Fußball-Sammelheft"Bei uns gibt es auch Spielerfrauen"

Wem Paninibildchen zu langweilig sind, der greift zum Tschutti Heftli. Der Mitgründer Silvan Glanzmann redet im EM-Schnack über Sammelbild-Kunst und Ottmar Hitzfeld. von 

Lena Gercke, Freundin von Sami Khedira, daneben Khediras Vater Lazhar

Lena Gercke, Freundin von Sami Khedira, daneben Khediras Vater Lazhar  |  © Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Glanzmann, sind Sammelbildchen nicht Kinderkram?

Silvan Glanzmann: Unsere Bildchen sind eher für Erwachsene. Für Leute, die das Kind in sich parat haben und sich für Kunst interessieren.

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ZEIT ONLINE: Ihr Heft heißt Tschutti Heftli. Klingt süß, versteht aber zumindest in Deutschland keiner. Was bedeutet das?

Silvan Glanzmann
Silvan Glanzmann

Silvan Glanzmann ist gelernter Grafiker und Mitgründer des Tschutti Heftlis, das seit 2008 erscheint. Für die EM 2012 wurden unter dem Motto "Kunst statt Kommerz" zwei Millionen Aufkler gedruckt. Ein Teil des Erlöses geht an das Hilfsprojekt "Viva con Agua".

Glanzmann: Tschutten ist Schweizerisch für kicken. Weil die Fragen schon öfter kam, habe ich mal nachgeschaut und herausgefunden, dass dieses Wort tatsächlich aus dem Mutterland des Fußballs stammt. Eben vom englischen to shoot , schießen.

ZEIT ONLINE: Was ist bei Ihnen anders als bei der Konkurrenz?

Glanzmann: Bei uns gibt es keine Spielerfotos. Die Bilder der Spieler wurden teamweise von einem eigenen Künstler gestaltet. Und es gibt Zusatzkategorien: Schiedsrichter, Spielerfrauen und natürlich die Schweizer Nationalelf.

ZEIT ONLINE: Moment, eines nach dem anderen: Spielerfrauen?

Glanzmann: Ja, die Künstlerin hat einfach die Bekanntesten aus den Gala-Heften genommen. Ich kenne die aktuellen Tauschkurse nicht genau, aber ich kann mir vorstellen, dass die Bilder der Spielerfrauen sehr wertvoll sind.

ZEIT ONLINE: Die Schweizer Nationalmannschaft ist aber auch nicht qualifiziert.

Glanzmann: Stimmt, die machen gerade Urlaub, liegen am Strand und baden. Deswegen sind sie bei uns auch unter Wasser dargestellt. Weil sie in der EM-Qualifikation schon baden gegangen sind.

ZEIT ONLINE: Obwohl sie die Deutschen in der Vorbereitung geschlagen haben .

Glanzmann: Ja, das hat uns einerseits gefreut, andererseits umso mehr geärgert, dass wir nicht dabei sind.

ZEIT ONLINE: Ist Ottmar Hitzfeld der richtige Mann?

Glanzmann: Da bin ich mir nicht so sicher. Ich habe das Gefühl, dass er mit dem begrenzten Schweizer Spielermaterial nicht so gut umgehen kann und deshalb einen sehr ängstlichen und defensiven Fußball spielen lässt.

ZEIT ONLINE: Warum sehen die deutschen Spieler in ihrem Heft eigentlich so ernst aus?

Glanzmann: Der Zeichner Stephan Schmitz wollte, glaube ich, die Ernsthaftigkeit darstellen, mit der die Jungs da rangehen und den Titel gewinnen wollen. Vor zwei Jahren waren die Deutschen Comicfiguren, ironisiert mit Lederhosen und so. Deswegen jetzt mal was anderes.

ZEIT ONLINE: Um die Griechen schwirren Pleitegeier. Das ist aber auch nicht nett.

Glanzmann: Das stimmt. Aber da können wir ja auch nichts dafür. Das leider ist nun mal das Erste, was einem in diesem Zusammenhang in den Sinn kommt.

ZEIT ONLINE: Hand aufs Herz, wie viele Alben des Platzhirschen Panini haben Sie zu Hause?

Glanzmann: Ich weiß nicht genau, wie viele. Aber ich weiß, dass ich die nie vollgekriegt habe. Vielleicht habe ich mir deswegen ein eigenes Album ausgedacht. Jetzt müssen die anderen sammeln.

ZEIT ONLINE: Zum Schluss: Wer wird Europameister?

Glanzmann:Italien . Obwohl sie schon nicht mehr mit drei Unentschieden die Vorrunde überstehen können. Das wäre typisch gewesen. Aber ich glaube trotzdem: Italien macht's.

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    • Serie EM-Schnack
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Ottmar Hitzfeld | Album | Erwachsene | Fußball | Italien | Künstler
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