EM-PatriotismusMeine gefährliche Liebe zu Deutschland

Farbe ins Gesicht, Trikot an und schon wird gegrölt. Seit 2006 ticken Deutsche bei WM oder EM aus. Doch um Party geht es vielen nicht, sie leben ihren Nationalismus aus. von 

Deutsche Fans in Berlin während der WM 2010 in Südafrika

Deutsche Fans in Berlin während der WM 2010 in Südafrika  |  © Sean Gallup/Getty Images

Es war dieses Gefühl, das sich nur einstellt, wenn man wirklich etwas erreicht hat. Nur hatte ich gar nichts getan. Im Sommer vor zwei Jahren saß ich auf einer Holzbank und trank Bier. Auf der Leinwand vor mir hatte sich Bastian Schweinsteiger über links durchgedribbelt , in die Mitte auf Arne Friedrich geflankt und der hatte zum 3:0 gegen Argentinien getroffen, im WM-Viertelfinale. Ich war außer mir. Ich liebte diese Mannschaft. Ich liebte Arne Friedrich. Ich liebte mich. Und irgendwie liebte ich auch Deutschland.

Dabei ist meine Beziehung zu diesem Land eigentlich eine andere. Wenn ich eine deutsche Flagge sehe, spüre ich nichts, weder Stolz noch Scham. Ich finde auch nicht die Griechen doof, weil einige Griechen vielleicht gerade Deutschland doof finden. Selbst die Spieler der Nationalmannschaft sind mir im Bundesliga-Alltag eher egal.

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Doch egal ob Rentner, Unternehmensberaterin, Polizist oder eben Journalist: Seit der WM 2006 ist das kollektive Austicken für einen Monat alle zwei Jahre Routine. Etwas Farbe ins Gesicht, das Deutschland-Trikot überziehen und schon darf gegrölt, gewedelt und gehupt werden. Und man darf auch mal sagen, dass man die Italiener noch nie abkonnte und die Spanier eh keine Härte vertragen.

Die Fußball-EM 2012

Die Fußball-Europameisterschaft wird vom 8. Juni bis zum 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine ausgespielt. 16 Mannschaften spielen um den Titel. EM-Austragungsorte sind Warschau, Danzig, Posen, Breslau, Lemberg, Donezk, Charkiw und Kiew. In der Vorrunde, die bis zum 19. Juni dauert, werden pro Tag zwei EM-Spiele ausgetragen. Anstoß ist jeweils um 18 Uhr sowie um 20.45 Uhr. Nach einem Ruhetag geht es für die Teams dann über die Viertel- und Halbfinals ins Finale. Das Endspiel findet in Kiew statt.

Die Fußball-EM auf ZEIT ONLINE

Während des Turniers wird jede EM-Mannschaft von einem ZEIT-ONLINE-EM-Paten begleitet. 16 Autoren schreiben nach den Partien ihren persönlichen Spielbericht.

In unserer täglichen Gesprächsserie "EM-Schnack" reden unterschiedliche Persönlichkeiten, wie etwa der ukrainische Stabhochspringer Sergej Bubka oder der polnisch-deutsche Boxer Darius Michalczewski, abwechselnd über ihre EM-Erlebnisse.

Während der 31 Spiele verpassen Sie in unserem Live-Ticker keine Chance, kein Tor und keine Rote Karte. Über das Eröffnungsspiel, die Partien der deutschen Mannschaft, die beiden Halbfinals und das Finale berichten wir zudem live und undistanziert in unserem Sport-Blog. Auch sonst lohnt ein Blick ins Blog: Dort finden Sie Eindrücke und Momentaufnahmen, etwa aus dem Speisesaal der Nationalelf oder der U-Bahn in Kiew.

Oliver Fritsch berichtet während der EM aus dem Teamquartier der Nationalmannschaft in Danzig. Steffen Dobbert schreibt und filmt aus Kiew. Die Erlebnisse der Reporter könne Sie auch über den Twitteraccount von @zeitonlinesport verfolgen.

Mehr Informationen über die Spielorte der EM finden Sie hier.

Und: Für unsere EM-Tweet-Seite suchen wir zu jedem Spiel die beste Spielzusammenfassung in 140 Zeichen. Machen Sie mit, schicken Sie uns Ihren #emtweet!

Ist ja alles bloß Spaß, haben uns Leitartikler und Professoren seit 2006 immer wieder erklärt. Die Sommermärchen-Euphorie hätte nichts mit Nationalismus, sondern mit einem postmodernen Willen zur Massenparty zu tun. Die FAZ nannte es eine "Love-Parade in Schwarz-Rot-Gold". Und wenn überhaupt Patriotismus, dann ist er seit 2006 so "unverklemmt, heiter und weltoffen" ( Der Spiegel ), dass ihn selbst Charlotte Knobloch , ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, als "positiven Patriotismus" empfand.

Die Leute meinen es ernst

Alles also ganz harmlos? Das wollte auch die Berliner Sozialpsychologin Dagmar Schediwy für ihr Buch Ganz entspannt in Schwarz-Rot-Gold? wissen. Sie hat dafür nicht Professoren und Leitartikler befragt, sondern Fans auf der Straße während der vergangenen drei Turniere. Und kommt zu dem Schluss: Um Party geht es den meisten nicht. Es ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft, die lockt. Von entspanntem Nationalismus kaum eine Spur. Die Leute meinen es ernst.

Spaß landete bei den von Schediwiy nach ihrer Motivation befragten Fahnenschwenkern auf dem letzten Platz. Es geht den meisten vielmehr darum, die Zugehörigkeit zu ihrem Land auszudrücken. Fast trotzig, weil man ja so lange nicht durfte. "Gerade Deutschland hat ja aufgrund der Geschichte Probleme damit deutsche Flagge zu zeigen, aber seit der WM im eigenen Land ist es so geworden, dass alle darauf stolz sind, Deutsche zu sein", sagte ein 25-jähriger Banker auf der Fanmeile in Berlin 2010. Eine Frau drückte es noch prägnanter aus: "Deutschland ist unser Land. Und auf sein Land ist man stolz".

Nationales Coming-Out

"Die Fußball-WM 2006 hatte den Charakter eines nationalen Coming-Out", fasst die Psychologin in ihrem Buch zusammen. Eine als natürlich empfundene, aber geächtete Identität werde nicht mehr verleugnet. Stattdessen werde sie nach außen gekehrt und positiv besetzt. Das sei aber erst möglich, seit die angesprochenen Medien das Zurschaustellen von Nationalgefühl nicht mehr tabuisierten, sondern begrüßten.

Nun könnte man fragen, was daran schlimm sein soll? Wenn es einen tabuisierten, aber anscheinend latent vorhandenen Nationalismus gibt, sollen ihn die Leute doch ausleben – zumindest solange sie nur Perücken aufsetzen und keine Menschen verprügeln. Doch Ersteres könnte irgendwann zu Letzterem führen, schreibt Schediwy.

Leserkommentare
  1. ausleben: Gibt es irgendjemanden, der davon Schaden nimmt?

    Lebt und lasst leben.

    50 Leserempfehlungen
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    solange die Deutsche Mannschaft erfolgreich ist. Was ich mir allerdings bei so einer zweifelhaften Torentscheidung wie bei ENG - UKR leicht vorstellen kann, sind x - hundert nationalbefreite Randalierer, die, patriotisch aufgeladen, in Warschau austicken und alles kurz und klein schlagen. Und schon ist das Bild vom fröhlichen Fussballfest im Eimer.
    Und wir alle wissen, dass es im Fussball vor negativen Emotionen nur so wimmelt, egal ob auf Kreis- oder Bundesliga Ebene ist.

    Ich wohne in der Innenstadt und mit jedem hier am Busbahnhof frequentierenden Bus geht das Gegröle los. Schlafen während der WM/EM? Wozu denn? Ist ja toll für Leute, die nicht arbeiten müssen, aber warum die ihre Asozialität auf Kosten aller anderen mit Gegröle bis nachts um 3 und Vuvuzelas ausleben müssen, bleibt mir schleierhaft.

    • hladik
    • 21. Juni 2012 11:30 Uhr

    Wenn du tatsaechlich den Artikel und nicht nur die Ueberschrift gelesen haettest, dann wuesstest du's:

    "Während der Turniere zeigten sich Anzeichen verstärkter Fremdenfeindlichkeit. Es sei in dieser Zeit, und nur in dieser Zeit, völlig akzeptabel, die Mannschaft und das Land des Gegners zu beschimpfen."

    hmmm keine ahnung, wir feiern die deutschland-spiele immer mit kumepsl, legen was auf den grill, bierchen, ne richtige fussballparty eben. wir grölen da auch mal ^^ aber ressentiments gegen ausländer? hätte ich den artikel nicht gelesen hätt ich mir darüber nicht mal gedanken gemacht, muss ich mich jetzt schämen, das wir so feiern in schwarz-rot-gold?

    ps: beim letzten spiel haben wir latinos gesehen im supermarkt gesehen die waren auch in schwarz rot gold. und mein gott das war einfach geil^^

    ...ist eine völlig natürliche Geisteshaltung. Weder Briten, Dänen, Türken, Amerikaner, Spanier, Argentinier noch Russen kämen auf die Idee, sich ihrer Nationalität zu schämen. In Deutschland wurde jahrzehntelang Gehirnwäsche betrieben, um den Deutschen eine Ächtung ihrer Identität einzutrichtern. Damit ist jetzt Schluß: "Eine als natürlich empfundene, aber geächtete Identität werde nicht mehr verleugnet. Stattdessen werde sie nach außen gekehrt und positiv besetzt". Und so ist es auch gut.

    ich finde die Deutschen sollten das ausleben und genießen. Lasst die Kirche im Dorf, die Vergangenheit sollte uns nicht davon abhalten auf die positiven Seiten dieses Landes und seiner Geschichte stolz zu sein und Spass zu haben. Ich bin zwar nicht wirklich "deutsch" (ich komme nämlich aus der Türkei und lebe seit 13 Jahren hier) freue mich aber mit und male mir genauso rot-gold-schwarz ins Gesicht und hänge die Flagge ans Fenster!

    Ich verstehe nicht wie sich ein Land selbst so erniedrigen kann? Anstatt die Vergangenheit zu vergessen, wird sie den Deutschen immer unter die Nase gerieben! Das sollte ein Ende haben!!!

    Erst die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in den Schulen und die ewige Erinnerung an die Schuld der Deutschen, bringt viele Junge Menschen dazu eine "Trotzreaktion" zu zeigen. Wenn man die Sache hätte ruhen lassen, hätten wir bestimmt nicht so viele Nazis.

  2. Fußball: Neues Opium für das Volk!

    mit solidarischem Gruß,
    besorgter_mitbuerger

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    Entfernt. Bitte setzen Sie sich argumentativ mit den Inhalten des Artikels auseinander statt Verdächtigungen und Spekulationen anzustellen. Danke. Die Redaktion/kvk

    Nicht FÜR das Volk. Das gibt einen ganz anderen Sinn. Also bitte richtig Zitate abwandeln ;-)

    • xpeten
    • 21. Juni 2012 14:10 Uhr

    bleiben Sie doch bei Alkohol, ist genauso deutlich.

    • kauda8
    • 21. Juni 2012 17:10 Uhr

    Also, Nur weil hier mal was positives über Nationalismus gesagt wird müssen die hier nicht gleich wieder mit fremdenfeinlichkeit ankommen...

    • PigDog
    • 21. Juni 2012 11:04 Uhr

    Mein Rat an den Autor:

    Fußball gucken!
    Spaß haben!!

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    89 Leserempfehlungen
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    Ich kann hier PigDog nur zustimmen.
    Warum alles schlecht machen wollen ?

    Spaß haben, entspannen und genießen !

    • gorgo
    • 21. Juni 2012 12:54 Uhr

    "Analysen über "versteckten Nationalismus" den verklemmten Psycho-Fritzen überlassen, die müssen ja auch über irgendwas ihre "Doktor"-Arbeiten verfassen..."

    Ach ja, und Fußballfans sind kein bischen agressiv, leben keinesfalls dumpfe Vorurteile aus, können mit Andersartigkeiten im eigenen Land prima leben und fühlen sich - natürlich! - keineswegs wie die Kings der Welt, anderen überlegen...

    Tolle Sache das, dieser Kommentar oben hat die meisten Zustimmungen bekommen.

    >> Analysen über "versteckten Nationalismus" den verklemmten Psycho-Fritzen überlassen, die müssen ja auch über irgendwas ihre "Doktor"-Arbeiten verfassen... <<

    Da scheint aber eine wissenschaftliche Studie ins Schwarze Ihrer Emotionen getroffen zu haben. Und dass Sie dann für diesen Beitrag zahlreiche Empfehlungen erhalten, zeigt mir, dass die Autoren mit ihrer Interpretation der "deutschen Gemütslage" genau richtig liegen.

    • Spez
    • 21. Juni 2012 19:57 Uhr

    dass es die Mehrzahl der Kommentatoren satt hat sich von anderen Leuten ihre Gefühlslage erklären zu lassen. Außerdem wer diese Modefans in übertriebener Fankluft, als Nationalisten bezeichnet, der überschätzt sie ein wenig. Ich schaue gerne Fußball und werte eine Mannschaft die fair und verdient gewonnen hat nicht ab, auch wenn es nicht meine ist. Abgesehen davon vertragen die Spanier Härte. Wer etwas anderes behauptet, hat noch kein Spiel von ihnen gesehen.

    Komisch übrigens, dass verschiedene Fangruppen zusammen feiern, aber das war wahrscheinlich nicht Teil der Studie? Wie wäre es wenn es mal ganz am Rande um Fußball gehen könnte und nicht permanent um Kriegsersatz, Völkerschlacht, Nationalismus, Euro-Krise....

  3. Als erstes alle Stöcke aus diversen Körperöffnungen entfernen.

    Ich stelle die gewagte These auf, dass während einer WM/EM nicht nur die Gewalttaten gegen Ausländer, sondern die Gewalttaten allgemein steigen, was sich durch erhöhten Bierkonsum in der Meute (Biergarten, Bar mit TV) erklären ließe.

    Ich freue mich auch wenn das deutsche Team gewinnt, dabei bin ich gar kein Deutscher. Was sagt denn das nun über meine psychische und "nationale" Befindlichkeit aus? Nächste gewagte These: Nichts.

    63 Leserempfehlungen
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    • schmok
    • 21. Juni 2012 11:07 Uhr

    Entfernt, da nicht zum Thema. Die Redaktion/sh

    • rfarr
    • 21. Juni 2012 11:16 Uhr

    daß der so mit Unterstellungen bedachte Bürger, Fußballfan und Steuerzahler die "hochwissenschaftlichen" Ausführungen von Frau Schediwy ebenso wie die einschlägigen Institute auch noch mit seinen Steuern subventioniert.

    "Gerade weil der Patriotismus negativ ist, also sich gegen andere richtet, werden die Deutschen so euphorisch, wenn Deutschland spielt."

    Wer wie die Dame nicht einmal den Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus kennt, sollte sich m. E. mit seinen Verlautbarungen zurückhalten.

    • schmok
    • 21. Juni 2012 11:07 Uhr

    Entfernt, da nicht zum Thema. Die Redaktion/sh

    Antwort auf "Was also tun?"
  4. Redaktion

    Hallo zusammen,

    angelehnt an eine Fußballerweisheit könnte man sagen: Ein Kommentar hat 1.500 Zeichen. Da lassen sich einige Argumente unterbringen. Meine Bitte an Sie: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und begründen Sie Ihre Meinung etwas ausführlicher. Schließlich wollen Sie doch andere Nutzer überzeugen.

    Beste Grüße
    Sebastian Horn

    20 Leserempfehlungen
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    Entfernt, kein konstruktiver Debattenbeitrag. Die Redaktion/sh

    Fußball ist und war immer ein *wir* gegen *die*. Nur haben es Europas Nationen heute nicht mehr so sehr nötig, offene (in der Regel historische) Rechnungen auf dem Fußballplatz zu begleichen. Griechenland ist da aus aktuellem Anlass die Ausnahme von der Regel.

    Die älteren werden sich vielleicht erinnern, wieviel Gift noch vor wenigen Jahrzehnten in Partien gegen Holland oder England lag. (Fußball-)Deutschland war in dieser Hinsicht vielleicht noch nie so entspannt wie heute.

    Im übrigen: In dieser alles verschlingenden Schwarz-Rot-Gold-Welle fallen die paar wirklichen Nationalisten doch gar nicht mehr auf. Von einer Bühne kann somit keine Rede sein. Dass diese sich im Schatten einer Meisterschaft mit ihren kruden Ansichten möglicherweise unsanktioniert äußern dürfen halte ich auch eher für ein Ventil als für ein Problem für die Mehrheitsgesellschaft.

    befragt, sondern Fans auf der Straße während der vergangenen drei Turniere. Und kommt zu dem Schluss: Um Party geht es den meisten nicht. ....““

    [...]

    Frau Dagmar Schediwy hat die Berichterstattung in den Medien untersucht
    der Buchtitel:

    “ Sommermärchen im Blätterwald - Die Fußball-WM 2006 im Spiegel der Presse “.

    Ein Auszug der Buchvorstellung:

    ““ ....In der ersten umfassenden Analyse der WM- Printmedienberichterstattung geht Dagmar Schediwy diesen Fragen auf den Grund. Dabei untersucht sie nicht nur die Mechanismen zur diskursiven Herstellung eines kollektiven Wir-Gefühls, sondern spürt auch Geschlechterstereotype in der Berichterstattung auf. ...““
    http://www.tectum-verlag....

    ““ Nicht nur in der Bild, auch in den sogenannten Qualitätsmedien wie der Süddeutschen Zeitung, der tageszeitung, Frankfurter Allgemeinen oder der Zeit wurde der deutsche Patriotismus des Sommers 2006 zu einem großen Teil positiv beurteilt und analysiert, obwohl sie weniger offensichtlich an der Produktion des Phänomens, das sie ....““
    http://ballesterer.at/akt...

    Bitte verzichten Sie auf unsachliche Vorwürfe. Danke. Die Redaktion/sh

    Hier ließen sich sogar noch wesentlich mehr Argumente unterbringen, die überzeugen könnten.

    Statt dessen muss man dumpfe Parolen a la "Gerade weil der Patriotismus negativ ist" lesen, die weder begründet noch ausgeführt werden. Das steht auch an einer Häuserwand in einer Großstadt, leicht abgewandelt als "Deutsch ist scheiße".

    Das wirklich schlimme an diesem Artikel ist, dass der Autor einen Extremismus unters Volks bringt ohne zu erkennen, dass seine Ansichten extremistisch sind. Anders ist die Ablehnung von Zusammengehörigkeit für andere nicht zu deuten. Er mag selbst kein Zugehörigkeitsgefühl für Deutschland verspüren. In Ordnung - aber wie kommt er dann darauf dass für andere Menschen als gefährlich zu brandmarken?

    Die vielen -ismus finden sich allesamt im Artikel wider, allesamt werden sie unreflektiert und einseitig gegen ein Gemeinschaftsgefühl gebraucht. Dass der Mensch ein soziales Wesen ist und daher die Bildung von Gruppen anstrebt, all das wird ohne Begründung als negativ dargestellt indem einseitig der implizite Gedanke der Abgrenzung von anderen Gruppen hervorgebracht wird.

    Im besten Fall kann sich der Autor noch herausreden wenn er behauptet, er wolle nur provozieren.
    Ansonsten bleibt nur ein radikal einseitiger Artikel. Patriotismus ist nicht negativ. Radikale Positionen allerdings sind es.

    Ich denke, ich habe damit mehr Argumente geliefert als der gesamte Artikel. Dafür will ich ein Fleißbildchen!

    Von Nazis wurde der Flaggenpatriotismus während der WM 2006 übrigens sehr kritisch gesehen.

    Zum einen hatte man ihnen damit ein Symbol aus der Hand genommen und auch eine Bühne - unter 20 Millionen Deutschlandflaggen fallen die 2000 von irgendwelchen Nazis einfach nicht mehr auf.

    Zum anderen handelt es sich ja eigentlich um die falsche Flagge ;-)

    werden die legendären Worte zugeschrieben: "Getretener Quark wird breit, nicht stark". Was auch und in besonderem Maße auf den Artikel zutrifft.

    Das waren jetzt sicher nicht genug Zeichen...

    • Afa81
    • 21. Juni 2012 12:24 Uhr

    "Schließlich wollen Sie doch andere Nutzer überzeugen."

    Nö.

    • PigDog
    • 21. Juni 2012 12:48 Uhr

    manchmal ist halt mit einem Satz alles gesagt... ;-)

    "In der Kürze liegt die Würze!"

    eine wirkungsvolle und aufschlussreiche Strategie sein, die eigene Meinung zunächst möglichst prägnant und weit vorne hinzuschreiben - um dann das, was als kritische Reaktion folgt, im einzelnen zu widerlegen.

    Ansonsten ist mir die Begrenzung auf 1500 Zeichen durchaus ein Begriff - mit der Einstellung, dass man diese ruhig ganz abschaffen könnte.

    Kritik ist und willkommen. Wir bitten Sie jedoch, auf Beleidigungen zu verzichten und Argumente und differenzierte Äußerungen beizutragen. Danke, die Redaktion/fk.

    Wenn Sie qualitativ hochwertigere Antworten haben wollen, dann sollten Sie einmal über eine Mindestlänge in Kommentaren nachdenken, statt den Kommentatoren nach 1500 Zeichen das Wort abzuschneiden. ;-)

    @Topic: Ich schau Fußball auch gerne per Public Viewing, feiere die Siege der deutschen Mannschaft frenetisch und stimme gerne in die Sprechchöre und Gesänge mit ein.
    Warum tue ich das? Weil ich ein Rudeltier bin, mich im Umfeld von vielen, ähnlich tickenden Menschen wohl fühle und es darüber hinaus ein tolles Gefühl ist, sich als Teil einer größeren Masse von Menschen stark zu fühlen, obwohl man das als Individuum in Wirklichkeit vielleicht gar nicht ist.

    Gleichzeitig besitze ich aber auch ein festes Wertefundament, in dem der Respekt vor dem sportlichen Gegenüber fundamental wichtig ist. So fand ich es ziemlich geschmacklos, wie in "Waldis Club" über die Griechen gelästert wurde und ich habe mich sehr geärdert, als im Frankfurter Waldstadion, wo der Radiosender "FFH" das Spiel Deutschland gegen Griechenland auf großer Leinwand gezeigt hat, der Moderator Felix Möse einfach über die griechische Nationalhymne hinwegmoderiert hat. Das war einfach nur respektlos.

    Keine Ahnung, ob man das nun Patriotismus, Nationalismus oder irgendwie anders nennt. Ist mir ganz ehrlich auch egal. Ich freue mich jetzt auf zwei tolle Halbfinals, in denen hoffentlich Spanien und Deutschland gewinnen, damit das Finale hoffentlich genauso hochkarrätig wird wie vor 4 Jahren in Österreich und der Schwe

  5. Alles nicht so eng sehen. Man kann ja froh sein, dass die Deutschen Ihre Kriege nur noch auf dem Rasen führen.

    7 Leserempfehlungen
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    • okmijn
    • 21. Juni 2012 12:31 Uhr

    dem ist seit Bosnien nicht mehr so. War da was in Afghanistan?

    8.8. "Was also tun?
    Alles nicht so eng sehen. Man kann ja froh sein, dass die Deutschen Ihre Kriege nur noch auf dem Rasen führen."

    Es handelt sich hier nicht um Krieg,sondern um ein Spiel.

    Solange Deutsche, aber auch alle anderen Staaten, sich nur auf dem Fussballplatz niedermachen, solls mir recht sein. Selbst die Hooliganstreitigkeiten erscheinen als ein kleiner Preis für das sonst ruhige Nebeneinander der Völker. Ich persönlich interessiere mich keine Bohne für Fussball und solange ich nicht zwangseingezogen werde um mitzuspielen, lasse ich den Leuten ihren Spass.

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