Spanien – ItalienAls seien Stürmer nicht mehr zeitgemäß

Nach dem Spiel gegen Italien wundert sich unser EM-Pate David Hugendick über die Aufstellung seiner Spanier. Und er ist froh, dass es Béla Réthy nicht auf der Xbox gibt. von 

Auch kein Stürmer: Gerard Piqué

Auch kein Stürmer: Gerard Piqué  |  © Jasper Juinen/Getty Images

Bei einer Fußball-EM sei es ja nicht wie auf der Playstation, schrieb kürzlich ein weiser Leser im Sport-Blog dieser Seite . Gleiches gilt natürlich auch für die Xbox . Auf der habe ich die Partie gegen Italien als spanische Nationalmannschaft vorgespielt. Warm-up heißt sowas wohl in der Formel 1 und Vorglühen im Jargon jener Menschen, die gegen Mittag schon einigermaßen indisponiert unter meinem Fenster vorbeigrölten.

Den Schwierigkeitsgrad hatte ich auf "Legende" gestellt, das traue ich mich sonst nie. Aber es sollten möglichst realistische Bedingungen herrschen, weil es ja dauernd heißt, die EM sei das härteste Turnier im Weltfußball. Da darf man sich nicht so anstellen. Mir gelang letztlich nichts. Spanien und ich, wir verloren 0:4. Ein schwacher Trost war es, dass Luca Toni drei Mal traf, der schon lange nicht mehr für Italien aufläuft. Mir kamen Zweifel, ob ich überhaupt ein guter EM-Pate für einen Welt- und Europameister sein kann.

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David Hugendick
David Hugendick

David Hugendick ist Literatur-Redakteur von ZEIT ONLINE. Er ist sich durchaus bewusst, dass es langweilig ist, zum Favoriten zu halten. Doch dem spanischen Spiel ist er unrettbar verfallen. Seine Profilseite finden Sie hier.

Jetzt, nachdem sich Spanien und Italien im wahren Leben furios mit 1:1 trennten, weiß ich, wo mein größter Fehler lag: Ich ließ drei Stürmer spielen. Ja, lachen Sie ruhig! Es ist wirklich altmodisch, geradezu ribbeckesk! Denn das echte Spanien, zumindest das dieses ersten Gruppenspiels, trat in einem 4-3-3-0 System an. Ohne Stürmer also. Als sei ein solcher nicht mehr zeitgemäß. Als sei Toreschießen gar nicht mehr das Ziel dieses Sports. Hat Spanien nach diesen titelreichen Jahren zu einem höheren Fußballsinn gefunden, der über das hinaus geht, was auf der Anzeigetafel steht?

Jedenfalls kreiselten und wühlten sechs Künstler zwischen Anstoßkreis und Sechzehner des Gegners: Iniesta, Xavi, Alonso, Silva, Fabregas und Busquets – wie Béla Réthy sie etwas pejorativ nannte: "eine Zwergenveranstaltung".

Béla Réthy gibt es auf der Xbox nicht, das hat auch etwas für sich. Es gibt auch angenehmerweise kein maskulin angepasstes Werbeumfeld aus Baumarkt, Bier, Grillen, Gebrauchtwagen, 72(!)-Stundendeodorant und Schuppenshampoo. Videospiele haben Vorzüge. Aber wie könnten sie jemals diese Genialität, diese zauberhaften Finessen der Spanier getreu simulieren? Einen Pass, wie Silvas Vorlage zum 1:1? So viele Knöpfe gibt’s gar nicht. Und wer wäre schon in der Lage, diese paradoxe rustikale Eleganz des Italieners Chiellini zu programmieren, mit der er die Bälle abgrätschte und eroberte.

Leserkommentare
  1. wird uns der Réthy im Fernsehen wohl nicht erspart bleiben... "Da Silva am Ball, immer noch da Silva", "Balotelli hat ja bekanntlich zwei Namen auf dem Trikot stehen" und so weiter, und so fort...

  2. Danke der miesen Kommentator-Auswahl des ZDFs für die Top-Spiele, sind wir selbst in Deutschland als GEZ-Zahler dazu gezwungen auf Internetstreams zurückzugreifen...

    Antwort auf "Béla Réthy "
  3. ...ist wirklich hart, seien Sie nicht zu traurig ;)

  4. Beitrag :D

  5. Bela war wirklich schlecht, z.B. bei der Geleb von Balotelli, sieht man in der Wiederholung, daß er eigenlich kein Foul macht. Bela "Ja, klares Foul", war bei einigen Szenen so.
    Viel schlimmer finde ich mittlerweile Kahn, der hat hinterher, alles schon vorher gewuß.
    Aber wenn ich im Videotext, lese "Kahn lobt Hummels und Badstuber" ...
    "Aber ich habe durchaus kleine Anzeichen entdeckt, die mir gesagt haben, dass das eine ganz gute EM für Deutschland werden könnte."
    Joh, der sollte in die Politik gehen, da kann ich nachher alles rauslesen.

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    Völlig richtig, was Sie sagen. Und mit Kahns Banalkommentaren nach dem Motto "da bist du", "da fühlst du", "da denkst du", "da meinst du" ist das Thema Demenzfaktor bei Selbstgesprächen von Autisten zum öffentlichen Volksschauspiel geworden...

    Eine echte Zumutung, die zudem nicht ganz billig sein dürfte!

    Eben Banalität auf höchstem Niveau...

  6. Guter und amüsanter Artikel.

    Wichtiger: Der Autor sieht aus wie ein Mischung aus Toni Kroos und R.Abramowitsch.

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    • lando
    • 11. Juni 2012 8:51 Uhr

    der sieht echt aus wie ne Mischung aus beiden! :-D

    Redaktion

    Lieber Walter Faber,

    jetzt rätsele ich schon eine Weile: Ist das gut oder schlecht?

    Mit Gruß
    DH

  7. Ich finde das Niveau der Kommentatoren hat erheblich abgenommen.Die Reporter glauben pausenlos reden zu müssen,obwohl TV anders ist als Radio,denn beim TV sprechen die Bilder und der mündige Zuseher kann sich oft seine Meinung über das Gesehene selbst bilden.Das nervt dann eigentlich nur noch und man wünscht sich einen Stadionton ohne das Gequassele.Ganz schlimm ist das wenn es zwei Kommentatoren gibt,denn dann gibt es überhaupt keine Pause mehr.Hinzu kommt, alles was während des Spieles gesagt wurde,wiederholen die Experten nach dem Spiel oder in der Pause in epischer Breite mit unzähligen Vermutungen und Phrasen.Aus jeder Sportübertragung wird ein stundenlanges vorher und hinterher Geplaudere.Der Einsatz derartig vieler Personen bei derartigen "Events" treibt sicher die Kosten unnötig hoch.Folge: Wunsch der Sender GEZ-Erhöhung.

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