Joachim Löw vor dem Spiel gegen Italien © Kai Pfaffenbach/Reuters

Man hatte einen zerknirschten Joachim Löw auf der Pressekonferenz erwartet. Das Aus im Halbfinale trotz hoher Erwartungen , trotz hoher Qualität im Kader. Doch die Tonlage des deutschen Trainers unterschied sich nicht wesentlich von der nach Siegen . Auch der Inhalt klang lakonisch, als drehte er sich um ein normales Fußballspiel. "Wir waren zwei Mal in der Abwehr unaufmerksam", sagte der Bundestrainer, dann sei es eben schwer geworden, den Rückstand gegen die defensivstarken Italiener aufzuholen.

Nahm Löw die 1:2-Niederlage wirklich so locker oder wollte er sich seine Enttäuschung nicht anmerken lassen? Er hätte allen Grund, enttäuscht zu sein: Seine Mannschaft war bei diesem Turnier ihrem Status als Titelkandidat bis zu diesem Spiel gerecht geworden, mit vier Siegen in vier Spielen. Im möglichen Endspiel wartete der Rivale Spanien , gegen den sie vor vier Jahren im Finale verloren. Diese Revanche muss warten, weil eine andere missglückte: Wie bei der WM 2006 war es die Hürde Italien , die sich als zu hoch für ein deutsches Team erwies. Dabei waren die Voraussetzungen für einen Sieg so gut wie lange nicht.

Die Stimmung im deutschen Lager war in den Tagen vor dem Spiel hoffnungsfroh. Marco Reus, Miroslav Klose und André Schürrle brachten beim Sieg gegen Griechenland von der Bank frische Belebung in den Sturm und den internen Konkurrenzkampf. Joachim Löw erhielt viel Lob für seine drei Wechsel. Vielleicht war es dieser Zuspruch, der ihn dazu bewog, diesen Schachzug im Halbfinale zu wiederholen. Oder rückgängig zu machen, wie man es nimmt. Denn die drei Neuen nahm Löw wieder raus und setzte auf Mario Gomez , Lukas Podolski und Toni Kroos . Konstanz im Wechsel – mit dieser vermeintlichen Erfolgsstrategie wollte Löw Italien besiegen.

Löws Plan geht nicht auf

Sein Plan ging nicht auf. Gomez war nie ins Angriffsspiel eingebunden, mal reagierte er zu spät auf die Ideen seiner Mitspieler, mal zeigten die Mitspieler keine Ideen. Sami Khedira passte ihn zu Beginn des Spiels so fest an, als schieße er aufs Tor. Podolski kam nicht an seinem Gegenspieler vorbei, und als er einmal im Strafraum freigespielt wurde, unterlief ihm ein einfacher Annahmefehler. Vor dem 0:2 ließ er den Torschützen Mario Balotelli im Mittelfeld einfach laufen.

Die bemerkenswerteste Personalie aber war Toni Kroos, der erstmals in der Startelf stand. "Mit ihm wollten wir die Zentrale stärken", begründete Löw seine Entscheidung. Kroos konnte zwar verhindern, dass Andrea Pirlo seine gefürchteten langen Pässe schlug. Doch den Ball erobern konnte der Spielmachertyp so gut wie nie, geschweige denn Pirlo gänzlich aus dem Spiel nehmen. Die Idee mit Kroos als Bewacher Pirlos mag theoretisch gut gewesen sein, in der Praxis hatte sie zur Folge, dass Mesut Özil von seiner Position in der Mitte weichen musste. Dabei wollte Löw doch Italien sein Spiel aufdrängen, wie er vor dem Spiel betonte.

Stattdessen dominierte Italien das Spiel. Stark im Zentrum, klug dirigiert von Pirlo, gefährlich auch über den linken Flügel, technisch und taktisch überlegen. Nach der Halbzeit schickte Löw Reus und Klose aufs Feld. Sofort geriet die italienische Abwehr in Nöte. Allerdings wechselte deren Trainer Cesare Prandelli zwei Mal defensiv und stabilisierte damit sein Team. In der Folge kamen die Italiener ihrem dritten Tor öfter nahe als die Deutschen ihrem ersten. An diesem Abend war Löw seinem Gegenüber Prandelli stets einen Schritt hinterher.