Italiens Nationalelf beim Training © Gabriele Maltinit/Getty Images

Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli hatte am Montag extra diesen Zweitligaspieler eingeladen, um zu zeigen, dass alles gut wird. Simone Farina vom AS Gubbio, einem Club in der umbrischen Fußballprovinz, sollte mit der Nationalelf trainieren und erzählen, wie es ist, Nein zu sagen. Farina hatte im November 2011 ein Angebot zur Spielmanipulation ausgeschlagen. 200.000 Euro hätte er bekommen, wenn er dafür gesorgt hätte, dass ein Pokalspiel verloren geht. Farina lehnte ab, wurde dafür vom Fifa-Präsidenten Sepp Blatter belobigt und zum Symbol. Dafür, dass der italienische Fußball auf dem besten Weg war, seine Probleme zu überwinden.

Am Montag tauchte aber nicht nur der Zweitligaspieler auf dem Trainingsgelände auf. Als die Mannschaft beim Frühstück saß, durchsuchte die Polizei das Zimmer des Verteidigers Domenico Criscito. Der spielt mittlerweile bei Zenit St. Petersburg . In seiner Zeit beim CFC Genua soll er das Spiel gegen Lazio Rom im Mai 2011 manipuliert haben. Sein Trainer Prandelli strich ihn umgehend aus dem EM-Kader. Am gleichen Tag wurde der Kapitän von Lazio Rom, Stefano Mauri, in Handschellen abgeführt. Auch ihm wird vorgeworfen, Geld für ein hergeschenktes Spiel bekommen zu haben. Ähnliches wird dem Meistertrainer Antonio Conte von Juventus Turin vorgeworfen. Er soll als Trainer des AC Siena in der vergangenen Zweitliga-Saison in einem Spiel absichtlich nur Unentschieden spielen lassen haben. "Ich habe absolut nichts damit zu tun", beteuerte Conte unter Tränen. Auch gegen den Nationalspieler Leonardo Bonucci wird ermittelt. Den Spieler von Juventus Turin aber berief Trainer Prandelli dennoch in dem EM-Kader.

Insgesamt sind am Pfingstmontag 19 Personen festgenommen worden, darunter 13 Profifußballer. Die Mittelsmänner sollen aus Ungarn und Mazedonien stammen, gesteuert wurden die Manipulationen aus Singapur , so vermuten die Ermittler. "So einen Sturm gab es noch nie. Was für ein Chaos bei der Nationalelf", titelte der Corriere dello Sport am Dienstag. "Ein Alptraum", meinte die Gazzetta dello Sport . Und das alles nicht einmal zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaft. Selbst Italiens Ministerpräsident Mario Monti meldete sich zu Wort und stellte gar den gesamten Profi-Fußball im Land in Frage. "Würde es den Italienern nicht gut tun, wenn wir dieses Spiel für zwei bis drei Jahre komplett stoppen würden?", fragte der Regierungschef am Dienstag in Rom . Es sei zutiefst enttäuschend, wenn sich der Sport als unfair und manipuliert erweise, so Monti.

Der große Skandal kommt nicht nur zur Unzeit, weil bald die EM auf dem Plan steht. Italiens Fußball schien nach schweren Krisenjahren auch wieder auf dem Weg der Besserung zu sein. Die in den achtziger und neunziger Jahren stärkste Liga der Welt war drauf und dran, wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Der Skandal von 2006 um den mächtigen Generaldirektor von Juventus Turin, Luciano Moggi, der sich mit seinem Geld ein ganzes System voll abhängiger Schiedsrichter, Funktionäre und Journalisten aufbaute, schien überwunden. Das damals zwangsabgestiegene und inzwischen runderneuerte Juventus Turin wurde mit schnörkellosem Fußball verdient Meister und spielt im modernsten Fußballstadion des Landes. Es gehört dem Verein selbst.