André Schürrle"Die Nation lechzt nach einem Titel; wir auch"

Das Halbfinale reicht uns diesmal nicht, sagt André Schürrle im Interview. Er spricht über seine Konkurrenten und Sprints gegen die Laufrichtung der Abwehr.

André Schürrle klatscht Lukas Podolski ab

André Schürrle klatscht Lukas Podolski ab

ZEIT ONLINE: Herr Schürrle, welches war das erste WM-Turnier, an das Sie sich erinnern können?

André Schürrle: 1998 und 2000 hab ich bestimmt geschaut, aber bewusst wahrgenommen habe ich erstmals die WM 2002. Daran habe ich viele Erinnerungen, zum Beispiel an das Finale. Die Niederlage hat mir damals wehgetan.

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ZEIT ONLINE: Also haben Sie noch keinen Titel erlebt, anders als die meisten Jahrgänge und Generationen von Nationalspielern vor Ihnen. Spüren Sie trotzdem die Tradition der Nationalmannschaft?

Schürrle: Ja, ich spüre die Bedeutung, das war schon vor dieser EM so, jetzt vor dem Halbfinale erst recht. Die Nationalmannschaft ist in Deutschland das Wichtigste im Fußball. Und unser Team hat ja nun zum vierten Mal hintereinander bei einem EM- oder WM-Turnier das Halbfinale erreicht, das ist an sich schon ein großer Erfolg. Doch das Halbfinale reicht uns diesmal nicht. Die Nation lechzt nach einem Titel. Wir auch.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie Ihr Griechenland-Spiel?

Schürrle: Ich war zufrieden, war gut im Spiel drin, hab mit meinen Nebenleuten gut kombiniert ...

ZEIT ONLINE: … aber auch ein paar Fehlpässe gespielt, etwa vor dem Ausgleich der Griechen.

Schürrle: Das war ein unnötiger Ballverlust, das weiß ich. In diesem Team muss zwar niemand einen Fehler auf seine Kappe nehmen, aber ich trage eine Mitschuld am Gegentor.

ZEIT ONLINE: Schauen wir genauer hin! Gegen Griechenland hat der deutsche Angriff viel rotiert. Sie hielten jedoch oft die Position Außen und holten sich weiße Socken. Fühlten Sie sich manchmal randständig?

Schürrle: Nein, mein Spiel ist eher von außen nach innen, daher muss ich erst mal an der Linie bleiben. Ich ziehe gerne in die Mitte, aber das muss zur rechten Zeit passieren. In dem Spiel war Marco Reus oft in der Mitte, Mesut Özil sowieso. Dann bringt es nichts, wenn ich auch noch dorthin renne, dann würde ich den Raum nur verengen. Es ist dann mehr meine Aufgabe, das Spielfeld breiter anzulegen. Unsere Aufteilung muss stimmen.

ZEIT ONLINE: In der Mitte lassen sich aber leichter Tore schießen. Wann ist der Weg in die Mitte frei? Was sind für Sie die Signale?

Schürrle: Wenn Özil den Ball bekommt, Raum hat und das Tempo aufdreht, ziehe ich nach innen. Dann ist die Chance groß, dass ich von ihm angespielt werde. Wenn die gegnerische Abwehr beim Verteidigen zu meiner Seite hin verschiebt, starte ich oft gegen deren Laufrichtung. Dann werde ich eher frei. Das war gegen Griechenland nicht selten der Fall.

ZEIT ONLINE: Und aus der eigenen Verteidigung?

Schürrle: Wenn der linke Außenverteidiger, Philipp Lahm, breit und hoch steht, zieht der Außenstürmer eher in die Mitte. An der Außenlinie wäre er überflüssig. Oder wenn der linke Innenverteidiger, Holger Badstuber, den Ball führt und der Passweg frei ist, biete ich mich in der Halbposition an.

ZEIT ONLINE: Bekommen Sie und geben Sie Kommandos?

Schürrle: Nein, das muss ein Spieler sehen.

Leserkommentare
    • TDU
    • 27.06.2012 um 17:22 Uhr

    Momentan ist er als Joker am besten. Ich wünsche ihm das Siegtor.

    2 Leserempfehlungen
  1. seine Spieltaktik hier so naiv preisgeben?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    keine individuellen Taktiken sondern einfach Basics.

    keine individuellen Taktiken sondern einfach Basics.

  2. ....ohne zu klagen :-)

    das funzt auch - ich freie mich über guten Fußball und gönne anderen auch den Titel.

    Mags aber nicht wenn das ungerecht wird - gestohlen wird wie 1966 - da hab ich gelitten. Da habe ich lange reagiert - lerne klagen ohne zu leiden ;-)

    Denke - das wird schon klappen. Hatte ja - in der Vorserie und jetzt viel Spaß an den Jungs. Und den werde ich weiter haben. Bis Brasilien sinds nur noch zwei Jahre und eine Quali vorher.

  3. keine individuellen Taktiken sondern einfach Basics.

    Antwort auf "Muss er"

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