Joachim Löw und seine Mannschaft während des Trainings in Lemberg © Thomas Eisenhuth/dpa

Portugal , Holland , DänemarkJoachim Löw hat die Lose nicht selbst gezogen, das verbietet das Regelwerk. Aber er hätte für sie verantwortlich sein können, vermutlich freut er sich über die schwere Vorrundengruppe. Weil Löw nicht profan gewinnen will. So etwas wie Losglück, ein Wegbegleiter des deutschen Fußballs, kommt in seinen Plänen nicht vor. Es ist nicht die einzige Tradition in diesem traditionsreichen Fußballland, von der er sich lossagt. Man könnte generell sagen: Joachim Löw will bloß nicht deutsch gewinnen.

Als deutsche Fußballer zuletzt Titel errangen, 1990 die Welt-, 1996 die Europameisterschaft, taten sie das in klassisch deutscher Fußballmanier: mit starken Einzelspielern, Erfolgsbezogenheit, Wettkampf- und Abwehrhärte und einer Hackordnung. Deutschland war die Turniermannschaft. Damit ist der Pragmatismus gemeint, sich an die Unwägbarkeiten eines wochenlangen Wettbewerbs anzupassen.

Schönheit war in der deutschen Fußballgeschichte keine Kategorie, ausgenommen ein kurzer Abschnitt in den frühen Siebziger Jahren. Wer an Fußballdeutschland denkt, denkt eben auch an Wasserschlachten, Elfmeterschießen, Schwalben, Eckbälle und anderes Spielglück – oder an noch dunklere Kapitel: Battiston und Gijon sind Chiffren für das hässliche Gewinnen.

Wenn der deutsche Jahrgang 2012 am Samstag seine Titeljagd beginnt, versucht er das mit einem Stil, mit dem im deutschen Fußball lange nichts mehr gewonnen wurde, vielleicht sogar noch nie: offensiv, riskant, kreativ, mit Stil eben. Wurden die "Teutonen" in den Achtzigern und Neunzigern im Ausland noch gefürchtet, werden sie heute von vielen gemocht und, ja doch, geliebt. So viel Talent und Jugendlichkeit, wie sie etwa Mesut Özil , Bastian Schweinsteiger oder Mario Götze stellvertretend verkörpern, hatte noch keine deutsche Mannschaft.

Dazu passt Löws moderne, sympathische Spielidee. Verteidiger sind keine Decker, sondern Spieleröffner. Vor der Abwehr grätscht kein Abräumer, sondern lenken zwei Strategen das Geschehen. Im Sturm läuft nicht der mit der besseren Torquote auf, sondern derjenige, der besser mit den anderen kombiniert. Der Kapitän ist kein Leitwolf, sondern ein "höflicher Mensch", wie sich Philipp Lahm selbst beschreibt. Er setzt auf ein harmonisches Miteinander. Vom Trainer selbst ist überliefert, dass er nicht mit Glück gewinnen will, sondern mit der besseren Taktik.