Schach-WM: Anand gleicht aus
Dramatische Wende in der achten Partie: Viswanathan Anand siegt in 17 Zügen. Der ungestüme Herausforderer Boris Gelfand erleidet die bitterste Niederlage seiner Karriere.
Nach einer Woche mit einer Remispartie nach der anderen überschlagen sich die Ereignisse auf der Schach-WM. Am Sonntag war dem Herausforderer Boris Gelfand in der siebten Runde ein lehrbuchhafter Triumph gegen Weltmeister Viswanathan Anand gelungen. Zug um Zug und in aller Seelenruhe hatte er einen kleinen strategischen Vorteil in einen Sieg verwandelt.
Was wird Anand jetzt tun? Das war die Frage zu Beginn der achten Partie. Publikum und Experten hoffen auf mehr Schärfe als bisher. Anand eröffnet mit dem Damenbauern, Gelfand steuert Grünfeld-Indisch an, jene dynamische Verteidigung, die schon zweimal auf dem Brett war. Zunächst ist alles wie gehabt. "Anand hebelt Grünfeld aus", das wäre am Ende des Tages eine Schlagzeile nach dem Geschmack der Anandianer. Aber es soll anders kommen.
Gelfand bleibt auf Überraschungskurs. In jeder bisherigen Partie hat er die Akzente gesetzt. Er spielt jetzt nicht grünfeldtypisch den Damenbauern vor, sondern seinen c-Bauern. Ein ganz anderer Stellungstyp entsteht. Weiß riegelt das Zentrum ab und hat enormen Raumvorteil – auf Kosten der Entwicklung. Von den ersten sechs weißen Zügen sind fünf Bauernzüge. Und dann zieht Anand auch noch zweimal mit dem selben Springer. Im Schachkindergarten lernt man etwas anderes.
Gelfand setzt der Eigenwilligkeit noch größere Eigenwilligkeit entgegen. Im siebten Zug spielt er seinen Königsspringer an den Rand, um Weiß zu noch einem weiteren Bauernvorstoß zu verleiten. "Der Zug ist ein Schocker", sagt der ungarische Großmeister Peter Leko, der im Jahre 2004 im schweizerischen Brissago gegen Vladimir Kramnik selbst einmal um Weltmeisterschaft kämpfte und jetzt im Kommentarraum sitzt.
- Schach-WM in Moskau
Seit Freitag, dem 11. Mai bis zum 28. Mai kämpfen der Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien und Boris Gelfand aus Israel in Moskau um die Schach-WM. Der Zweikampf ist auf zwölf Partien angesetzt. Steht es danach 6:6, fällt die Entscheidung am 30. Mai im Tiebreak. Gespielt wird in der Tretjakow-Galerie, alle Begegnungen beginnen jeweils um 13 Uhr. Mehr Informationen auf der offiziellen WM-Seite. Unser Reporter Ulrich Stock berichtet über den Titel-Kampf in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE.
- SCHACH SPIELEN
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In den Schachdatenbanken mit Millionen gespeicherter Partien sucht man Gelfands Springerzug vergebens. Anand lässt sich nicht verführen und spielt seinen Damenläufer heraus. Es geht jetzt auch um Psychologie. Erwartung versus Enttäuschung, Provokation versus Coolness. Gelfand lässt nicht locker. Er setzt noch eins drauf. Zur Überraschung aller zieht er seinen Königsläufer vor die Rochadestellung und bietet ihm den gegnerischen Damenläufer zum Tausch an. "So etwas habe ich noch nie gesehen", murmelt Leko. Anand nimmt den Läufer, und beim Wiedernehmen macht Schwarz sich noch einen Doppelbauern.
Einige Züge lang stehen die Meister vor den Bildschirmen außerhalb des Spielsaals und fragen sich, was hier eigentlich gespielt wird. Leko sagt: "Eben noch war es gut für Vishy, jetzt bin ich mir nicht mehr sicher."
Jetzt öffnet Anand auch noch die zentrale e-Linie. An ihrem einen Ende steht der weiße König, an ihrem anderen Ende wird gleich ein schwarzer Turm auftauchen und Schach geben. Der älteste Großmeister der Welt, der 90-jährige Juri Awerbach, eine lebende Legende des russischen Schachs, sagt: "Ich glaube, Schwarz hat keine Probleme in dieser Stellung."
Sicher ist, dass diese aufgewühlte achte Partie mit der aufgeräumten siebten Partie nichts mehr zu tun hat. Was macht Gelfand da? Sucht er die sofortige Entscheidung? Russlands bester Schachkommentator, Sergej Schipow, hatte zu Beginn der Runde gemeint: "Schwer zu sagen, was der lang ersehnte Erfolg mit Boris machen wird. Erfolg bringt Selbstbewusstsein, er inspiriert dich, aber negative Nebeneffekte sind auch möglich. Zum Beispiel Taumel, Verlust der Wachsamkeit, den Gegner unterschätzen und so weiter." Auf der anderen Seite sei Gelfand kein junger Mann, sondern aufrecht und ernsthaft. "Es ist unwahrscheinlich, dass er schwere Fehler begehen wird..."
Wie Recht Schipow hat mit seinen Befürchtungen und wie sehr er sich irrt im Versuch, sie zu zerstreuen...








Wie sollte ein Herausforderer seine Partie anlegen, wenn er gerade gegen den Titelverteidiger verdient in Führung gegangen ist, und das zu Beginn der 2. Halbzeit? Auf gar keinen Fall noch mal Grünfeld! Warum nicht? Weil Vishy und Team darauf bestens eingestellt sind. Außerdem spielt Gelfand ohnehin lieber Königsindisch (d6 statt d5) - da kennt er sich aus und außerdem hat er (aber auch Vishy) auf den verschlungenen Urwaldpfaden neue Wege erkundet, die zu beschreiten jetzt die Zeit ist. Der Tiger von Madras muß angreifen - also soll er weit aus seinen Gewohnheiten herausgelockt werden. Und das heißt: Kein reguläres King's Indian, sondern erst mal Benoni (c5) und dann diese vorwitzige Ziege auf h5: Laut meckert sie ins Tiger-Revier. Der verborgene Witz ist jedoch, den Drachenläufer auf g7 bald abzutauschen. Bekannt ist durchaus, daß er das auf c3 tun könnte, um Weiß einen sehr häßlichen blockierten Doppelbauern auf der c-Linie anzudrehen und sodann den Bauernzug f5 durchzusetzen - ein Plan, der dem weißen Tiger nicht schmecken kann. In dieser Partie hat Vishy anti-konzeptionell früh dagegengehalten (Sge2!). Nun gibt es sogar 2 schwarze Bauern auf der f-Linie, die Schwarz ausgleichen lassen, naja fast. Denn der wKönig stellt sich nach c2, der wL nach d3, es droht Bauernsturm auf dem Königsflügel und die Verbindung der weißen Türme. Strategisch hat Schwarz seinen Plan durchgesetzt - um welchen Preis? Shir Khan schleicht sich an; hastig plumpst Gelfand in die Tiger-Grube ...
das ist ja toll. wie Sie alles besser wissen als gelfand! warum treten Sie nicht selber gegen anand an? er ist doch ("vishi") ein duzfreund von Ihnen?
es gibt in diesem forum noch mehr beitraege dieser art. das erinnert peinlichst an fernseh-reporter, die sportlern live gute ratschlaege erteilen, was sie gerade besser machen koennten (und dabei auch gerne vornamen verwenden).
das ist ja toll. wie Sie alles besser wissen als gelfand! warum treten Sie nicht selber gegen anand an? er ist doch ("vishi") ein duzfreund von Ihnen?
es gibt in diesem forum noch mehr beitraege dieser art. das erinnert peinlichst an fernseh-reporter, die sportlern live gute ratschlaege erteilen, was sie gerade besser machen koennten (und dabei auch gerne vornamen verwenden).
War Sh5 vorbereitet oder hat Gelfand eine Eingebung am Brett gehabt? Im Falle einer gründlichen Vorbereitung hätte Df6 aber als Fehler erkannt werden müssen.
Sei's drum, Gelfands Sh5 und das unorthodoxe Lf6 und ef6: haben mir gefallen, er hatte meines Erachtens Ausgleich mit aktivem Gegenspiel erreicht.
Mit Df6? hat er leider alles verdorben, Gelfand wirkte auf der Pressekonferenz etwa so wie Schweinsteiger nach dem Champions-League-Finale.
Der scheinbar vorwitzige Springerzug 7... Sh5 gehörte ganz sicher in Gelfands Heimküche - nicht bloß, weil selbst ein starkes Programm diesen Zug vorschlägt, sondern weil er eröffnungs- und stellungsadäquat ist. Das Manöver gehört zum Königsinder-Standard und ist auch in der Leningrader Eröffnung (Holländisch mit g6) eine beliebte Variante. Auch das überraschende 9... Lf6 riecht sehr stark nach häuslicher Analyse. Eigentlich hatte Gelfand damit Anands Anti-Königsinder schon so gut wie ausgekontert. Dagegen war das vorwitzige 14... Df6 eine fatale Eingebung am Brett. Der richtige Platz für die sTante ist Dh4.
Der scheinbar vorwitzige Springerzug 7... Sh5 gehörte ganz sicher in Gelfands Heimküche - nicht bloß, weil selbst ein starkes Programm diesen Zug vorschlägt, sondern weil er eröffnungs- und stellungsadäquat ist. Das Manöver gehört zum Königsinder-Standard und ist auch in der Leningrader Eröffnung (Holländisch mit g6) eine beliebte Variante. Auch das überraschende 9... Lf6 riecht sehr stark nach häuslicher Analyse. Eigentlich hatte Gelfand damit Anands Anti-Königsinder schon so gut wie ausgekontert. Dagegen war das vorwitzige 14... Df6 eine fatale Eingebung am Brett. Der richtige Platz für die sTante ist Dh4.
vielleicht war Gelfand etwas zu dynamisch
weil er noch eins nachlegen wollte. habe die Partie aber nicht gesehen, spannend wird es jetzt erst.
Dank an die Redaktion, dass der zuerst eingestellte fehlerhafte Bericht einer Agentur durch diesen Artikel ersetzt wurde.
Es gab übrigens mehrere Großmeister, die die beschriebene "Falle" früh während der Partie erkannten und ob 14. Qf6 sehr überrascht waren. Einen solchen Fehler bei einem WM-Finalisten hatte kaum einer erwartet.
Leko und Nepomniaschtschi jedenfalls nicht. (Vielleicht Swidler beim russischen Kommentar. Tät ich ihm zutrauen.)
Leko und Nepomniaschtschi jedenfalls nicht. (Vielleicht Swidler beim russischen Kommentar. Tät ich ihm zutrauen.)
Leko und Nepomniaschtschi jedenfalls nicht. (Vielleicht Swidler beim russischen Kommentar. Tät ich ihm zutrauen.)
hat es z. B. Balogh Csaba siehe http://www.chessdom.com/a...
oder Susan Polgar
siehe http://susanpolgar.blogsp...
Ich hab's auch erkannt! Nee, eigentlich war's mein Schachprogramm, das parallel nebenher lief. Und das Schachprogramm fand nach 17.Df2! sogar noch 17....Sc6!, wonach zumindest in meiner Schachliga noch Hoffnung bestünde.
Witzig ist, dass es Leko und sein Cokommentator N...... (unaussprechlicher Name) Df2 noch nicht einmal nach 16.Kc2 Dxh1 gesehen habe, siehe http://www.chess.co.uk/tw...
Der scheinbar vorwitzige Springerzug 7... Sh5 gehörte ganz sicher in Gelfands Heimküche - nicht bloß, weil selbst ein starkes Programm diesen Zug vorschlägt, sondern weil er eröffnungs- und stellungsadäquat ist. Das Manöver gehört zum Königsinder-Standard und ist auch in der Leningrader Eröffnung (Holländisch mit g6) eine beliebte Variante. Auch das überraschende 9... Lf6 riecht sehr stark nach häuslicher Analyse. Eigentlich hatte Gelfand damit Anands Anti-Königsinder schon so gut wie ausgekontert. Dagegen war das vorwitzige 14... Df6 eine fatale Eingebung am Brett. Der richtige Platz für die sTante ist Dh4.
Warum war Df6 ein Fehler? Für mich ist erst Dxh1 als Fehler erkennbar.
Warum war Df6 ein Fehler? Für mich ist erst Dxh1 als Fehler erkennbar.
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