Es hätte ein sehr langweiliges Spiel werden können. In diesem Fall wäre Spitznamenerfinden für Mario Balotelli ein netter Zeitvertreib gewesen. Kurzer Auszug aus dem Vorspielbericht: "Positiv-Bekloppter". "Balla-Balla-Balotelli". "Mustang". "Enfant terrible". "Bad Mario." Vor dem Spiel verkündete er auf einer Pressekonferenz, er habe "den Arsch nicht in Nutella" – was immer das bedeuten mag.

Bereits vier Minuten nach Anpfiff wird klar: Es wird kein langweiliges Spiel. Daniele De Rossi haut den Ball in der zweiten Minute mit Wucht an die Latte, Johnson revanchiert sich kurz darauf, aber Buffon fängt den Ball sicher ab.

Aus dem Restaurant Nello in St. Pauli schaltet sich per Chat das Paten-Außenbüro zu: "Wenn Balo für Italien Tore schießt, heißt Deine Zeile morgen: 'Super Mario'." Wie kreativ. Während im Nello schon Calamari Livornese auf dem Tisch stehen ("schmecken ganz wundervoll") lässt der Eppendorfer Pizzadienst leider auf sich warten. Hab ich eventuell auf den falschen Italiener gesetzt? Ist das ein schlechtes Omen?

Der Kollege bilanziert bereits den Auftakt: "Schon acht Minuten gespielt und Balotelli hat noch nicht den Trainer, die Zuschauer und sein Team beleidigt. Respekt." Ich finde eher: Skandal. Von dem Mann erwarten die Zuschauer schließlich auch ein bisschen Action. Aber Balo macht heute einfach nur seinen Job und schießt noch mal aufs Tor.

In der 25. Minute bekommt unser Lieblingsbürstenschweinchen Balotelli einen Steilpass von Kapitän Pirlo auf den Fuß, kann ihn aber nicht ins Tor bringen – John Terry stoppt ihn.

Warten auf Tore und den Pizzadienst

Mich beschäftigt gerade vielmehr die Frage: Wo ist meine Pizza Funghi? Und schaffe ich es bei diesem Spiel, den Pizzaboten zu bezahlen, ohne dass ich eine Torchance verpasse? Da klingelt es auch schon und aus St. Pauli kommt die Nachricht: "Endlich. Balo beschimpft den Linienrichter."

Ich rücke den Fernseher vorsichtshalber näher ans Sofa. Cassano, der zweite Bad Boy im Team, versucht es aus der Distanz. Wenig später hat Balotelli noch mal eine Chance ganz dicht vorm Tor.

In der Halbzeitpause sagt Mehmet Scholl "das Spiel reißt einen mit", was bei Mehmet Scholl ja schon einiges heißt. Und so geht es munter weiter, auch nach der Halbzeit prasseln die Schüsse nur so aufs und neben das Tor. Nur eben nicht rein.