KorruptionChefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs soll für Fifa ermitteln

Luis Moreno-Ocampo hat als erster Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs weltweit Kriegsverbrecher gejagt. Jetzt soll der Jurist in der Fifa Korruption bekämpfen. von dpa und reuters

Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo

Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno-Ocampo  |  © Ismail Zitouny/Reuters

Der Welt-Fußballverband Fifa will sich im Kampf gegen Korruption prominente Hilfe holen. Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs ( IstGH ), Luis Moreno-Ocampo , sei für die Leitung der internen Ermittlungen nominiert worden, sagte der Vorsitzende des Fifa-Kontrollkomitees. Moreno-Ocampo, dessen Amtszeit beim IstGH im Juni endet, ist vor allem als Verfolger von international gesuchten Kriegsverbrechern bekannt geworden. "Die Tatsache, dass Luis auf der Liste steht, zeigt, wie ernst uns die Sache ist", sagte der Chef des Kontrollkomitees, Mark Pieth .

Der seit vielen Jahren amtierende Fifa-Präsident Sepp Blatter hatte anlässlich seiner Wiederwahl 2011 Reformen versprochen. So soll künftig nicht mehr das Exekutivkomitee über die WM-Vergabe entscheiden, sondern die Versammlung der 208 Mitgliedsverbände. Außerdem soll die Fifa-Ethikkommission gestärkt werden und Fehlverhalten konsequent bestrafen. Die Reformen soll das aus 13 Mitgliedern bestehende Kontrollkomitee überwachen, das ebenfalls 2011 geschaffen wurde.

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Gegen Fifa-Spitzenfunktionäre hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Bestechungsvorwürfe gegeben. Sowohl vor der Präsidentenwahl als auch der Vergabe der WM 2022 an Katar sollen Schmiergelder geflossen sein. Die Beteiligten haben solche Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Am 8. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine . Das Turnier wird von der Uefa ausgerichtet, einer der sechs Kontinental-Konföderationen der Fifa.

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Leserkommentare
  1. Wenn die FIFa sinnvoll gegen Korruption vorgehen will, sollte man überlegen, erstmal das Exekutivkomitee samt Präsidenten auszutauschen.

    • tinti
    • 29. Mai 2012 12:10 Uhr

    Spätestens am Beispiel von Mark Pieth zeigt es sich, wie es die Fifa mit der Korruptionsbekämpfung hält. Wieviel Wert hat es, einen hochrangigen Ermittler zu beschäftigen, der eben selbst auf der Gehaltsliste der Fifa steht?

    Das wäre in etwa so, als ob die Cosa Nostra in einer Pressekonferenz ankündigt, den Richter Giovanni Falcone (sofern er noch leben würde) als Leiter der internen Ermittlungen zu nominieren.

    Eine korrupte, mafiose, um nicht zu sagen: verbrecherische Organisation, die "hochrangige und namenhafte" Verbrechensverfolger sogar sehr gut bezahlt, um gegen sich selbst zu ermitteln?

    Genau wie im Fall von Scientology sollte man hierzulande diskutieren die Fifa als Wirtschaftsunternehmen einzustufen, um sie strafrechtlich belangen zu können. Ihr Einfluss auf Wirtschaft und Politik scheint nunmehr ein erschreckend hohes Maß erreicht zu haben, sagt man ihr doch bereits einen guten Draht zu Interpol nach.

    Ich sehe es nicht gern, wenn Frau Merkel werbewirksam "shake hands" mit Blatter macht.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
  • Schlagworte Luis Moreno-Ocampo | Korruption | Fifa | Ermittlung | IStGH | Joseph Blatter
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