Schach-WMWird Schwarz das neue Weiß?

Das vierte Unentschieden – bei der Schach-WM bleibt alles offen. Zugleich offenbart sich ein verblüffendes Muster, das die Farblehre infrage stellt.

Die Kontrahenten bei der WM in Moskau

Die Kontrahenten bei der WM in Moskau

Auch die vierte Partie des Moskauer Duells zwischen dem indischen Schachweltmeister Viswanathan Anand und seinem israelischen Herausforderer Boris Gelfand ist mit einem Remis zu Ende gegangen.

Gelfand mit Weiß hatte nur einen winzigen Vorteil aus der Eröffnung herausgeholt, den Anand aber einmal mehr ausgleichen konnte. 34 Züge lang war nicht wirklich etwas los auf dem Brett. Man sah ein feinsinniges Manövrieren im Slawischen Damengambit nach dem Vorbild der zweiten Partie, in der dieses System schon einmal auf den Tisch gekommen war.

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Beide Spieler hatten nun je zweimal Weiß und zweimal Schwarz, dabei fällt ein Muster auf: Mit Schwarz wählte Gelfand die komplexe, lebendige und für beide Seiten schwer zu beherrschende Grünfeld-Indische-Verteidigung; mit Weiß ging er gegen den eher passiven Aufbau Anands ganz vorsichtig zu Werke. Verkehrte Welt sozusagen. Denn eigentlich sollte der Weiße mit seinem halben Zug Vorsprung das Spiel gestalten.

Schach-WM in Moskau

Seit Freitag, dem 11. Mai bis zum 28. Mai kämpfen der Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien und Boris Gelfand aus Israel in Moskau um die Schach-WM. Der Zweikampf ist auf zwölf Partien angesetzt. Steht es danach 6:6, fällt die Entscheidung am 30. Mai im Tiebreak. Gespielt wird in der Tretjakow-Galerie, alle Begegnungen beginnen jeweils um 13 Uhr. Mehr Informationen auf der offiziellen WM-Seite. Unser Reporter Ulrich Stock berichtet über den Titel-Kampf in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE.

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Aber auch in der Qualifikation hatte Gelfand schon die entscheidenden Partien mit Schwarz gewonnen, und auch Anand hatte bei den letzten beiden WM-Titelverteidigungen wichtige Schwarzsiege. Verschiebt sich hier etwas im Schach? Wird Schwarz das neue Weiß?

Zum bisherigen Verlauf des Matches mochten sich beide Spieler nach der heutigen Begegnung nicht äußern. Die Prognosen der Beobachter fallen nach dem ersten Drittel vorsichtiger aus als zu Beginn. Alles scheint noch möglich. Dass Gelfand die stürmische dritte Partie um ein Haar verloren hätte, spricht so sehr gegen ihn, wie gegen Anand das Auslassen einer wohl siegreichen Kombination unter Zeitdruck.

Die fünfte Partie folgt am Donnerstag.

 
Leserkommentare
  1. ... erfahre ich erst durch die ZEIT, dass Schach-WM ist? Früher hätte Ihr Schach-Experte Dr. Helmut Pfleger die Partien im WDR-Fernsehen kommentiert. Heute kann man froh sein, wenn man von dem Ereignis überhaupt etwas mitkriegt. Ich denke, der zwischenzeitlich merkwürdige Modus der FIDE trägt daran auch eine gewisse Mitschuld.

    4 Leserempfehlungen
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    Nicht der Modus ist Schuld sondern die verschnarchten deutschen Medien inklusive Deutscher Schachbund.
    Im Internet finde ich die Partien nur in Englisch kommentiert, auf Chessdom von der deutschen Nummer 1, Arkadij Naiditsch(am besten gefallen mir auf http://www.chessintransla... die Kommentare von Sergey Shipov).
    Auf der Seite vom Deutschen Schachbund...nada,Klaus Bischoff kommentiert auf dem Fritz Server bei Chessbase, aber da zahlt man, soviel ich weiß.
    Auf WDR können sie abends Tatortwiederholungen von 1982 schauen, scheint wichtiger als die aktuelle Schach-WM.

    Nicht der Modus ist Schuld sondern die verschnarchten deutschen Medien inklusive Deutscher Schachbund.
    Im Internet finde ich die Partien nur in Englisch kommentiert, auf Chessdom von der deutschen Nummer 1, Arkadij Naiditsch(am besten gefallen mir auf http://www.chessintransla... die Kommentare von Sergey Shipov).
    Auf der Seite vom Deutschen Schachbund...nada,Klaus Bischoff kommentiert auf dem Fritz Server bei Chessbase, aber da zahlt man, soviel ich weiß.
    Auf WDR können sie abends Tatortwiederholungen von 1982 schauen, scheint wichtiger als die aktuelle Schach-WM.

    • TDU
    • 15.05.2012 um 23:36 Uhr

    Interessante Frage aber die Begründungsansätze liefern im Grunde die Kommenatoren. Würde ich Parallelen um Fussball ziehen könnte ich auf den früheren Cattenacio der Italiener verweisen?. Dieser Riegel hielt das Tor sauber, zermürbte und ein erfolgreicher Angriff entschied das Spiel?

    Einfach schön solche Artikel. Kundig, kein rechts oder links und schwarz Weiss ist eine Farbe, zwar mit Konsequenzen aber keine Denkrichtung.

    Eine Leserempfehlung
  2. Nicht der Modus ist Schuld sondern die verschnarchten deutschen Medien inklusive Deutscher Schachbund.
    Im Internet finde ich die Partien nur in Englisch kommentiert, auf Chessdom von der deutschen Nummer 1, Arkadij Naiditsch(am besten gefallen mir auf http://www.chessintransla... die Kommentare von Sergey Shipov).
    Auf der Seite vom Deutschen Schachbund...nada,Klaus Bischoff kommentiert auf dem Fritz Server bei Chessbase, aber da zahlt man, soviel ich weiß.
    Auf WDR können sie abends Tatortwiederholungen von 1982 schauen, scheint wichtiger als die aktuelle Schach-WM.

    Antwort auf "Wieso ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eiwei, dafür, daß Spitzenschach (anders als noch vor wenigen Jahren) in den Nachrichten der deutschen Print- und Online-Medien sträflich vernachlässigt wird, gibt es gleich ein ganzes Bündel unterschiedlichster Argumente. Ein paar davon gefällig - zugespitzt, versteht sich!
    Ad 1: In der Crème de la crème der Journaille sind zu wenige - anders als etwa im Politikbetrieb - "verständige" Schachspieler, denen intellektuelle wie sportliche Herausforderungen des Schachs etwas bedeuten (wetten, daß man mehr Multiplikatoren auf Golfplätzen antrifft?).
    Ad 2: Der Deutsche Schachbund befindet sich gerade in einer nicht ganz unverschuldeten Inversion: Betrugsskandal (auf der vorletzten DM), ambivalentes Verhalten zum Internet-Schach, Außendarstellung eher provinziell, verdienstvolle Jugendarbeit ohne Werbung nach außen, chronischer Geldmangel (tja, die Sponsoren - Gazprom braucht uns hier nicht).
    Ad 3: Das deutsche Spitzenschach und seine Organisationsleistungen sind nach glorreichen Gipfeln (Bonn, Dresden, Istanbul) mittlerweile im Ermüdungstal, Verband und Spitzenspieler immer noch tief zerstritten. Im mafiosen FIDE-Klüngel hat Deutschland die Rolle der braven Minderheit - man lese bitte noch einmal nach, wie Robert von Weizsäcker bei seiner Kandidatur zum Präsidenten des Europäischen Schachs höchst infam demontiert wurde.
    Ad 4: Immer noch die Riesenkluft zwischen Vereinsspielern (häufig Nerds, aber ohne Piraten-Charme) und Hobbyspielern (die sich lieber mit ihrem Laptop amüsieren).

    • TDU
    • 16.05.2012 um 11:57 Uhr

    General Wamsler aus dem Raumschiff Orion? Dann können sie sich sicher auch an die ernsten Gesichter erinnern, die in den Kneipen links die Zeitung und Rechts die Figuren von den Duellen Fischer und Spasski nachzogen. Da hatte der kalte Krieg mal was real Bürgernahes.

    Das ganze im WDR nachgepielt und erklärt. Aber damals gabs ja auch Übertragungen des Spiels "Diplomacy". Ein Spiel ohne Würfel, nur beruhend auf Absprachen (und es war wie im richtigen Leben schwer, England einzunehmen).

    Eiwei, dafür, daß Spitzenschach (anders als noch vor wenigen Jahren) in den Nachrichten der deutschen Print- und Online-Medien sträflich vernachlässigt wird, gibt es gleich ein ganzes Bündel unterschiedlichster Argumente. Ein paar davon gefällig - zugespitzt, versteht sich!
    Ad 1: In der Crème de la crème der Journaille sind zu wenige - anders als etwa im Politikbetrieb - "verständige" Schachspieler, denen intellektuelle wie sportliche Herausforderungen des Schachs etwas bedeuten (wetten, daß man mehr Multiplikatoren auf Golfplätzen antrifft?).
    Ad 2: Der Deutsche Schachbund befindet sich gerade in einer nicht ganz unverschuldeten Inversion: Betrugsskandal (auf der vorletzten DM), ambivalentes Verhalten zum Internet-Schach, Außendarstellung eher provinziell, verdienstvolle Jugendarbeit ohne Werbung nach außen, chronischer Geldmangel (tja, die Sponsoren - Gazprom braucht uns hier nicht).
    Ad 3: Das deutsche Spitzenschach und seine Organisationsleistungen sind nach glorreichen Gipfeln (Bonn, Dresden, Istanbul) mittlerweile im Ermüdungstal, Verband und Spitzenspieler immer noch tief zerstritten. Im mafiosen FIDE-Klüngel hat Deutschland die Rolle der braven Minderheit - man lese bitte noch einmal nach, wie Robert von Weizsäcker bei seiner Kandidatur zum Präsidenten des Europäischen Schachs höchst infam demontiert wurde.
    Ad 4: Immer noch die Riesenkluft zwischen Vereinsspielern (häufig Nerds, aber ohne Piraten-Charme) und Hobbyspielern (die sich lieber mit ihrem Laptop amüsieren).

    • TDU
    • 16.05.2012 um 11:57 Uhr

    General Wamsler aus dem Raumschiff Orion? Dann können sie sich sicher auch an die ernsten Gesichter erinnern, die in den Kneipen links die Zeitung und Rechts die Figuren von den Duellen Fischer und Spasski nachzogen. Da hatte der kalte Krieg mal was real Bürgernahes.

    Das ganze im WDR nachgepielt und erklärt. Aber damals gabs ja auch Übertragungen des Spiels "Diplomacy". Ein Spiel ohne Würfel, nur beruhend auf Absprachen (und es war wie im richtigen Leben schwer, England einzunehmen).

  3. Redaktion
    • stock
    • 16.05.2012 um 11:18 Uhr

    Nebenbei bemerkt, der englische Meister Daniel King entwirrt auf chessbase.de sehr schön Anands verpassten Gewinn in der dritten Partie. Möglicherweise hat das Anand schon noch gesehen, aber nicht bis ins Letzte überblicken können, so daß er auf Nummer Sicher ging. Dann hätte er es nicht so sehr verpatzt als nüchtern abgeschätzt und professionell geregelt. Das wäre eine Frage für nach der WM - falls er dann in Interviewlaune ist.

    Hier... http://www.chessbase.de/n...

  4. Eiwei, dafür, daß Spitzenschach (anders als noch vor wenigen Jahren) in den Nachrichten der deutschen Print- und Online-Medien sträflich vernachlässigt wird, gibt es gleich ein ganzes Bündel unterschiedlichster Argumente. Ein paar davon gefällig - zugespitzt, versteht sich!
    Ad 1: In der Crème de la crème der Journaille sind zu wenige - anders als etwa im Politikbetrieb - "verständige" Schachspieler, denen intellektuelle wie sportliche Herausforderungen des Schachs etwas bedeuten (wetten, daß man mehr Multiplikatoren auf Golfplätzen antrifft?).
    Ad 2: Der Deutsche Schachbund befindet sich gerade in einer nicht ganz unverschuldeten Inversion: Betrugsskandal (auf der vorletzten DM), ambivalentes Verhalten zum Internet-Schach, Außendarstellung eher provinziell, verdienstvolle Jugendarbeit ohne Werbung nach außen, chronischer Geldmangel (tja, die Sponsoren - Gazprom braucht uns hier nicht).
    Ad 3: Das deutsche Spitzenschach und seine Organisationsleistungen sind nach glorreichen Gipfeln (Bonn, Dresden, Istanbul) mittlerweile im Ermüdungstal, Verband und Spitzenspieler immer noch tief zerstritten. Im mafiosen FIDE-Klüngel hat Deutschland die Rolle der braven Minderheit - man lese bitte noch einmal nach, wie Robert von Weizsäcker bei seiner Kandidatur zum Präsidenten des Europäischen Schachs höchst infam demontiert wurde.
    Ad 4: Immer noch die Riesenkluft zwischen Vereinsspielern (häufig Nerds, aber ohne Piraten-Charme) und Hobbyspielern (die sich lieber mit ihrem Laptop amüsieren).

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