Olympia-AusstellungGropius-Museum verzichtet auf das moderne Olympia

Der Martin-Gropius-Bau beschränkt seine Berliner Olympia-Ausstellung auf die Antike. Dem Museum wird vorgeworfen, dem Geldgeber Katar Einfluss auf den Inhalt einzuräumen.

Der Martin-Gropius-Bau wird auf den umstrittenen Teil seiner Ausstellung "Mythos Olympia – Kult und Spiele" verzichten. Die Ausstellung, die am 31. August in Berlin eröffnet werden soll, wird nur noch die Antike behandeln. Der zweite Teil, der das moderne Olympia seit 1896 zum Thema hat, wird in Deutschland nicht zu sehen sein, sondern erst in Doha und Athen, wohin die Ausstellung im nächsten Jahr wandern wird. Das teilte das Museum in einer Pressemitteilung am Mittwoch mit.

Der Gropius-Bau erklärte, der zweite Ausstellungsteil könne aus zeitlichen Gründen nicht fertiggestellt werden. Der Deutschlandfunk berichtet jedoch, dass Bedenken innerhalb des Kuratoriums der Ausstellung den Ausschlag für den Verzicht auf den modernen Teil gegeben habe.

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Im Vorjahr hatte der Gropius-Bau einen neuen Finanzier für die Ausstellung gefunden: die Qatar Museums Authority, das Sportmuseum Katars, das dem Emir unterstellt ist. Das verursachte eine Kontroverse. Wissenschaftler und Medien, auch ZEIT ONLINE, warfen dem Museum vor, dem Geldgeber Einfluss auf den Inhalt der Ausstellung einzuräumen und sahen die Unabhängigkeit eines renommierten deutschen Museums auf dem Spiel stehen.

Es bestehe die Gefahr, so lautete der Vorwurf, dass die kritischen Aspekte der olympischen Geschichte, etwa Doping, Korruption, Manipulation, Bausünden oder politischer Missbrauch, aus taktischen Gründen verharmlost oder vernachlässigt würden. Katar, das sich mit der Hauptstadt Doha für die Sommerspiele 2020 bewirbt, wolle sich mit dem Internationalen Olympischen Komitee gut stellen.

Verstärkt wurde dieser Verdacht gegen die Aussteller auf einer Pressekonferenz im Februar, als die Verantwortlichen kritische Fragen nicht beantworteten, und durch personelle Änderungen in der Konzeption der Ausstellung. Fünf renommierte Wissenschaftler sprangen aus Protest gegen die neue inhaltliche Ausrichtung ab, darunter Bernd Sösemann, der ehemalige Vorsitzende der Deutsch-Griechischen Gesellschaft, und der Sportphilosoph Gunter Gebauer, die beide beim modernen Teil der Ausstellung mitarbeiten sollten.

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    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Olympia | Deutschlandfunk | Medien | Antike | Ausstellung | Doping
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