EM-Schnack"Hinter dem Tor alles grün. Herrlich!"

Manfred Drexler hat schon viel gesehen. Seit 1985 arbeitet er als Servicemann für den DFB. Irlands Fans aber haben ihn nachhaltig beeindruckt, Giovanni Trapattoni auch.

Irische Fans bei der Niederlage gegen Spanien

Irische Fans bei der Niederlage gegen Spanien

ZEIT ONLINE: Herr Drexler, gestern ist die erste Mannschaft aus dem Turnier ausgeschieden: Irland. Doch ihre Fans sind Sieger. Zigtausende feierten schon Minuten vor dem Abpfiff ihr Team mit dem Song Fields of Athenry.

Manfred Drexler: Das sind Fans, die schon immer mit dem Herzen dabei sind. 2002 hab ich das in Japan ähnlich erlebt, als wir bei der WM gegen Irland gespielt haben. Wir kommen ins Stadion, und was sehen wir? Dreitausend Deutsche und zwölftausend Iren. Hinter dem Tor alles grün. Herrlich! 1996 bei der EM hatte ich auch ein starkes Erlebnis mit den englischen Fans. Vor dem Halbfinale kam ich zwei Stunden vor Anpfiff ins Stadion. Völlig verblüffend ist das schon halb voll, und alle singen. Zum Beispiel Beatles-Lieder, Let it be und She loves you. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.

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ZEIT ONLINE: Viele Fußballstadien werden heutzutage mit lauter Musik aus den Charts beschallt.

Drexler: Wenn vor unserem Spiel Schwarz und Weiß läuft und der Text eingeblendet wird, finde ich das irgendwie komisch. Da sind die Iren spontaner.

ZEIT ONLINE: Haben Sie ein paar Iren in Danzig getroffen?

Manfred Drexler
Manfred Drexler

Manfred Drexler, den alle nur Manni nennen, kümmert sich seit 1985 als Service-Mann des DFB um die Schuhe der Nationalspieler. Die EM in Polen und der Ukraine ist sein vierzehntes großes Turnier. Für den 1. FC Nürnberg und Schalke 04 bestritt der geborene Fürther in den Siebzigern und Achtzigern 89 Bundesligaspiele.

Drexler: Ich komme gar nicht dazu, das Hotel zu verlassen. Aber ich weiß, dass die Iren ein fröhliches Volk sind. Das Team verliert 0:4 und die Fans feiern ihre Mannschaft. Die Holländer verlieren gegen uns 1:2. Totenstille.

ZEIT ONLINE: Die deutschen Fans wären nicht anders und die meisten anderen auch. Die spanischen Spieler waren gestern geradezu ergriffen von dem irischen Choral. Vicente del Bosque sprach von einem großen Moment für den Fußball. Auch Giovanni Trapattoni wirkte sehr gerührt. Kennen Sie ihn?

Drexler: Ja. Schade, dass er so früh ausscheidet, dass wir ihm bei dieser EM nicht begegnen werden. Seine Frau sagt ihm immer, dass er aufhören soll. Doch er entgegnet, dass er noch so viele neue Ideen hat. Er ist ein Fußballverrückter. Wenn die Bayern auswärts gespielt haben, hat er in der Lobby aufgepasst, dass kein Spieler das Hotel verlässt. Mit den Iren kann er das sicher nicht machen.

ZEIT ONLINE: Wer wird Europameister?

Drexler: Deutschland. An eine solch gute, talentierte deutsche Mannschaft kann ich mich nicht erinnern. Und steigern werden wir uns auch noch. Aber nicht vergessen: Noch sind wir nicht mal im Viertelfinale.

 
Leserkommentare
    • habe8
    • 15.06.2012 um 18:36 Uhr

    kann man echt nicht sagen.
    Alle Achtung, liebe Iren!

    2 Leserempfehlungen
  1. sie verlieren und huldigen ihre Spieler!
    das hat Stil!
    Besser geht´s nicht!
    hat mich als nicht an Fußball interessierte Frau tief beeindruckt!
    so macht Fußball sehen und hören Spass!
    die Iren hätte ich gern noch weiter gesehen bzw. ihren Choral nochmal gehört...

    2 Leserempfehlungen

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