FußballGeneralbundesanwalt will Hooligans elektronische Fessel anlegen

Elektronische Fußfesseln zur besseren Kontrolle gewaltbereiter Fans, dazu schnellere Strafverfahren: Harald Range fordert härteres Durchgreifen gegen Gewalt im Stadion. von afp und dpa

Generalbundesanwalt Harald Range

Generalbundesanwalt Harald Range  |  © Alex Domanski/Reuters

Angesichts der jüngsten Zwischenfälle und Krawalle bei Fußballspielen hat Generalbundesanwalt Harald Range elektronische Fußfesseln für "notorische Hooligans" vorgeschlagen. Fußfesseln würden die Möglichkeiten der Polizei zur Kontrolle bekannter gewaltbereiter Fans verbessern, sagte Range in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Bislang könnten die Beamten nur Platzverweise aussprechen, sagte Range. Das Problem sei, dass in der Praxis kaum sichergestellt werden könne, dass die Verweise auch eingehalten würden. Wenn Randalierer eine Fußfessel zur Positionsbestimmung trügen, müssten sie zu Hause bleiben. Nach derzeitiger Rechtslage sei deren Einsatz aber unmöglich, räumte Range ein. Dafür müsste zuerst das Polizeirecht entsprechend erweitert werden.

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Um seine Pläne voranzutreiben, hat Range nach eigenen Angaben ein Treffen von Fußballverantwortlichen mit  deutschen Generalstaatsanwälten angeregt. "Schnelle Strafverfahren setzen voraus, dass die Vereine mehr Wert auf die Sicherung von Beweisen legen, etwa durch eine bessere Videoüberwachung. Die Randalierer müssen schnell und klar identifiziert werden", sagte er. Folge der Zugriff des Staates der Tat auf dem Fuß, liege darin eine sehr wirksame Abschreckung.

Auch aus der Politik kamen Forderungen nach härterem Durchgreifen gegen gewaltbereite Fans. So sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ), die Vereine handelten gegenüber sogenannten Ultra-Gruppierungen "nicht immer ganz konsequent". Der derzeitige Vorsitzende der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier ( CDU ), forderte bessere Einlass-Kontrollen in Stadien, um das Einschmuggeln von Feuerwerkskörpern und bengalischen Fackeln zu unterbinden. Er plädierte zudem für personalisierte Eintrittskarten, wie sie bei großen internationalen Turnieren bereits üblich seien. Dadurch lasse sich jeder Sitzplatz klar einer Person zuordnen, was die Identifizierung von Straftätern erleichtere. Auch die Abschaffung von Stehplätzen in deutschen Stadien dürfe "kein Tabu" sein.

In Deutschland war es bei Fußballspielen der Bundesligen zuletzt mehrfach zu Zwischenfällen gekommen, die eine Debatte über Sicherheitsfragen auslösten. So kam es nach Partien zu Krawallen, in Stadien wurden Spiele durch Rauchbomben und Leuchtkörperwürfe gestört. Beim Relegationsrückspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf um den Aufstieg in beziehungsweise den Abstieg aus der ersten Liga waren Hunderte Fans vor Abpfiff auf den Platz gestürmt.

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Leserkommentare
  1. für ein Schockhalsband für Leute die eine Plattform erhalten um öffentlich ihre wirre Ideen und Ansichten zu verbreiten.

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    • joG
    • 25. Mai 2012 16:57 Uhr

    ....Transparenz und Kontrolle herzustellen? Dazu wäre die Fußfessel ein Beitrag, den man später einmal ansehen könnte.

    Wenn alle Personen ab einem zu definierenden Machtpotential sämtliche Gespräche aufzeichnen, an denen sie teilnehmen, denn dort sind die Schadenspotentiale weitaus größer als bei Kleinkriminellen. Wenn man dann die Kontrolle über Politiker, Beamte und Leitende hat, dann kann man sich um Nebensächlichkeiten kümmern.

  2. Seien Sie konsequent, Herr Range: Fussfesseln für alle, bitte! So kann man auch jeden Warenhausdieb aufspüren oder Demonstationen gegen die Banken in Frankfurt verhindern.
    Wo lebt der Mann eigentlich? Aber es war auch Range, der in der Lage war, den NSU-Terror einzuschätzen, noch bevor er die Akten dazu gelesen hatte.

    • jagu
    • 25. Mai 2012 15:07 Uhr

    Unglaublich, diese Rechtsauffassung

  3. Wenn man bedenkt da so eine offenkundig inkompetente Peron Bundesanwalt werden kann, wir einem Angst und Bange.

    Und liebe Medien seit ihr wenigstens stolz auf euer Werk das es euch gelungen ist ein (zugegeben ziemlich dämliches und 2 Minuten zu frühes) unbefugtes betretten eines Rases im Freudentaumel) zum Bürgerkriegszenario hochzuschreiben das harte Massnhamen verlangt?

    • WiKa
    • 25. Mai 2012 15:31 Uhr

    … weil diese Idioten einen guten Aufhänger bieten. haben wir die erst einmal unter Kontrolle, dann kommen die Wiederholungstäter Alkohol am Steuer, dann die notorischen Falschparker, dann die gewaltbereiten Demonstranten und dann aus Gründen der Gleichheit alle und da können sich dann die Politiker wegen ihrer Immunität und Sicherheit dann von der Chippflicht befreien lassen.

    Sie sehen, sie brauchen nur immer erst einmal die Eintrittskarte (nicht fürs Fußballspiel), sondern für die totale Kontrolle, dann geht es wie mit dem Frosch … nicht in heißes Wasser werfen, da würde er sofort raushüpfen, nein, langsam abkochen, dann merkt er es nicht und ist … schwups unter Kontrolle … nein tot ist er … (°!°)

  4. Die Vereine haben genug Geld, die werden das dann schon regeln, wenn die Fans, die ungern vor die Wahl "Hooligans oder Glotze" gestellt werden, sich entsprechend äußern.

    • H.v.T.
    • 25. Mai 2012 16:28 Uhr

    "Dafür müsste zuerst das Polizeirecht entsprechend erweitert werden."
    ----

    Da kriegt man doch sofort Pickel, wenn man so etwas liest.

    Und diese Leute bekommen das auch noch durch, ganz sicher, und dann braucht es wieder Jahre, bis das BVerfG solch ein Polizeirecht als das verurteilt, was es ist: Verfassungsbruch.

    Unfassbar.

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    • joG
    • 25. Mai 2012 17:00 Uhr

    ....und vorgeschrieben werden, dass (auch vermummte) Polizisten Namensschilder tragen und im Dienst durchgängig elektronisch aufgezeichnet wird, was sie sagen und tun. Wie im Augenblick geregelt geht ein zu großes Risiko vom Gewaltmonopol aus.

  5. Also diese Ausführungen sind schon erschreckend. Mehr härte ja! Der Kuschelkurs der Vereine mit den Ultras ist fast genauso beängstigend und fahrlässig wie die Aussagen des Herrn Range.

    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/460#/beitrag/v...

    Eine Lösung mit 100% Erfolgschance bei dieser Problematik: In Zukunft nur noch Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wer mag kann ja das Spiel im Fernsehn gucken und zuhause sein Sofa anzünden und die Wohnung demolieren. Meinetwegen auch ein paar Freunde zum Prügeln einladen. Außerdem ist das Bier ja zuhause auch wesentlich billiger. Also auch ein finanzieller Anreiz an die Fans.

    Oha, beim schreiben beschleicht mich schon das Gefühl, dass der letzte Abschnitt entfernt wird.. Egal, wichtig ist mir eh nur der obere Teil und die Verlinkung zum Beitrag von Frontal 21.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Bundesliga | CDU | CSU | Fußball | Hertha BSC | Abschreckung
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