TSG HoffenheimDietmar Hopp und der Regelbruch

In Hoffenheim regiert Dietmar Hopp allein. Kritiker fürchten, dass er die 50+1-Regel aushöhlt und die Bundesliga zunehmend von Investoren übernommen wird. von 

Dietmar Hopp, Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim

Dietmar Hopp, Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim  |  © Grimm/Bongarts/Getty Images

Am Wochenende hat die TSG Hoffenheim in Berlin im Kampf um den Klassenerhalt eine wichtige Rolle gespielt. Abstrakt gesehen greift der Verein ständig in Fragen der Bundesligazugehörigkeit ein, Kritiker werfen der TSG noch immer vor, unrechtmäßig einen Platz in der Bundesliga zu belegen.

Seit der Verein vor fünf Jahren in die 2. Bundesliga aufstieg, ist die Frage offen, ob er überhaupt Profifußball spielen darf oder ob er gegen die 50+1-Regel der Deutschen Fußball Liga (DFL) verstößt. Sie besagt, dass der Geldgeber weder Stimmenmehrheit noch Geschäftsführung ausüben darf. Sie soll verhindern, dass Vereine zu Spielbällen von Investoren werden.

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Die Zweifel machen sich an Dietmar Hopp fest. Der SAP-Gründer und Milliardär ist der Mäzen der TSG, eigenen Angaben zufolge hat er 240 Millionen Euro in den Verein gesteckt , für die neue Saison rüstet er die TSG mit neuen Spielern auf. Das wäre kein Problem, wenn er seinen Einfluss begrenzen würde. Eigenen Angaben zufolge tut er das. Operativ hat er keine Funktion im Verein, seinen Stimmanteil beschränkt er offiziell regelkonform auf 49 Prozent. "Ich leiste lediglich Entscheidungshilfe, wenn ich gefragt werde", sagt Hopp . Doch oft drängt sich ein anderer Eindruck auf: Hopp ist der "Alleinherrscher vom Schlössl", schrieb der Hoffenheimer Fanverband im Februar in einem offenen Brief auf Facebook .

Beispiele dieser Saison, die diesen Verdacht erhärten: Der Trainer Holger Stanislawski wurde nach einer öffentlichen Kritik Hopps entlassen. Den Wolfsburger Stürmer Srdjan Lakic konnte Hoffenheim wohl erst durch die guten Verbindungen Hopps zum Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kaufen, der damalige TSG-Manager Tanner war zuvor in den Verhandlungen gescheitert. Später soll Tanner bei einem möglichen Transfer des Leverkusener Verteidigers Bastian Oczipka durch Hopp gebremst worden sein. Auch die Entlassung Tanners im März dürfte auf Hopps Konto gehen.

Schon in der Vorsaison verkaufte Hopp den Mittelfeldspieler Luis Gustavo an Bayern München , ohne den damaligen Trainer Ralf Rangnick zu informieren. Der fühlte sich brüskiert und schmiss hin. Karl-Heinz Rummenigge sagte anschließend: "Unser Dank gilt Dietmar Hopp, der den Transfer ermöglichte."

Joachim Lammert, Ökonom der Universität Münster, betonte schon vor vier Jahren die wirtschaftliche Abhängigkeit des Vereins gegenüber Hopp. "Deshalb verfügt er über einen beherrschenden Einfluss, ohne dass er die formelle Stimmrechtsmehrheit hält." Der Jurist Alexander Steinforth fügt im Interview mit ZEIT ONLINE hinzu: "In der Wirtschaft gilt: Wer anschafft, bestimmt. Dieses Gesetz wird in Hoffenheim nicht außer Kraft gesetzt. Der Verein ist er." Skepsis weckt Dietmar Hopp durch das komplizierte und wenig transparente Unternehmenskonstrukt.

© ZEIT ONLINE

Intransparente Unternehmensstruktur

Die TSG Hoffenheim e.V. hat seinen Spielbetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert – so weit, so üblich. An dieser Spielbetriebsgesellschaft mbH TSG Hoffenheim hält die Golf-Club St. Leon-Rot Besitzgesellschaft mbH Co. KG 66,11 Prozent (rechter Kreis). Die wiederum ist im gegenseitigen Besitz der TSG Hoffenheim Fußballbesitzgesellschaft mbH & Co. KG und der Golf-Club St. Leon-Rot Betriebsgesellschaft mbH Co. KG. Für alle drei Unternehmen ist Hopp Geschäftsführer (oberer Teil der Grafik).

Hopps hoher Kapitalanteil

Am Stammkapital der Spielbetriebsgesellschaft hält Hopp Presseberichten zufolge 96 Prozent (rechter Kreis). Doch selbst wenn diese Zahl nicht stimmen sollte – entscheidender ist eine andere: Der Geschäftsbericht 2011 der Spielbetriebsgesellschaft verzeichnet nämlich Stille Einlagen von über 147 Millionen Euro (linker Kreis). Das entspricht über 98 Prozent des Gesamtvermögens. Von wem diese Einlage stammt, weiß man nicht. Es dürfte aber nicht schwer zu erraten sein. Hopp hält demnach mehr als 99,9 Prozent des gesamten Hoffenheimer Kapitals.

Fazit: Wirtschaftsrechtlich ist das alles legal. Doch mit Sportrecht, der 50+1-Regel, lässt sich das schwer in Einklang bringen. Denn klar ist: Mit einem solchen Gläubiger stellt man sich besser gut.

Leserkommentare
  1. ...und ich bin schon gespannt, wann die leidige Diskussion der Legitimation der TSG endlich keinen mehr interessiert.

    "Die Zweifel machen sich fest....", "Skepsis weckt....", "Andere Vereine fürchten um..."....

    Ein Kraichgauer-Chinesisches Sprichwort besagt: "Wenn Du nichts zu sagen hast, schreibe keinen Artikel"....

    Eine Leserempfehlung
  2. Liegen wie in den USA - Vereine im Besitz von Eignern - wie hier schon von Hopp - VW - Gazprom - Bayer hmmh?

    Frage: wo stehen die? in der Tabelle grad?

  3. ...die Allianz-Arena in München, grad in Sachen Finanzierung. Was das Attribut der "modernsten Arena" anbelangt gebe ich Schalke gerne den zweiten Platz - insbesondere was deren Rasen-Management anbelangt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Schalke Vergleich"
  4. ....sportlich entscheiden.

    Er wird lernen dass Geld - nach seiner Art - keine Tore schießen wird.

    Auch in keiner anderen Sportart.
    #

  5. ...stehen Hoffenheim, Wolfsburg, Hannover, Vizekusen usw?

    Sollten die tatsächlich alles vorne bestimmen, dann können wir streiten.

    Im Mom stehen BVB, Bayern, Schalke, Gladbach und dann erst V-Kusen vorne.

  6. ...geht es nicht um den Sport. Schlechthin um das Machen - zu zeigen, dass sie überall der Macher sein können, wobei sie ihre Kompetenzen mit Hype-verdientem (also unverdientem Geld) kompensieren.

    Also - dem Hörensagen nach - 240 Millionen Euro - eine halbe Milliarde D-Mark 500.000.000 in ein Vereinsabenteuer zu stecken und das angeblich noch aufzustocken - das ist krank. Erfolg hin oder her!

    Da muss man sich schon fragen ob die Enteignung zugunsten der S.O.S. Kinderdörfer eher legitim wäre. Und dieses Spielzeug ist ja nicht sein Einziges.

  7. ...ist ja auch nicht sein einziges Milliardengrab.

  8. ...höhlt er die 51er Regel aus - klar doch. Und wieso die Weicheier beim DFB das gewähren lassen spricht für sich - sehr deutlich sogar.

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