Relegationsspiel : Hertha hat ein Recht auf Wiederholung

Das Urteil des DFB zum Düsseldorfer Chaosspiel lässt Respekt vor dem Fußball vermissen. Stattdessen deckt es, wie so oft, den Schiedsrichter, kommentiert O. Fritsch.
Hertha-Torwart Thomas Kraft: Nutzloser Protest © Roland Weihrauch/dpa

Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts , den Einspruch Herthas gegen die Wertung des Relegationsspiels in Düsseldorf abzulehnen, ist falsch. Zwar wurde die Partie formal korrekt zu Ende geführt, doch die Bedingungen waren irregulär. Das Spiel hätte nicht gewertet werden dürfen.

Schon zu Beginn der sieben Minuten langen Nachspielzeit standen Hunderte Heimfans am Spielfeldrand . Gut eine Minute vor Abpfiff mussten die Spieler vor der Menge flüchten. Nach der über zwanzig Minuten langen Unterbrechung hätten jederzeit wieder Fans auf das Spielfeld stürmen können. Im schlimmsten Fall hätte die Situation eskalieren können. Unter solchen Bedingungen ist keine sportliche Höchstleistung, kein Abstiegskampf möglich. Will man wirklich von einem Fußballer ein Tor verlangen, wenn der mit Gegenwehr von der Seitenlinie rechnen muss?

Die Fortuna-Fans mögen in Feierlaune gehandelt haben, es waren keine Rabauken. Aber die Entscheidung, ob eine Masse, die auf einen zurennt, gutwillig oder gewaltbereit ist, darf man nicht einem Spieler überantworten. Gerade nach den Vorfällen einen Tag zuvor in Karlsruhe . Man muss nicht von Todesangst sprechen wie der Anwalt der Herthaner. Aber die Berliner Spieler durften sich bedroht fühlen.

Auch ist ein Platzsturm während des Spiels keine Bagatelle, sondern eine weitere Grenzüberschreitung der Fans, von denen sich einige immer mehr herausnehmen, immer mehr mitbestimmen wollen und immer mehr Schaden anrichten. Der DFB hat mit seinem Urteil ein Signal an sie versäumt, obwohl er ein solches in der vergangenen Woche angekündigt hat.

Ja, die ausfälligen Hertha-Spieler müssen lange gesperrt werden, gerne auch strafrechtlich belangt. Ja, die Hertha-Fans haben mit ihren Bengalos die lange Nachspielzeit erst verursacht, auch dafür muss der Verein zahlen. Und ja, die Hertha hat den Abstieg sportlich verdient, zumal sie mit ihrem Verhalten in den Katakomben und vor Gericht fast die letzten Sympathien verspielt hat und vielleicht nicht mal der Berliner Fan Lust auf ein weiteres Endspiel hat.

Steffen Dobbert: "Wir brauchen keine neuen Strafen im Fußball!"

Aber eine alte Fußballregel bleibt von all dem unberührt: Auch in der Nachspielzeit können Tore fallen. Das Urteil des DFB lässt leider keinen Respekt vor dieser Regel erkennen – und damit vor dem Fußballspiel an sich. Stattdessen die übliche bedingungslose Rückendeckung für seine Schiedsrichter. Wolfgang Stark hätte die Partie abbrechen müssen. Das muss man ihm angesichts der stressigen Situation nicht vorwerfen, doch so hat er Hertha benachteiligt.

Der Heimverein ist seiner rechtmäßigen Aufgabe nicht nachgekommen, für Ordnung zu sogen. Ein Wiederholungsspiel wäre eine faire Lösung.

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Kommentare

180 Kommentare Seite 1 von 28 Kommentieren

Selbstherrliche Arroganz des dfb wird hier deutlich

es kann offensichtlich nicht sein, was nicht sein darf...ein Schiedrichter hat unter extremen Stress unf die Gefahr für seinen Gesundheit schlicht weg falsch gehandelt bzw. er wurde schlicht genötigt, nicht abzubrechen, damit die Situation nicht noch mehr eskaliert.

Das hohe Gut Tatsachenentscheidung hier anzuführen ist absurd. In einem regulären Spiel hat selbstverständlich der Schiedsrichter das Recht auf Tatsachenentscheidungen, die zu respektieren sind, ohne Zeitlupe etc..

Die Situation in diesem Relegationsspiel war völlig anders, das weiß eigentlich jeder, der mit rechtlichen Dingen auch nur etwas Erfahrung hat. Als Starke seinen Entscheidung traf, war die Situation längst aus dem Ruder gelaufen. Das kann kein Schiedsrichter auf sich laden, das Spiel wirklich noch abzubrechen, wenn bereits hunderte Zuschauer auf dem Platz sind, die so lange friedlich bleiben, wie Ihre Fortuna aufgestiegen ist....

Auf keinen Fall

1. Die Hertha Anhänger haben 2 Mal klar einen Spielabbruch in Kauf genommen und den Löwenanteil an der Nachspielzeit von 7(!!!) Min.
2. Die Polizei sicherte alles ab und da waren keine Hools, sondern Fans, Frauen, Kinder etc.
3. Tatsachenentscheidung
4. So eine große Angst können die Spieler nicht gehabt haben, wenn sie noch tätlich werden können, gegen den Schiri
5. Aus einer Minute Nachspielzeit werden 90 Minuten, da fehlt die Relation

Hertha, als Hauptverantwortlicher (nicht zum ersten Mal) dieses Skandals legt dann auch noch Protest ein und medial wird es hochgekocht, anstatt mal auf Karlsruhe (70 Verletzte) einzugehen.
Und das ganze soll auch noch belohnt werden für Hertha? Ganz klares nein dazu. Strafen ja, für beide Clubs, aber auf keinen Fall ein Nachholespiel!

Wettbewerbsverzerrung

Die Fernsehbilder und Kommentare vor Ort sind für die reflektierende Öffentlichkeit eindeutig. Das Spiel hätte abgebrochen werden müssen bzw. ist unter Abwägung der chaotischen Verhältnisse vor Ort eine temporäre richtige Risikoabwägung gewesen.

Den formalen Einspruch muss stattgegeben werden, da augenscheinlich kein fairer Wettbewerb möglich war. Dem Schiedsrichter ist aus meiner Sicht kein Vorwurf zu machen bzw. Hr. Stark hat verantwortungsvoll und ruhig die Situation unter den gegebenen Rahmenbedingungen professionell gemeistert.

Allerdings ist die Entscheidung eines Sportgerichtes einfach aus Sicht des sportlichen Wettbewerbs und unter dem Geiste, was darunter zu verstehen ist - einfach aus Sportlersicht lächerlich und ein klares Versagen im Sinne des Sports.

Darüber hinaus muss es harte Strafen gegen die verantwortlichen Spieler geben und auch Fortuna Düsseldorf muss mit harten Strafen als Veranstalter sanktioniert werden.

Muss es erst zu Toten führen wie z.B. bei einer Love-Parade, um den Verantwortlichen die Signaldimension eines solchen " Urteils" wahrnehmbarer zu machen?

Als neutraler Sportler und Fussballfan bin ich schockiert und werde mit meiner Familie ein Fussballstadion meiden. Auch meinen Kindern kann ich die sportliche Entscheidung nicht erklären.

Da auch Gerichte sich mehrheitlich " irren" und es glücklicherweise mehrere Instanzen gibt, hoffe ich auf eine positive Berufung - im Sinne des Fussballfans.

Diese Entscheidung kann der Schiedsrichter nicht treffen

Es gilt in einem solchen Fall nicht die Grundregel, dass der DFB nicht am grünen Tisch Schiedsrichter-Entscheidungen rückgängig machen sollte, weil er sonst den Referees in den Rücken fällt und ihre Glaubwürdigkeit und Autorität untergräbt. Mit der Entscheidung, das Spiel abzubrechen oder wieder anzupfeifen, war ein einzelner Mensch in dieser Situation überfordert. Herr Stark blieb nichts anderes übrig, als die Partie, wenn irgend möglich, zu Ende zu bringen, ganz einfach, um diesen Abend möglichst schadlos über die Bühne zu bringen. Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Ablaufs konnte nur im nachhinein gefällt werden. Recht sprechen musste im nachhinein der DFB, Herr Stark musste unter diesen Umständen nach anderen Grundsätzen handeln. Er musste die Situation retten, nicht eine moralische oder sportrechtliche Entscheidung treffen wie Elfmeter oder nicht.

Nein ist es nicht

Der Heim Verein ist für die Durchführung verantwotlich und hätte einschreiten müssen als die Fans die Ränge verlassen haben.

Da er das nicht getahn hat ist er nun mal der Schuldige und müsste sich auch mit einer Straft abfinden.

Bei einen Schlake spiel hat der Wurf eines einzelen Fans ausgereicht um das Spiel abzubrechen, und da wir Gleichheit vor den Gesetz haben kann man bei ungefär 100 Fans die die Ränge verlassen und am Spielfeldrand stehen dann nicht einfach weiter spielen lassen.

Der Schidsrichter sollte auch einen Überprüfung bokommen warum er ein einen stadion wo die Stadionsicherheit offensichtlich die Fans nciht mehr auf den Rängen halten konnte dennoch weiterspielen gelassen hat und so den Platzsturm erst ermöglicht hatte.

Normalerweise wird eigentlich bei Fasn die die Ränge verlassen die Stadionsicherheit aktiv, und wenn diese es nicht schaft der Lage herr zu werden wird das spiel unerbrochen. Die Idee das man es eifach weiterlaufen lässt, grade in einer Emotiolalen Partie, ist einfach nur dumm.

Also sollte man ein nenues Spiel ansetzen oder Hart durchgreifen und das Spiel als 2:0 für die Gastmanschaft werten das die Heimmanschaft die Stadionsicherheit nicht garantieren konnte. Und dann alle Spieler die Handgreiflich geworden sind Sperren, so wie Fans die Auf den RAsen gelaufen sind und die Ränger verlassen haben Stadionverbot erteilen.

Ohne Harted Durchgreifen wird der DFB eher die Situation in den Stadien verschlimmern.

@27 "Tatsachenentscheidungen" wurden allein nach Sicheheits-

kriterien getroffen.

"da waren keine Hools, sondern Fans, Frauen, Kinder etc."
Was bedeutet das schon, wenn nicht:
So, wie trotz besserer, "optischer", Einsicht sich die Zuschauer gerne verleiten ließen, das Spielfeld vor Ende zu stürmen, so hätten, auf irgend ein Panik auslösendes Signal hin, diese "Frauen" vielleicht die ersten sein können, die losgerannt wären und drängelnd die Fluchtwege verstopft hätten und die Kinder die ersten, die niedergerannt worden wären.
Es ist letztlich nicht entscheidend, was war, sondern dass das so eskaliert war, dass davon die "Tatsachenentscheidungen" des Schiedsrichters herbeigenötigt wurden, der nicht mehr nach fussballerischen, sondern allein sicherheitstechnischen Kriterien zu entscheiden hatte.
Die Entscheidung, das Spiel wieder aufzunehmen und das dann nur symbolisch kurz, wurde doch offensichtlich hautsächlich davon erzwungen, einer weiteren Eskalation durch Protestreaktionen vorbeugen zu müssen.

Besser weiter Spökenkieken...

Vielleicht mal die Diskussion verfolgen!?
Der Innenraum war so schnell als möglich wieder geräumt,
die komplette verbliebene Spielzeit wurde gespielt.
Dies hat niemand bestritten, auch nicht Hertha.
Offensichtlich ist hier nur mangelnde Kenntnis, Sorry.
Und was bitte soll ein Panikerzeugendes Signal denn sein?
Man kann sich auch vor dem Leben als solchem fürchten...

@101. Nett Ihr Vorsatz die Diskussion "mal" zu verfolgen.

Ich habe Fortuna die Daumen gedrückt.

"Der Innenraum war so schnell als möglich wieder geräumt,"?
"Diskussions"stand: 21 Minuten. Fans setzen sich zunächst stur gegen die Ordner durch. Jede Menge Feuerwerk auf dem Rasen. U.a. stechen Fans noch Rasensoden aus, als sie längst aufgefordert worden waren, das Spiel nicht weiter zu behindern.
Vorher schon 5-7 Min. Unterbrechung wegen Bengalos - laut Bericht nicht nur aus dem Berliner Block.

"die komplette verbliebene Spielzeit wurde gespielt."
"Diskussions"stand: Es fehlen in der Bilanz laut Fernsehübertragung und Berichterstattung ca. 27 Sek. Daher meinen Einschätzung als rein formales, "symbolisches" Nachspiel.

Für ganz banale Anlässe, die schon Panik auslösten, gibt es genug Beispiele. Ein volles Stadium, in dem ein wesentlicher Anteil der Fans gezeigt hat, dass er sich nicht unbedingt an die Grundregeln hält, sondern sein eigenes Spiel draus zu machen gedenkt, ist ein zu labiler Cluster, um unbefangen ein Spiel zu Ende zu führen oder auch abzubrechen. Das hat mit Lebensangst überhaupt nichts zu tun. Wer jetzt die Vorgänge bagatellisiert oder schönredet, hätte mutmaßlich ganz schnell die "Schuldigen" vorgeführt, wäre das ganze doch aus dem Ruder gelaufen.

Nicht Vorsatz sondern Vorschlag!

Nochmal: 21 Minuten bis Wiederanpfiff. Davon Min. 7-8 geschuldet der Abklärung der Situation bzw. der Überlegung der Hertha Spieler in der Kabine ob man besser drin bleibt.
Bezeichnend auch Interview von Lell, abgebrochen durch Intervention der Offiziellen Herthas.
Bengalos auch im Fortuna Block wegen Führungstor (ohne Zweifel Vollidioten)
Bengalos aufs Feld nur aus dem Hertha Fanblock. Auf Bildern die Hertha Spieler
nur vor dem eigenen Block zu sehen (übrigens angstfrei) um zu beschwichtigen.
Der "wesentliche Anteil" Fans nur erklärbar dadurch, dass Sie leider den Fernsehbildern
aufgesessen sind. Sorry, aber im Stadion hat' s anders ausgesehen und wenn Sie schon mir nicht glauben, warum glauben Sie dann nicht der Einschätzung eines Schiedrichters,
der in diversen internationalen Spielen seine Kompetenz aller- auch ausländischen Experten - immer wieder unter Beweis gestellt hat dies richtig einzuschätzen. Auch die Fifa und die Uefa haben Interesse daran verantwortungsvolle Entscheidungen getroffen zu sehen.
Glotze ist nun mal nicht erlebte Realität!
Das niemand will, das dies Alltag wird, darüber sind sich glaube ich alle einig,
aber man sollte die Umstände auch nicht überdramatisieren.

Es wird Zeit, dass...

mit dem Heiligtum der Tatsachenentscheidung aufgeräumt wird. Eine falsche Tatsachenentscheidung bleibt in erster Linie eine falsche Entscheidung.

Es mag zwar richtig gewesen sein, das Spiel in Düsseldorf nicht abzubrechen - allerdings nur, weil damit eine weitere Eskalation der Situation verhindert wurde. Im Nachhinein ist es doch sonnenklar, dass die Hertha unter diesen Bedingungen in der Nachspielzeit keine Höchstleistung mehr bringen konnte. Damit wurde der Spielverlauf durch äußere Umstände beeinflusst und das Spiel muss wiederholt werden. Herr Stark war offensichtlich (und verständlicherweise) mit der Situation überfordert und hat dies auch vor dem DFB-Gericht eingeräumt. Warum sollte seine Entscheidung als bestehen bleiben?

Das Urteil ist nicht in Ordnung

Es wäre ein Zeichen gewesen, dieses Spiel auf neutralem Boden zu wiederholen. Das Kartenkontingent für Düsseldorf hätte obendrein auf ein Minimum reduziert werden können. Warum? Damit die Dumpfbacken endlich lernen, das Ihre Handlungen auch Konsequenzen haben. Es geht nicht um dien Schiedsrichter, es geht um die Dumpfbacken. So bleibt alles beim Alten. Die Dumpfbacken können weiterhin machen was sie wollen, der DFB versteckt sich im Zweifel hinter Tatsachenentscheidungen. Und der vernunftbegabte Zuschauer wendet sich irgendwann entnervt ab.

Gut so

Ist mir ja eigentlich ziemlich egal, es ist Fussball, nicht mehr.
Aber nüchtern betrachtet ist das Chaos entstanden, weil die durchgeknallten Herthaner Fans den Platz mit Feuerwerkskörpern teppichbombardiert haben. Bereits da hätte das Spiel abgebrochen und für Düsseldorf bewertet werden sollen. Die sieben Minuten Nachspielzeit, die stattdessen angeordnet wurden, haben dann den Spannungsbogen überzogen.

Nachahmungstäter

Ganz im Gegenteil, das jetztige Urteil ist es, dass zu Nachahmungen einlädt.

Denn es waren ja die Fortuna-Fans, die (egal in welcher Absicht) den Platz gestürmt und damit Hertha um die letzte Chance zum Ausgleich gebracht haben.

Folgerung daraus: Wenn deine Mannschaft einen knappen Vorsprung über die Zeit retten muss, dann renn aufs Spielfeld um den Gegner vom Ausgleichstor abzuhalten.