Das Wörtchen "Auftritt" sagt und schreibt man oft gedankenlos. Als Lukas Podolski am Freitag auf der Pressekonferenz des DFB erschien, war der Begriff angebracht. Wie so oft bei ihm. Er nahm den anwesenden Mario Gomez auf den Arm und erntete Lacher, als er die Nationalmannschaft aus einer Laune heraus mit dem 1. FC Köln verglich. Auch sonst strahlt Podolski in Danzig (Gdansk) Jungenhaftigkeit aus. Etwa wenn er mit Journalisten flachst oder Mitarbeiter des DFB mit der Gangstafaust begrüßt.

Auf dem Platz hat Podolski noch nicht seine Form gefunden. Zwei Spiele, kein Tor, noch nicht mal ein gefährlicher Schuss ist in Erinnerung. Gegen Portugal landete ein Versuch drei Meter über dem Tor, ungewöhnlich weit vorbei für den Präzisionsschützen. Nichts zu sehen von der Treffsicherheit, die man von ihm in der Nationalmannschaft und seiner Kölner Saison kennt.

Stattdessen wird Podolski für seine Disziplin in der Defensive gelobt, vom Trainer Joachim Löw , vom Kapitän Philipp Lahm , vom Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger . Ein solches Lob für einen Offensiven macht immer hellhörig. Vor allem bei Podolski, dessen Lieblingsfach nie das Verteidigen war.

Aber es stimmt. Im Spiel gegen die Niederlande sah man Podolski oft in der eigenen Hälfte, wo er Lahm dabei unterstützte, Arjen Robben zu beschäftigen. Es war einer der Schlüssel zum Sieg, dass Deutschland mit allen Feldspielern verteidigte, Holland oft nur mit sechs von zehn.

So steht Lukas Podolski für den neuen Realismus, den die Löw-Elf bei dieser EM bislang zeigt und der sie zu zwei knappen Siegen gegen zwei Große im Weltfußball geführt hat. Auch Thomas Müller und Mesut Özil konnten sich noch nicht in die Highlight-Filmchen des Turniers spielen, weil sie viel Drecksarbeit erledigten. Glanz und Zauber sah man von den Deutschen allenfalls im Holland-Spiel, etwa zwischen der 20. und 60. Minute. Die Bilanz nach zwei Spielen: Drei Tore – und nicht viel mehr Großchancen. Der identitätsstiftende Angriffsfußball funktioniert nicht mehr so leicht wie 2010, als es die Gegner den Deutschen einfach machten.

Lukas Podolski könnte bald ein paar gute Szenen im Angriff brauchen, um seinen Stammplatz zu rechtfertigen. Er ist in den Augen seiner Kritiker ein Kandidat, der dem Wandel im deutschen Fußball und der jüngeren Konkurrenz durch Mario Götze, Marco Reus oder André Schürrle zum Opfer fallen könnte. Vielleicht wäre das Spiel gegen Dänemark eine gute Gelegenheit, es den Krittelern zu zeigen. Zwar hat das Team von Morten Olsen Portugal in der Qualifikation auf Rang zwei verwiesen und im Auftaktspiel Holland geschlagen. Doch die dänischen Schwächen in der Abwehr waren gegen Portgual nicht zu übersehen, nicht mal gegen Holland.