DFB-PokalfinaleJürgen Klopp und die Sache mit der Weltherrschaft

Dortmund gewinnt das Pokalfinale gegen die Bayern – überlegen und grandios. Ist das die Wachablösung im deutschen Fußball? von 

Dortmunds dreifacher Torschütze Robert Lewandowski mit dem DFB-Pokal

Dortmunds dreifacher Torschütze Robert Lewandowski mit dem DFB-Pokal  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Da steht Jürgen Klopp und sagt diesen Jürgen-Klopp-Satz. Auf dem Kopf trägt er seine Pöhler-Kappe, seine Stimme ist heiser, in den Räumen für die Presse riecht es nach Bier. Klopp sagt: "Wir sind hier nicht bei James Bond, es geht nicht um die Weltherrschaft."

Das ist die Antwort des Dortmunder Fußballtrainers auf eine Frage, die sich nach dem DFB-Pokalfinale geradezu aufdrängt. Sie wurde vor dem Spiel gestellt , und erst recht danach. Nach diesem 5:2, mit dem Klopps BVB den großen FC Bayern klein machte und nach Hause schickte : Ist das gerade die Wachablösung im deutschen Fußball? Ist Dortmund das neue Bayern? Wird je wieder sein, was vorher war?

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Nun ist der Dortmunder Trainer nicht dafür bekannt, allzu offensiv Ziele zu formulieren. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. In diesem Jahr redete er erst von der Meisterschaft, als die Ligaoffiziellen schon nach Dortmund unterwegs waren, um dem BVB wieder die Schale ins Vereinsheim zu stellen. Es spricht aber einiges dafür, dass Klopp in Sachen Weltherrschaft nicht kokettiert, sondern einfach nur realistisch ist.

Es wäre Quatsch, dieses Spiel als das Eine zu bezeichnen, das dem deutschen Fußball in den kommenden Jahren den Weg weist. Auch das DFB-Pokalfinale ist nur ein Fußballspiel, und ein Fußballspiel bedeutet eben nie mehr, als ein Fußballspiel bedeuten kann: Am Ende gibt es einen Gewinner und einen Verlierer. Das war's. Schon ob jemand besser war oder nicht, ist subjektiv. Darüber darf gestritten werden.

Bayerns Kapitän Philipp Lahm etwa überraschte nach dem Spiel mit der zackigen Ansage, seine Mannschaft sei "über 90 Minuten die bessere Mannschaft" gewesen. Nach einem 2:5 wohlgemerkt. Und zwischen Mario Gomez und einem Reporter entspann sich folgender Dialog. Reporter: "Warum waren heute alle Bayern-Spieler unter Normalform?" – Gomez: "Finden Sie, dass wir unter Normalform waren?" – Reporter: "Ja." – Gomez: "Ich nicht." – Reporter: "Was dann? Waren die Dortmunder so gut?" – Gomez: "Nein." – Reporter: "Okay."

Es stimmt schon, man kann über eine Wachablösung diskutieren. Es war der fünfte Dortmunder Sieg gegen den FC Bayern hintereinander. Der BVB sammelte auf dem Weg zur Meisterschaft 81 Punkte, das gab es noch nie. Zum ersten Mal seit 103 Jahren gibt es für Dortmund nun auch noch den Pokal obendrauf. Und doch kann dieses Spiel nicht als Beweis dafür herhalten, dass sich das Kräfteverhältnis im deutschen Fußball verschoben habe. Dafür war diese Partie mit ihren Begleitumständen zu ungewöhnlich.

Zuerst: Die Bayern sind ein Gegner, der den Dortmundern liegt. Das mag seltsam klingen, aber gegen Mannschaften wie Augsburg oder selbst die Hertha tat sich der BVB ungleich schwerer. Dortmund hat Probleme, wenn andere spielen wie sie. Wenn sie viel laufen, Zweikämpfe suchen und auf dem ganzen Platz ihr Gift versprühen. Der stets aktive, oft zu gemächliche, weil immer um Spielkontrolle bemühte FC Bayern spielt dem BVB in die Karten. Dann gibt es den berühmten Dortmunder Vierkampf: pressen, Ball erobern, umschalten, abschließen. Mit einer frühen Führung wie am Samstag spielt sich das noch leichter.

Tatsächlich kam der FC Bayern zunächst so gut ins Spiel wie lange nicht mehr gegen Dortmund, bis die Bayern-Defensive mit solch haarsträubenden Fehlern (Gustavo, Boateng, Badstuber, Neuer, teilweise auch Schweinsteiger) das Spiel entschied, dass dem Bundestrainer Joachim Löw auf der Ehrentribüne ganz flau wurde.

Und dann gibt es da ja noch dieses Champions-League-Finale in einer Woche. Dieses Spiel hing über dem Olympiastadion, wertete es ein wenig ab. Ein Champions-League-Finale ist dann doch noch eine Nummer größer, das Unterbewusstsein kommt ins Spiel, man darf den Bayern-Spielern da keinen Vorwurf machen. Auf dem Platz schien in dem rasanten Spiel hin und wieder die Konzentration zu fehlen und der Wille, noch einmal über die Leistungsgrenze zu gehen und einen Rückstand von mehreren Toren aufzuholen.

So klangen zumindest die Kommentare der Bayern-Spieler nach der Partie. "Das Spiel nächste Woche ist noch wichtiger", sagte Arjen Robben. "Wir haben in der nächsten Woche ein noch größeres und noch wichtigeres Spiel", sagte Toni Kroos . Und Christian Nerlinger ließ verlauten, das Champions-League-Finale sei ein "herausragendes Ereignis, das alles überstrahlt." Fast klang es, als wollten sich die Bayern dann doch ein wenig lustig machen: Freut ihr Trottel euch ruhig über den Dorftanz hier, wir machen nächste Woche Party auf Ibiza .

Leserkommentare
  1. kann man sicher Party machen - aber man kann auch baden gehen.

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    • Walgit
    • 13. Mai 2012 10:57 Uhr

    Nun eine komplette Analyse der Saison zeigt auch, dass Dortmund erst nach dem verblüffend schnellen und glanzlosen Aus in den internationalen Wettbewerben zu neuer Hochform auflief. Dortmund war im Pokalfinale immer etwas schneller im Spielaufbau und mental stärker aufgeladen. Aber die nächste Saison wird zeigen ob das auch mit Championsleague so bleibt. Es gibt eben überall, so auch im Sport, mentale und körperliche Erschöpfung.

  2. Ob das nun die Wachablösung war, weiss ich nicht, aber für die nächsten zwei Jahren werden die Dortmunder vermutlich noch vor den Bayern Favorit auf den Meistertitel sein.
    International wird es für Dortmund aber nicht so einfach wie gestern. Die internationalen Spitzenklubs werden eher eine Antwort auf das Spiel des BxB finden als die Bayern. Nach dem 2:1 kam von denen gar nichts mehr. 30 Minuten lang waren die Bayern das bessere Team, danach war das einfach eine blutleere Vorstellung, überhaupt kein Aufbäumen, gar nichts.
    Boah ey, waren das katastrophale Abwehrfehler. Da wird der Hoeneß wohl wieder ordentlich in die Schatulle greifen.

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    Und das mit allen die ich habe. Und ein Danke auch nochmals an Uli H. ohne Ihn gaebe es den BVB eher anders.

    • Hickey
    • 15. Mai 2012 7:07 Uhr

    werden sich nicht auf den BVB einstellen, es ist der BVB der das tun muss und man hat gesehen das sich selbst der BVB damit schwer tut.

    Wachablösung...darüber kann man in 10 Jahren reden, 2 Meisterschaften hintereinander ist viel zu früh...jajaj Journalisten schreiben immer viel übertriebenen Mist.

    • Voce
    • 13. Mai 2012 10:26 Uhr

    für den FC Chelsea wie leicht der "FC Bayern Querpass" auseinandergenommen werden kann: die Flügelzange Ribery und Robben weitestgehend neutralisieren (denn dann herrscht überwiegende Ideenlosigkeit im Team) und mit schnellen Kontern die keineswegs stabile Bayernabwehr unter Druck setzen, in der gestern der sonstige Rückhalt Neuer auch nicht gerade seinen besten Tag erwischt hatte.

    Bin mal gespannt, was sich die Bayern für das CL-Finale werden einfallen lassen (müssen!), denn da wird einiges auf sie zukommen. Mit der gestrigen Leistung ist der Pott jedenfalls nicht zu holen. Aber ich denke, sie werden ihre letzte Chance nutzen wollen und sich in der heimischen Allianz-Arena voll reinhängen. Dann wird es schon klappen.

  3. selbst nach einem eindeutigen Niederlage sind sie nicht in der Lage die Leistung der Dortmunder anzuerkennen.
    Die Ära Bayern neigt sich dem Ende......
    Die Achse Badstuber Schweinsteiger Gomez gehört auch nicht mehr in die Nationalmannschaft!

  4. - <a href="http://www.zeit.de/sport/2012-04/bayern-muenchen-champions-league-finale... hat, was Dortmund fehlt...</a>

    Das war schnell wieder <em>was</em>? ;-)

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    internationale Klasse.
    Schlechtes Abschneiden in der Champions League einer deutschen Mannschaft in einer relativ einfachen Gruppe.
    In der aktuellen Form ist Dortmund im direkten Duell klar besser, aber in dieser Saison hatte der BVB nach 6 Spieltagen in der Liga erst 6 Punkte auf dem Konto. Danach haben sie die beste Saison gespielt die je ein Klub in Deutschland gespielt hat.

    Aber dennoch sind die Bayern natürlich als Verein deutlicher weiter als die Borussia. Champions League Finale ist deutlich höher ein zu schätzen als das Entschuldigung "lächerliche" Pokalfinale. Bayern hat in den letzten Jahr zig mal den Pokal geholt.

    Dortmund ist auf einem guten Weg. Aber Bayern ist einfach deutlich weiter und wenn sich fragt auf wenn man in der Nationalelf während der WM eher verzichten könnte würde wohl jeder sagen Hummels Götze anstatt Lahm und Schweini.
    Dortmund hat noch einen langen Weg vor sich.

  5. 6. na ja

    der trainer klopp hat den trainer heynckes schlicht ausgeguckt.
    fünf siege mit dem spielerpotential auf beiden seiten sind ein klare beleg für das taktische format von klopp und die altbackene taktische einbahnstrasse die heynckes verkörpert. dazu das defizit, das heynckes eine mannschaft mit seinem flegma nicht puschen kann. dieser biß bleibt der mannschaft überlassen und der gelingt das nur sporadisch.

    dazu die beiden anderen defizite.
    personell schwaches mittelfeld, entsprechend keine kreativen impulse, zwangsweise stupide angriffe über außen. nimmt man den bayern den platz, ende im gelände.
    der andere schwachpunkt neuer, der mal ein großer wird, aber mit unmotivierten bewegungsdrang regelmäßig patzer platziert.
    geht auf dem niveau gar nicht.

    wenn dann noch spieler wie schweinsteiger oder ribery im pokal ein totalausfall sind und schwierigkeiten haben über fünf meter den ball zum mitspieler zu bringen, dann gibt es solche debakel.

    erschreckend für mich, wie wenig selbstkritik bei den bayern rüberkommt. da gab es spieler die sich als die bessere mannschaft gesehen haben, ich hoffe die wachen bis zum CL finale wieder auf ...

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    "erschreckend für mich, wie wenig selbstkritik bei den bayern rüberkommt. da gab es spieler die sich als die bessere mannschaft gesehen haben, ich hoffe die wachen bis zum CL finale wieder auf ..."

    Heynkes und Rummenigge wussten das Spiel aber richtig einzuschätzen. Beide sagten, ein Sieg der Bayern wäre keinesfalls verdient gewesen.
    Und zu Lahm und Gomez, nun ja, beide standen wohl noch unter Schock.

    • Walgit
    • 13. Mai 2012 10:57 Uhr

    Nun eine komplette Analyse der Saison zeigt auch, dass Dortmund erst nach dem verblüffend schnellen und glanzlosen Aus in den internationalen Wettbewerben zu neuer Hochform auflief. Dortmund war im Pokalfinale immer etwas schneller im Spielaufbau und mental stärker aufgeladen. Aber die nächste Saison wird zeigen ob das auch mit Championsleague so bleibt. Es gibt eben überall, so auch im Sport, mentale und körperliche Erschöpfung.

    Antwort auf "Auf Ibiza"
  6. Erinnert sich noch jemand an das totale Versagen der Dortmunder in CL- und Euroliga?
    Die haben, schlimmer noch als Leverkusen, den deutschen Fussball blamiert.
    Und so eine Mannschaft gewinnt dann das Double.

    Wetten, dass die auch im nächsten Jahr gegen Traktor Uralsk oder Kopenhagen untergehen????!!!!

    Womit haben wir so einen "Meister" verdient, was haben wir schlimmes getan???

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    • cornus
    • 13. Mai 2012 12:14 Uhr

    ist doch eigentlich Ihre Farbe.
    Die Schwarz-Gelben haben die Bayern in 2/3 des Spiels so was von vorgeführt - also halten Sie den Ball mal flach.

    ...den FC Bayern München? 5:2 (In Worten: fünf zu zwei) gegen eine Mannschaft, die selbst gegen Traktor Uralsk oder Kopenhagen unter gehen würde ? Springen Sie über Ihren Schatten und freuen Sie sich darüber, dass wir so eine Mannschaft haben.

    Keine Frage, das Auftreten der Borussia in der CL war peinlich. Aber nicht, weil sie so grottenschlecht gespielt haben, sondern weil sie einige wirklich dumme und unreife Fehler gemacht haben, die von Arsenal & Co. eiskalt genutzt wurden.
    Nach so einem Spiel wie gestern, wo die Bayern sich den Ball viermal quasi selber ins Netz gelegt haben, wäre ich mit so einer Aussage wirklich ganz ganz vorsichtig. Akzeptiert es einfach: Bei allem Grünschnabeltum (welches ich mittlerweile in Frage stellen möchte, die Borussen haben sich über die Saison eindeutig weiterentwickelt und ich bin gespannt auch die CL nächste Saison) haben die Bayern einfach kein Rezept gegen das Dortmunder System gefunden und mussten gestern mal richtig Lehrgeld zahlen, gerade was Effizienz angeht. Das war mal eine Münchner Stärke...

    Wachablösung halte ich aber auch für vorschnell. Fakt ist, dass Bayern allein wirtschaftlich in einer anderen Liga spielt und auch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich spielen wird.

    • Voce
    • 13. Mai 2012 12:25 Uhr

    einfach einmal die trübe Vereinsbrille abzunehmen,das sollte Blick und Verstand schärfen und ermöglichen, die Dinge realistischer einzuordnen.

    Denn keine Frage, Dortmund hat Meisterschaft und Pokal verdient gewonnen.

    • finole
    • 13. Mai 2012 12:36 Uhr

    Kann es sein, dass Sie ein wenig verbittert sind?
    Ja, Dortmund hat in dieser Saison international die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen. Aber wenn man diese Spiele zusammen mit den Bundesligaspielen betrachtet, bestätigt nur erneut 2 Dinge:
    1. Der Pokal (also auch der Europapokal) hat seine eigenen Gesetze.
    2. Welche Mannschaft in einer Saison besser ist als eine andere, lässt sich nicht so einfach sagen; sonst müsste Atletico Madrid (5. der spanischen Liga) besser sein als Real Madrid (spanischer Meister), weil Atletico in der EL 96 rausgeschossen hat, die in der Hinrunde Dortmund geschlagen haben, die wiederum mehrfach Bayern gschlagen haben, die (erfreulicherweise) Real aus der CL geworfen hat.
    Tatsache ist: Der BVB hat die Meisterschaft absolut verdient gewonnen. Aus dem internationalen Geschäft sind sie früh und deutlich ausgeschieden; lassen Sie uns im Interesse der Fünfjahreswertung hoffen, dass sie daraus gelernt haben.
    Bayern ist im CL-Finale (trotz einer Leistung in der CL, die auch nicht immer berückend war), weil sie da waren, als es drauf ankam. In der Meisterschaft ist ihnen das nicht gelungen. Aber was ist Ihnen denn lieber: der 80. Meistertitel oder der CL-Titel? Seien Sie doch angesichts dessen, was da hoffentlich noch kommt, ein wenig freigiebig. Chelsea hat ein anderes System als Dortmund, das wird schon. Ich bin sicher, die Dortmunder können den Bayern den CL-Sieg vorbehaltlos gönnen. Nehmen Sie sich ein Beispiel daran!

    Die Dortmunder sind also eine völlig unreife Mannschaft? Sie sind eine Blamage in der CL?
    Wie schlecht muss dann eigentlich eine Mannschaft sein, die fünf mal hintereinander gegen die verliert???
    ;o)))

    Der Ball ist rund!

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