Schach-WM: Anand baut eine Festung
Die neunte Partie der Schach-WM endet unentschieden. Aber das Publikum wird nicht enttäuscht: Weltmeister Anand und Herausforderer Gelfand kämpfen bis zum Schluss.
© Anastasia Karlovich

Boris Gelfand während der neunten Partie der Schach-WM
Hat Boris Gelfand seine furchtbare Niederlage in der achten Runde verdaut? Das ist die Frage vor der neunten Partie – und die die Antwort ist Ja. Der Herausforderer eröffnet mit dem Damenbauern, und erstmals kommt der Weltmeister mit einer Eröffnungsüberraschung. Er steuert die Nimzo-Indische Verteidigung an, verheddert sich aber in den Varianten, wie er später auf der Pressekonferenz erzählen wird, und gerät in Nachteil.
Gelfand hat zwei Läufer und beherrscht das Zentrum. Schließlich gewinnt er die Dame für Turm, Läufer und Bauern. Nun aber zeigt Anand seine Verteidigungskunst. Nach einigem Abtausch errichtet er mit König, Turm, Springer und Bauern eine Festung, in die Weiß mit Dame und König nicht eindringen kann. Remis im 49. Zug.
- Schach-WM in Moskau
Seit Freitag, dem 11. Mai bis zum 28. Mai kämpfen der Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien und Boris Gelfand aus Israel in Moskau um die Schach-WM. Der Zweikampf ist auf zwölf Partien angesetzt. Steht es danach 6:6, fällt die Entscheidung am 30. Mai im Tiebreak. Gespielt wird in der Tretjakow-Galerie, alle Begegnungen beginnen jeweils um 13 Uhr. Mehr Informationen auf der offiziellen WM-Seite. Unser Reporter Ulrich Stock berichtet über den Titel-Kampf in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE.
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Anand wirkt gelöst in der Pressekonferenz. Er hat in den drei verbleibenden Partien noch zweimal Weiß, was seine Erfolgsaussichten erhöht. Gelfand zeigte sich unzufrieden: "Niemand mit einer deutlich besseren Position freut sich über ein Remis."
Im WM-Kampf steht es 4,5 zu 4,5. Die nächste Partie findet am Donnerstag statt.










34. g4! scheint laut Rybka 4 der verpasste Gewinnweg gewesen zu sein. Schade!
aber wenn die schwarzen Pläne zu einer Odyssee über die höchst verdächtigen Wasserstraßen des Modernen Nimzo-Indisch verkommen, die langen Läuferspieße des Weißen auf die verschüchtert sich aneinander klammernden schwarzen Springerschafe zielen, aggressive Mittelbauern ins Zentrum zu stürmen drohen, die weiße Riesin Polygelfa über das Eiland hin und her rast ... ja dann heißt das letzte Schaf Anand und schafft es, fast 100 Jahre alt zu werden. Denn Oudeis, der listige Verteidiger, ist jener "Niemand", der die weiße Riesin zur Verzweiflung treibt, während weder der a-Bauer noch der h-Bauer ein Durchkommen schaffen und Vishys König sich erst in der Höhle verkriecht, später am gelichteten Strand ins Remisboot klettert. Konnte die weiße Riesin irgendwann doch gewinnen? Mir als Schwarzem wäre nach den weißen Zügen 19. a3, 20. Lg3, 21. Lb1 angst und bange geworden. Warum? Nach und nach gingen dem Verteidiger einfach die passablen Züge aus, und dann hätte auch ein vielgewandter "Niemand" die Festung nicht mehr erreicht.
Wie immer hat die Fischdose in solchen Stellungen recht: Der Witz an g4 ist ja wohl, daß der Zentralspringer auf d5 irgendwann nach b6 gezwungen wird und dann "als bester Freund" dem König (meist h7/g8) fehlt; geht der König nach g6, ist Dh8 tödlich. Das war wahrscheinlich der Dollpunkt des ganzen Matches. So hat die Blockade der f-Bauern Anand gerettet - Gelfands Plan, den vorgerückten sBauern auf h5 mit Kh4 und Dxh5+ zu gewinnen, wäre vielmehr ... Selbstmord! Dann hätte Schwarz noch gewonnen.
Verraten Sie uns denn bitte, wer sich hinter Ihrem Pseudonym verbirgt? Ich wäre Ihnen sehr dankbar!
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Interessant, dass Anand von seinem Betonslawen mit ...a6 abgewichen ist. Sicher, Gelfand hat in der letzten Weißpartie diese Mauer mit c5 durchbrochen, allerdings nur durch Anands Mithilfe.
Nun also Nimzo-Indisch, und wieder hilft Anand. Der Abtausch des Läufers b7 gegen den Springer f3 (15. ... Lf3:) wirkt antipositionell, der Partieverlauf gibt auch keinen Aufschluss über Anands dahinterstehende Idee, er stand einfach schlechter. Normaler wirkt 15...h6, erprobt wurden Ideen wie z.B. 16.Lh4 Df4!? 17.Lg3 Dg4 18. h3 Dh5 unklar oder 16....Tfe8 17. Lg3 Dc6 18.Tfe1 Sh5 mit der Idee 19.d5 Sg3: 20.Dg3 Dc5 und gutem Spiel für Schwarz.
Wie schon zuvor (mit Ausnahme von der 8. Partie) wirkt Gelfand eröffnungstheoretisch besser vorbereitet und wie schon häufig zuvor verteidigt Anand virtuos das remis.
Ja, 19.Ta3!? und Anands Stellung wäre positionell dauerhaft schlechter gewesen. Die Verführung Gelfands zu 19.c5 (psychologisch geschickt, mit c5 in der 8.Partie hatte Gelfand Erfolg) und die Errichtung einer Festung waren höchste Schachkunst.
Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster:
Anand wird morgen gewinnen.
Sorry, 19.a3!? mit dauerhaftem Vorteil für Weiß war natürlich gemeint.
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Lassen wir uns allen doch die angenehme Anonymität des Forums.
Dazu: mit kombinatorischer Gabe ließe sich der Schleier des Don Quijote leicht für einen Dritten lüften; ich belasse ihn jedoch da, wo er ist ;-)
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Dazu: mit kombinatorischer Gabe ließe sich der Schleier des Don Quijote leicht für einen Dritten lüften; ich belasse ihn jedoch da, wo er ist ;-)
Es waren einfach zu wenig weisse Bauern übrig, oder es fehlte eine weitere weisse Leichtfigur. Da war nichts zu machen.
Obwohl eine einfache Geschichte stellenweise, war es interessant anzusehen, allgemein zB einen Nimzoindianer ohne a3 zu sehen, oder iom besonderen den potentiellen Aufbrecher g4 zur rechten Zeit nachdem die Dame gegen den Rest spielen musste (ich wär nicht drauf gekommen, wann es die rechte Zeit gewesen wäre für g4 und ob überhaupt). Diskutiert wurde g4 viel, auch im Livestream.
Meinem Gefühl nach hat Bxf3 nichts gebracht, e5 wurde nicht gespielt.
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