DFB-GerichtsverhandlungHertha scheitert vor DFB-Bundesgericht

Der Deutsche Fußballbund bleibt hart: Das Relegationsspiel Hertha–Düsseldorf wird nicht wiederholt. Damit bestätigt das DFB-Bundesgericht das Urteil des Sportgerichts. von dpa

Hertha-Trainer Otto Rehhagel vor dem DFB-Gericht in Frankfurt

Hertha-Trainer Otto Rehhagel vor dem DFB-Gericht in Frankfurt  |  © Alex Domanski/Reuters

Das Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes ( DFB )  in Frankfurt am Main mit. Die Kammer wies die Berufung der Berliner gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts vom vergangenen Montag zurück. "Die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters stand nicht in Zweifel. Eine Schwächung der Mannschaft ist nicht erwiesen", begründete der Vorsitzende Richter Goetz Eilers die Entscheidung.

Düsseldorf ist damit als Aufsteiger in die Bundesliga bestätigt. Die Berliner haben allerdings noch die Möglichkeit, vor das Ständige Schiedsgericht zu ziehen. "Darüber können wir heute keine Entscheidung treffen. Wir gehen heute erst einmal schlafen", sagte Club-Präsident Werner Gegenbauer und kündigte Beratungen für diesen Samstag an.

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Düsseldorfs Anwalt Horst Kletke forderte Hertha auf, von einem Einspruch abzusehen: "Es ist an der Zeit, sich diesen Entscheidungen zu stellen und zu sagen: Jetzt ist gut." Fortunas Vorstand Paul Jäger sagte: "Von heute an fühle ich mich wie ein Bundesligist."

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen beide Vereine, die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell , Thomas Kraft und André Mijatovic sowie Fortunas Andreas Lambertz. Hertha muss mit einer Geldstrafe rechnen, weil Fans Bengalos aufs Spielfeld geworfen hatten. Düsseldorf droht wegen des Platzsturms ein Geisterspiel oder eine Platzsperre.

Hertha-Trainer Rehhagel kämpfte um Wiederholungsspiel

Vor dem DFB-Bundesgericht waren elf Zeugen gehört worden, darunter Schiedsrichter Wolfgang Stark und Hertha-Trainer Otto Rehhagel . Rehhagel hatte sich bei der Verhandlung in drastischen Worten zu den Umständen beim Düsseldorfer Relegationsspiel geäußert. "Für mich war das alles irregulär", sagte der 73-Jährige.

"Das war ein Ausnahmezustand, wie ich ihn in 40 Jahren als Bundesligatrainer nicht erlebt habe", sagte er zum Fan-Auflauf in der Schlussphase der Partie . Seine Erfahrung als Trainer sage ihm: "Wenn die Meute losrennt, gibt es kein Halten mehr." "Unsere Spieler waren paralysiert", sagte Rehhagel über den Zustand in der Hertha-Kabine. "Ich konnte meiner Tätigkeit als Fußballlehrer nicht mehr nachkommen."

Gefahr in Schlussphase

Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt hatte bei der Verhandlung neues Bild-Material vorgestellt. Die insgesamt 16 Fotos sollten die bedrohliche Ausnahmesituation rund um das Spiel belegen. Düsseldorfs Anwalt Kletke hatte dem seinerseits Aufnahmen entgegengestellt, die zeigen sollten, dass in der Schlussphase keine Gefahr für Leib und Leben bestand.

Richter Eilers hatte vor allem erfahren wollen, wie gefährlich sich die Schlussphase der Düsseldorfer Chaospartie dargestellt hatte. "Ich hatte keine Angst, dass die Fans was von mir oder den Spielern wollten", sagte Schiedsrichter Stark. Auch Projektleiter Götz Bender sagte zu der hitzigen Schlussphase: "Angst habe ich nicht verspürt." Hertha-Trainer Rehhagel sagte dagegen, er habe "halb" Angst gehabt. "Ich habe 1943 in einem Keller im Ruhrgebiet gesessen, als uns die Amerikaner bombardiert haben."

Bei der Partie am 15. Mai war es in der Nachspielzeit zu tumultartigen Szenen gekommen, als Anhänger des Zweitliga-Dritten aus Düsseldorf schon vor Abpfiff auf das Spielfeld stürmten. Das DFB-Sportgericht hatte bereits in erster Instanz den Einspruch von Hertha gegen die Wertung der Partie abgewiesen .

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Leserkommentare
    • JayB
    • 26. Mai 2012 10:31 Uhr

    War der Schiri wirklich schlecht? Ich denke eher, dass er der einzige war, der da kühlen Kopf bewahrt hat. Und was hätte er denn machen sollen? Statt Unterbrechung ein Spielabbruch, wie einige Experten gefordert haben? Das wäre katastrophal gewesen. So war es m.E. die beste Lösung, und Hertha hatte ja auch die Möglichkeit zum Einspruch. Sie haben's halt nur verbaselt.

    Antwort auf "Armutszeugnis"
    • JayB
    • 26. Mai 2012 10:38 Uhr

    Gebe dir fast überall recht, aber bei der Bemerkung "beide Spiele wurden regulär vom Schiedsrichter zu Ende geführt" nur so halb. Das stimmt zwar, ist aber für eine Spielwiederholung nicht relevant, da auch mit einer geschwächten Mannschaft ein Spiel regulär zu Ende geführt werden kann. Aber Hertha muss die Schwächung auch beweisen. Haben sie nicht. Also ab in die 2. Liga. Willkommen, Düsseldorf. Mein erstes Spiel live im Stadion war bei F95, 1. Liga, schon lange her. Endlich sind sie wieder dabei.

    Antwort auf "jämmerliche Hertha"
  1. Mich würde dennoch interessieren was passieren muss damit es einen Spielabbruch gibt. Schlimmer wie in diesen Spiel kann es doch gar nicht kommen.

    Vllt. muss man noch die Fans mit Macheten ausstatten oder so / Mich würde interessieren wie man einen Spielabbruch erzwingt wenn nicht so !!!

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    • rafax
    • 26. Mai 2012 11:15 Uhr

    Ein Spielabbruch wäre z.B. dann gerechtfertigt gewesen, wenn die Fortuna-Fans, die den Platz gestürmt haben, gewalttätig gewesen wären. Waren sie aber nicht. Sie haben gejubelt und sich gefreut, dass sie aufgestiegen sind (dachten sie zumindest). Gewalttätig dagegen waren teilweise die Hertha-Fans auf den Rängen. Nachdem dass Missverständnis dann ausgeräumt war und die Fans der Fortuna zurück auf den Rängen, hat der Schiedsrichter das Spiel regulär zu Ende geführt.

    • rafax
    • 26. Mai 2012 11:15 Uhr

    Ein Spielabbruch wäre z.B. dann gerechtfertigt gewesen, wenn die Fortuna-Fans, die den Platz gestürmt haben, gewalttätig gewesen wären. Waren sie aber nicht. Sie haben gejubelt und sich gefreut, dass sie aufgestiegen sind (dachten sie zumindest). Gewalttätig dagegen waren teilweise die Hertha-Fans auf den Rängen. Nachdem dass Missverständnis dann ausgeräumt war und die Fans der Fortuna zurück auf den Rängen, hat der Schiedsrichter das Spiel regulär zu Ende geführt.

    Antwort auf "Spielabbruch ?"
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    Die Düsseldorf-Fans sind nicht gewaltätig geworden, weil die Hertha-Spieler vermutlich sehr rasch in der Kabine verschwunden sind ... Ich weiß übrigens nicht was passiert wäre wenn die Hertha in der Nachspielzeit noch ein Tor geschossen hätte, sie hätten damit nämlich den Klassenerhalt gesichert.

    Es ist eine seltsame Logik das erst "jemand sterben" muss bevor man sich über die waren Absichten und Bestrebung der Fans im Klaren ist. Die Drohkulisse hat auf jeden Fall seinen Zweck erfüllt ... es interessiert nur irgendwie keinen ...

    • rafax
    • 29. Mai 2012 10:20 Uhr

    Sie stützen sich auf reine Spekulation. Spekulieren kann man viel, was wenn passiert wäre. Warum sollten denn bitteschön Fortuna-Fans Jagd auf Hertha-Spieler machen wenn die eigene Mannschaft nach vielen Jahren wieder in die Bundesliga aufgestiegen ist? Würden Sie persönlich etwa so reagieren? Wäre das ihr persönlicher Ausdruck von Freude? Anscheinend ja, denn sonst würden sie den Fortuna-Fans nicht so einen Quatsch unterstellen. Tatsache ist, dass es keine Gewalt auf dem Spielfeld gab. Das können Sie gerne bedauern wenn sie möchten. Ändert aber nichts am Abstieg der Hertha.

    • JD
    • 26. Mai 2012 11:22 Uhr

    Und ihre meinung sollte nicht gewertet werten da höchst subjektiv ;)

    Antwort auf "AW Pauli"
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    Und im Übrigen, ich bin weder Düsseldorf, noch Herthafan. Die gehen mir beide relativ am A... vorbei. Soviel zum Thema Neutralität.

  2. Die Düsseldorf-Fans sind nicht gewaltätig geworden, weil die Hertha-Spieler vermutlich sehr rasch in der Kabine verschwunden sind ... Ich weiß übrigens nicht was passiert wäre wenn die Hertha in der Nachspielzeit noch ein Tor geschossen hätte, sie hätten damit nämlich den Klassenerhalt gesichert.

    Es ist eine seltsame Logik das erst "jemand sterben" muss bevor man sich über die waren Absichten und Bestrebung der Fans im Klaren ist. Die Drohkulisse hat auf jeden Fall seinen Zweck erfüllt ... es interessiert nur irgendwie keinen ...

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    • bugme
    • 26. Mai 2012 15:46 Uhr

    Für einen Spieler, der "vermutlich sehr rasch in der Kabine verschwunden" ist, hatte Herr Lell(übrigens zu einem Zeitpunkt, zu dem das Spiel wegen Zuschauern auf dem Platz bereits von Herrn Stark unterbrochen war) noch viel Zeit, um sich mit dem Düsseldorfer Verteidiger Lukimya erst verbal anzulegen und ihn anschließend anzuspucken.

    Es wäre schön, wenn man sich - statt auf Vermutungen und, speziell in Ihrem Fall, Verschwörungstheorien zu berufen - belegbare Fakten auf den Tisch legen würde. Fakten, die im Übrigen zwei Instanzen der DFB-Sportgerichtsbarkeit als Grundlage für ihre Urteile gedient haben.

    Übrigens: Es war im Stadion niemand

  3. Einige Fans waren im übrigen vermummt (siehe Fotos). Ich weiß nicht warum man sich vermummen sollte ... Das passt irgendwie nicht zu dem Bild der friedlichen Fans.

    Ich finde es sollte ein Wiederholungsspiel geben ... Ende!!!

  4. "unmißverständliches Exempel statuieren"
    "die einschlägigen Gesetze müssen [...] ohne wenn und aber angewandt werden"
    "adäquate Mittel zur Gefahrenabwehr"
    "Disziplinieren"
    "Mob in den Stadien"

    Solche Töne beunruhigen mich mehr als Feuerwerk in den Stadien und das ein oder andere aus dem Ruder gelaufene Fußballspiel...

    Antwort auf "Traurig"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Otto Rehhagel | DFB | Wolfgang Stark | Aufsteiger | Ausnahmezustand | Bundesgericht
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