Fancamp Sweden6.000 Schweden auf einer Insel in Kiew

40 Grad, Gewitter, Regenbruch: Das EM-Camp der schwedischen Fans drohte zu ertrinken. Doch Kiews Studenten halfen, weil sie sich über den Besuch aus Westeuropa freuen.

Janne Wallin, ein runder, mächtiger Mann, führt seinen Zeigefinger über den Stadtplan und sagt: "Wir haben an alles gedacht." Wallin deutet auf Restaurants, Apotheken, die Polizeistation, die Ambulanz. Hinter ihm laufen Männer mit Rucksäcken und Luftmatratzen vorbei. Sie sind auf dem Weg zu ihrem EM-Quartier.

Auf einer Insel inmitten des Dnjepr, dem gewaltigen Fluss, der Kiew teilt, ist eine Kleinstadt gewachsen. Sie heißt Camp Sweden. Etwa 6.000 Schweden schlafen hier in Zelten, Wohnmobilen oder auf dem Sandstrand des Flusses.

Anzeige

"Die EM ist viel schöner, wenn man auch die Zeit zwischen den Spielen zusammen verbringt", sagt Wallin. Er arbeitet als Erzieher in einem Kindergarten in Malmö, wenn er keinen Urlaub hat. In diesen Wochen wohnt er im Camp Sweden auf der Dnjepr-Insel Truchanow. Er ist eine Art Bürgermeister des Camps, hat bei der Organisation und beim Aufbau geholfen.

Wallin sagt, kein Team dieser EM werde bei großen Turnieren von so vielen Fans begleitet wie die Schweden. Rund 20.000 bevölkern das Stadion und die Fanmeilen in Kiew, dem Austragungsort der drei Vorrundenspiele ihrer Mannschaft. Jene 6.000, die sich auf Truchanow einquartiert haben, folgen einer Tradition: Schweden-Camps hatte es schon 2004 in Lissabon, 2006 in Hamburg und 2008 in Innsbruck gegeben.

Auf dem Stellplatz für Wohnwagen, umgeben von Kiefernwald, rostigen Zäunen und Spanplatten, kämpft sich Daniel Gustafsson durch Decken, Taschen und Bierdosen in seinem blauen Kleinbus. "Wir sind acht Jugendfreunde und verbringen hier gemeinsam unseren Urlaub, das ist der einzige Grund, warum ich diesen Bus gekauft habe", sagt der Klempner aus Göteborg.

Mehr als 2.000 Kilometer haben Gustafsson, sein Zwillingsbruder und ihre sechs Freunde bis Kiew zurückgelegt. Sie schimpfen eine Weile über die Vorbereitungen der Ukrainer. Anfangs hatte es an ihrem Stellplatz weder Wasser noch Strom gegeben, die Toiletten seien dreckig, die Duschen zu weit entfernt. Doch dann setzt sich ein Lächeln durch. Die Freunde scherzen, drehen die Musik lauter und trinken ihr importiertes Bier.

Leserkommentare
  1. das solche Wettersituationen gemeinsam nationsübergreifend gut durchgehalten werden.

    2 Leserempfehlungen
  2. Hört sich nach einer tollen Sache an, sicher mit guter Stimmung im schwedischen Lager.
    Hier zeigt sich auch toll, wie Fußball unterschiedlicher Herrkunft zu Freunden machen kann. :)
    Super Sache.

    Hoffen wir mal, dass die Schweden noch ein bisschen weiter kommen. Ich würde es ihnen wünschen.

    Eine Leserempfehlung
    • Varech
    • 15.06.2012 um 21:24 Uhr

    Schweden liegt ungefähr so weit westlich oder östlich wie Polen und in Nordeuropa.

    Aber sicher, einerseits wohnen immer noch Wessis und andererseits Ossis.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service