an der Zeit, sich diesen Entscheidungen zu stellen und zu sagen: Jetzt ist gut." Fortunas Vorstand Paul Jäger sagte: "Von heute an fühle ich mich wie ein Bundesligist."

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen beide Vereine, die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell , Thomas Kraft und André Mijatovic sowie Fortunas Andreas Lambertz. Hertha muss mit einer Geldstrafe rechnen, weil Fans Bengalos aufs Spielfeld geworfen hatten. Düsseldorf droht wegen des Platzsturms ein Geisterspiel oder eine Platzsperre.

Hertha-Trainer Rehhagel kämpfte um Wiederholungsspiel

Vor dem DFB-Bundesgericht waren elf Zeugen gehört worden, darunter Schiedsrichter Wolfgang Stark und Hertha-Trainer Otto Rehhagel . Rehhagel hatte sich bei der Verhandlung in drastischen Worten zu den Umständen beim Düsseldorfer Relegationsspiel geäußert. "Für mich war das alles irregulär", sagte der 73-Jährige.

"Das war ein Ausnahmezustand, wie ich ihn in 40 Jahren als Bundesligatrainer nicht erlebt habe", sagte er zum Fan-Auflauf in der Schlussphase der Partie . Seine Erfahrung als Trainer sage ihm: "Wenn die Meute losrennt, gibt es kein Halten mehr." "Unsere Spieler waren paralysiert", sagte Rehhagel über den Zustand in der Hertha-Kabine. "Ich konnte meiner Tätigkeit als Fußballlehrer nicht mehr nachkommen."

Gefahr in Schlussphase

Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt hatte bei der Verhandlung neues Bild-Material vorgestellt. Die insgesamt 16 Fotos sollten die bedrohliche Ausnahmesituation rund um das Spiel belegen. Düsseldorfs Anwalt Kletke hatte dem seinerseits Aufnahmen entgegengestellt, die zeigen sollten, dass in der Schlussphase keine Gefahr für Leib und Leben bestand.

Richter Eilers hatte vor allem erfahren wollen, wie gefährlich sich die Schlussphase der Düsseldorfer Chaospartie dargestellt hatte. "Ich hatte keine Angst, dass die Fans was von mir oder den Spielern wollten", sagte Schiedsrichter Stark. Auch Projektleiter Götz Bender sagte zu der hitzigen Schlussphase: "Angst habe ich nicht verspürt." Hertha-Trainer Rehhagel sagte dagegen, er habe "halb" Angst gehabt. "Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben."

Bei der Partie am 15. Mai war es in der Nachspielzeit zu tumultartigen Szenen gekommen, als Anhänger des Zweitliga-Dritten aus Düsseldorf schon vor Abpfiff auf das Spielfeld stürmten. Das DFB-Sportgericht hatte bereits in erster Instanz den Einspruch von Hertha gegen die Wertung der Partie abgewiesen .