DFB-Team: Warum die Deutschen besser sind als 2006
Noch immer schmerzt das Heim-WM-Aus gegen Italien. Sechs Jahre später haben sich die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Fußballnationen verschoben.
© Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Die deutsche Nationalelf beim Abschlusstraining vor dem Italien-Spiel
Es ist die vielleicht kurioseste Szene aus Sönke Wortmanns Sommermärchen-Doku 2006: Vor dem Halbfinale gegen Italien wollen die Spieler gerade ins Stadion einmarschieren, Jürgen Klinsmann hatte ihnen in der Kabine noch Mut gemacht ("Die hauen wir weg, die Italiener!"). Dem will ein anderes Mitglied des DFB-Teams nicht nachstehen. "Die haben Angst", heißt es in den Katakomben. "Nein, wir haben keine Angst, Junge", entgegnet plötzlich ein italienischer Betreuer, Nello di Martino, der zufällig Deutsch versteht. Bernd Schneider kann es nicht fassen. Italien gewinnt 2:0, Grosso und Del Piero, und wird fünf Tage später Weltmeister in Berlin. Di Martino hatte Recht behalten.
Heute, sechs Jahre später, ist solch ein italienischer Konter abseits des Platzes unwahrscheinlicher. Die Italiener hätten triftige Gründe, wirklich ein wenig Angst zu haben. Die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Fußballnationen haben sich verschoben.
Das liegt vor allem an der deutschen Mannschaft. Damals fühlte sie sich als Favorit, aber es war eben nur die gefühlte Favoritenrolle. Als Außenseiter gestartet, ließ sich die Elf um Michael Ballack von der Euphorie und der Sonne beflügeln und lag nach dem Ausscheiden gegen Italien mit einer ganzen Nation am Boden, weil sie die schmerzhafteste Niederlage des deutschen Fußballs seit dem 1:2 gegen Holland im EM-Halbfinale 1988 einstecken musste. Nüchtern betrachtet gewann im Juli 2006 der etwas Bessere. Das war einmal.
"Natürlich hat man das noch im Kopf", sagte der deutsche Kapitän Philipp Lahm auf der Pressekonferenz am Sonntag. Es war einer der wenigen Momente in Danzig, in denen ein Spieler Einblick in sein Inneres gewährt. Lahm ist einer von fünf Akteuren aus dem aktuellen Kader, die damals in Dortmund auf dem Platz standen. Neben Miroslav Klose, Lukas Podolski, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger. Sie waren Teil einer Mannschaft, die nach einer desaströsen EM 2004 und zehn kargen Jahren für den Neuanfang sorgten. Was in der Enttäuschung damals kaum jemand vermutete, vielleicht nicht mal ahnte: Die WM 2006 war sportlich kein Höhepunkt, sondern bloß der erste Schritt.
Sechs Jahre später rechnen die meisten internationalen Experten mit einem deutschen Sieg gegen Italien. Auch wenn es der erste in einem großen Turnier wäre. Die deutsche Nationalmannschaft hat einen konstanten Reifeprozess vollzogen, hat an Qualität gewonnen. Das liegt zum einen an den Spielern, die der Nationalelf durch die Nachwuchsreform um die Jahrtausendwende zugeführt wurden und werden. Im Jahr 2006 trugen etwa Tim Borowski, Oliver Neuville und Sebastian Kehl das DFB-Trikot. Fußballer von erster Bundesligagüte, aber keine, für die sich der Weltmarkt interessiert hätte. Ein Arbeiter wie Torsten Frings, einer der damaligen Führungsfiguren und für das Halbfinale unter merkwürdigen Umständen gesperrt, konnte gegen Italien nicht adäquat ersetzt werden.
Heute laufen für den DFB zwei Spieler auf, mit denen Real Madrid glücklich geworden ist, Sami Khedira und Mesut Özil. Und auch ihre Nebenleute könnten dort spielen, Thomas Müller, Marco Reus, Mats Hummels, selbst die Reservisten Toni Kroos und Mario Götze. Dass der Einsatz Schweinsteigers wegen einer Verletzung fraglich ist, lässt niemandem im deutschen Lager unruhig schlafen. Irgendjemand von der Bank könnte ihn problemlos ersetzen. Dass der Leader im Viertelfinale einen schlechten Tag erwischte, fiel kaum ins Gewicht.
Das Talent im Kader braucht aber auch jemanden, der es einzusetzen weiß. Diesen Trainer hat der DFB. Er hatte ihn schon 2006, damals war er Klinsmanns Assistent, zwar mit Verantwortung, aber ein zurückhaltender Mann im Hintergrund. Heute käme auch Joachim Löw für die großen Fußballadressen infrage. Als er in dieser Woche mit der Presse spricht, ist sein Selbstbewusstsein zu spüren, das in den vergangenen Jahren mit den Erfolgen gewachsen ist. Der Gegner habe sich nach Deutschland zu richten. Wichtig sei für ihn Initiative. "Italien soll unser Spiel spielen."







denn wir sind 6 Jahre weiter. Das heisst aber noch lange
nicht, dass man gegen Italien gewinnt. Ähnliche Spielweise,
Vorsicht etc. pp. werden für beide Mannschaften Möglichkeiten
schaffen- oder auch nicht!
Große Namen schiessen nicht unbedingt Tore- da liegt der
Autor falsch- Beispiele gäbe es genug.
Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, und erfreulicherweise sind
die Italiener von heute faire Spieler und lassen alles
Theater in Richtung sterbender Schwan.
Es ist toll, dass diese 2 Teams aufeinander treffen und
alles was vorher war ist: SCHNEE VON GESTERN.
Warum zurückschauen- schauen wir doch lieber nach Vorne!!!
Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das mal sage, aber noch mehr als auf den Ausgang freue ich mich heute auf das Spiel selbst. Beide Mannschaften werden, da bin ich mir sicher, recht offensiv und nicht spielverhindernd auftreten. Das gestrige Spiel war ja ein einziges Stellungs- und Fehlpassgewusel.
... auf ein schönes, schnelles und hoffentlich erfolgreiches Spiel der DFB- Auswahl. Deutschland hatte noch nie eine so konstant gute Nationalelf, ich denke nicht das es heute eine Verlängerung gibt.
Sie haben Recht gehabt, die Italiener wollten keine Verlängerung..
Sie haben Recht gehabt, die Italiener wollten keine Verlängerung..
Die Deutschen sind dieses Jahr so stark ... sie gewinnen auch trotz Schweinsteiger (vllt.) !!!
"...Auch heute zählen am Ende, wie 2006, nicht die Worte vor dem Anpfiff, sondern die Tat auf dem Platz. Doch anders als damals wäre es mehr als bloße Rhetorik...."
... mal schauen, ob es dieses Mal tatsächlich so ist. Nicht nur 06, sondern schon immer konnte man ähnliche Sätze wie den obigen hören und lesen, wenn Deutschland vor großen Spielen gegen Italien stand. Immer schon wussten Experten, warum nun gerade dieses Mal Deutschland seiner (angemaßten) Favoritenrolle gegen Italien gerecht werden würde. Warten wir es mal ab. Aber vielleicht läuft es dieses mal umgekehrt: in der Vergangenheit war es nämlich immer so, dass sich Italien seine Außenseiterrollen im Laufe der Turniere redlich "verdient" hatte. Es ist das x-te mal, dass wir heute Abend die Italiener im Halbfinale eines großen Turniers sehen werden. Zum ersten Male hingegen denke ich heute nicht: "wie haben die sich denn da schon wieder rein gemogelt?" Will sagen: selten, eigentlich noch nie hat mich eine italienische Mannschaft bei einem großen Turnier von Anfang an derart überzeugt, wie diese Truppe. Und ich sehe sie heute ehrlich gesagt nicht als Außenseiter. Und das ist vor großen Deutschlandspielen tatsächlich neu. Vielleicht läuft es ja heute Abend nicht trotz sondern gerade deswegen anders als bei den früheren Begegnungen.
Und ist es natürlich auch heute nicht. Italien hatte immer spielstarke Teams. Das Problem der Italiener ist eigentlich immer, daß sie nur genau soviel tun wie nötig, d.h. bis zur eigenen Führungen spielen sie offensiv und danach ziehen sie sich zurück. Das war gegen Kroatien zb der Fall.
Italien stellt immer eine Mannschaft, der es möglich ist kleine Unaufmerksamkeiten in ein Tor zu münzen, also auch unglaublich effektiv sein kann. Deshalb gehört Italien immer zu den Favoriten.
Und ist es natürlich auch heute nicht. Italien hatte immer spielstarke Teams. Das Problem der Italiener ist eigentlich immer, daß sie nur genau soviel tun wie nötig, d.h. bis zur eigenen Führungen spielen sie offensiv und danach ziehen sie sich zurück. Das war gegen Kroatien zb der Fall.
Italien stellt immer eine Mannschaft, der es möglich ist kleine Unaufmerksamkeiten in ein Tor zu münzen, also auch unglaublich effektiv sein kann. Deshalb gehört Italien immer zu den Favoriten.
aber wen das WM-Aus vor 6 Jahren heute noch schmerzt, lebt meiner Ansicht nach in einer bedenklichen Realität. In einer Qualitätszeitung wie der ZEIT erwarte ich einen Verzicht auf solche banalen Fußballfloskeln...
Unabhängig davon schätze ich in der Tat die deutsche Mannschaft heute stärker und gereifter als damals ein. Letztlich bleibt aber alles Fußball und da kann auf diesem Niveau jeder jeden schlagen. Natürlich hoffe ich auf ein gutes Ende für Deutschland, aber das wird wohl doch erst heute Abend spätestens um 23.15 Uhr entschieden sein, egal welche Erklärungs- und Fußballtheoretischen Modelle wir ins Feld führen.
denn sie können beides. Das gegnerische Offensivspiel verhindern (hat man gg. Spanien gesehen) und selbst das Spiel machen (z.B. gg. England).
Glaub, das wird auch nach 120 Minuten erst entschieden.
Wichtig wird sein, dass Iralien um ein Vielfaches mehr laufen muss als die deutsche Mannschaft.
Ab spätestens der 70. Minute müssen die "auf der Milz" atmen.
Vorne muss schwerre Druck gemacht werde und hinten muss es sich stehen.
Auf der Seite Italiens ist Balotelli immer für eine "Rote" gut, Boateng bei uns leider auch.
Wichtig wird sein, dass Iralien um ein Vielfaches mehr laufen muss als die deutsche Mannschaft.
Ab spätestens der 70. Minute müssen die "auf der Milz" atmen.
Vorne muss schwerre Druck gemacht werde und hinten muss es sich stehen.
Auf der Seite Italiens ist Balotelli immer für eine "Rote" gut, Boateng bei uns leider auch.
"...Auch heute zählen am Ende, wie 2006, nicht die Worte vor dem Anpfiff, sondern die Tat auf dem Platz ..."
--> Das ist richtig!!!
"...--> Das ist richtig!!!..."
... bezogen sich eigentlich auf den zweiten Teil des Zitats. Für mich ist nicht wirklich zwingend ersichtlich, dass im Vorfeld des heutigen Spiels tatsächlich mehr Substanz hinter der Rhetorik steckt, als vor früheren Begegnungen.
"...--> Das ist richtig!!!..."
... bezogen sich eigentlich auf den zweiten Teil des Zitats. Für mich ist nicht wirklich zwingend ersichtlich, dass im Vorfeld des heutigen Spiels tatsächlich mehr Substanz hinter der Rhetorik steckt, als vor früheren Begegnungen.
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