FußballHertha, wir bleiben dir treu

Der Verein Hertha BSC hat eine bewegte Geschichte. Ewig werden und niemals sein – so sein Motto, meint H. Martenstein. von 

Herthas Torwart Thomas Kraft (l.) und Ronny jubeln nach dem Spiel über den Sieg.

Herthas Torwart Thomas Kraft (l.) und Ronny jubeln nach dem Spiel über den Sieg.  |  © Sebastian Kahnert / dpa

Mein Sohn und ich gehen seit Jahren zu Hertha . Seit Jahren haben wir keinen Sieg mehr gesehen, nicht mal ein Unentschieden. Immer, wenn wir da sind, verlieren sie. Wir haben auch das Spiel gegen Kaiserslautern besucht, wir dachten, das gewinnen sie garantiert. Irrtum. Deswegen waren wir gestern nicht im Stadion. An uns sollte es nicht liegen.

Hertha wurde 1892 gegründet. 1894 wurden sie aus dem Fußballbund herausgeworfen, weil sie die Mitgliedsbeiträge nicht bezahlten. 1901 waren sie wieder in der höchsten Liga. Weil sie Spieler einsetzen, die nicht spielberechtigt waren, sind ihnen 1902 alle Punkte aberkannt worden, Zwangsabstieg.

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Sie kamen zurück. 1919 zahlten sie ihren Spielern unerlaubte Prämien und wurden erneut disqualifiziert. Das war schon der dritte Skandal! Sie wollten es einfach nicht lernen. Aber sie kamen wieder. Von 1926 bis 1929 schafften sie es, vier Mal hintereinander das Endspiel um die deutsche Meisterschaft zu verlieren – ein Rekord für die Ewigkeit. 1930 und 1931 wurden sie Meister.

Hertha am Beginn der Bundesliga

Nach dem Krieg stiegen sie dann schnell in die Amateurliga ab, also sehr tief, berappelten sich aber erneut und gehörten tatsächlich zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Das wäre alles sehr schön gewesen, wenn Hertha nicht bereits 1965 schon wieder unerlaubte Prämien gezahlt hätte, eine dumme Angewohnheit. Nun wurden sie zur Strafe in die Regionalliga gesteckt.

1970 nahmen Spieler von Hertha BSC einen Geldkoffer an, der ihnen von dem Verein Arminia Bielefeld angeboten wurde, damit sie das Spiel gegen Bielefeld verlieren. Immerhin war Hertha damals so gut, dass man so etwas für notwendig hielt. Das zweite gute Zeichen bestand darin, dass Hertha in den folgenden Jahren mehrmals ganz normal in die Zweite Liga abstieg, sogar in die Dritte Liga, nun völlig ohne Disqualifizierung, Skandal oder Chemikalien, sozusagen ökologisch.

Wenn Hertha ein Tier wäre, dann ein Lemming

Sie kamen zurück. Der Trainer Jürgen Röber führte Hertha aus der Zweiten Liga in die Champions League, wo Hertha unter anderem gegen Chelsea und den AC Mailand gewonnen hat. Kurz danach wurde Röber entlassen. Ein paar Jahre später holten sie Lucien Favre , der Hertha ungefähr so weit nach vorne brachte, wie er es jetzt mit Mönchengladbach tut. Sie wurden Vierter. Kurz danach wurde Favre entlassen, die besten Spieler mussten gehen. Sie spielten wieder in der Zweiten Liga, holten Babbel , stiegen auf, holten viele Punkte, und entließen daraufhin Babbel – was sonst?

Wenn Hertha ein Tier wäre, dann wäre es ein Lemming. Wenn Hertha ein Mensch wäre, dann wäre es der Baron Guttenberg . Wenn Hertha aber eine Stadt wäre, dann könnte es nur Berlin sein. Ewig werden, niemals sein! Hertha, wir bleiben dir treu.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ja, hertha passt zu berlin. immer, wenn man denkt, es klappt mal endlich, sitzen wieder die falschen manager am ruder.

    freue mich, dass hertha wenigstens einmal gewonnen hat, als es drauf ankam und hoffentlich oben bleibt.

    • Nevil
    • 06. Mai 2012 16:39 Uhr

    und eine Mannschaft, die alles für diese Fans versucht, so wie Hertha gestern. Das war Kampf, das war Moral. Mögen die Spieler diese Tugenden auch in der Relegation zeigen! Das wünscht ein Nicht-Hertha-Fan.

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    ... doch lieber Düsseldorf. Ich mag die Relegation einfach nicht, weil sie nicht gerecht ist. Hertha spielte eine unglaublich miese Rückrunde, in der sportlichen Führung paart sich Inkompetenz mit Eitelkeit und das wird im schlimmsten Fall belohnt, während Düsseldorf eine bärenstarke Saison gespielt hat. Es wäre toll, wenn man die Relegation einfach weglassen würde. Es dient nur der Quote.

  2. ... doch lieber Düsseldorf. Ich mag die Relegation einfach nicht, weil sie nicht gerecht ist. Hertha spielte eine unglaublich miese Rückrunde, in der sportlichen Führung paart sich Inkompetenz mit Eitelkeit und das wird im schlimmsten Fall belohnt, während Düsseldorf eine bärenstarke Saison gespielt hat. Es wäre toll, wenn man die Relegation einfach weglassen würde. Es dient nur der Quote.

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    • JayB
    • 06. Mai 2012 17:43 Uhr

    Zwei Spiele, die kaum jemanden interessieren? Nach Ende der Saison? Das hat mit Quote nichts zu tun. Es geht um Exklusivität, darum, dem Erstligaverein die Möglichkeit zu geben, doch noch oberklassig zu bleiben. Es gibt immer wieder Überlegungen, den Aufstieg und Abstieg ganz abzuschaffen und für die ersten Profiligen ein Franchise-System einzuführen. Das ist m.E. eher utopisch (momentan jedenfalls), aber in diesem Zusammenhang muss die Wiedereinführung der Relegation gesehen werden: Exklusivität.

    Ich denke der Dritte der 2. Bundelsiga hat im Gesamtbild immer eine bessere Saison gespielt, als der 16. der 1. Bundesliga. Logisch. Also nicht unbedingt ein Argument, dass nur auf die jetzige Situation passt, sondern meistens. Daher könnte man sagen, man sollte das mit der Relegation ganz lassen.

    • Hickey
    • 07. Mai 2012 9:12 Uhr

    wäre für mich ein Grund diesen nicht mehr zu sehen.

    Ich denke das geht vielen anderen Fußballfans ähnlich, von daher kann ich mir kaum vorstellen Amerikanische Ligamodelle zu übernehmen.

    • tbw
    • 06. Mai 2012 17:06 Uhr

    Ich las die ersten Zeilen des Artikels, und dachte mir nur: cool.

    Von wegen "alles Prolls" und Ostkurve und so.

    Die Hertha hat doch richtig coole Fans.

    Was für eine Schreibe.

    Kommt da doch tatsächlich irgend so ein Fan, und schreibt hier mal einen Leserartikel, und dann gleich mit so einem brillianten Einstieg.

    Respekt!

    Und dann wanderte mein Blick nach rechts oben. Ich wollte wissen, wer der Autor ist.

    Ein gewöhnlicher Fan?

    Leider nein.

    Martenstein!!

    "Hanoi", würde ich nun sagen, wenn ich Schwabe wäre. Tja, jetzt wundert mich dieser brilliante Einstieg selbstverständlich nicht mehr.

    • JayB
    • 06. Mai 2012 17:43 Uhr
    5. Quote?

    Zwei Spiele, die kaum jemanden interessieren? Nach Ende der Saison? Das hat mit Quote nichts zu tun. Es geht um Exklusivität, darum, dem Erstligaverein die Möglichkeit zu geben, doch noch oberklassig zu bleiben. Es gibt immer wieder Überlegungen, den Aufstieg und Abstieg ganz abzuschaffen und für die ersten Profiligen ein Franchise-System einzuführen. Das ist m.E. eher utopisch (momentan jedenfalls), aber in diesem Zusammenhang muss die Wiedereinführung der Relegation gesehen werden: Exklusivität.

    Antwort auf "Nein, dann ..."
    • deDude
    • 06. Mai 2012 19:33 Uhr

    .... könnten wir Bielefelder evtl. besagten Geldkoffer wiederhaben? Wir hätten aktuell erhöhten Bedarf an liquiden Mitteln :P

  3. Ich denke der Dritte der 2. Bundelsiga hat im Gesamtbild immer eine bessere Saison gespielt, als der 16. der 1. Bundesliga. Logisch. Also nicht unbedingt ein Argument, dass nur auf die jetzige Situation passt, sondern meistens. Daher könnte man sagen, man sollte das mit der Relegation ganz lassen.

    Antwort auf "Nein, dann ..."
    • Hickey
    • 07. Mai 2012 9:12 Uhr

    wäre für mich ein Grund diesen nicht mehr zu sehen.

    Ich denke das geht vielen anderen Fußballfans ähnlich, von daher kann ich mir kaum vorstellen Amerikanische Ligamodelle zu übernehmen.

    Antwort auf "Nein, dann ..."

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