RelegationsspielHertha hat ein Recht auf Wiederholung

Das Urteil des DFB zum Düsseldorfer Chaosspiel lässt Respekt vor dem Fußball vermissen. Stattdessen deckt es, wie so oft, den Schiedsrichter, kommentiert O. Fritsch. von 

Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts , den Einspruch Herthas gegen die Wertung des Relegationsspiels in Düsseldorf abzulehnen, ist falsch. Zwar wurde die Partie formal korrekt zu Ende geführt, doch die Bedingungen waren irregulär. Das Spiel hätte nicht gewertet werden dürfen.

Schon zu Beginn der sieben Minuten langen Nachspielzeit standen Hunderte Heimfans am Spielfeldrand . Gut eine Minute vor Abpfiff mussten die Spieler vor der Menge flüchten. Nach der über zwanzig Minuten langen Unterbrechung hätten jederzeit wieder Fans auf das Spielfeld stürmen können. Im schlimmsten Fall hätte die Situation eskalieren können. Unter solchen Bedingungen ist keine sportliche Höchstleistung, kein Abstiegskampf möglich. Will man wirklich von einem Fußballer ein Tor verlangen, wenn der mit Gegenwehr von der Seitenlinie rechnen muss?

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Die Fortuna-Fans mögen in Feierlaune gehandelt haben, es waren keine Rabauken. Aber die Entscheidung, ob eine Masse, die auf einen zurennt, gutwillig oder gewaltbereit ist, darf man nicht einem Spieler überantworten. Gerade nach den Vorfällen einen Tag zuvor in Karlsruhe . Man muss nicht von Todesangst sprechen wie der Anwalt der Herthaner. Aber die Berliner Spieler durften sich bedroht fühlen.

Auch ist ein Platzsturm während des Spiels keine Bagatelle, sondern eine weitere Grenzüberschreitung der Fans, von denen sich einige immer mehr herausnehmen, immer mehr mitbestimmen wollen und immer mehr Schaden anrichten. Der DFB hat mit seinem Urteil ein Signal an sie versäumt, obwohl er ein solches in der vergangenen Woche angekündigt hat.

Ja, die ausfälligen Hertha-Spieler müssen lange gesperrt werden, gerne auch strafrechtlich belangt. Ja, die Hertha-Fans haben mit ihren Bengalos die lange Nachspielzeit erst verursacht, auch dafür muss der Verein zahlen. Und ja, die Hertha hat den Abstieg sportlich verdient, zumal sie mit ihrem Verhalten in den Katakomben und vor Gericht fast die letzten Sympathien verspielt hat und vielleicht nicht mal der Berliner Fan Lust auf ein weiteres Endspiel hat.

Aber eine alte Fußballregel bleibt von all dem unberührt: Auch in der Nachspielzeit können Tore fallen. Das Urteil des DFB lässt leider keinen Respekt vor dieser Regel erkennen – und damit vor dem Fußballspiel an sich. Stattdessen die übliche bedingungslose Rückendeckung für seine Schiedsrichter. Wolfgang Stark hätte die Partie abbrechen müssen. Das muss man ihm angesichts der stressigen Situation nicht vorwerfen, doch so hat er Hertha benachteiligt.

Der Heimverein ist seiner rechtmäßigen Aufgabe nicht nachgekommen, für Ordnung zu sogen. Ein Wiederholungsspiel wäre eine faire Lösung.

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Leserkommentare
  1. Alles andere hätte die Tatsachenentscheidung von Schiedsrichtern ad absurdum geführt.

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    das dieses Spiel eine Zumutung war. Sowohl für den Zuschauer als auch für den Fußballsport. Der Richterspruch ist lächerlich: ... keinem Spieler drohte Gefahr oder wurde Gewalt angetan. Muss es immer erst Tote geben, bevor diese Heinis vom Fussballbund aufwachen.

    Wiederholung, ohne Zuschauer, auf einem neutralen Platz.

    es kann offensichtlich nicht sein, was nicht sein darf...ein Schiedrichter hat unter extremen Stress unf die Gefahr für seinen Gesundheit schlicht weg falsch gehandelt bzw. er wurde schlicht genötigt, nicht abzubrechen, damit die Situation nicht noch mehr eskaliert.

    Das hohe Gut Tatsachenentscheidung hier anzuführen ist absurd. In einem regulären Spiel hat selbstverständlich der Schiedsrichter das Recht auf Tatsachenentscheidungen, die zu respektieren sind, ohne Zeitlupe etc..

    Die Situation in diesem Relegationsspiel war völlig anders, das weiß eigentlich jeder, der mit rechtlichen Dingen auch nur etwas Erfahrung hat. Als Starke seinen Entscheidung traf, war die Situation längst aus dem Ruder gelaufen. Das kann kein Schiedsrichter auf sich laden, das Spiel wirklich noch abzubrechen, wenn bereits hunderte Zuschauer auf dem Platz sind, die so lange friedlich bleiben, wie Ihre Fortuna aufgestiegen ist....

    1. Die Hertha Anhänger haben 2 Mal klar einen Spielabbruch in Kauf genommen und den Löwenanteil an der Nachspielzeit von 7(!!!) Min.
    2. Die Polizei sicherte alles ab und da waren keine Hools, sondern Fans, Frauen, Kinder etc.
    3. Tatsachenentscheidung
    4. So eine große Angst können die Spieler nicht gehabt haben, wenn sie noch tätlich werden können, gegen den Schiri
    5. Aus einer Minute Nachspielzeit werden 90 Minuten, da fehlt die Relation

    Hertha, als Hauptverantwortlicher (nicht zum ersten Mal) dieses Skandals legt dann auch noch Protest ein und medial wird es hochgekocht, anstatt mal auf Karlsruhe (70 Verletzte) einzugehen.
    Und das ganze soll auch noch belohnt werden für Hertha? Ganz klares nein dazu. Strafen ja, für beide Clubs, aber auf keinen Fall ein Nachholespiel!

    Die Fernsehbilder und Kommentare vor Ort sind für die reflektierende Öffentlichkeit eindeutig. Das Spiel hätte abgebrochen werden müssen bzw. ist unter Abwägung der chaotischen Verhältnisse vor Ort eine temporäre richtige Risikoabwägung gewesen.

    Den formalen Einspruch muss stattgegeben werden, da augenscheinlich kein fairer Wettbewerb möglich war. Dem Schiedsrichter ist aus meiner Sicht kein Vorwurf zu machen bzw. Hr. Stark hat verantwortungsvoll und ruhig die Situation unter den gegebenen Rahmenbedingungen professionell gemeistert.

    Allerdings ist die Entscheidung eines Sportgerichtes einfach aus Sicht des sportlichen Wettbewerbs und unter dem Geiste, was darunter zu verstehen ist - einfach aus Sportlersicht lächerlich und ein klares Versagen im Sinne des Sports.

    Darüber hinaus muss es harte Strafen gegen die verantwortlichen Spieler geben und auch Fortuna Düsseldorf muss mit harten Strafen als Veranstalter sanktioniert werden.

    Muss es erst zu Toten führen wie z.B. bei einer Love-Parade, um den Verantwortlichen die Signaldimension eines solchen " Urteils" wahrnehmbarer zu machen?

    Als neutraler Sportler und Fussballfan bin ich schockiert und werde mit meiner Familie ein Fussballstadion meiden. Auch meinen Kindern kann ich die sportliche Entscheidung nicht erklären.

    Da auch Gerichte sich mehrheitlich " irren" und es glücklicherweise mehrere Instanzen gibt, hoffe ich auf eine positive Berufung - im Sinne des Fussballfans.

    Es gilt in einem solchen Fall nicht die Grundregel, dass der DFB nicht am grünen Tisch Schiedsrichter-Entscheidungen rückgängig machen sollte, weil er sonst den Referees in den Rücken fällt und ihre Glaubwürdigkeit und Autorität untergräbt. Mit der Entscheidung, das Spiel abzubrechen oder wieder anzupfeifen, war ein einzelner Mensch in dieser Situation überfordert. Herr Stark blieb nichts anderes übrig, als die Partie, wenn irgend möglich, zu Ende zu bringen, ganz einfach, um diesen Abend möglichst schadlos über die Bühne zu bringen. Die Entscheidung über die Rechtmäßigkeit des Ablaufs konnte nur im nachhinein gefällt werden. Recht sprechen musste im nachhinein der DFB, Herr Stark musste unter diesen Umständen nach anderen Grundsätzen handeln. Er musste die Situation retten, nicht eine moralische oder sportrechtliche Entscheidung treffen wie Elfmeter oder nicht.

    Der Heim Verein ist für die Durchführung verantwotlich und hätte einschreiten müssen als die Fans die Ränge verlassen haben.

    Da er das nicht getahn hat ist er nun mal der Schuldige und müsste sich auch mit einer Straft abfinden.

    Bei einen Schlake spiel hat der Wurf eines einzelen Fans ausgereicht um das Spiel abzubrechen, und da wir Gleichheit vor den Gesetz haben kann man bei ungefär 100 Fans die die Ränge verlassen und am Spielfeldrand stehen dann nicht einfach weiter spielen lassen.

    Der Schidsrichter sollte auch einen Überprüfung bokommen warum er ein einen stadion wo die Stadionsicherheit offensichtlich die Fans nciht mehr auf den Rängen halten konnte dennoch weiterspielen gelassen hat und so den Platzsturm erst ermöglicht hatte.

    Normalerweise wird eigentlich bei Fasn die die Ränge verlassen die Stadionsicherheit aktiv, und wenn diese es nicht schaft der Lage herr zu werden wird das spiel unerbrochen. Die Idee das man es eifach weiterlaufen lässt, grade in einer Emotiolalen Partie, ist einfach nur dumm.

    Also sollte man ein nenues Spiel ansetzen oder Hart durchgreifen und das Spiel als 2:0 für die Gastmanschaft werten das die Heimmanschaft die Stadionsicherheit nicht garantieren konnte. Und dann alle Spieler die Handgreiflich geworden sind Sperren, so wie Fans die Auf den RAsen gelaufen sind und die Ränger verlassen haben Stadionverbot erteilen.

    Ohne Harted Durchgreifen wird der DFB eher die Situation in den Stadien verschlimmern.

    mehr aufgrund der Spielregeln treffen, sondern sie wurden erzwungen von den Übergriffen des Publikums und dem Zwang der Prävention einer bei Spielabbruch drohenden Eskalation.
    Allein das legt eigentlich eine Wierderholung nahe.

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    mit dem Heiligtum der Tatsachenentscheidung aufgeräumt wird. Eine falsche Tatsachenentscheidung bleibt in erster Linie eine falsche Entscheidung.

    Es mag zwar richtig gewesen sein, das Spiel in Düsseldorf nicht abzubrechen - allerdings nur, weil damit eine weitere Eskalation der Situation verhindert wurde. Im Nachhinein ist es doch sonnenklar, dass die Hertha unter diesen Bedingungen in der Nachspielzeit keine Höchstleistung mehr bringen konnte. Damit wurde der Spielverlauf durch äußere Umstände beeinflusst und das Spiel muss wiederholt werden. Herr Stark war offensichtlich (und verständlicherweise) mit der Situation überfordert und hat dies auch vor dem DFB-Gericht eingeräumt. Warum sollte seine Entscheidung als bestehen bleiben?

    Es wäre ein Zeichen gewesen, dieses Spiel auf neutralem Boden zu wiederholen. Das Kartenkontingent für Düsseldorf hätte obendrein auf ein Minimum reduziert werden können. Warum? Damit die Dumpfbacken endlich lernen, das Ihre Handlungen auch Konsequenzen haben. Es geht nicht um dien Schiedsrichter, es geht um die Dumpfbacken. So bleibt alles beim Alten. Die Dumpfbacken können weiterhin machen was sie wollen, der DFB versteckt sich im Zweifel hinter Tatsachenentscheidungen. Und der vernunftbegabte Zuschauer wendet sich irgendwann entnervt ab.

    Bei Anmerkungen oder Kritik wenden Sie sich bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/mo.

  2. ...ein wahres Wort!

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    • Moika
    • 21. Mai 2012 19:58 Uhr

    Ach ja? Dann hätte der Schiedrichter das Spiel aber schon abbrechen müssen, als er die erste Unterbrechung der Brandsätze werfenden Hertha Fans wegen pfiff.

  3. das dieses Spiel eine Zumutung war. Sowohl für den Zuschauer als auch für den Fußballsport. Der Richterspruch ist lächerlich: ... keinem Spieler drohte Gefahr oder wurde Gewalt angetan. Muss es immer erst Tote geben, bevor diese Heinis vom Fussballbund aufwachen.

    Wiederholung, ohne Zuschauer, auf einem neutralen Platz.

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    ja, und nur die zweite Halbzeit!!!

  4. 4. Gut so

    Ist mir ja eigentlich ziemlich egal, es ist Fussball, nicht mehr.
    Aber nüchtern betrachtet ist das Chaos entstanden, weil die durchgeknallten Herthaner Fans den Platz mit Feuerwerkskörpern teppichbombardiert haben. Bereits da hätte das Spiel abgebrochen und für Düsseldorf bewertet werden sollen. Die sieben Minuten Nachspielzeit, die stattdessen angeordnet wurden, haben dann den Spannungsbogen überzogen.

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    ... hätte schon einen Spielabbruch nach sich ziehen müssen. Aber Herta BSC Berlin war ja immer schon etwas Besonderes. Der Rechtsvertreter des Vereins möge mal in sich gehen.

    • mp28
    • 21. Mai 2012 19:40 Uhr

    Würde eine Wiederholung nicht noch eher zu "Nachahmungstätern" führen, die bewusst Spiele in einem solchen Ausmaß stören, dass es wiederholt werden muss?

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    Ganz im Gegenteil, das jetztige Urteil ist es, dass zu Nachahmungen einlädt.

    Denn es waren ja die Fortuna-Fans, die (egal in welcher Absicht) den Platz gestürmt und damit Hertha um die letzte Chance zum Ausgleich gebracht haben.

    Folgerung daraus: Wenn deine Mannschaft einen knappen Vorsprung über die Zeit retten muss, dann renn aufs Spielfeld um den Gegner vom Ausgleichstor abzuhalten.

    ... unter Ausschluss des Publikums macht sehr wohl sinn!

    • vonDü
    • 21. Mai 2012 19:41 Uhr

    Das Urteil kann ich noch verstehen, aber die Begründung halte ich für eine Katastrophe. Es gibt m.E. keine Motivation oder Emotion, die einen Platzsturm vor Ende der regulären Spielzeit begründen kann. Der Veranstalter trägt die Verantwortung für den störungsfreien Ablauf der Partie, und der ist er in erschreckendem Maße nicht nachgekommen.

    Auch wenn ich der Fortuna den Aufstieg gönne, so nicht.

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    Ein Mensch kann vernünftig sein, eine Menschenmenge niemals

  5. und zwar hat Hertha.. trotz mancher Fans, trotz übertriebenen Gejammers und trotz einer schlechten Saison ein Rückspiel verdient.
    Und zwar einzig aus dem Grund, den wir jetzt auch in der Champignonsleague sehen konnten.
    Chelsea war ja auch schon draußen. Aber in der 89-90 Minute fiel dann doch noch der Ausgleichstreffer.

    Wenn die Zuschauer das Spiel vor der Zeit beenden, ob nun bewußt oder unbewußt.., haben Sie eben Pech gehabt. Das ist einfach ein Unding.., zumal es ja auch lange dauerte bis alle vom Platz waren.

    .. Unterm Strich fand ich die Zuschauer der Düsseldorfer, als auch die Mannschaftsleistung und Entschlossenheit ..der Fortunen besser.. insofern sind Sie natürlich schon ein würdiger Aufsteiger.

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    • cvnde
    • 21. Mai 2012 23:51 Uhr

    Sie vergleichen doch nicht Chelsea mit der Chaostruppe aus Berlin vergleichen.

    Wenn sie so ein Spiel wollen wie am Samstag, dann muss der DFB die Relagation auf ein Spiel ausrichten.

    Stadion wird per Los gewählt, unter Auschluss der Teilnehmer.

    Hertha versucht sich mit klauen in der ersten Liga zu halten und sowas ist schändlich, dazu hatten sie 34. Spieltage und haben jämmerlich versagt.

    Die "Leistungsträger", haben doch schon alle neue Vereine, wenn nötig.

  6. es kann offensichtlich nicht sein, was nicht sein darf...ein Schiedrichter hat unter extremen Stress unf die Gefahr für seinen Gesundheit schlicht weg falsch gehandelt bzw. er wurde schlicht genötigt, nicht abzubrechen, damit die Situation nicht noch mehr eskaliert.

    Das hohe Gut Tatsachenentscheidung hier anzuführen ist absurd. In einem regulären Spiel hat selbstverständlich der Schiedsrichter das Recht auf Tatsachenentscheidungen, die zu respektieren sind, ohne Zeitlupe etc..

    Die Situation in diesem Relegationsspiel war völlig anders, das weiß eigentlich jeder, der mit rechtlichen Dingen auch nur etwas Erfahrung hat. Als Starke seinen Entscheidung traf, war die Situation längst aus dem Ruder gelaufen. Das kann kein Schiedsrichter auf sich laden, das Spiel wirklich noch abzubrechen, wenn bereits hunderte Zuschauer auf dem Platz sind, die so lange friedlich bleiben, wie Ihre Fortuna aufgestiegen ist....

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    Der DFB hat die Chance vertan, ein Zeichen zu setzen.

    Ein Zeichen, wie wichtig ihm reguläre Spielbedingungen sind.

    Da immer mehr Spiele unter irregulären Bedingungen laufen (vor allem in den unteren Ligen), wollte man da wohl lieber den Deckel drauf lassen.

    Der DFB hat vor der Randale kapituliert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Recht | DFB | Relegationsspiel | Schiedsrichter | Wolfgang Stark | Düsseldorf
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