DFB-ElfHummels entdeckt die Zurückhaltung

Der eloquente Mats Hummels ist der beste Verteidiger der Liga. Bei Löw aber darf er erst spielen, seit er sich defensiv gibt. Auf und neben dem Platz. O. Fritsch, Danzig von 

Die deutschen Abwehrspieler Marcel Schmelzer und Mats Hummels

Die deutschen Abwehrspieler Marcel Schmelzer und Mats Hummels  |  © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Mats Hummels hob entschuldigend den Arm, als er zu Beginn gegen Portugal Manuel Neuer mit einem zu kurz geratenen Rückpass in einen Zweikampf lockte, bei dem der deutsche Tormann hart gefoult wurde. Für einen Moment geriet das deutsche Tor und der Start in die EM-Mission in Gefahr.

Es gibt Spielertypen, die machen Fehler aus Nervosität. Sie machen sich kleiner als sie sind. Für Hummels gilt das Gegenteil, er ist ein Spieler, dem Fehler deswegen unterlaufen, weil er sich zu viel zutraut. Bislang. Der Knochenball auf Neuer war Hummels' Übervorsicht geschuldet, die zu Beginn der Partie gut zu beobachten war, wie er selbst zugestand. "Wenn man noch kein Standing in der Mannschaft hat, ist es wichtig, sich erst mal etwas zurückzuhalten", sagte Hummels.

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Hummels wollte Fehler und Risiko unbedingt vermeiden, er fühlte sich auf Bewährung – und das nicht ohne Grund: Bis vor Kurzem war sein Einsatz unwahrscheinlich, Joachim Löw hatte im letzten Testspiel gegen Israel den lange verletzten Per Mertesacker eingesetzt. Diese Entscheidung kam nicht nur Hummels hart vor. Es war ein deutliches Zeichen, dass Löw an Hummels zweifelt.

Der verunglückte Rückpass blieb der einzige nennenswerte Fehler von Hummels im Auftaktspiel . Er merkte, dass Zurückhaltung gut ist, dass man aber auch sie dosieren sollte. Er gewann an Sicherheit, vermied Rückpässe und entdeckte zunehmend auch seine Stärke im Spielaufbau. Hummels unterlief fast kein Fehlpass, seine Vorstöße waren klug und gut gewählt.

Vor allem, und das ist selbst unter Joachim Löw noch immer das Wichtigste für einen Abwehrspieler, gewann Hummels alle wichtigen Zweikämpfe gegen Helder Postiga, Moutinho und Cristiano Ronaldo . Einmal rettete er spektakulär mit einem Flugkopfball. Hummels war einer der Gründe, dass Deutschland das Spiel gewann.

DFB ist nicht BVB

Er zeigte sich fast so stark wie in Dortmund , wo er manchmal in der Rolle des Spielmachers erscheint, wo er manchmal sogar als Innenverteidiger gedeckt wird. Wo er auch schon mal Roman Weidenfeller anfaucht, wenn der einen Ball ins Aus schlägt – eigentlich ein Tabu im Fußball. Hummels, der beste Abwehrspieler der Bundesliga, darf das.

Dass er diese Dominanz auch in der Nationalmannschaft an den Tag legen wollte, wurde dem zweifachen Deutschen Meister zum Nachteil. Hartnäckig hält sich etwa der Vorwurf, Hummels streue im Spielaufbau zu viele lange Bälle ein. Das ist er aus Dortmund gewohnt, aber bei Löw ist das untersagt. Im Testspiel gegen Holland im November hatte er einen dieser ungeliebten Pässe gespielt, in der 91. Minute, er landete im Aus. "Am nächsten Tag konnte ich das in den Zeitungen lesen," sagt Hummels.

Gegen Portugal schlug er zwei lange Pässe, beide kamen an.

Leserkommentare
  1. seine Meinung nicht herausposaunt ist teamfähig und darf mitspielen? Also sind die fetten Honorare der Spieler auch ein Stück Schweigegeld?

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    • wozie
    • 11. Juni 2012 18:42 Uhr

    Natürlich ist es das! Das ist Profisport auf allerhöchstem Niveau und da werden Probleme intern geregelt!

    dann spätestens am 1 Juli :-)

  2. Genauso wie in normaler Arbeitnehmer sich nicht in der Presse über seine Arbeit und seinen Arbeitgeber auslassen darf, darf das ein Fußballer auch nur in Maßen. Die Spieler bekommen ihr Gehalt dafür, dass die Fußball spielen und ihren Club in der Öffentlichkeit seriös repräsentieren.
    Wieso soll die Selbstverständlichkeit einen negativen Anstrich mit den Titel "Schweigegeld" bekommen? Man sollte vielleicht nicht alles negativ beurteilen.....

    • wozie
    • 11. Juni 2012 18:42 Uhr

    Natürlich ist es das! Das ist Profisport auf allerhöchstem Niveau und da werden Probleme intern geregelt!

    Antwort auf "Fazit, wer"
  3. ...da muss man schon mal Zurückhaltung bei der DFB-Süd-Mafia üben.

  4. Muss man unbedingt die Kopfhöhrer einer bekannten überteuerten Marke auf dem Bild sehen?

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    • 15thMD
    • 11. Juni 2012 19:36 Uhr

    ....Kleidung von Adidas auf jedem Bild sehen? Sauerei! Schaun Sie sich mal das VIdeo mit Mario Gomez an, überall Werbung. Das Bild im Artikel: Werbung für eine ziemlich schlecht wirtschaftende Bank. Ohne AddBlock: Werbung auf der Website.

    Sie stellen sich etwas an, meinen Sie nicht? Außerdem sind es nunmal die Kopfhörer, die fast jeder aus der Nationalmannschaft verwendet. Dann ist es kein Wunder, dass die mal auf einem Bild sind.

    • render
    • 11. Juni 2012 21:16 Uhr

    Eine andere bekannte deutschsprachige Zeitung, macht sich ja die Mühe, jeden Produktnamen weg zu editieren. Aber da ist der Sportteil noch langweiliger. Und so bescheiden der Sportteil in der Zeit ( online) auch ist, überrascht mich das, was dann geschrieben wird, auf der anderen Seite wieder durch seine Qualität.

    So bin ich auch hier ganz der Meinung des Redakteurs. Denn gerade in vergangenen Spielen hat sich Hummels, abgesehen von diesen langen Bällen immer wieder grobe technische Schnitzer erlaubt. Dem entgegen kommt seine dominante, charismatische und sympathische Art, die alle diese Fehler nach dem Spiel wieder weggewischt haben. Und so hieß es fast immer nach dem Spiel, wie toll doch Mats Hummels gespielt hat, auch wenn er sich da ein zwei Schnitzer erlaubt hat, die zum Gegentor oder einer hundertprozentigen Chance geführt haben. Aber sonst Weltklasse, wären da nur nicht die langen Bälle....

    Er hat streckenweise in der Nationalelf einfach nur schlecht gespielt und ich freue mich für ihn, dass er jetzt mal wirklich ein sehr gutes Spiel abgeliefert hat und er zurecht auch gelobt wird. Und wenn er so weiterspielt, darf er auch gerne der neue Kaiser werden. Aber bei der Leistung zuvor, gab es einfach bessere Spieler, auch wenn die meist aus Bayern stammen.

  5. dann spätestens am 1 Juli :-)

    Antwort auf "Fazit, wer"
    • Diplo
    • 11. Juni 2012 19:35 Uhr

    Sobald Ballack mehr mitreden wollte, durfte dieser auch nicht mehr spielen. Wer eine andere Meinung hat, der spielt halt nicht.

    "Aber es ist ja im Interesse des Erfolges und da ist dem DFB jede Struktur, die diesen bringt recht."

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    • dacapo
    • 11. Juni 2012 23:47 Uhr

    ...... nicht mehr? Alles schon wieder vergessen? Ansonsten lassen Sie sich nicht einschüchtern, seien Sie couragiert, sagen Sie was Sie wollen. Ihnen geht es besser, als den Spielern unter der Fuchtel des DFB. Man kann sie bedauern, die armen Spieler.

    • 15thMD
    • 11. Juni 2012 19:36 Uhr

    ....Kleidung von Adidas auf jedem Bild sehen? Sauerei! Schaun Sie sich mal das VIdeo mit Mario Gomez an, überall Werbung. Das Bild im Artikel: Werbung für eine ziemlich schlecht wirtschaftende Bank. Ohne AddBlock: Werbung auf der Website.

    Sie stellen sich etwas an, meinen Sie nicht? Außerdem sind es nunmal die Kopfhörer, die fast jeder aus der Nationalmannschaft verwendet. Dann ist es kein Wunder, dass die mal auf einem Bild sind.

    Antwort auf "Schleichwerbung"

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