EM-Patriotismus : Meine gefährliche Liebe zu Deutschland

Farbe ins Gesicht, Trikot an und schon wird gegrölt. Seit 2006 ticken Deutsche bei WM oder EM aus. Doch um Party geht es vielen nicht, sie leben ihren Nationalismus aus.
Deutsche Fans in Berlin während der WM 2010 in Südafrika © Sean Gallup/Getty Images

Es war dieses Gefühl, das sich nur einstellt, wenn man wirklich etwas erreicht hat. Nur hatte ich gar nichts getan. Im Sommer vor zwei Jahren saß ich auf einer Holzbank und trank Bier. Auf der Leinwand vor mir hatte sich Bastian Schweinsteiger über links durchgedribbelt , in die Mitte auf Arne Friedrich geflankt und der hatte zum 3:0 gegen Argentinien getroffen, im WM-Viertelfinale. Ich war außer mir. Ich liebte diese Mannschaft. Ich liebte Arne Friedrich. Ich liebte mich. Und irgendwie liebte ich auch Deutschland.

Dabei ist meine Beziehung zu diesem Land eigentlich eine andere. Wenn ich eine deutsche Flagge sehe, spüre ich nichts, weder Stolz noch Scham. Ich finde auch nicht die Griechen doof, weil einige Griechen vielleicht gerade Deutschland doof finden. Selbst die Spieler der Nationalmannschaft sind mir im Bundesliga-Alltag eher egal.

Doch egal ob Rentner, Unternehmensberaterin, Polizist oder eben Journalist: Seit der WM 2006 ist das kollektive Austicken für einen Monat alle zwei Jahre Routine. Etwas Farbe ins Gesicht, das Deutschland-Trikot überziehen und schon darf gegrölt, gewedelt und gehupt werden. Und man darf auch mal sagen, dass man die Italiener noch nie abkonnte und die Spanier eh keine Härte vertragen.

Ist ja alles bloß Spaß, haben uns Leitartikler und Professoren seit 2006 immer wieder erklärt. Die Sommermärchen-Euphorie hätte nichts mit Nationalismus, sondern mit einem postmodernen Willen zur Massenparty zu tun. Die FAZ nannte es eine "Love-Parade in Schwarz-Rot-Gold". Und wenn überhaupt Patriotismus, dann ist er seit 2006 so "unverklemmt, heiter und weltoffen" ( Der Spiegel ), dass ihn selbst Charlotte Knobloch , ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, als "positiven Patriotismus" empfand.

Die Leute meinen es ernst

Alles also ganz harmlos? Das wollte auch die Berliner Sozialpsychologin Dagmar Schediwy für ihr Buch Ganz entspannt in Schwarz-Rot-Gold? wissen. Sie hat dafür nicht Professoren und Leitartikler befragt, sondern Fans auf der Straße während der vergangenen drei Turniere. Und kommt zu dem Schluss: Um Party geht es den meisten nicht. Es ist die Sehnsucht nach Gemeinschaft, die lockt. Von entspanntem Nationalismus kaum eine Spur. Die Leute meinen es ernst.

Spaß landete bei den von Schediwiy nach ihrer Motivation befragten Fahnenschwenkern auf dem letzten Platz. Es geht den meisten vielmehr darum, die Zugehörigkeit zu ihrem Land auszudrücken. Fast trotzig, weil man ja so lange nicht durfte. "Gerade Deutschland hat ja aufgrund der Geschichte Probleme damit deutsche Flagge zu zeigen, aber seit der WM im eigenen Land ist es so geworden, dass alle darauf stolz sind, Deutsche zu sein", sagte ein 25-jähriger Banker auf der Fanmeile in Berlin 2010. Eine Frau drückte es noch prägnanter aus: "Deutschland ist unser Land. Und auf sein Land ist man stolz".

Nationales Coming-Out

"Die Fußball-WM 2006 hatte den Charakter eines nationalen Coming-Out", fasst die Psychologin in ihrem Buch zusammen. Eine als natürlich empfundene, aber geächtete Identität werde nicht mehr verleugnet. Stattdessen werde sie nach außen gekehrt und positiv besetzt. Das sei aber erst möglich, seit die angesprochenen Medien das Zurschaustellen von Nationalgefühl nicht mehr tabuisierten, sondern begrüßten.

Nun könnte man fragen, was daran schlimm sein soll? Wenn es einen tabuisierten, aber anscheinend latent vorhandenen Nationalismus gibt, sollen ihn die Leute doch ausleben – zumindest solange sie nur Perücken aufsetzen und keine Menschen verprügeln. Doch Ersteres könnte irgendwann zu Letzterem führen, schreibt Schediwy.

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Kommentare

585 Kommentare Seite 1 von 74 Kommentieren

Es gibt keinen Schaden

solange die Deutsche Mannschaft erfolgreich ist. Was ich mir allerdings bei so einer zweifelhaften Torentscheidung wie bei ENG - UKR leicht vorstellen kann, sind x - hundert nationalbefreite Randalierer, die, patriotisch aufgeladen, in Warschau austicken und alles kurz und klein schlagen. Und schon ist das Bild vom fröhlichen Fussballfest im Eimer.
Und wir alle wissen, dass es im Fussball vor negativen Emotionen nur so wimmelt, egal ob auf Kreis- oder Bundesliga Ebene ist.

ich gröle auch-muss ich mich schämen?

hmmm keine ahnung, wir feiern die deutschland-spiele immer mit kumepsl, legen was auf den grill, bierchen, ne richtige fussballparty eben. wir grölen da auch mal ^^ aber ressentiments gegen ausländer? hätte ich den artikel nicht gelesen hätt ich mir darüber nicht mal gedanken gemacht, muss ich mich jetzt schämen, das wir so feiern in schwarz-rot-gold?

ps: beim letzten spiel haben wir latinos gesehen im supermarkt gesehen die waren auch in schwarz rot gold. und mein gott das war einfach geil^^

@ 1 Nationalismus

...ist eine völlig natürliche Geisteshaltung. Weder Briten, Dänen, Türken, Amerikaner, Spanier, Argentinier noch Russen kämen auf die Idee, sich ihrer Nationalität zu schämen. In Deutschland wurde jahrzehntelang Gehirnwäsche betrieben, um den Deutschen eine Ächtung ihrer Identität einzutrichtern. Damit ist jetzt Schluß: "Eine als natürlich empfundene, aber geächtete Identität werde nicht mehr verleugnet. Stattdessen werde sie nach außen gekehrt und positiv besetzt". Und so ist es auch gut.

Das ist aber keine grundliegende

Fremdenfeindlichkeit, sondern ne fußball-/gruppenpsychologische Sache und sonst nichts. Wenn Bayern gegen den HSV spielt, sind in dem Moment auch alle, die das Spiel verfolgen, für die eine und gegen die andere Mannschaft, bzw die anhängende Stadt. Nach dem Fußballereignis machen diese Gefühle jedoch wieder der grundliegenden, meistens wertneutralen Einstellung gegenüber dem Wohnort der gegnerischen Fans Platz.

Nein, ich finde, der Artikel betreibt Alarmismus, anstatt wirkliche, während der EM ansteigende Fremdenfeindlichkeit aufzuzeigen.

Geht es um gewalttätige Handlungen gegen ausländische Staatsbürger im Zusammenhang mit Fußball, so hat sich Deutschland seit der unrühmlichen Hooligan-Ausschreitungen in Frankreich 1998 wenn ich mich nicht irre sehr zurückgehalten.

Nun, ich meine nicht,

dass Nationalismus eine "völlig natürliche Geisteshaltung" ist. Weil man sich einem Land zugehörig fühlt, muss man noch nicht ein anderes grundliegend verachten. Im Vergleich zum Patriotismus tut Nationalismus dies. Allerdings ist dieser bei einem internationalen Fußballereignis an sich noch lange nicht gegeben. Es ist wie bei einem Sportfest in der Schule, auf dem man die Mannschaft der eigenen Klasse anfeuert und die der anderen gelegentlich schmäht - ohne diese im sonstigen Leben zu hassen.

schwachsinn

ich finde die Deutschen sollten das ausleben und genießen. Lasst die Kirche im Dorf, die Vergangenheit sollte uns nicht davon abhalten auf die positiven Seiten dieses Landes und seiner Geschichte stolz zu sein und Spass zu haben. Ich bin zwar nicht wirklich "deutsch" (ich komme nämlich aus der Türkei und lebe seit 13 Jahren hier) freue mich aber mit und male mir genauso rot-gold-schwarz ins Gesicht und hänge die Flagge ans Fenster!

Ich verstehe nicht wie sich ein Land selbst so erniedrigen kann? Anstatt die Vergangenheit zu vergessen, wird sie den Deutschen immer unter die Nase gerieben! Das sollte ein Ende haben!!!

Erst die intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in den Schulen und die ewige Erinnerung an die Schuld der Deutschen, bringt viele Junge Menschen dazu eine "Trotzreaktion" zu zeigen. Wenn man die Sache hätte ruhen lassen, hätten wir bestimmt nicht so viele Nazis.

solche feste...

machen das leben lebenswerter... ich will nicht in einer gesellschaft leben in der man keine solchen feste mehr feiert. und wer in der innenstadt wohnt muss sich dessen bewusst sein. man trifft sich nunmal nicht ausserhalb auf einem feld wo es niemanden stört um soetwas zu feiern. und heimwege sind nunmal auch nicht ausserhalb der stadt.

der "party patriotismus" tut wirklich niemandem weh.

wer direkt über eine disco zieht, darf sich auch nicht über das drum herum aufregen. gleiches gilt für innenstadt und hauptverkehrsachsen.

leider kein mitleid von mir!

ich werde trotzdem feiern und für meine nationalmanschaft fiebern.

@111 (Mr. Stringer)

Das stimmt so nun nicht. Nationalismus ist historisch eine verhältnismäßig neue Entwicklung. Leider ist das nicht möglich, aber wenn Sie jemandem im 17. Jahrhundert gefragt hätten, ob er stolz ist Deutscher zu sein, hätte der gar nicht gewusst, was Sie meinen. Niemand denkt von Geburt an "national", weil es irgendwie in seinen menschlichen Genen liegt. Außerdem bin ich fest der Überzeugung, dass es auch Briten, Dänen, Türken, Amerikaner, Spanier, Argentinier und Russen gibt, die sich in gewissen Momenten "ihrer Nation" schämen.

@ 226 Stimmt nicht.

Eine gern wiedergekäute Geschichtsklitterung. Ein paar Gegenbeispiele:

1. Was meinte wohl Martin Schrot in seinem Flugblatt im Jahre 1546 mit der "Teutschen Nation"?
Vrsprung vnnd vr=//sach diser Auffrur/ Teutscher Nation. // Das Lied mag man singen/ in // Bruder Veiten thon. //
Verfasser Schrot, Martin
Druckjahr 1546
Druckort Augsburg
Drucker Otmar, Valentin, 1546

2. Noch früher? Den „berühmtesten Maler in deutschen Landen“ nannte der Humanist Konrad Celtis (1459-1508) Albrecht Dürer. Was meinte er wohl mit den "deutschen Landen"?

3. Noch früher? Schon im 15. Jhd war der Begriff geläufig:
Das [Heilige Römische]Reich bildete sich im 10. Jahrhundert unter der Dynastie der Ottonen aus dem ehemals karolingischen Ostfrankenreich heraus. Der Name Sacrum Imperium ist für 1157 und der Titel Sacrum Romanum Imperium für 1254 erstmals urkundlich belegt. Seit dem späten 15. Jahrhundert war zeitweilig auch der Zusatz Deutscher Nation (lat. Nationis Germanicæ) üblich.

Aber Sie haben den Lehrstoff brav aufgesagt, dafür gibt es eine Redaktionsempfehlung.

Man fasst es nicht

"Ich verstehe nicht wie sich ein Land selbst so erniedrigen kann? Anstatt die Vergangenheit zu vergessen, wird sie den Deutschen immer unter die Nase gerieben! Das sollte ein Ende haben!!!"

Wenn man so etwas liest, dann ringeln sich einem wirklich die Zehnägel hoch.
Solche Worte zeugen von einer gefährlichen Euphorisierung der Menschen. Nationale, ausgrenzende und spaltende Gedanken werden so zu etwas Modernem und ach so Entspanntem.
Außerdem ist zu sagen:
1. Dass Deutsche aufgrund ihrer Vergangenheit besonders sensibilisiert sind, ist gut und notwendig.

2. Eigentlich haben die Nazis mit dem Thema gar nichts zu tun.

Doch, doch Mr. Stringer, was Ihr Vorredner „dasmonokel“

schreibt ist keine Geschichtsklitterung, sondern stimmt.

„Teutsch“ war die Bezeichnung für eine Sprachengruppe. Die Rede war eigentlich nie von dem „Deutschland“, sondern von die „teutsche Lande“, eben. Ein Flickenteppich diverser Fürstentümer, der Fürst berief sich nicht auf das „Volk“, sondern auf Gott. Das „heilige römische (!!!) Reich“ ging schon mal bis ins heutige Tschechien und Norditalien, ja Spanien gehörte zeitweise dazu. Der Zusatz "teutscher Nation" bezeichte keineswegs einen Staatsverband, sondern die Herkunft der Kaiser. Auch die einzelnen Fürstentümer wurden regelmäßig aufgrund fürstlicher Erbfolge zusammengewürfelt wie zerschnitten. Die sprachliche Verständigung bei weiter auseinanderliegenden Wohnorten war für die Normalos kaum möglich: Allemannisch vs. Niederdeutsch vs. Friesisch.

Wie sollte sich da ein Gefühl gemeinsamer Identität einstellen? Noch Anfang des 19. Jhd. wurde man als Zuwanderer nicht etwas „Preuße“, schon gar nicht "deutsch", sondern trat „in den preußischen Untertanenverband“ ein.

Zwar gab es gewisse Vorläufer, aber ein eigentliches Nationalbewusstsein konnte es bevor die Idee des Nationalstaates geschichtsmächtig wurde, unmöglich geben.

Zrück zum eigentlichen Thema:
Bei allem bleibe ich dabei: Im Bejubeln der Nationalmannschaft mag man meinetwegen auch eine Form des Patriotismus/Nationalismus sehen. Ein wichtiges Sprungbrett zu Fremdenhass und Kriegsbereitschaft ist das aber nicht, da muss sehr viel vorausgehen bzw. hinzu kommen.

der "party patriotismus" ist das Problem!

"der "party patriotismus" tut wirklich niemandem weh."

Doch genau der tut mir weh! Weil es einfach nur ein tumbes partygehabe ist und nichts mit der Symbolik der getragenen Farben zu tun hat!
Fragen sie mal auf irgendeiner Fanmeile herum ob diejenigen, die sich in Deutschlandfahnen hüllen, ihre Seitenspiegel damit ausstatten oder gar einen Deutschland-BH tragen noch wissen was die Farben denn bedeuten und wie der geschichtliche Hintergrund aussieht.
Oder schmiert man sich Schwarz-Rot-Gold nur ins Gesicht um sich der Masse an Fischen anheischig zu machen und einfach nur "ne voll fette Party" zu feiern?!
Das ist eher das Problem was ich darin sehe. Unsere Gesellschaft wird mit jedem Tag tumber und tumber. Und Mitbürger wie sie, die vom "party patriotismus" sprechen sind ein sehr gutes Beispiel dafür.

Vielen Dank...

...lieber Arthanis, für Ihre Aufmerksamkeit beim Lesen meines Kommentares.

Natürlich meine ich es so, wie ich es schreibe. Gerade die Überschrift sollte dem noch aufmerksameren Leser bewusst gemacht haben, dass es sich selbstverständlich um ein oktrojiertes "Opium" handelt, mit dem das Volk ruhig gehalten werden soll.

Was früher Gladiatoren waren, sind heute eben Fußballer - und sie treten dank zahlungskräftiger Sponsoren sogar wieder in "Arenen" auf. Am Hintergrund ändert das natürlich nichts. Aggressionen werden stellvertretend ausgelebt und Identität wird vor allem durch Abgrenzung gestiftet.

(Bengalische Feuer und Böllerschüsse lassen zudem die Assoziation mit Pferden, die durch Lärm für den Krieg desensibilisiert wurden, zu...)

mit solidarischem Gruß,
besorgter_mitbuerger

Die wollen nur spielen...?

"Analysen über "versteckten Nationalismus" den verklemmten Psycho-Fritzen überlassen, die müssen ja auch über irgendwas ihre "Doktor"-Arbeiten verfassen..."

Ach ja, und Fußballfans sind kein bischen agressiv, leben keinesfalls dumpfe Vorurteile aus, können mit Andersartigkeiten im eigenen Land prima leben und fühlen sich - natürlich! - keineswegs wie die Kings der Welt, anderen überlegen...

Tolle Sache das, dieser Kommentar oben hat die meisten Zustimmungen bekommen.

Was versuchen Sie mit ihrem Post...

nicht so alles hinein zu interpretieren? Ich könnte Ihnen zum Teil Recht geben, wenn Sie nicht so alles über einen Kamm scheeren würden. Was mich auch an diesem Artikel sehr stört, ist der Versuch mit "wissenschaftlicher" Argumentation, "alle" Leute, die sich bei diesen Veranstaltungen treffen und sichtbar ihre Freude haben, in die Dumpfbackenecke zu stellen!

Ein Tag ohne Spiel und schon muss die "Lücke" gefüllt werden!

Der Kommentar hat vermutlich die meisten Empfehlungen bekommen, weil er treffend ist.

Sicher sind nicht alle Fans aufgeschlossen und vorurteilsfrei gegenüber Fremden, sicher sind aber auch nicht nur Schlägertrupps und verkappte Nazis auf Fanmeilen unterwegs, wie Ihr Kommentar eindeutig impliziert!

Also die Kirche im Dorf lassen und feiern! Dauert ja nicht mehr lang.

Zur Lärmbelästigung: Ich wohne in der Nähe des Kirmesplatzes in meinem Dorf. Ich habe gerade als Nicht-Schütze Pfingsten hinter mir (inkl. Vogelschuss, auf- und abbauen der Kirmes und die Abende im Zelt). Das waren fast 4 Wochen Dauerlärm. Danach kam ein Zirkus auf die Wiese neben dem Kirmesplatz und deren Tiere haben sich auch nicht an die Nachtruhe gehalten. Da muss man eben durch.
Ja es kostet Nerven und ich bin sehr dankbar für die Ruhe, die ich jetzt nach Feierabend wieder geniessen kann. Anderen ihren Raum zum Feiern zuzugestehen ist aber eine Frage der Toleranz. Und die ist nunmal unabdingbar, wenn sich mehr als eine Person irgendwo aufhält.

Getroffen

>> Analysen über "versteckten Nationalismus" den verklemmten Psycho-Fritzen überlassen, die müssen ja auch über irgendwas ihre "Doktor"-Arbeiten verfassen... <<

Da scheint aber eine wissenschaftliche Studie ins Schwarze Ihrer Emotionen getroffen zu haben. Und dass Sie dann für diesen Beitrag zahlreiche Empfehlungen erhalten, zeigt mir, dass die Autoren mit ihrer Interpretation der "deutschen Gemütslage" genau richtig liegen.

Oder zeigt einfach,

dass es die Mehrzahl der Kommentatoren satt hat sich von anderen Leuten ihre Gefühlslage erklären zu lassen. Außerdem wer diese Modefans in übertriebener Fankluft, als Nationalisten bezeichnet, der überschätzt sie ein wenig. Ich schaue gerne Fußball und werte eine Mannschaft die fair und verdient gewonnen hat nicht ab, auch wenn es nicht meine ist. Abgesehen davon vertragen die Spanier Härte. Wer etwas anderes behauptet, hat noch kein Spiel von ihnen gesehen.

Komisch übrigens, dass verschiedene Fangruppen zusammen feiern, aber das war wahrscheinlich nicht Teil der Studie? Wie wäre es wenn es mal ganz am Rande um Fußball gehen könnte und nicht permanent um Kriegsersatz, Völkerschlacht, Nationalismus, Euro-Krise....

Nöö, eher meilenweit vorbei... ;-)

Fußball zählt eher nicht zu meinen Primärinteressen, und sollte ich tatsächlich irgendwann mal "Gefühle" für diese Verwaltungseinheit, deren mit meinem Abbild versehenes Eigentum ich in meiner Brieftasche herumtrage, entwickel, so bin ich selbstbewusst genug diese nicht zu verstecken.

ich amüsiere mich nur immer königlich wenn Menschen glauben, sie betreiben Wissenschaft. wenn sie mir erzählen, was in meinem Kopf passiert.

Und warum...

Vor hundert Jahren haben solche Menschen ihr täglich Brot auf Jahrmärkten verdient, und als Geschäftsausstattung genügte eine gläserne Kugel...

Endlich?

Endlich mal thematisiert? Lesen sie ggf. mal auch andere Zeitungen (!), zum einen ist ihnhaltlich nochmal die Stellungnahme (14.06.2012) der Grünen Jugend zum "Anti-Patriotismus"-Sticker aufgearbeitet bzw. kam schon am 15.06.2012 ein Artikel im Tagesspiegel zu raus: "Nationaltaumel zur Europameisterschaft: Werdet fahnenflüchtig" zudem findet sich ein Veranstaltungslink bei TAZ "Fußballnationalismus und die Krise" der Internationalen KommunistInnen vom 6.6.2012. Es wird also stark diskutiert.

Vom grünen Wohlstandskinde bis zur Extremen-Roten philosophiert man also über die Bösartigkeit des Fußballfans in Schwarz-Rot-Gold.

Gerade bei der EM ist eher ein positiver Patriotismus...

...zu beobachten. In Städten wie Frankfurt haben die Hälfte der Fans im Deutschland-Trikot irgendwie ausländische Wurzeln - ebenso die Spieler. Alle feiern zusammen. An einem Patriotismus, der alle miteinschließt, kann ich nichts Schlimmes oder Gefährliches finden. Er ist eher Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit.

Er unterscheidet sich ganz grundlegend vom völkischen Nationalismus, der in Deutschland nur noch von Parteien wie der NPD bedient wird.

Vor einigen Wochen thematisierte...

...in kleinem Rahmen einer vergleichenden Umfrage das Thema Nationalismus in den hauptlandern Eurolands. Dabei stellten sich die Deutschen als am stärksten nationalistisch heraus. Dass sie dann einem "Wir gegen Die" bei Fußball gegen Auslandsmannschaften entwickeln darf da nicht wundern. Umso mehr so, wenn man in Foren beobachtet wie geradezu feindlich die Reaktionen werden, wenn Betroffene im Ausland kritisieren, was die gleichen Nasen selbst "unter sich" kritisiert hatten.

Persönlich glaube ich nicht, dass das harmlos ist, zumal eine weit verbreitete Xenophobie sich dazu gesellt, wie eine andere Umfrage kürzlich belegte. Immerhin sagten 20%+, sie wurden Juden nicht mögen und die aussagen zu Griechen in letzter Zeit waren auch von Amtspersonen teilweise noch erschreckender als Türken- und Islamschelte, die kontinuierliche Hintergrundrauschen zwischenzeitlich ist.

@ 4. schön

Und wenn Sie schreiben:

"Es geht nur noch um diese triviale Spielart von Gemeinsamkeit, mit dem die Massen mobilisiert werden und der Instinkt der Herde auf eine völlig oberflächliche Art bedient wird. Ich kann´s langsam nicht mehr ertragen und würde mich freuen, wenn diese Bedürfnisse in Zukunft auch wieder feinsinnigere Formen annehmen dürften!"...

..darf man zufügen dass trotz allen Unterschiede, oder gerade deswegen, funktioniert das gleiche Modell mit gleicher Wirkung bei den "Gegnren".