Lukas PodolskiMit Vollspann und Gangstafaust

Gegen Dänemark steht Podolski vor seinem 100. Länderspiel. Geglänzt hat er bei der EM noch nicht. Er ist ein Beispiel für den neuen Realismus im DFB-Team. von 

Lässt sich nur schwer die Laune verderben: Lukas Podolski

Lässt sich nur schwer die Laune verderben: Lukas Podolski  |  © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Das Wörtchen "Auftritt" sagt und schreibt man oft gedankenlos. Als Lukas Podolski am Freitag auf der Pressekonferenz des DFB erschien, war der Begriff angebracht. Wie so oft bei ihm. Er nahm den anwesenden Mario Gomez auf den Arm und erntete Lacher, als er die Nationalmannschaft aus einer Laune heraus mit dem 1. FC Köln verglich. Auch sonst strahlt Podolski in Danzig (Gdansk) Jungenhaftigkeit aus. Etwa wenn er mit Journalisten flachst oder Mitarbeiter des DFB mit der Gangstafaust begrüßt.

Auf dem Platz hat Podolski noch nicht seine Form gefunden. Zwei Spiele, kein Tor, noch nicht mal ein gefährlicher Schuss ist in Erinnerung. Gegen Portugal landete ein Versuch drei Meter über dem Tor, ungewöhnlich weit vorbei für den Präzisionsschützen. Nichts zu sehen von der Treffsicherheit, die man von ihm in der Nationalmannschaft und seiner Kölner Saison kennt.

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Stattdessen wird Podolski für seine Disziplin in der Defensive gelobt, vom Trainer Joachim Löw , vom Kapitän Philipp Lahm , vom Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger . Ein solches Lob für einen Offensiven macht immer hellhörig. Vor allem bei Podolski, dessen Lieblingsfach nie das Verteidigen war.

Aber es stimmt. Im Spiel gegen die Niederlande sah man Podolski oft in der eigenen Hälfte, wo er Lahm dabei unterstützte, Arjen Robben zu beschäftigen. Es war einer der Schlüssel zum Sieg, dass Deutschland mit allen Feldspielern verteidigte, Holland oft nur mit sechs von zehn.

So steht Lukas Podolski für den neuen Realismus, den die Löw-Elf bei dieser EM bislang zeigt und der sie zu zwei knappen Siegen gegen zwei Große im Weltfußball geführt hat. Auch Thomas Müller und Mesut Özil konnten sich noch nicht in die Highlight-Filmchen des Turniers spielen, weil sie viel Drecksarbeit erledigten. Glanz und Zauber sah man von den Deutschen allenfalls im Holland-Spiel, etwa zwischen der 20. und 60. Minute. Die Bilanz nach zwei Spielen: Drei Tore – und nicht viel mehr Großchancen. Der identitätsstiftende Angriffsfußball funktioniert nicht mehr so leicht wie 2010, als es die Gegner den Deutschen einfach machten.

Lukas Podolski könnte bald ein paar gute Szenen im Angriff brauchen, um seinen Stammplatz zu rechtfertigen. Er ist in den Augen seiner Kritiker ein Kandidat, der dem Wandel im deutschen Fußball und der jüngeren Konkurrenz durch Mario Götze, Marco Reus oder André Schürrle zum Opfer fallen könnte. Vielleicht wäre das Spiel gegen Dänemark eine gute Gelegenheit, es den Krittelern zu zeigen. Zwar hat das Team von Morten Olsen Portugal in der Qualifikation auf Rang zwei verwiesen und im Auftaktspiel Holland geschlagen. Doch die dänischen Schwächen in der Abwehr waren gegen Portgual nicht zu übersehen, nicht mal gegen Holland. 

Leserkommentare
    • cruyff
    • 17. Juni 2012 12:37 Uhr
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    Welch ein blödsinniger Einwand. Erschreckend aber vielmehr, dass Herr Spiller von der Zeit-Redaktion auf den Mecker-Kommentar reagiert und sich auch noch entschuldigt. So hat die Boulevardisierung der Medienlandschaft mittlerweile schon ihren eigenen Nachwuchs zu pawlowschem Reflexverhalten erzogen, wenn ein Mensch deutsch denkt und deutsch schreibt und ein anderer Mensch mit dem Finger darauf zeigt. So scheint es.

    • Lukan
    • 17. Juni 2012 12:38 Uhr

    seit Jahren nicht nur nominiert wird sondern auch noch Stamm bei der N11 ist, lässt sich in meinen Augen nicht rational erklären.

    Sowohl Götze, Kroos, als auch Reus und selbst Schürrle wären bei Weitem bessere Optionen auf Links.

  1. In den vergangen Tunieren hat er seine Tore allerdings auch nur in den Vorrunden gegen eher schwächere Gegner gemacht.

    Seinen angeblich guten Pass und die Technik habe ich auch noch nicht gesehen. Podolski hat einen Hammerschuss aber für das Kombinationsspiel sind seine Pässe einfach zu schlecht, die einzigen Pässe die von ihm überhaupt ankommen sind Rückpässe.

  2. Er ist meiner Meinung nach der einzige Fremdkörper in der Manschaft.

  3. "Auch sonst strahlt Podolski in Danzig Jungenhaftigkeit aus. Etwa wenn er mit Journalisten flachst oder Mitarbeiter des DFB mit der Ghettofaust begrüßt."

    Warschau läßt grüßen.

    Nebenbei gibt es in Polen kein Danzig, kein Breslau, kein Lodsch und auch kein Stettin.

    Diese Ortschaften haben, wie auch andere Orte andere Namen.

    Gdanzk, Wroclaw, Lodz oder Szczecin. (Leider kann ich das durchgestrichene "L" für "hua" nicht darstellen)

    Es sagt ja auch niemand Neu York, Konstantinopel oder Kalkutta.

    Ich finde es ziemlich grenzwertig. Aber die "Ghettofaust" sagt doch schon einiges über die Ignoranz und fehlende Empathie der Deutschen aus

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    Redaktion

    Lieber WolframW,

    vielen Dank für den Hinweis. Da waren wir tatsächlich etwas unaufmerksam und unsensibel. Die Faust, die ja aber tatsächlich nichts mit den jüdischen Ghettos zu tun hat, haben wir nun in Gangstafaust umbenannt.

    Was die Städtenamen angeht, so versuchen wir, so oft es geht, den polnischen Namen zumindest mit zu erwähnen. Manchmal geht auch der unter. Entschuldigung.

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

    ....entgegen Ihrer Meinung sagen alle Kalkutta

    (vgl.http://www.zeit.de/2012/24/WOS-Kalkuttablau)

    oder auch Konstantinopel, wenn sie den historischen Kontext betonen wollen.

    Warum sollte man ehemals deutsche Städte in einer deutschen Zeitung nicht so bezeichnen, wie sie heißen, nämlich Danzig, Breslau, etc. ?

    Man darf sich ruhig mal am Empfängerhorizont orientieren, wenn man verstanden werden will, und nur wenige sprchen polnisch in Deutschland.

    Übrigens, ich bin kein Revanchist, nur ist mir nicht entgangnen, dass z.B. sogar die Kaliningrader es erwogen haben, die Stadt wieder in Königsberg umzubenennen, oder sie heimlich Kenig nennen.

    Ich stimme Ihnen bei der Faust zu, allerdings ist Ihr Kommentar nicht minder ignorant.

    Anderslautende Namen für Städte sind völlig normal.
    Es gibt kein Monachium, wie München im Polnischen bezeichnet wird?

    Mit freundlichen (und kopfschüttelnden) Grüßen.

    • Lukan
    • 17. Juni 2012 13:47 Uhr

    Die Dänen sagen ja auch Tyskland und nicht Deutschland, die Franzosen Allemagne. Die Briten sagen nicht München, sondern Munich, die Italiener Monaco. Ist das auch grenzwertig? Fühle ich mich dadurch in meinem nationalen Wertigkeitsgefühl verletzt?
    Diese im Artikel genannten Städte haben nun einmal eine deutsche Vergangenheit und es ist völlig (!) legitim, sie bei ihrem deutschen Namen zu nennen, mehr noch als es legitim ist "Moskau" statt "Moskva" zu sagen.
    Wenn Sie statt "Lemberg" lieber "Lwiw", statt "Elbing" lieber "Elbląg" (vllt. wollen Sie den damaligen deutschen Kaufleuten stamt Deutschen Orden vllt. auch noch Vorwürfe machen, die Stadtnamen in der deutschen Sprache verankert zu haben) aussprechen wollen, dann ist das Ihr Bier, aber verschonen Sie die Allgemeinheit mit Ihrer aufgesetzten Political Correctness.

    Bei manchen Leuten ist die Political Correctness wahrlich schon manisch.

    Entfernt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema und kehren Sie zu einer themenbezogenen Diskussion zurück. Danke, die Redaktion/au.

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

    Köln und München heissen ja z.B. auch Munich und Cologne um nur eine Sprache zu nennen. Was ist so schlimm and der eigenen Sprache?

    ...und auch nicht entweder schwarz oder weiß. Wenn es Ihrem Geschmack gefällt wünsche ich Ihnen einen guten Appetit mit Kaliningrader Klopsen und beim Absacker mit Gdansker Goldwasser.
    Wir Menschen haben einen grundlegenden Fehler. Wir nehmen uns selber viel zu ernst und oftmals erheben wir den Anspruch, der einzig Korrekte zu sein.

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

    Nebenbei gibt es in Polen kein Danzig, kein Breslau, kein Lodsch und auch kein Stettin..

    Sie selbst schreiben Warschau und nicht etwa Warszawa. Und nun?
    Dann bitte auch Moskva, Praha, Roma, Lisboa, București, København, Milano, Napoli, Venezia, Firenze, Torino, Genova, Mantova, Athina, Dimašq, Yerushalayim (oder Al-Quds?), Al-Qāhira, Ṭarābulus, Dzayer. Am besten noch in allen Minderheitensprachen mit anführen, außer deutsch natürlich.
    Und die übersetzten Flussnamen? Darf's Moldau und Weichsel noch geben, Theiß und Tiber?

    Soweit mir bekannt sehen übrigens die Polen wenig Probleme mit übersetzten/deutschen Städtenamen. Andere Europäer übersetzen auch ganz ungehemmt in ihre Sprachen, gleichen Schreibweisen und Aussprachen an. Nur die Deutschen verrenken sich wie verrückt.

    Es ist sicher löblich, die nationale Namensform zu kennen. Manchmal klingt sie schöner als die deutsche, zB Bratislava.
    Aber sorry, "Wrocław" geht mir einfach nicht aus dem Mund...

  4. In der mangelden Spielklasse von Podolski spiegelt sich das Gesamtniveau der EM wieder. Größten Teils langweilige Spiele und kein hohes Niveau. Von Fußballkunst ganz zu schweigen. Von 18 bisherigen Partien sind 9, also die Hälfte 1:0 oder 1:1 ausgegangen. Viele Mannschaften haben sich recht hilflos angestellt. Bleibt zu hoffen das Europa bei der WM 2014 in Brasilien mehr zeigen wird als jetzt, ansonsten werden sie von den Südamerikanern und eventuell auch Afrikanern vorgeführt oder sie perfektionieren das stinklangweilige Hintenreinstellen und die Räume ganz engmachen noch weiter. Dann kann man mit 2 Toren im Turnier und Glück im 11m-Schießen sehr weit kommen und die europäischen Fans können trotz Zeitverschiebung was anderes machen als vor der Glotze zu sitzen, da das stupide und erfolglose europäische Offensivspiel so oder zum Wegsehen ist.

  5. Redaktion

    Lieber WolframW,

    vielen Dank für den Hinweis. Da waren wir tatsächlich etwas unaufmerksam und unsensibel. Die Faust, die ja aber tatsächlich nichts mit den jüdischen Ghettos zu tun hat, haben wir nun in Gangstafaust umbenannt.

    Was die Städtenamen angeht, so versuchen wir, so oft es geht, den polnischen Namen zumindest mit zu erwähnen. Manchmal geht auch der unter. Entschuldigung.

    Viele Grüße aus der Redaktion
    Christian Spiller

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    • SteB
    • 18. Juni 2012 10:10 Uhr

    Sie brauchen sich für einen fehlenden polnischen Namen garantiert nicht zu entschuldigen.
    Der Kommentar von "stellasirius" gibt es eigentlich sehr passend wieder. In einem Artikel über andere Länder versuchen Sie ja vermutlich auch nicht, Lisboa und Konsorten unterzubringen.
    Der Hinweis zur Bezeichnung von Poldis Faust war durchaus berechtigt, mit dem Rest ist der Kommentator aber übers Ziel hinaus geschossen. Das ist falsch verstandene Hypersensibilität.

  6. ....entgegen Ihrer Meinung sagen alle Kalkutta

    (vgl.http://www.zeit.de/2012/24/WOS-Kalkuttablau)

    oder auch Konstantinopel, wenn sie den historischen Kontext betonen wollen.

    Warum sollte man ehemals deutsche Städte in einer deutschen Zeitung nicht so bezeichnen, wie sie heißen, nämlich Danzig, Breslau, etc. ?

    Man darf sich ruhig mal am Empfängerhorizont orientieren, wenn man verstanden werden will, und nur wenige sprchen polnisch in Deutschland.

    Übrigens, ich bin kein Revanchist, nur ist mir nicht entgangnen, dass z.B. sogar die Kaliningrader es erwogen haben, die Stadt wieder in Königsberg umzubenennen, oder sie heimlich Kenig nennen.

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