Per Mertesacker"Ich bin kein Auslaufmodell"

Per Mertesacker ist so lange bei der Nationalelf wie Joachim Löw, jetzt sitzt er erstmals auf der Bank. Im Interview redet er über Enttäuschung und seine Hoffnungen. von 

Neue Rolle: Per Mertesacker gratuliert Bastian Schweinsteiger zu seinem Spiel gegen Holland.

Neue Rolle: Per Mertesacker gratuliert Bastian Schweinsteiger zu seinem Spiel gegen Holland.  |  © Jörn Pollex/Getty Images Sport

ZEIT ONLINE: Herr Mertesacker, Jürgen Kohler, einer Ihrer Vorgänger, hat in Italien besser Fußball spielen gelernt, heißt es immer. Gilt das auch für Sie in England ?

Per Mertesacker: Ja, der Wechsel hat mir gut getan.

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ZEIT ONLINE: Wie genau?

Mertesacker: Als ich neu in London war, musste ich mich erstmal umstellen. Wir haben extrem viel Kurzpassspiel trainiert. Nach drei Wochen hatte ich mich darin deutlich verbessert, das ist mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen.

ZEIT ONLINE: Schade, dass das die deutschen Zuschauer bei dieser EM nicht sehen können, zumindest noch nicht. Was ist passiert, dass Sie auf der Bank sitzen?

Mertesacker: Tja … das ist der Lauf der Zeit. Ein Auf und Ab ist normal im Sport, normal im Fußball. Ich hatte viel Glück in meiner Karriere, jetzt hab ich halt mal keins.

ZEIT ONLINE: Ist es nur Pech? Würden Sie also spielen, wenn Sie nicht so lange verletzt gewesen wären?

Mertesacker: Ich weiß nicht, das ist eine hypothetische Frage, die ich mir zwar stelle, aber nicht beantworten kann.

ZEIT ONLINE: Hat der Trainer Ihnen seine Entscheidung angemessen beigebracht?

Mertesacker: Das Wie ist gar nicht so entscheidend. Er hat es kurz und knapp gemacht. Ich habe ihm angemerkt, dass ihm das sehr schwerfällt. Ich muss und werde die Entscheidung akzeptieren.

ZEIT ONLINE: Sie sind, wie Joachim Löw , seit dem Umbruch der Nationalmannschaft im Jahr 2004 dabei, haben sich Verdienste bei deren Aufschwung erworben. Sind Sie jetzt sehr enttäuscht von seiner Entscheidung?

Mertesacker: Ja, ich bin enttäuscht. Aber ich mache keinen Ärger, damit muss ich als Profi umgehen können.

Leserkommentare
  1. 9. Bei...

    ...den deutschen Standards in der Tat.

    Antwort auf "Nö..."
  2. Dass die Qualität sehr hoch sei, habe ich noch von der WM 2010 in Erinnerung, dass das jemand gesagt hat.

    Damals 2010 aber , fehlte uns Spielwitz. Ich hatte auch den Eindruck, dass wir bzw. die Spieler etwas überheblich waren und zu viel von ihren Stärken gedacht hatten, und daher sich die 5% , die man sich mehr anstrengen muss als der Gegner, nicht abriefen.

    Spielwitz kommt auf, wenn man Selbstvertrauen hat, Mut und weiss, dass man etwas riskieren muss. Damit nicht gemeint alle Mann nach vorne, sondern es sind die kleinen Momente, wo zwei Spieler gut laufen, oder den Ball schnell passen, auch in Lücken, und wo es immer sein kann, dass man den Ball doch verliert. Aus Angst, den Ball nicht zu verlieren, wird der Spielwitz untergraben.
    Aber wenn sich kein Erfolgserlebnis einstellt, wird man auch automatisch unsicher und spielt weniger riskant.

    So gesehen beinhaltet also jeder erfolgreiche Spielzug, der immer riskant sein muss, wenn etwas aufsehen erregendes geschehen soll, ein synergistisches Element . So dass der Erfolg im Kleinen beflügelt.

    Die Holländer am Ende der ersten Halbzeit gegen Deutschland waren zB am Tiefpunkt und es ging gar nichts mehr.
    Bälle des Gegners kamen an.
    Aber die Deutschen haben das immer noch nicht oft genug abrufen können. Man muss es nicht 90 Minuten schaffen, aber wie die Spanier so in mehreren Phasen und wichtigen Momenten mal hinlegen können.

    • Voce
    • 16. Juni 2012 17:26 Uhr

    ist auch eine Frage der Intelligenz und die besitzt PM zweifellos, um zu erkennen, dass Löw Hummels den Vorzug geben musste. Nur direkt sagen wird er es nicht. Denn so läuft es nun einmal im Leistungssport, der Gute muss immer dem Besseren weichen. Ihm bleibt dann die Möglichkeit daran zu arbeiten, um wieder selbst der Bessere zu werden.

  3. schon bei werder war merte einfach nicht spriztig/schnell genug. wenn er gegen einen flinken stuermer spielt muss es im tackling klappen, ist der stuermer vorbei kommt merte nicht mehr hinter her. er ist ein toller typ und ein super sportler, aber es gibt derzeit bessere auf seiner position.

  4. wenn das stimmen würde, müßte hr. podolski schon lange auf der bank sitzen bzw. schon lange nicht mehr im kader stehen.

    Antwort auf "Leistungsprinzip"
  5. Mertesacker konkurriert um seinen Stammplatz in der Innenverteidigung mit Spielern wie Hummels und Badstuber, die ihm u.a. in der Spieleröffnung um Meilen voraus sind. Stark ist Mertesacker, bedingt auch durch seine Körperlänge, besonders im Kopfballspiel.

    Nutzte also Mertesacker diese Fähigkeit auch bei Standardsituationen im GEGNERISCHEN Strafraum, wäre dies ein Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz.

    So wie ein Stürmer heutzutage auch Abweharbeit verrichten muss (Ausnahme: Ibrahimovic), darf ein Innenverteidiger torgefährlich sein, auch wenn dies nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen gehören muss.

    Antwort auf "Also,äh, was?"

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