Schach-WMAngriffslust und präzise Verteidigung
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Schach-Partie mit Gaddafi

Der Chef des Weltschachverbandes, Kirsan Ilyumzhinow, wird nach alter Sitte den ersten Zug ausführen. Bis vor zwei Jahren war Ilyumzhinow noch Präsident der russischen Teilrepublik Kalmückien. Vor einem knappen Jahr, mitten im Libyen-Krieg, spielte er in Tripolis eine Partie Schach mit Gaddafi. Anders als Gaddafi hat er sie überlebt.

Anand hat Weß. Er eröffnet mit 1. d4, dem Doppelschritt des Damenbauern. Eine solide Wahl, vielleicht die beste. Der Bauer ist von der eigenen Dame gedeckt, das beugt schwarzen Gelüsten vor. Gelfand aber reagiert nicht hasenfüßig. Er zieht seinen Königsspringer hervor, und gleich im dritten Zug wählt er eine Variante, die man von ihm bislang nicht kannte. Es ist Grünfeld-Indisch, benannt nach dem österreichischen Meister Ernst Grünfeld, der diese Zugfolge vor neunzig Jahren erstmals anwandte. Dem Erfinder war die eigene Schöpfung durchaus nicht geheuer; sie war völlig asymmetrisch, überließ dem Weißen das Zentrum und würde, so aufregend sie auch war, über kurz oder lang widerlegt werden.

Es sollte anders kommen. Heute zählt die Verteidigung zu den lebendigsten und interessantesten, die dem Schwarzen zur Verfügung stehen; vor allem ermöglichen sie ihm, der dem Weißen ja immer einen halben Zug hinterherhinkt, aktiv zu spielen. Wer Grünfeld wählt, will kein Remis, sondern mehr. Ein Signal!

Im Dickicht der Zugmöglichkeiten

Anand spielt selber Grünfeld. Er muss also gegen seine eigene Variante antreten. Die Überraschung ist Gelfand gelungen.

Aber der Inder Anand, den sie einst den "Tiger von Madras" nannten, ist alles andere als ein Bettvorleger. Er revanchiert sich wenig später mit einem ebenso unerwarteten Zug: einem Läuferschach auf dem Feld b5. Um die Besonderheit seiner Wahl zu verstehen, muss man wissen, dass Schachspieler über die vergangenen Jahrhunderte in das Dickicht aus unüberschaubaren Zugmöglichkeiten  etliche Schneisen geschlagen haben. Entlang dieser Wege tasten sie sich ins Fremde vor. Diese sogenannten Hauptvarianten sind deshalb so beliebt, weil sie dem Weißen am ehesten einen dauerhaften Vorteil versprechen und dem Schwarzen am ehesten erlauben, das Gleichgewicht zu wahren. Wer als Weißer vorzeitig abweicht, riskiert den Verlust des Anzugsvorteils. Aber die vorzeitige Abweichung kann den Gegner natürlich auch verwirren. Was, wenn er sich plötzlich nicht mehr so gut  auskennt und nicht die besten Züge findet? 

Leserkommentare
  1. 1. Danke

    Noch einmal Danke für die Berichterstattung. Schön wäre es aber, jeweils einen Link auf die Übertragung einzubinden.

    2 Leserempfehlungen
    • mpajer
    • 12.05.2012 um 16:59 Uhr

    http://moscow2012.fide.co... Nur Englischer Kommentar, aber Nigel Short ist gut!

    Ich würde gern GM Klaus Bischoff hören, sein Kommentar auf Schach.de ist aber kostenpflichtig.

    Naja, Anand ist schon ein bisschen entzaubert! Das mit den nur insgesamt 12 Partien ist schwachsinnig, wie soll es da nicht zu vielen Remis kommen, wahrscheinlich wird eine Partie entscheiden.

    • ruphus
    • 12.05.2012 um 18:26 Uhr

    der Lust auf mehr macht; danke dafür.

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