Lars Bender"Uns nervt die Zwillingsgeschichte"

Allein wird Lars Bender auf der Straße nicht erkannt, mit seinem Bruder Sven schon. Der Matchwinner gegen Dänemark erzählt, wie es sich als Fußballzwilling lebt. von 

Der Nationalspieler Lars Bender

Der Nationalspieler Lars Bender  |  © Patrick Stollarz/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Bender , im EM-Kader stehen zwanzig Feldspieler. Weil nur elf Mann spielen können, mussten viele mehr oder weniger mit Enttäuschungen kämpfen. Sie sind der Einzige, bei dem man den Eindruck hat, dass ihm die Bank nichts ausmacht.

Lars Bender: Ich bin froh, dabei zu sein. Und noch mehr freut mich, dass ich zum Einsatz komme. Ich muss mich zwar hier nicht verstecken, aber ich konnte nicht davon ausgehen, dass ich hier jedes Spiel von Anfang an mache. Die Mannschaft war ja schon vor meiner Zeit erfolgreich und ist gut eingespielt. Jeder, der hier dabei ist, gehört zu den 23 Ausgewählten, die das Land vertreten. Da muss keiner Trübsal blasen.

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ZEIT ONLINE: In ihrem einzigen Spiel gegen Dänemark haben Sie gleich das entscheidende Tor gemacht. Was sind Ihre Ziele für den Rest des Turniers?

Bender: Mein Ziel ist erreicht, übererfüllt, alles andere ist ein Bonus. Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ich kannte die Nationalmannschaft ja nur aus dem Fernsehen.

Lars Bender

Lars Bender spielt in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen. In seinem neunten Länderspiel gegen Dänemark machte der 23-Jährige das entscheidende 2:1, sein erstes Tor. Sein Zwillingsbruder Sven spielt bei Borussia Dortmund. Er wurde ebenfalls für den vorläufigen EM-Kader nominiert, kurz vor Turnierbeginn aber aussortiert.

ZEIT ONLINE: Stehen Sie in Kontakt zu Ihrem Bruder, dem es anders ergangen ist?

Bender: Wir sind jeden Tag im Kontakt, übers Telefon oder Mail. Am Tag nach meinem Tor gegen Dänemark noch intensiver, denn Sven war echauffiert.

ZEIT ONLINE: Echauffiert worüber?

Bender: Er hatte einen dicken Hals, weil ständig Leute bei ihm anriefen, vor der Haustür standen und ihn nicht in Ruhe ließen. Sie wollten alle wissen, was er von dem Tor hält. Er hat gesagt, er freut sich. Was soll er auch sonst sagen?

ZEIT ONLINE: Freut er sich etwas weniger über Ihr Tor, weil er nicht dabei ist?

Bender: Nein, er freut sich sehr für mich. Auf der anderen Seite durfte er nicht mit zur EM fahren, das hat uns beiden leid getan. Und generell nervt uns die Zwillingsgeschichte, auch wenn sie für viele Medien ein schönes Thema ist.

ZEIT ONLINE: Sie hat eine sportliche Komponente. Ihre Spielanlage ist doch sehr ähnlich. Ist denn in einem Team Platz für zwei Benders?

Bender: Klar, es gibt in unserer Mannschaft auch andere Spieler, die sich ähneln. Wir hatten uns im Trainingslager in Frankreich schon mit der Frage auseinandergesetzt, dass wir beide heimgeschickt werden könnten. Nun sind wir glücklich, dass zumindest einer in den Genuss der EM-Teilnahme kommen darf. Für beide war diesmal nicht genug Platz, vielleicht beim nächsten Mal.

ZEIT ONLINE: Werden Sie oft verwechselt, wann wurden Sie zum letzten Mal zur Deutschen Meisterschaft beglückwünscht?

Bender: Noch nie. Alleine werden wir auf der Straße gar nicht erkannt, nur zu zweit werden wir angesprochen.

ZEIT ONLINE: Sie sind nicht mehr auf Facebook . Warum?

Bender: Ich habe meine Seite gelöscht, da wird mir zu viel Heckmeck darum gemacht. Es heißt, der eine hat so viele Freunde, der andere so viele Likes. Das ist mir zu blöd. Wenn die Fans Kontakt zu mir suchen, rede ich gerne mit ihnen. Ich muss nicht jeden Tag etwas posten, ich brauche keinen Dialog übers Internet.

ZEIT ONLINE: Ihr Bruder offenbar schon.

Bender: Kann ja jeder machen, wie er will. Ich bin nicht der Typ, der viel von seinem Privatleben preisgibt. Ich komme mir dabei gläsern vor, das möchte ich vermeiden.

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Leserkommentare
  1. ... sympatisch. Insebsondere seine Meinung zu facebook.

  2. ...wieder was gelernt *g*

  3. ein sehr attraktiver Mann, der anscheinend auch noch was im Kopf hat.

    das Tor hat er auch verdient gesetzt, da darf er auch ruhig stolz sein und wir auf ihn :-)

  4. ... macht ihn mir auch sofort sympathisch. ;)

    Scherz beiseite, ein sehr sympathisch wirkender junger Mann. Ich freue mich riesig fuer ihn, das er spielen durfte und dabei gleich ein wichtiges Tor gemacht hat.

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  • Serie EM-Schnack
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Lars Bender | Medien | Bonus | Dänemark | Facebook | Nationalmannschaft
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