Am Wochenende hat die TSG Hoffenheim in Berlin im Kampf um den Klassenerhalt eine wichtige Rolle gespielt. Abstrakt gesehen greift der Verein ständig in Fragen der Bundesligazugehörigkeit ein, Kritiker werfen der TSG noch immer vor, unrechtmäßig einen Platz in der Bundesliga zu belegen.

Seit der Verein vor fünf Jahren in die 2. Bundesliga aufstieg, ist die Frage offen, ob er überhaupt Profifußball spielen darf oder ob er gegen die 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL) verstößt. Sie besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Sie soll verhindern, dass Vereine zu Spielbällen von Investoren werden.

Die Zweifel machen sich an Dietmar Hopp fest. Der SAP-Gründer und Milliardär ist der Mäzen der TSG, eigenen Angaben zufolge hat er 240 Millionen Euro in den Verein gesteckt , für die neue Saison rüstet er die TSG mit neuen Spielern auf. Das wäre kein Problem, wenn er seinen Einfluss begrenzen würde. Eigenen Angaben zufolge tut er das. Operativ hat er keine Funktion im Verein, seinen Stimmanteil beschränkt er offiziell regelkonform auf 49 Prozent. "Ich leiste lediglich Entscheidungshilfe, wenn ich gefragt werde", sagt Hopp . Doch oft drängt sich ein anderer Eindruck auf: Hopp ist der "Alleinherrscher vom Schlössl", schrieb der Hoffenheimer Fanverband im Februar in einem offenen Brief auf Facebook .

Beispiele dieser Saison, die diesen Verdacht erhärten: Der Trainer Holger Stanislawski wurde nach einer öffentlichen Kritik Hopps entlassen. Den Wolfsburger Stürmer Srdjan Lakic konnte Hoffenheim wohl erst durch die guten Verbindungen Hopps zum Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kaufen, der damalige TSG-Manager Tanner war zuvor in den Verhandlungen gescheitert. Später soll Tanner bei einem möglichen Transfer des Leverkusener Verteidigers Bastian Oczipka durch Hopp gebremst worden sein. Auch die Entlassung Tanners im März dürfte auf Hopps Konto gehen.

Schon in der Vorsaison verkaufte Hopp den Mittelfeldspieler Luis Gustavo an Bayern München , ohne den damaligen Trainer Ralf Rangnick zu informieren. Der fühlte sich brüskiert und schmiss hin. Karl-Heinz Rummenigge sagte anschließend: "Unser Dank gilt Dietmar Hopp, der den Transfer ermöglichte."

TSG Hoffenheim - "Ein maskierter Verstoß gegen die 50+1-Regel" Oliver Fritsch über die Unternehmensstruktur der TSG Hoffenheim

Joachim Lammert, Ökonom der Universität Münster, betonte schon vor vier Jahren die wirtschaftliche Abhängigkeit des Vereins gegenüber Hopp. "Deshalb verfügt er über einen beherrschenden Einfluss, ohne dass er die formelle Stimmrechtsmehrheit hält." Der Jurist Alexander Steinforth fügt im Interview mit ZEIT ONLINE hinzu: "In der Wirtschaft gilt: Wer anschafft, bestimmt. Dieses Gesetz wird in Hoffenheim nicht außer Kraft gesetzt. Der Verein ist er." Skepsis weckt Dietmar Hopp durch das komplizierte und wenig transparente Unternehmenskonstrukt.

© ZEIT ONLINE