Spanien - FrankreichFrankreichs blau-weißer Fußballkater

Mehr als das Viertelfinale war für die Franzosen nicht drin, schreibt unser EM-Pate Gero v. Randow. Von alter Stärke und Geschlossenheit ist die Mannschaft weit entfernt. von 

Enttäuschte Fans der französischen Mannschaft

Enttäuschte Fans der französischen Mannschaft  |  © Alessandro Bianchi / Reuters

"Wir sind keine Träumer", hatte Frankreichs Trainer das Spiel kommentiert. Laurent Blanc hätte das nicht nur auf die Nationalelf sondern auch die Nation selbst münzen können, die sich in den vergangenen Wahlmonaten im Spiegel beschaut hatte. Über das, was sie da sah, machte sie sich wenig Illusionen.

Und über ihren Fußball eben auch nicht.

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Bis zum Viertelfinale durchzuhalten, das war der Auftrag. Er wurde erfüllt, mehr schlecht als recht. Nach zwei Niederlagen, einem Unentschieden und nur einem Sieg bleibt die Lehre: Mehr war nicht drin. Fußball ist ein Mannschaftssport, und wie eine Mannschaft spielt, das zeigten gestern Abend anstelle der Franzosen die Spanier. Denen war klar, dass sie eine Klasse besser sind, und sie leisteten das Nötige. Das spanische Spiel schnurrte nähmaschinenartig dahin , und nur die eine oder andere Leichtfertigkeit der Roten, wenn sie denn mit den seltenen Momenten französischer Entschlussfreudigkeit zusammentraf, ließ die diesmal in Weiß spielenden Bleus gefährlich werden.

Auseinandersetzungen in der Kabine

Laurent Blanc hatte nach dem Debakel von Südafrika noch nicht genug Zeit, eine Mannschaft zu formen. Kein gemeinsamer Wille, kein anerkannter Chef: Selbst Franck Ribéry , der herkulisch ackerte und versuchte, die Mitspieler anzufeuern, gelingt diese Rolle nicht. Das Spiel mit seinem Offensivpartner Karim Benzema funktionierte höchstens im Ansatz.

Aber egal, Benzema zufolge habe man "gut gespielt", und so wollen es offenbar auch seine Teamkameraden sehen. Fast scheint es, als wollten sie die Wahrheit verdrängen, auch die außerhalb des Spielfelds. Da gab es wieder einmal Auseinandersetzungen in der Kabine, da möchte ein Hatem Ben Arfa nach Hause fliegen, weil er ausgewechselt wurde, und ein Samir Nasri wird unflätig, weil die Presse wissen will, was seiner Ansicht nach nicht geklappt hat. Mannschaftlicher Zusammenhalt sieht anders aus, und man merkt: Das Leben vieler Beteiligter spielt sich woanders ab, in den reichen europäischen Fußballvereinen.

Die Stimmung im französischen Fußball ist derzeit zu löchrig, dass sich nun allesamt munter ans Werk machen könnten, eines Tages ein Mannschaftsspiel wie das spanische oder das deutsche zu präsentieren. Wie sehr es am nötigen Optimismus fehlt, zeigte sich in der vergangenen Woche. Das Land trauerte um Thierry Roland, den legendären Sportreporter, der mit 74 Jahren gestorben war. Plötzlich rückte Fußballfrankreich noch einmal eng zusammen, erinnerte sich an bessere Zeiten, war nur noch national und hatte mit der globalisierten Fifa-Welt und ihren Millionen nichts zu tun.

Nostalgie eben. Sie wärmt. Aber sie schaut nur zurück. Nach vorn blickt Frankreichs Fußball zurzeit nicht. Er hat schlechte Laune und quengelt.

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Leserkommentare
  1. Gut zu spielen hat gegen die spanische Mannschaft der letzten 4 Jahre noch nie zum Erfolg verholfen.

    Man muss mindestens sehr gut Spielen, wie zuletzt, Chile in Südafrika, England im November 2011 (1:0 für England), Italien und Kroatien bei dieser EM, um gegen dieses System zu bestehen, besser es erst gar-nicht zu zulassen.

    Um als Sieger vom Platz zu gehen muss man brillant spielen, braucht es hohes Tempo und keine Mittelfeld-Kraftproben. Auch gestern zeigt vor allem die spanische Hintermannschaft ohne Puyol Ihre Schwächen- die Franzosen hatten nicht die Mittel, diese Schwäche, gerade beim Spiel gegen Italien sehr anschaulich, zu bestrafen.

    Man darf sehr gespannt sein, ob diese Spiel ohne Plan B, gegen bestens aufgelegtes Portugal besteht. Ich hab da so meine Zweifel.

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    • Biatt
    • 24. Juni 2012 11:02 Uhr

    Ich gebe Ihren Ausführungen in vieler Hinsicht recht, außer das ich keine großen Schwächen in der spanischen Hintermannschaft ausmachen konnte. Wieviele Tore haben die Spanier im Turnier bekommen? 1 gegen Italien?

    Aber besonders die Festellung, die Portugiesen seien bestens aufgelegt finde ich merkwürdig. Entweder ist es das beste was Portugal überhaupt spielen kann, dann wird das einfach für Spanien oder ich stimme Ihnen da nicht zu. Gegen die Weltmacht Tschechische Republik 1:0 zu gewinnne und vorher die diese EM größte Enttäuschung Niederlande hinauszuwerfen ist für mich kein Beweiß. Die Spanier sind bei dieser EM die Meßlatte. Auch die Deutschen werden das wohl noch erkennen müssen, da unser druckvoller Offensivfußball nur mit Ball funktioniert, den die Spanier eher selten hergeben.

    • TDU
    • 24. Juni 2012 10:41 Uhr
    2. Niveau

    Deutschlands Fussball ist z. Zt. der Einzige, der an Spaniens Konzept dran kommt.

    Frankreich kann so nicht. Aber Kompensation durch Einsatz mannschaftliche Geschlossenheit haben sie auch nicht drauf. Spanien hat 4 Dribbler, wo andere einen oder zwei haben. Spielen die Gegner dann so ängstlich wie Deutschland im Endspiel gegen Spanien bei der EM 2008 hat keiner eine Chance.

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    Es hätte sich Niemand beschwert, wenn Portugal gegen Deutschland gewonnen hätte..

    Dänemark war kurz davor mit ne Riesenchance zum 2:1 Deutschland rauszuwerfen (ganz enges Spiel)..Die Griechen spielen wie in der Kreisliga...

    Optimismus ist gut, but take care!

    Grüße
    Pitti Griffi Della Rovere - Azzurri Fan

    • Biatt
    • 24. Juni 2012 11:02 Uhr

    Ich gebe Ihren Ausführungen in vieler Hinsicht recht, außer das ich keine großen Schwächen in der spanischen Hintermannschaft ausmachen konnte. Wieviele Tore haben die Spanier im Turnier bekommen? 1 gegen Italien?

    Aber besonders die Festellung, die Portugiesen seien bestens aufgelegt finde ich merkwürdig. Entweder ist es das beste was Portugal überhaupt spielen kann, dann wird das einfach für Spanien oder ich stimme Ihnen da nicht zu. Gegen die Weltmacht Tschechische Republik 1:0 zu gewinnne und vorher die diese EM größte Enttäuschung Niederlande hinauszuwerfen ist für mich kein Beweiß. Die Spanier sind bei dieser EM die Meßlatte. Auch die Deutschen werden das wohl noch erkennen müssen, da unser druckvoller Offensivfußball nur mit Ball funktioniert, den die Spanier eher selten hergeben.

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    Portugal spielte in den ersten 2 Spielen der Gruppenphase praktisch ohne Ronaldo, man kann sogar sagen, Portugal hat sich trotz Ronaldo qualifiziert. Man denke an den jubelnden-Spieler-Berg über dem Siegtorschützen, beim 2:3 gegen Dänemark, als Ronaldo allein am Elfer liegend, wohl Profi genug, genau das realisiert hat, für mich eines dieser grossen Bilder dieser EM.

    Das er, zur nach oben offenen Grund-Form zurückgefunden hat, sich zurück in die Mannschaft gespielt hat, konnte man in den letzten 2 Begegnungen deutlich sehen.
    Er weiss, das er da was gut zu machen hat, er weiss was man von Ihm erwartet, und ich habe den Eindruck, parallel zu Gomez, nach 2 vergurkten Turnieren- da kommt noch einiges.

    Und sein Sie mal ehrlich, ohne Glück hätte die deutsche Mannschaft, die Portugiesische, die besser auf Deutschland eingestellt war, als umgekehrt, nicht besiegt. Sie erinnern sich, der abgefälschte Ball, der den Ausschlag gab.

    Liebe Grüsse

    zu Spanien.

    Das man aus deutscher Sicht, so es denn zu dieser Begegnung überhaupt kommt, den Spaniern wie zuletzt im Halbfinale in Südafrika beim Fussballspielen zuschauen muss und wird, steht doch eher nicht mehr zu befürchten. Dieser taktische Griff ins Klo, wird uns wohl erspart bleiben.

    Der Feind des öden tiki taka, ist das gezeigte perfekte zentrale Defensiv-Verhalten der Kroaten,- und die demonstrierte Tempoaufnahme der Italiener, in diesem Turnier.

  2. Portugal spielte in den ersten 2 Spielen der Gruppenphase praktisch ohne Ronaldo, man kann sogar sagen, Portugal hat sich trotz Ronaldo qualifiziert. Man denke an den jubelnden-Spieler-Berg über dem Siegtorschützen, beim 2:3 gegen Dänemark, als Ronaldo allein am Elfer liegend, wohl Profi genug, genau das realisiert hat, für mich eines dieser grossen Bilder dieser EM.

    Das er, zur nach oben offenen Grund-Form zurückgefunden hat, sich zurück in die Mannschaft gespielt hat, konnte man in den letzten 2 Begegnungen deutlich sehen.
    Er weiss, das er da was gut zu machen hat, er weiss was man von Ihm erwartet, und ich habe den Eindruck, parallel zu Gomez, nach 2 vergurkten Turnieren- da kommt noch einiges.

    Und sein Sie mal ehrlich, ohne Glück hätte die deutsche Mannschaft, die Portugiesische, die besser auf Deutschland eingestellt war, als umgekehrt, nicht besiegt. Sie erinnern sich, der abgefälschte Ball, der den Ausschlag gab.

    Liebe Grüsse

    Eine Leserempfehlung
  3. Es hätte sich Niemand beschwert, wenn Portugal gegen Deutschland gewonnen hätte..

    Dänemark war kurz davor mit ne Riesenchance zum 2:1 Deutschland rauszuwerfen (ganz enges Spiel)..Die Griechen spielen wie in der Kreisliga...

    Optimismus ist gut, but take care!

    Grüße
    Pitti Griffi Della Rovere - Azzurri Fan

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Niveau"
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    • TDU
    • 24. Juni 2012 12:27 Uhr

    Ein bisschen Fussbal mit seiner Tragik und seinem Glückmoment muss ja auch dabei sein. Wenn man das letze Auschcheiden gegen Italien vorhergesehen hat, spätestens in dem Moment als ein Italiener in den letzen Minuten dem Strafraum näher kam, wurde das doch deutlich.

    • napf90
    • 24. Juni 2012 12:42 Uhr

    Kroatien hätte eigentlich den Elfmeter kriegen müssen (eventuell sogar 2), der Spanien aus dem Turnier geworfen hätte. Italien-Spanien war - zugegeben - das beste Spiel des Turniers, aber ähnlich eng wie Deutschland-Portugal.
    Auch Spanien hätte sich nicht beschweren können, wenn es in der Vorrunde rausgeflogen wäre. Aber das ist nunmal das Wesen der EM: Es gibt kaum noch "kleine" Gegner.
    Souveräner als Deutschland ist Spanien sicher nicht aufgetreten. Welche Mannschaft besser ist? Wir werden es im Finale erfahren - oder auch garnicht; in 90 Minuten kann alles passieren.

    Deutschland war ja nur in einer EM-Gruppe mit Mannschaften, die zu Turnierbeginn in der Weltrangliste (also mit Argentinien und Brasilien dabei) auf den Plätzen 2, 4, 5 und 10 lagen. Innerhalb einer Gruppe in der Vorrunde!

    Und dann wird von Ihnen angemerkt dass tatsächlich die Nummer 5 gegen die Nummer 2 hätte gewinnen können? Was für eine Überraschung, damit hätte ja anscheinend niemand rechnen können.

    Fakt ist, dass Deutschland alle Spiele gewonnen hat. Und das auch ohne größere Fehlentscheidungen, was das Ganze dann auch aussagekräftig macht.

    Hoffentlich geht es auch so weiter.

  4. zu Spanien.

    Das man aus deutscher Sicht, so es denn zu dieser Begegnung überhaupt kommt, den Spaniern wie zuletzt im Halbfinale in Südafrika beim Fussballspielen zuschauen muss und wird, steht doch eher nicht mehr zu befürchten. Dieser taktische Griff ins Klo, wird uns wohl erspart bleiben.

    Der Feind des öden tiki taka, ist das gezeigte perfekte zentrale Defensiv-Verhalten der Kroaten,- und die demonstrierte Tempoaufnahme der Italiener, in diesem Turnier.

    3 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 24. Juni 2012 12:27 Uhr

    Ein bisschen Fussbal mit seiner Tragik und seinem Glückmoment muss ja auch dabei sein. Wenn man das letze Auschcheiden gegen Italien vorhergesehen hat, spätestens in dem Moment als ein Italiener in den letzen Minuten dem Strafraum näher kam, wurde das doch deutlich.

    • Erkos
    • 24. Juni 2012 12:37 Uhr

    Solche Unflätigkeiten, wie sie sich der Herr Nasri geleistet hat, gehören sich nicht! Was mir aber insgesamt furchtbar auf die Nerven geht ist, dass Fussballspieler vor Kameras und Mikrofone gesetzt werden und dann erwartet wird, dass auch noch das letzte Quentchen an Kleinigkeiten zum betsen gegeben wird. Mann oh Mann, die Leute sollen Fußball spielen und weiter nichts! Sie sind keine Moderatoren und auch keine Journalisten. Lasst sie einfach in Ruhe!

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  • Serie EM-Teams
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Frankreich | Spanien | Laurent Blanc | Fußball | Nationalelf | Presse
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