Schach-WMDrittes WM-Spiel endet mit drittem Remis

Gelfand greift an, Anand verpasst den Gewinn. Die dritte Partie der Schach-WM verläuft dramatisch – und endet erneut unentschieden. Von Ulrich Stock

Vishwanathan Anand (r.) und Boris Gelfand in Moskau (Archivbild)

Vishwanathan Anand (r.) und Boris Gelfand in Moskau (Archivbild)

Die Schachweltmeisterschaft in Moskau hatte am heutigen Montag ihren ersten Höhepunkt: In einer dramatischen Kampfpartie griff Herausforderer Boris Gelfand aus der Grünfeld-Indischen Eröffnung heraus an, obwohl er die schwarzen Steine führte und somit eher zur Verteidigung aufgefordert war. Er spielte schnell und aggressiv. Weltmeister Viswanathan Anand tauschte die Damen, um Druck aus der Stellung zu nehmen, was ihm nur partiell gelang. Plötzlich war der weiße König, allein in seiner Ecke, von schwarzen Offizieren umringt. Das Publikum hielt den Atem an.

Aber dann fand Anand eine Abwicklung, die ihm etwas Luft verschaffte und Gelfand schmerzlich daran erinnerte, dass Weiß noch einen gefährlichen Freibauern auf der sechsten Reihe hatte, zwei Züge von der Umwandlung in eine Dame entfernt. Nun gab Gelfand Dauerschach und Anand bot seinem Gegner das Remis an. Gelfand nahm an.

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Groß war die Überraschung wenige Minuten später, als der Weltmeister auf der sofort anschließenden Pressekonferenz zeigte, wie die Partie kurz vor Schluss für ihn gewonnen war. Er habe den Gewinnzug allerdings erst gesehen, nachdem er einen anderen Zug ausgeführt hatte. Beide Meister wirkten sichtlich mitgenommen.

Schach-WM in Moskau

Seit Freitag, dem 11. Mai bis zum 28. Mai kämpfen der Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien und Boris Gelfand aus Israel in Moskau um die Schach-WM. Der Zweikampf ist auf zwölf Partien angesetzt. Steht es danach 6:6, fällt die Entscheidung am 30. Mai im Tiebreak. Gespielt wird in der Tretjakow-Galerie, alle Begegnungen beginnen jeweils um 13 Uhr. Mehr Informationen auf der offiziellen WM-Seite. Unser Reporter Ulrich Stock berichtet über den Titel-Kampf in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE.

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Im Match steht es nach drei Partien jetzt 1,5:1,5. Neun Partien sind noch zu spielen.

 
Leserkommentare
    • huhi
    • 14.05.2012 um 18:57 Uhr

    Danke für die kontinuierliche Berichterstattung zur WM, die andere Online-Medien völlig vernachlässigen.
    Auch schön, dass die Zeit schon vor Tagen den Lesern Hinweise auf die Live-Berichterstattung gab.

    6 Leserempfehlungen
  1. Ja bitte, lieber Autor - vielleicht haben Sie mitbekommen, welchen Zug Vishy da gemeint hat. Am Ende haben mich die Berechnungen von "Houdini Aquarium" (die auf der Turnierseite angefügt werden) gerade beim Doppelturmendspiel nicht überzeugt. War es schon 34. d7!? T8c2 35. Tc4!? - oder doch erst 35. Tce7 Ted8 36. Txh7 Txg2 37. d7 Kf6 38. Td4 Ke5 und dann 39. Td1(!) (Das jetzt ohne Intervention eines Programms). Ein Hinweis wäre schön - ich finde nichts bei Chessbase, den Chesstigers oder Veranstaltern.

    2 Leserempfehlungen
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    ... mich auch interessieren.

    Aber das war wirklich ne geile Partie! Sag nochmal einer Schach waer langweilig.

    ... mich auch interessieren.

    Aber das war wirklich ne geile Partie! Sag nochmal einer Schach waer langweilig.

  2. ... mich auch interessieren.

    Aber das war wirklich ne geile Partie! Sag nochmal einer Schach waer langweilig.

  3. Ich sah eher Gelfand in der Defensive, der am Ende dann doch noch von der Schippe springen konnte.

    Vielleicht fürchtete Anand eine vorbereitete Variante, sein 18. Zug war jedenfalls recht zahnlos.

    Interessant gewesen wäre 18.Se4: Se4: 19.fe4: Ld4: 20.Dd4: Tc2 21.Sf3 Sb2: 22.Tb1 Sa4 23.Ld3 Tg2: 24.Th7:! mit Gewinn. Wie hätte Gelfand den Kopf noch aus der Schlinge ziehen können?

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    Mir scheint, hier war Gelfand noch in der teamgestützten Vorbereitung (s. Zeitverbrauch!): 18. Sxe4 Sxe4 19. fxe4 lxd4 20. Dxd4 - und jetzt nicht Tc2?, sondern Dg5! mit sehr kommodem Spiel für Schwarz.

    Mir scheint, hier war Gelfand noch in der teamgestützten Vorbereitung (s. Zeitverbrauch!): 18. Sxe4 Sxe4 19. fxe4 lxd4 20. Dxd4 - und jetzt nicht Tc2?, sondern Dg5! mit sehr kommodem Spiel für Schwarz.

    • Rooob
    • 14.05.2012 um 20:42 Uhr

    Ich weiß ja nicht, ob die Zielgruppe dieser Artikel wirklich groß ist. Ich habe auch keine Ahnung von Schach.
    Aber dass die Berichterstattung über Schach weitaus spannender ist als die über andere Sportarten, hätte ich mir nicht träumen lassen.

    Danke, Zeit!

  4. Mir scheint, hier war Gelfand noch in der teamgestützten Vorbereitung (s. Zeitverbrauch!): 18. Sxe4 Sxe4 19. fxe4 lxd4 20. Dxd4 - und jetzt nicht Tc2?, sondern Dg5! mit sehr kommodem Spiel für Schwarz.

    Antwort auf "Vielleicht 18. Sxe4 ?"
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    ...Dg5 gibt aktives Spiel, das den Bauern kompensiert.

    ...Dg5 gibt aktives Spiel, das den Bauern kompensiert.

  5. Bei näherem Hinsehen könnte ich mir vorstellen, was Anand womöglich im Sinn hatte: 34. d7! Td1+ 35. Kb2 Td2+ 36. Ka3 Tcc2 37. Ka4 Txa2+ 38. Kb5 Tab2 39. Kb6 Txb3+ 40. Kc7 h5 41. f4! und Schwarz verliert. Unter Zeitdruck spielt man solche messerscharfen Varianten aber ungern - es könnte ja doch irgendwo ein Loch sein. Die erste Kurzanalyse bei Chessbase geht hierauf nicht ein - Cheestigers sind noch am Analysieren.

    Eine Leserempfehlung
  6. ...Dg5 gibt aktives Spiel, das den Bauern kompensiert.

    Antwort auf "Vorbereitete Neuerung"

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