ZEIT ONLINE: Wie weit sind Sie?

Schewtschenko: Wir haben bereits für ein paar kleinere Revolutionen in den Massenmedien gesorgt. Bevor wir unsere Aktionen starteten, konnte man nackte Frauenbrüste nur nach Mitternacht im Fernsehen oder in Sexmagazinen für Männer sehen. Doch inzwischen haben wir den Frauenkörper legalisiert. Sie können Brüste heute in der Ukraine in Zeitungen oder zur Primetime im TV sehen.

ZEIT ONLINE: Was steht am Ende Ihrer Revolution?

Schewtschenko: Das Matriarchat, das hoffe ich doch.

ZEIT ONLINE: Wann ist es soweit?

Schewtschenko: Ich weiß es nicht genau, vielleicht 2017, genau hundert Jahre nach jener russischen Revolution, die die Zarenherrschaft beendete. Wenn es so weit ist, müssen wir kämpfen. Dann wird wieder Blut fließen. Die Revolution wird brutal.

ZEIT ONLINE: Wessen Blut?

Schewtschenko: Das der Männer.

ZEIT ONLINE: Ich möchte gar nicht gegen Sie kämpfen.

Schewtschenko: Vielleicht nicht gegen Sie, ich kenne Sie nicht. Aber gegen Putin, Lukaschenko, Typen wie Berlusconi und Platini.

ZEIT ONLINE: Sie müssen erfreut sein, dass die EM in der Ukraine stattfindet, so eine große PR-Bühne hatten Sie selten?

Schewtschenko: Ich bin nicht froh, dass es die EM gibt. Aber es stimmt, es ist für uns eine Chance, um auf die Probleme in der Ukraine hinzuweisen. Unser Land braucht Aufmerksamkeit von Europa. Wenn die EU nicht nach uns schaut, wird uns Putin ganz schnell schnappen, dann sind wir wieder ein Teil Russlands.

ZEIT ONLINE: Sind Sie mit Ihren bisherigen EM-Protesten zufrieden?

Schewtschenko: Vor dem Eröffnungsspiel in Polen haben wir oben ohne mit Feuerlöschern auf Fußballfans geschossen. Das war ein Erfolg.

ZEIT ONLINE: Wieso, Sie haben doch nichts verändert?

Schewtschenko: Doch, wir haben Aufmerksamkeit bekommen: RTL , Reuters, FP, AP, DPA – sie alle waren da und haben berichtet. Nachdem uns die Polizei eingefangen hatte, waren wir für acht Stunden auf der Wache. Aber für 500 Euro konnten wir alle vier wieder gehen.